Zucker bei Übelkeit: Was hilft wirklich?
Hochansteckende Magen-Darm-Grippen gehören weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Typische Symptome wie Übelkeit, Durchfall und Erbrechen können stark belasten. Viele Betroffene fragen sich, was sie bei einem Magen-Darm-Infekt essen können, um die Verdauung nicht zusätzlich zu belasten. Dieser Artikel beleuchtet, welche Rolle Zucker bei Übelkeit spielt und welche Alternativen es gibt.
Magen-Darm-Infekt: Symptome und Ursachen
Ein Magen-Darm-Infekt kommt meist ohne Vorwarnung, verschwindet aber in der Regel schnell wieder. Neben Übelkeit, Durchfall und Erbrechen treten häufig auch Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Fieber und Abgeschlagenheit auf. Ursache für Magen-Darm-Infekte sind oft Rotaviren. Die infektiöse Gastroenteritis wird zumeist entweder durch Viren oder durch Bakterien verursacht, deutlich seltener geschieht dies durch Parasiten.
Die hochansteckende Erkrankung tritt in der Bevölkerung sehr häufig auf: Ob durch Niesen und Husten, Händeschütteln oder die Nahrungsaufnahme - es gibt sehr viele Wege, über die die Erreger von einem Menschen zum nächsten gelangen und sich ausbreiten können. Bezogen auf die erwachsene Bevölkerung in Deutschland wird die Zahl der jährlichen Magen-Darm-Infekte auf fast 65 Millionen geschätzt. Eine Rotaviren-Impfung bietet Schutz.
Schonkost bei Magen-Darm-Infekt
So belastend die Symptome Durchfall und Erbrechen sind, so haben sie bei einem Magen-Darm-Infekt doch eine essenzielle Funktion: die Ausscheidung der krankheitsverursachenden Erreger. Daher ist es auch nicht sinnvoll, eine ein- bis zweitägige Durchfallphase durch stopfende Nahrungsmittel oder mit speziellen Medikamenten unterbinden zu wollen. Wenn Durchfall und Erbrechen nachlassen oder bereits aufgehört haben, ist das ein positives Zeichen. Das heißt aber leider noch nicht, dass der geplagte Magen-Darm-Trakt bereits wieder voll belastbar ist. In dieser Phase der Magen-Darm-Grippe ist es sinnvoll, den Körper mit Schonkost behutsam wieder an das Essen heranzuführen - natürlich auch, um nicht zu viel Gewicht zu verlieren und um den Körper gut mit Nährstoffen zu versorgen.
Geeignete Schonkost bei akuten oder ausklingenden Magen-Darm-Infekten sind gut verträgliche Nahrungsmittel, die den Verdauungsapparat nicht zusätzlich belasten. Dazu gehören:
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- Salzstangen und Laugenbrezeln
- Zwieback und Knäckebrot
- Reiswaffeln
- Gekochte Haferflocken
- Zerdrückte Bananen
- Gekochtes Gemüse, beispielsweise Möhrenbrei
- Gekochtes Geflügelfleisch
Nicht geeignet sind:
- Gegrilltes und fettes Fleisch, Wurstwaren
- Frittierte Zubereitungen wie Pommes frites
- Frisches, warmes Brot und generell Vollkornbrot
- Zuckerwaren wie Kuchen, Kekse, Eis etc.
- Kakao
- Milch, Milchprodukte, Käse, Ei
- Unverdünnte Fruchtsäfte
- Softdrinks wie Limonade und Cola
- Alkohol und Kaffee
Cola und Zucker bei Magen-Darm-Infekten: Ein Mythos?
Die Annahme, dass Cola bei Magen-Darm-Symptomen wie Übelkeit und Bauchschmerzen helfen kann, ist weitverbreitet. Stark zuckerhaltige Getränke können den Magen-Darm-Trakt jedoch zusätzlich belasten. Deshalb ist von dem Genuss von Limonaden oder unverdünnten Fruchtsäften abzuraten. Eine ursächlich heilende Wirkung hat Cola bei Magen-Darm-Infekten außerdem nicht.
Was trinken bei einem Magen-Darm-Infekt?
Bei Durchfall, Erbrechen und Appetitlosigkeit bringt es ohnehin zunächst nichts, sich zum Essen zu zwingen. Bei einer Magen-Darm-Grippe bieten sich vor allem die folgenden Getränke an:
- Kohlensäureloses oder zumindest kohlensäurearmes Mineralwasser
- Mit etwas Traubenzucker versehene Früchte- und Kräutertees (welcher Tee bei Magen-Darm-Infekten am besten vertragen wird, ist individuell unterschiedlich und nicht zuletzt auch Geschmackssache)
- Etwas leichter Schwarztee, verdünnt mit Mineralwasser und Orangensaft (sogenannte Drittelsmischung)
- Stark mit Wasser verdünnter Fruchtsaft
- Gemüse- oder Hühnerbrühe
- Gegebenenfalls ärztlich verordnete Elektrolytlösungen
Wichtig zu wissen: Bei Brechreiz sollten die Getränke nicht warm, sondern eher gekühlt und nur schluck- oder löffelweise zugeführt werden.
