Marmelade richtig erwärmen — ausführliche Anleitung zum Einmachen und Heißeinfüllen

Selbstgemachte Marmelade ist ein Stück Sommer im Glas: pralle Erdbeeren, tiefviolette Heidelbeeren oder aromatische Pfirsiche konservieren den Geschmack der Saison. Dieses ausführliche Kompendium erklärt Schritt für Schritt, wie ihr Marmelade, Konfitüre, Gelee und Fruchtaufstrich sicher und geschmackvoll einkocht, Gläser sterilisiert, die Gelierprobe macht und warum / wann Gläser nach dem Befüllen auf den Kopf gestellt werden sollten.

Grundprinzipien - was ihr unbedingt wissen solltet

Das Grundrezept für Marmelade / Konfitüre ist immer das gleiche: Obst, Zucker (oder Gelierzucker) und ggf. ein Spritzer Zitronensaft bzw. Alkohol und Gewürze. Step by Step mit vielen anschaulichen Fotos könnt ihr Marmelade, Konfitüre, Gelee und Fruchtaufstrich einfach selber machen.

  • Interessant zu wissen: Die Begriffe Konfitüre und Marmelade werden oftmals synonym verwendet. Streng genommen handelt es sich bei einem Marmeladen Rezept jedoch nur um einen Aufstrich aus Zitrusfrüchten.
  • Werden andere Obstsorten wie Aprikosen, Erdbeeren oder Kirschen verwendet, so spricht man von Konfitüre.
  • Je nach Frucht variiert der Pektin-Anteil: Manche Früchte (z.B. Stachelbeeren, Quitten, schwarze Johannisbeeren, Äpfel, Heidelbeeren, Zitrusfrüchte) haben von Natur aus einen höheren Pektin-Anteil und die Marmelade geliert viel einfacher.

Benötigte Utensilien

  • Schüsseln, Sieb, Marmeladentrichter, Einmachgläser mit Twist-off-Deckeln oder Weckgläser, ausreichend großer Topf, Schneidebrett, Küchenmesser, Küchenwaage, Kochlöffel, Schöpfkelle.
  • Diese Utensilien sollten sauber sein, um ein Verderben der gekochten Marmelade zu verhindern.

Vorbereitung des Obstes

Das Obst in der Regel zuerst waschen (außer ganz fragilen Beeren wie z. B. Himbeeren). Danach putzen. Nur reifes und unversehrtes Obst verwenden, schlechte Stellen entfernen. Die Früchte putzen (Stiele, Kerne oder Kernhaus entfernen). Größere Früchte etwas klein schneiden. Je nach dem, ob du größere oder kleinere Fruchtstücke in der Marmelade magst, schneidest du die Früchte in entsprechend große Stücke.

Rhabarber wird für eine Marmelade am besten geschält, wenn er nicht sehr jung und zart ist. Wir empfehlen auch Äpfel und Birnen zu schälen, damit die relativ harte Schale nicht in der Marmelade bleibt.

Geliermittel und Zucker: Auswahl und Verhältnisse

Der richtige Zucker ist hierbei besonders wichtig. Bei Verwendung eines anderen Zuckers im falschen Verhältnis, wird die Marmelade zu flüssig, da sie nicht richtig gelieren kann.

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  • Gelierzucker 1:1, 2:1 oder 3:1 - je kleiner der Zuckeranteil, desto fruchtiger, aber auch geringer die konservierende Wirkung.
  • Wenn „2:1“ auf der Packung steht, bedeutet das 2 Teile Früchte und 1 Teil Zucker. Bei einem Fruchtaufstrich von 3:1 ist es sogar noch weniger Zucker.
  • Kristallzucker + Gelierfix ist eine Alternative: mit normalem Zucker einkochen erfordert zusätzliches Geliermittel wie Pektin oder Gelierfix.
  • Als Ersatz für Zucker sind Honig, Ahornsirup, Agavendicksaft oder Xucker möglich - dann muss ein separates Geliermittel (Pektin, Agar-Agar) zugesetzt werden.

