Theater am Dom: „Honig im Kopf“ — Hintergründe und Informationen

„Honig im Kopf“ heißt die Geschichte um Amandus Rosenbach und seine Enkelin Tilda und sie ist sattsam bekannt. Honig im Kopf ist eine deutsche Tragikomödie von Til Schweiger aus dem Jahr 2014. Schweiger spielte eine der Hauptrollen, führte Regie und schrieb zusammen mit Hilly Martinek das Drehbuch. Die weiteren Hauptrollen sind mit Emma Schweiger und Dieter Hallervorden besetzt; in Nebenrollen sind unter anderem Jan Josef Liefers, Fahri Yardım und Tilo Prückner zu sehen.

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Von Kino zum Theater: Adaptionen und Bühnenfassungen

Til Schweiger lockte als Drehbuchautor (zusammen mit Hilly Martinek), Regisseur und Produzent und vor allem mit seinen Hauptdarstellern, Dieter Hallervorden als dementer Großvater Amandus und Emma Schweiger als Enkelin Tilda, sieben Millionen Besucher in die Kinos. Die Bühnenfassung des Filmdrehbuchs stammt von Florian Battermann. Ein Wagnis war es allemal, die personell üppig ausgestattete Filmgeschichte auf eine Bühne zu stellen. Vergangenes Jahr zeigte das Berliner Schlosspark Theater die Adaption von Florian Battermann als erstes Haus, am 31. März feierte die Fassung im Theater Partout Premiere - ein Fest im wahrsten Wortsinn, denn verschlankt zum Vierpersonenstück funktioniert die Tragikomödie in der Inszenierung von Uli Sandau wunderbar, vor allem, weil die Darsteller ihr ganz unprätentiös emotionale Tiefe verleihen.

Plakat oder Bühnenbild „Honig im Kopf“ Theaterinszenierung

Reduktion auf das Wesentliche

Autor Florian Battermann und der Regisseur René Heinersdorff haben die vielen Original-Film-Akteure auf vier Personen reduziert, neben Opa Amandus Rosenbach (mit knapp 80 sehr fit: Achim Wolff) gestalten sein Sohn Niko (Johannes Brandrup), dessen Frau Sara (Natascha Hirthe) und die Enkelin Tilda (Anne Bedenbender) die zu Herzen gehende Story. Die festliche Eröffnung erhielt ihren besonderen Glanz durch Bernhard Minetti, der die „Theaterprobe“ aus dem „Wilhelm Meister“ vortrug und mit einem Essay von Christopher Frey über „Zeitgenössisches Theater“ zur Premiere von „Ein Phönix zuviel“ vom selbem Autor überleitete. „Abziehbilder“ der Filmakteure werden allerdings nicht geboten. Allen vier Darstellern gelingt es, sich von der berühmten Vorlage zu emanzipieren - am staunenswertesten ist dies bei der erst 15 Jahre alten Johanna Martini zu sehen, der es gelingt, die tiefe Zuneigung der elfjährigen Tilda, ihre Fragen und ihren Kummer berührend glaubhaft zu spielen.

Die Handlung: Kernmotive und dramaturgischer Ablauf

Was tun, wenn die Alzheimer-Erkrankung des Großvaters das ohnehin korrodierende Familienleben mit jedem Tag stärker beeinflusst? Besorgt verfolgt die Familie von Niko mit, wie sein an Alzheimer erkrankter Papa Amandus mehr und mehr seine Erinnerung verliert. Der ehemalige Tierarzt Amandus Rosenbach leidet zunehmend unter Alzheimer. Weil Amandus Rosenbach seit dem Tod seiner Frau alleine nicht mehr klarkommt, nimmt ihn sein Sohn zu sich. So wenig begeistert Schwiegertochter über die neue Familienkonstellation ist, so herzlich begrüßt Enkelin Tilda den Opa und sie versucht, der fortschreitenden Krankheit zu trotzen. Einzig ein Venedigaufenthalt vor einigen Jahrzehnten, bei dem er seine Frau kennengelernt hatte, bleibt dem ehemaligen Tierarzt stets lebendig im Gedächtnis. Weil sie fürchtet, ihr Großvater könne ins Pflegeheim abgeschoben werden, büchst die elfjährige Tilda mit Amandus aus und macht sich auf den Weg nach Venedig.