Magen-Darm-Infekt bei Risikogruppen
Zu einem medizinischen Notfall kann ein Magen-Darm-Infekt insbesondere bei Babys und Kleinkindern werden, wenn sie aufgrund des Durchfalls in kurzer Zeit viel Flüssigkeit verlieren. In einem solchen Notfall müssen Ärztinnen und Ärzte den Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten schnell und gezielt ausgleichen. Ältere Menschen und Personen mit geschwächter Immunabwehr gelten ebenfalls als Risikogruppe für einen schweren Verlauf einer Magen-Darm-Infektion. Bei allen Risikogruppen ist eine frühzeitige ärztliche Beurteilung der Symptomatik ratsam.
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Für ansonsten gesunde Erwachsene gilt im Falle einer Magen-Darm-Infektion: reichlich trinken, viel Ruhe und Schonkost.
Übelkeit bei Diabetes
Wer Diabetes hat, ist sicherlich schon mit Symptomen wie Übelkeit in Kontakt gekommen. Eine der unangenehmen Begleiterscheinungen von Typ 2 Diabetes ist Übelkeit. Fast jeder, der von der Erkrankung betroffen ist, hat Übelkeit schon mal erlebt. Die gute Nachricht: Es gibt viele Möglichkeiten, um die unangenehmen Auswirkungen auf dein Leben zu verringern. Also: Beginnen wir damit, der Übelkeit wirksam vorzubeugen und sie auf bestmögliche Art und Weise zu lindern.
Blutzuckerwerte und Übelkeit
Bei Diabetes dreht sich fast alles um die Blutzuckerwerte. Wie eingangs erwähnt, ist Übelkeit eine sehr häufige Begleiterscheinung von Typ 2 Diabetes. Auftreten kann Übelkeit bei Unterzucker (Hypoglykämie) oder Überzucker (Hyperglykämie). Befindet sich dein Blutzucker also nicht im erforderlichen Bereich, und es kommt häufiger zu hypo- oder hyperglykämischen Episoden, dann solltest du umgehend Rücksprache mit deinem Arzt oder deiner Ärztin halten. Er oder sie kann mit dir die korrekte Einstellung deines Blutzuckers besprechen und dir bei der Einstellung helfen. Wichtig zu wissen: Auch einige Medikamente, die zur Behandlung von Typ 2 Diabetes verabreicht werden, können Übelkeit auslösen. Meist geschieht dies nach Beginn der Einnahme eines neuen Medikaments. Es kann auch die Folge einer erhöhten Dosierung sein. Wenn du den Verdacht hast, dass deine Übelkeit durch Medikamente verursacht wird, solltest du deinen Arzt oder deine Ärztin aufsuchen. Schiebe deine Beschwerden nicht beiseite, indem du dir sagst, dass du dir keine Sorgen machen musst oder dass ein wenig Übelkeit unvermeidlich ist. Es ist wesentlich besser, mit dem Arzt oder der Ärztin ganz offen zu sprechen. Bei einer akuten Entgleisung des Stoffwechsels, der sogenannten diabetischen Ketoazidose, können neben anderen, sehr schweren Symptomen auch Übelkeit und Magenschmerzen dazu gehören.
Ernährung bei Übelkeit und Diabetes
Der wichtigste Aspekt ist, wie eingangs erwähnt, die korrekte Einstellung deines Blutzuckers. Zusätzlich spielt die Ernährung eine zentrale Rolle im Umgang mit Übelkeit. Um Übelkeit zu vermeiden, achte vor allem auf Folgendes: Am besten isst du Lebensmittel, die leicht und bekömmlich sind. Du solltest möglichst keine Fertigprodukte essen, sondern deine Speisen, wann immer möglich, selbst zubereiten. Dann kannst du selbst darauf achten, dass sie salz- und fettarm sind. Frittierte, fettige oder süße Speisen sollten vermieden werden. Durst solltest du mit Leitungswasser, Mineralwasser oder ungesüßtem Tee stillen. Für den Sommer ist dies ein tolles Rezept: Einige Blättchen von Minze oder Zitronenmelisse mit ein paar Scheiben Zitrone oder Limette mit ins Wasserglas geben.
