Geschichte der Entdeckung und Verwendung von Kakao
Ein Schluck Trinkschokolade, ein Stück dunkler Tafel - und alles beginnt mit einer Bohne aus dem Regenwald. Wer Kakao versteht, erlebt mehr als Aroma und erkennt, was diese Bohne erzählt. Kakao trägt Geschichte in sich: alte Rituale, untergegangene Reiche, mächtige Herrscher und ferne Wege.
Ursprung und früheste Nutzung
Als Kulturpflanze findet Kakao in den Tiefen des Amazonas seinen Ursprung. Die Geschichte der Schokolade beginnt in Südamerika, wo der Ursprung des wild wachsenden Kakaos vermutet wird. Archäologische Funde, die 2018 im Südosten von Ecuador gemacht wurden, legen nahe, dass hier Kakao bereits 3300 vor Christus kultiviert wurde. Neue Untersuchungen im Hochland von Ecuador zeigen, dass Kakao hier schon seit etwa 5500 Jahren genutzt wird. Die Siedlung wurde vor etwa 5450 Jahren gegründet und bestand aus mehreren Gebäuden, die einen Zeremonialzentrum mit rituellen Herdstellen und mehreren Bestattungen umschlossen.
Fundstücke aus Santa Ana-La Florida in Ecuador in denen Kakaoreste wie etwa DNA, Stärkekörnchen und der für Kakao typische Inhaltsstoff Theobromin gefunden wurden. An 15 Keramikfragmenten ließen sich Stärkemoleküle der Kakaobohne mikroskopisch nachweisen. In 6 Gefäßen Proben entdeckten die Forscher und Forscherinnen Spuren des Biomoleküls Theobromin, das von der Kakaobohne stammt und ähnlich wie Coffein eine anregende Wirkung hat. Das Alter der Funde konnte mittels durchgeführter C14 Analysen (Radiokarbonmethode) auf 5450 bis 5300 Jahre bestimmt werden. Damit sind die Fundobjekte 1500 Jahre älter als die bisher frühsten Nachweise von Kakaoanbau in Mexiko.
Nach Ansicht der Experten und Expertinnen wurde der Kakao zunächst im oberen Amazonasgebiet domestiziert und im Alltag als Nahrungsmittel und bei religiösen Zeremonien genutzt. Von dort aus verbreitete sich der Kakaoanbau nach Norden bis nach Mittelamerika. In Mittelamerika war der Kakaobaum bereits vor fast 4.000 Jahren bekannt.
Olmeken, Maya und Azteken: Rituale, Medizin und Währung
Die frühesten Spuren führen zu den Olmeken. Die Olmeken waren die erste bekannte Hochkultur im heutigen Mexiko. Ab etwa 1500 v. Chr. im Gebiet des heutigen Mexiko nutzten sie Kakao bei zeremoniellen Handlungen. Funde aus den Siedlungsgebieten belegen jedoch, dass die Olmeken bereits 1.800 bis 1.000 v. Chr. ein Kakaogetränk zubereiteten. Die Bohnen wurden geröstet, gemahlen und mit Wasser sowie Gewürzen vermischt - ein kräftiges, schaumiges Getränk mit herb-würzigem Charakter, ganz ohne Zucker. Wenn Sie heute zu einer Tafel Schokolade greifen, hat Ihr Genuss seine Wurzeln in genau diesen Anfängen.
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Die Maya übernahmen den Kakao und führten die Tradition fort. Die Maya kultivierten den Kakaobaum, bauten ihn auf großen Feldern an und entwickelten Bewässerungssysteme, um möglichst ertragreiche Ernten zu erhalten. Die Maya entwickelten die Kakaozeremonie: Aus Kakaopulver, Wasser und Mais entstand ein nahrhafter Trank, der das Leben von der Geburt bis zum Tod begleitete. Getrunken wurde bei Festen, religiösen Feiern und politischen Treffen. Kakao galt als göttliche Gabe und besaß hohen Wert; Wandmalereien und Grabbeigaben mit Kakao-Motiven belegen seine Bedeutung. Die Aufschrift des Herstellers enthielt seinem Namen, eine Widmung für einen Gott oder eine Person, den Auftraggeber wie auch Form und Inhalt des Gefäßes.
In einem Gefäß, beschriftet mit der Glyphe "kakaw", fanden Archäolog*innen an der Innenseite einen dunklen Belag. Analysen ergaben, dass dieser Theobromin enthielt, ein Inhaltsstoff von Kakao; ein starker Hinweis darauf, dass es sich bei dem Pulver um Reste eines Kakaogetränks handelt. Dieser Kakao wurde zwischen 460 und 480 n.Chr. hergestellt. Die Maya nutzten Kakao auch als Allheilmittel; bei den Maya wurde die Kakaopflanze als Allheilmittel eingesetzt, unter anderem gegen Durchfall und Geburtsschmerzen. Die Kakaobutter dagegen wurde dank ihrer desinfizierenden Eigenschaften bei Entzündungen, Schuppen und Tierbissen aufgetragen oder als generelle Hautpflege eingesetzt. Außerdem wurde Kakao bei den Maya als ein Allheilmittel genutzt, das bei Durchfall, Masern oder Geburtsschmerzen zum Einsatz kam.