Praxis-Tipp zu Verhältnissen

Ich persönlich mag es sehr gerne besonders fruchtig und verwende Gelierzucker 3:1. Das heißt ich koche drei Teile Obst mit einem Teil Gelierzucker 3:1 auf. Allen anderen empfehle ich den Gelierzucker 2:1 zu verwenden. Für diejenigen, die es besonders süß wollen, gibt es Gelierzucker 1:1.

Gläser und Deckel sterilisieren

Die Marmeladegläser (mit Schraubdeckel oder Gummiring) spülen und im Wasserbad oder Backofen sterilisieren. Damit eingekochte Marmeladen gut haltbar sind ist gute Hygiene beim Kochen unerlässlich.

Wasserbad-Methode

  • Die Marmeladegläser werden in einen großen Topf mit kaltem Wasser gelegt. Auch Gummiringe und Schraubdeckel werden mitgekocht.
  • Das Wasser mit den Gläsern wird erhitzt und etwa 10 Minuten gekocht (Vorsicht: Keine Plastikdeckel verwenden!).
  • Nehmt die Gläser, Deckel und Ringe mit einer Zange oder einem Löffel aus dem heißen Wasser. Stellt sie mit Öffnung nach oben auf ein sauberes Küchentuch. Nicht abtrocknen, um keine Keime in die Gläser zu bringen!

Backofen-Methode

  • Den Backofen auf 140°C vorheizen. Die Marmeladegläser spülen und dann für etwa 15 Minuten im Backofen sterilisieren.
  • Die Gläser werden mit Handschuhen aus dem Ofen genommen und direkt mit der heißen Marmelade befüllt. Die Schraubdeckel oder Gummiringe müssen etwa 10 Minuten in heißem Wasser ausgekocht werden.

Marmelade kochen - Schritt-für-Schritt

Grundrezept Marmelade / Konfitüre:

ZutatMenge
Obst (geputzt)500 g
Zucker oder Gelierzucker 1:1500 g
Optional: Zitronensaft / Alkohol1 Spritzer
Gewürze (z.B. Zimt, Nelken, Vanille)1 Prise
  1. Früchte waschen, ggf. schälen und in Stücke schneiden.
  2. 500 g Obst und 500 g Zucker oder Gelierzucker 1:1 in einen Topf geben, verrühren und ggf. einige Stunden (oder über Nacht) marinieren lassen.
  3. Die Früchte mit dem Zucker in einem Topf unter Rühren zum Kochen bringen. Etwa 5 Minuten bei mittlerer bis großer Hitze sprudelnd kochen lassen. Dabei umrühren, damit die Masse nicht einbrennt.
  4. Den Schaum, der sich ggf. bildet, abschöpfen. Nach Geschmack Gewürze, etwas Zitronensaft oder einen Schuss Alkohol dazugeben, nochmals kurz aufkochen.
  5. Gelierprobe: 1-2 TL der heißen Masse auf einen vorgekühlten Teller geben. Wenn sie dickflüssig geliert, vom Herd nehmen. Falls nicht, 1 Minute weiterkochen oder Pektin/Gelierfix hinzufügen.
  6. Optional: Wer lieber eine gleichmäßigere Masse wünscht, kann die Marmelade pürieren. Optional: Bei Erdbeeren, Himbeeren oder Johannisbeeren kannst du die kleinen Kerne mit einem Sieb entfernen.
  7. Heiß in die ausgekochten Schraub- oder Weckgläser füllen. Der Glasrand sollte dabei sauber bleiben.
  8. Gläser sofort verschließen. Optional (siehe Notizen): Die gefüllten Gläser 1-2 Minuten auf den Deckel stellen, um diesen mit der heißen Masse zu desinfizieren. Dieser Schritt ist nicht notwendig und in manchen Fällen umstritten.
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Gelierprobe und Konsistenz

Mit einer Gelierprobe kann man sehen, wie fest die Marmelade nach dem Erkalten in den Gläsern wird. Dazu 1-2 TL der heißen Masse auf einen kalten Teller geben und kurz in den Kühlschrank stellen. Bereits nach wenigen Minuten sieht man, wie stark die Marmelade geliert. Je nachdem, ob sie flüssiger oder fester werden soll, fügt man Wasser oder Gelierfix/Agar-Agar hinzu.