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Schließlich soll eine Reise nach Venedig glückliche Erinnerungen hervorbringen. Die Reisebeginn per Auto endet nach wenigen Kilometern mit einem glimpflich verlaufenden Unfall, als Amandus eine rote Ampel ignoriert. Per Zug geht es bis Bozen, dort verlässt Amandus auf der Suche nach einer Toilette versehentlich den Zug. Seine Enkelin zieht die Notbremse und versteckt sich mit Amandus auf der Bahnhofstoilette, bis die sie verfolgenden Polizisten die Suche aufgegeben haben. Abends werden sie von der Reinigungskraft Erdal gefunden, er vermittelt den beiden eine Weiterfahrt nach Venedig per Schaftransporter. Als dieser von der Polizei angehalten wird, können Amandus und Tilda noch rechtzeitig vor ihrer Entdeckung von der Ladefläche fliehen. Sie finden Unterschlupf in einem Kloster. Die Oberin ist von der Geschichte der beiden so gerührt, dass sie Amandus und Tilda bis nach Venedig fährt. Tilda findet ihn am nächsten Morgen auf der Bank wieder, auf der Amandus vor vielen Jahren mit seiner Frau Margarethe gesessen hat.

Szene: Tilda und Amandus am Markusplatz (theatrale Darstellung)

Emotionale Höhepunkte

Seine Krankheit ist nun so weit fortgeschritten, dass er Tilda nicht mehr als seine Enkelin und „kleine Prinzessin“ erkennt. In diesem Moment werden die beiden von Niko und Sarah gefunden. Sarah beschließt, ihren Job aufzugeben, um mehr Zeit für die Pflege von Amandus zu haben. Amandus erfährt noch eine glückliche Zeit mit seiner Familie, bis er in Tildas Beisein an Herzversagen stirbt. Die Eltern heften sich an ihre Fersen und erleben selbst ein Abenteuer.

Inszenierung und Bühnenbild

Wie stets braucht es auch diesmal auf der kleinen Bühne an der Königstraße nicht viel an Ausstattung, um das Publikum in neue Vorstellungsräume zu entführen. Ein Regal, ein paar Hocker und Bänke skizzieren Wohnung eins und zwei, ein Zugabteil, den Markusplatz. Man vermisst nichts, im Gegenteil: Der Umzug des Großvaters zum Sohn, für den das schwarze Regal von rechts nach links transportiert und von hoch auf quer gestellt wird, macht die Umstellung im Leben der Familie Rosenbach geradezu greifbar. Stephan von Wedel hat eine genial einfache Bühne gebaut: zwei bewegliche Bücherregale, die von rückwärtig als kahle Wände, als Friedhofskapelle mit einem Kreuz und Bild der verstorbenen Oma, von vorne als Wohnraum und als Landschaft dienen; die Schauspieler schieben die Elemente selbst hin und her. Dazu ein Tisch mit einigen Stühlen und ein Autolenkrad.

Kleine Bühne, große Wirkung

Es ist also das gleiche Gerüst wie im Kino-Hit. Auf der kleinen Bühne funktioniert die Tragikomödie besonders gut, weil die Darsteller ihr ganz unprätentiös emotionale Tiefe verleihen. Die zierliche Anne Bedenbender, obwohl selbst schon knapp über 30, spielt diese Figur mit kindlichem Charme, mit Zöpfen, heller Mädchenstimme, berührend und auch erheiternd zugleich. Die erst 15 Jahre alte Johanna Martini gelingt die tiefe Zuneigung der elfjährigen Tilda, ihre Fragen und ihren Kummer berührend glaubhaft zu spielen.