Einkaufen und Kohlenhydrate
Es ist für dich wichtig, möglichst natürliche, unverarbeitete Lebensmittel zu essen. Stelle dir die Frage, ob deine Großmutter das Produkt kennt, das du gerade in deinen Einkaufswagen legen möchtest. Wenn nicht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um ein modernes, stark verarbeitetes Lebensmittelprodukt handelt. Leider sind diese Produkte oft weniger gut bekömmlich und beinhalten für dich das Risiko, dass sie Übelkeit auslösen können. Sie enthalten in der Regel Zusatzstoffe wie Salz, Zucker, Kohlenhydrate, Fett oder Konservierungsstoffe.
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Was Kohlenhydrate betrifft, so solltest du auf den Unterschied zwischen einfachen und komplexen Kohlenhydraten achten. Einfache Kohlenhydrate - dazu zählen Brot oder Nudeln aus Weizen - werden sofort ins Blut aufgenommen. Sie sind eine schnelle Energiequelle. Das heißt im Umkehrschluss aber, dass du anschließend schnell wieder Hunger bekommst. Komplexe Kohlenhydrate (Vollkornprodukte, Mais oder Haferflocken) hingegen sorgen dafür, dass du länger satt bist. Welche Sorten sind nicht-stärkehaltig und somit zu empfehlen?
- Artischocken
- Rosenkohl
- Brokkoli
- Zwiebeln
- Paprika
- Tomaten
- Zucchini
Du kannst deinen Arzt oder deine Ärztin oder aber deine:n Ernährungsberater:in nach einer vollständigen Liste fragen. Gesundheitsexpert:innen empfehlen, stark verarbeitete kohlenhydratreiche Lebensmittel und solche mit Zuckerzusatz zu meiden, wo immer es geht.
Essen im Restaurant
Essen im Restaurant ist etwas Wunderbares - und du musst auch in Zukunft keinesfalls darauf verzichten. Wichtig ist: Du solltest die Speisekarte genau durchlesen und notfalls nachfragen, wie Gerichte zubereitet wurden. Plane genug Zeit für den Restaurantbesuch ein, damit du langsam essen kannst. Hektisches Essen tut dir nicht gut. Bei Übelkeit kann es auch helfen kleinere Mahlzeiten zu essen, dafür aber häufiger. So verhinderst du ein Völlegefühl durch zu viel Essen, denn auch das kann zu Übelkeit führen. Frage ruhig, ob du das, was du nicht schaffst, mit nach Hause nehmen kannst. Vielleicht wirst du im Laufe der Zeit sogar feststellen, dass du durch kleinere Mahlzeiten und langsameres und bewussteres Essen ein vergleichsweise besseres Sättigungsgefühl hast.
Fettige Speisen vermeiden
Frittierte Speisen - allen voran: Pommes - sind unglaublich beliebt. Aber alles, was in Öl frittiert wird, nimmt auch viel Fett auf. Als Mensch mit Typ 2 Diabetes muss man wissen: Nach einem sehr fettreichen, kohlenhydrathaltigen Essen kann es noch Stunden später zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels kommen. Und genau das gilt es so gut wie möglich zu verhindern. Fettige Lebensmittel sorgen dafür, dass sich der Magen nur allmählich entleert. Denn Fett wird nur langsam vom Stoffwechsel verarbeitet und abgebaut. Das kann auch zu Bauchschmerzen und Übelkeit führen. Die fettigen Nahrungsmittel verbleiben also länger in deinem Magen.
Offener Umgang mit Übelkeit
Übelkeit ist eine Nebenwirkung, die vermutlich jeder Mensch mit Typ 2 Diabetes bereits erlebt hat. Für die Zukunft solltest du dich dafür entscheiden - solltest du dies noch nicht getan haben - offen mit der Erkrankung umzugehen, damit Freunde, Familie und Kolleg:innen wissen, was du durchmachst. Klar, das ist unangenehm für dich, es sollte dir aber nicht peinlich sein. Mach dir bewusst: Es ist nicht deine Schuld. Bis zu einem gewissen Grad ist es leider unvermeidlich, also nimm es hin, so gelassen wie möglich. Nach ein paar Minuten wird es dir höchstwahrscheinlich schon wieder etwas besser gehen. Denk daran, dass jede Krankheit mit Symptomen einhergeht, mit denen wir lernen müssen, umzugehen. Übelkeit und andere Magen-Darm-Beschwerden musst du nicht einfach hinnehmen.
Was hilft wirklich?
Entgegen der landläufigen Meinung ist Cola nicht das Wundermittel bei Übelkeit. Stattdessen sollte man auf Schonkost und ausreichend Flüssigkeit achten. Lauwarmer Tee mit etwas Zucker oder Honig kann beruhigend wirken, aber übermäßiger Zuckerkonsum ist kontraproduktiv.
Stephan Bernhardt, Facharzt für Allgemeinmedizin, empfiehlt, über den Tag verteilt viele kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen und nichts zu essen, was schwer im Magen liegt. Eine Magen-Darm-Infektion klingt bei gesunden Menschen innerhalb von drei Tagen ab.
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