Schäumen, abschöpfen und optische Qualität

Manchmal kann es sein, dass beim Kochen der Marmelade viel Schaum entsteht. Schaum kann die Farbe beim Lagern der Marmelade beeinflussen. Deshalb den entstandenen Schaum vor dem Abfüllen der Marmelade abnehmen. Dieser muss nicht entsorgt werden, sondern kann unter Joghurt gerührt oder als erste Kostprobe auf Brot gegessen werden. Manchmal hilft es auch, 2-3 Tropfen geschmacksneutrales Speiseöl (z.B. Sonnenblumenöl) beim Kochen unterzurühren, damit sich weniger Schaum bildet.

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Heißabfüllen und das kontroverse „Gläser auf den Kopf stellen“

Wenn die Marmelade fertiggekocht ist, muss sie heiß abgefüllt werden. Zum Haltbarmachen gibt es zwei verbreitete Vorgehensweisen:

  • Die klassische Methode: Heiße Marmelade in Gläser füllen, sorgfältig zudrehen und die Marmeladegläser kurz auf den Kopf stellen (1-3 Minuten). Dies dient dazu, auch den Randbereich und die Innenseite des Deckels durch die heiße Masse zu erhitzen und mögliche Mikroorganismen zu eliminieren.
  • Die moderne Sicht: Bei Verwendung von Gelierzucker (z.B. 2:1 oder 3:1) ist das Umdrehen oft überflüssig, da der Gelierzucker Konservierungsstoffe enthält. Routinierte Einkocher, die schnell arbeiten, können sich das Umdrehen sparen.

Warum also Umdrehen? Beim Heißabfüllen müssen das Einkochgut und der Kopfraum im Glas einmal über 80 °C erhitzt werden. Bei weniger routinierten Abfüllern kann das zum Problem werden, weil sie nicht schnell genug arbeiten. Wenn die Temperatur im oberen Bereich des Glases nicht hoch genug bleibt, können sich dort Mikroorganismen ansiedeln. Das kurze Umdrehen stellt sicher, dass auch der obere Bereich ausreichend erhitzt wird.

Wichtig: Die umgedrehten Gläser nie auf eine kalte Oberfläche stellen, sondern z. B. auf ein Handtuch legen. Länger sollten die Gläser allerdings nicht auf dem Kopf stehen, damit die Marmelade nicht beginnt, im Deckel zu gelieren.

Spezialfälle: WECK-Gläser, Alkohol, Fettige Füllungen

  • WECK-Gläser: Der Deckel der WECK-Gläser ist dick und meistens kalt. Deshalb wird empfohlen, sie nach dem Befüllen noch einmal bei 80 °C für 30 Minuten einzukochen.
  • Alkohol: Dieser kommt erst gegen Ende des Kochvorgangs in die Masse, da Alkohol bei hohen Temperaturen verfliegt. Er dient vor allem dem Geschmack.
  • Fettige Inhalte (z. B. Pesto): Flüssiges Fett kann Weichmacher aus ungeeigneten Dichtungen lösen - bei Marmelade ist das kein Problem, da sie kein flüssiges Fett enthält.
Warum-Gläser-umdrehen-beim-Marmelade-einkochen

Haltbarkeit und Lagerung

  • Marmeladengläser sollten dunkel und kühl gelagert werden und dann halten die Einmachschätze bis zur nächsten Saison; wenn gut eingekocht, mindestens 1 Jahr.
  • Je mehr Zucker verwendet wurde, desto länger ist die Marmelade haltbar, da der Zucker konservierend wirkt.
  • Angebrochene Marmeladen immer im Kühlschrank aufbewahren. Beim Herausnehmen immer einen sauberen Löffel verwenden, um Schimmelbildung zu vermeiden.