Trailer oder Ausschnitt einer Theateraufführung von „Honig im Kopf“

Rezeption: Kinoerfolg, Kritik und Diskussion

In Deutschland erreichte Honig im Kopf 7,19 Millionen Kinobesucher. Damit ist die Komödie der erfolgreichste im Jahr 2014 gestartete Kinofilm und belegt den 6. Platz der erfolgreichsten deutschen Filme in der Bundesrepublik seit 1968. Das internationale Einspielergebnis liegt bei über 60 Mio. Volker Bleeck, Kritiker der TV Spielfilm, befand den Film als „berührend“. Obwohl die Story „etwas überkonstruiert“ sei, „berührt, unterhält und transportiert“ der Film „das schwierige Thema Demenz auf beeindruckend leichtfüßige Art“. Die Frankfurter Neue Presse bezeichnet den Film als „sehenswert“; unterm Strich sei Til Schweiger „die Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema bestens gelungen“. Rudolf Worschech von epd Film vergab 4 von 5 Sternen und bezeichnete Honig im Kopf als „warmherzigen Film über das Thema Alzheimer.\"

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Die Darstellung eines an Alzheimer Erkrankten wurde teils auch heftig kritisiert. Joachim Kurz von der Kino-Zeit bewertet Honig im Kopf als ein „echtes Ärgernis“ und kritisiert insbesondere die Deutsche Alzheimer Gesellschaft dafür, dass sie Schweigers Film Authentizität und einen realistischen Blick bescheinigte. Vielmehr betreibe „Schweigers Alzheimer-Schmonzette“ eine systematische Ausblendung der sozialen Wirklichkeit in Deutschland, bis hin zur Negierung derselben. Kritisch sah den Film auch Die Zeit: „Über die Geschichte des Kranken erfährt man am Ende so gut wie nichts, aber das in maximaler Sentimentalität, die nur von sich selbst ergriffen sein will.\"

Bühnenleben: Premieren, Übersetzungen und Aufführungsorte

Die niederdeutsche Erstaufführung feierte in einer Inszenierung von Frank Grupe am 2. Oktober 2016 Premiere im Ohnsorg-Theater zu Hamburg. Die Erstaufführung von Honig im Kopf in Österreich fand im April 2017 statt: ab 21. April im Waldviertler Hoftheater in Pürbach und ab 23. April in einer Produktion der Neuen Bühne Wien im Theater Center Forum in Wien. In der Schweiz wurde das Stück erstmals 2025 aufgeführt: ab 23. Mai in einer Produktion des Theater Altishofen in der Kulturhalle und ab 10. Die Bühnenfassung des Filmdrehbuchs stammt von Florian Battermann. Vergangenes Jahr zeigte das Berliner Schlosspark Theater die Adaption von Florian Battermann als erstes Haus, am 31. März feierte die Fassung im Theater Partout Premiere.

Theater am Dom: Historischer Kontext des Hauses

Der Stammbaum des Theater am Dom führt zurück bis in den Herbst des Jahres 1949. Eine Handvoll Schauspieler, gründeten im in Solingen das Westdeutsche Zimmertheater. Nach vielen Stationen in Köln fand das Theater, unter der künstlerischen Leitung von Hubertus Durek, dann 1957 erstmals eigenen eigenen Theaterraum an die Komödienstrasse/Burgmauer, wo das Westdeutsche Zimmertheater sich mit Blick auf den Dom umbenannte. Das war die Geburt des THEATER AM DOM. Es gab eine Bühne und 150 Sitzplätze. Eröffnungsvorstellung war „Ein Inspektor kommt“ von Priestley.

Das Theater etablierte sich mit seinem anspruchsvollen Spielplan und sorgte durch viele Ur- und Erstaufführungen dafür, dass es auch international bekannt wurde. Das Prinzip des Studiospielplans wurde angestrebt und umfasste aktuelles Zeittheater ... Aber auch avantgardistische und experimentelle Stücke von Ionesco, Vauthier, sowie Boulevardkomödien, Kabarettrevuen, Musicals und Kammeropern wurden gezeigt. Eine Leistung, der Anerkennung gebührt und die ihren Höhepunkt in der Eröffnung des Theater am Dom 1964 in der Schweizer Ladenstadt (heute Opernpassagen) hatte. Der Raum im neuen Haus bot 376 Zuschauern Platz und das Publikum konnte die Bühne von drei Seiten einsehen. Die Eröffnungspremiere wurde Peter Ustinov`s „Endspurt\".