Tipps & Tricks aus der Praxis

  • Die Früchte vor dem Kochen mit dem Zucker „marinieren“ - am besten über Nacht; je länger desto aromatischer.
  • Die Früchte in kleinen Mengen verkochen (pro Topf ca. 3 kg), damit Farbe und Geschmack gut erhalten bleiben.
  • Nicht länger kochen als auf der Packung steht - hohe Kochzeiten zerstören Pektin und Aroma.
  • Bei Unsicherheit: Gelierprobe machen.
  • Beim Ausspülen der Gläser heißes Wasser verwenden, um Glasbruch beim Heißabfüllen zu vermeiden.
  • Deckel idealerweise neu verwenden; Deckel nach dem ersten Öffnen nie mehr 100 % dicht.

Alternative Geliermittel und Low-Sugar-Lösungen

  • Pektin: Natürliches Geliermittel aus Zitrusfrüchten oder Äpfeln; geliert bei entsprechendem Zucker- und Säuregehalt.
  • Agar-Agar: Pflanzliches Geliermittel (Alge). Etwa 3 gestrichene Teelöffel reichen für 1 kg Früchte - vorher mit Wasser anrühren.
  • Chiasamen: Trendlösung für Marmeladen ohne raffinierten Zucker; die Samen quellen und gelieren die Masse.

Häufige Fragen kurz beantwortet

  • Muss man Gläser sterilisieren? Ja - entweder im Wasserbad oder im Backofen. Alternativ können Gläser sehr sauber sein und vorgewärmt werden; der Rest erledigt die Hitze der Marmelade.
  • Kann jede Marmelade auch ohne Zucker gemacht werden? Ja, mit geeigneten Geliermitteln (Agar-Agar, Pektin, Chiasamen) und alternativen Süßungsmitteln.
  • Kann man gefrorene Früchte verwenden? Ja. Tiefgekühlte Früchte eignen sich sehr gut: gefroren abwiegen, auftauen lassen und den entstehenden Fruchtsaft mitverwenden.
  • Wie viel Marmelade kann man gleichzeitig kochen? Zutaten können maximal verdoppelt werden; größere Mengen verlängern die Kochzeit und verschlechtern ggf. Farbe und Gelierung.

Etiketten, Präsentation und Geschenkideen

Nach dem Abkühlen werden die Gläser beschriftet, damit ihr auch später noch wisst, welcher Inhalt im Glas ist und wann genau ihr die Konfitüre gekocht habt. Wir haben einige hübsche Etiketten für euer Marmeladen Rezept: Erdbeermarmelade, Himbeermarmelade, sowie viele andere Obstsorten wie auch Blankoetiketten zum Selberbeschriften, die ihr euch gratis downloaden und ausdrucken könnt. Damit sieht die selbstgemachte Marmelade gleich noch besser aus!

Etiketten-selbstgemachte-marmelade

Noch ein paar praxisnahe Notizen

  • Die Marmelade während dem Kochen unbedingt abschäumen und nicht länger kochen als auf der Packung steht, da sonst das notwendige Pektin seine Wirkung verliert und die Marmelade nicht mehr richtig geliert.
  • Perfekt wäre eine Marinierzeit des Obstes von 4 Stunden bis über Nacht bei 15-20°C.
  • Bei den letzten Gläsern kann die Temperatur im Glas leicht unter 80°C sinken; das Umdrehen hilft hier besonders Anfängern, Schimmelbildung zu verhindern.
  • Gefüllte Gläser nicht auf eine kalte Oberfläche stellen - Handtuch oder Holzunterlage verwenden.

Selber Marmelade zu kochen ist Mühe, aber auch Freude: Man kauft oder erntet frisches Obst, wäscht und putzt dieses und kocht die Marmelade bzw. Konfitüre ein. Mit diesen fruchtigen Schätzen ist gleichzeitig eine Basis geschaffen, mit der sich so allerlei Soßen, Eis und Desserts aufpeppen lassen.

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