Mit der Schaffung der Tribüne ergab sich die Möglichkeit auch wieder mehr junge Leute für Theater zu interessieren. So entstand die Sparte Kinder und Jugendtheater, welche mit dem Märchen „Frau Holle“ ihren Anfang nahm. Unter den damals noch relativ konservativen Theateraufführungen waren die „Originale“ Ende 1961 in der Regie von Karlheinz Stockhausen eine Sensation der Theaterpräsentation. Nicht zuletzt aber beruhte der große Erfolg des Theaters auf einem Kreis von erstklassigen Schauspielern die quasi ein festes Ensemble bildeten. Seit mehr als 60 Jahren werden hier im Theater am Dom erfolgreich Theater gespielt.

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Spielplan und Aufführungspraxis von „Honig im Kopf“ am Theater am Dom

Ein Theaterstück zu einem solch brisanten Thema wie Alzheimer, eine Krankheit, die manch einer bei Angehörigen leidvoll erlebt hat oder auch für sich selbst befürchtet, in ein Boulevardtheater zu bringen, könnte schwierig sein. Und das auch noch vor dem Hintergrund des mutigen Kinofilms, der trotz zahlreicher Bedenken dann doch sehr erfolgreich war. Vielleicht war deshalb die Premiere auch nicht ganz so voll wie üblich. Amandus, einstiger Lebemann und humorvoller Familienmittelpunkt, verliert nach dem Tode seiner Frau Margaret zunehmend die Orientierung, geht mit einem uralten Bikinibild zur Polizei, um eine Vermisstenanzeige aufzugeben und kann einfach nicht mehr alleine leben. Tilda erzählt dabei immer wieder den aktuellen Stand der Handlung, ein geschickter Kunstgriff. Aber auch im Haus seines Sohnes richtet Amandus Chaos aus, pinkelt in den Kühlschrank, enthauptet beim Heckeschneiden die Gartenzwerge und verwechselt bei der Gartenparty die Bedienpulte von Musik und Pyrotechnik.

Honig im Kopf war Til Schweigers Überraschungshit 2014/15, der in Deutschland gut 7,5 Millionen Besucher in die Kinos lockte. Die Dramödie um einen Opa, der mit den Frühstadien einer Demenz das Familienleben seines Sohnes durcheinanderbringt, vereinte traurige & lustige, nachdenkliche & amüsante Momente. Es ist die locker erzählte Geschichte einer Enkelin, die ihrem geliebten Opa helfen will, und dabei einiges durcheinanderwirbelt.

Praxis-Termine und Hinweise

„Honig im Kopf“ | R: René Heinersdorff | bis 15.7., 7x die Woche | Theater am Dom | 0221 258 01 53. Zu erleben ist noch bis Ende Juni mit „Honig im Kopf“ die hohe Kunst, aus den Bausteinen einer berühmten Vorlage ohne Trara ein neues, packendes Kulturgut zu kreieren. Tragikomödie um ein Mädchen, das ihren an Alzheimer erkrankten Opa auf eine Reise nach Venedig entführt. Von und mit dem Familienfilm-bewährten Til Schweiger.

Medium Form Bemerkung
Kino Film (2014) 7,19 Mio. Besucher in Deutschland, international >60 Mio. Einspielergebnis
Bühne Stück von Florian Battermann Reduktion auf 4 Personen; zahlreiche Inszenierungen (Schlosspark, Theater Partout, Theater am Dom u.a.)
Internat. Remake US-Remake (Head Full of Honey) Mit Nick Nolte; eingeschränkter Kinostart 2018 in den USA

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