Im Aztekenreich stand Kakao für Stärke, Reichtum und Ordnung. Die Azteken machten aus der Geschichte des Kakaos eine Geschichte der Schokolade. Kakaobohnen wurden bei den Azteken auch als Währung genutzt. Vor allem Tributzahlungen von unterstellten Provinzen wurden in Kakaobohnen und Trinkgefäßen an die Hauptstadt geleistet. Die Handelsrouten, auf denen der Kakao in die mexikanische Hochebene transportiert wurde, wurden besonders bewacht. Da Kakaobohnen auch Zahlungsmittel waren, wurden ihre Lagerhäuser streng bewacht. So kostete etwa ein Truthahn 200 Kakaobohnen, ein Hase 100 Kakaobohnen und eine Avocado zwischen ein und drei Kakaobohnen. Die Mischung aus Kakao, Chili und gemahlenem Mais wärmte, stärkte und belebte - und blieb in religiösen Zeremonien eng mit dem Glauben verknüpft.
Kontakt mit Europa: Kolumbus, Cortés und die Einführung in die Alte Welt
Der erste Europäer, der die Kakaobohnen kennenlernte, war Christoph Kolumbus im Jahre 1502. Bei der Mayakultur in Honduras soll der portugiesische Seefahrer Christopher Columbus (um 1451-1506) bei seiner vierten Seereise dem ihm ungewohnten Kakao-Getränkt begegnet sein. Er begegnete auf seiner vierten Amerikareise einem Handelsschiff der Maya: „Ihr Schiff war mit mancherlei Waren beladen, bunten Stoffen aus Baumwolle, Geräten und Waffen aus Kupfer, tönernen Gefäßen, und außerdem führten sie eine Art Mandel bei sich.“ Diese Mandeln waren Kakaobohnen. Aber erst der Eroberer Hernán Cortés nahm das Kakaogetränk zu sich. Christoph Kolumbus bringt den Kakao aus Amerika mit. Doch keiner weiß etwas damit anzufangen. Erst Hernán Cortés bringt 1528 mit dem Kakao auch seine Zubereitung mit.
Das Kakaogetränk war unter den spanischen Siedlern in Mesoamerika bereits weit verbreitet, als es im 16. Jahrhundert den Weg nach Europa fand und ab dem 17. Jahrhundert innerhalb des europäischen Adels der Alten Welt fest etabliert war. Der erste belegte Nachweis, der besagt, dass der Kakao in Europa landete, stammt aus dem Jahr 1544. Adlige in Europa begannen im 17. Jahrhundert das Getränk zu konsumieren. Spanische Eroberer brachten Bohnen, Gefäße und Wissen mit. In den Adelshäusern wandelte sich die Zubereitung: Man süßte mit Zucker, verfeinerte mit Zimt oder Vanille und servierte heiß. So entstand ein Modegetränk für wohlhabende Kreise.
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Verbreitung in Europa, Handel und soziale Folgen
Durch regelmäßige Kakaolieferungen um 1700 und die Auflösung des spanischen Kakaomonopols durch den Anbau in anderen europäischen Kolonien verbreitete sich der Kakao von Spanien aus in den Adelsschichten der anderen europäischen Länder. Die aristokratische Einführung des Luxusgetränks erfolgte ab 1615 am stilbildenden französischen Fürstenhof und während des 17. und 18. Jahrhunderts. Heißgetränke waren in Europa in dieser Zeit etwas Exotisches und Außergewöhnliches. Der europäische Adel zelebrierte das Trinken von Schokolade durch die Zugabe von Zucker und bekannten Gewürzen wie Zimt und Anis vor allem im familiären Kreis. Darüber hinaus entwickelten sich diverse Gefäße und Service, die speziell dem Konsum des Kakaogetränks dienten. Mit der weiteren Eroberung Amerikas gelangte der Kakao aus den Gebieten Mexiko, Guatemala, Brasilien, Venezuela und Ecuador auch in die heutigen Staaten Französisch-Guayana, Surinam und auf die Karibischen Inseln.
Durch die enorme Nachfrage in Europa kam es zu Engpässen in der Kakaolieferung. Eroberungskriege, Zwangsarbeit und die Einschleppung von Krankheiten dezimierten die Zahl der indigenen Bevölkerung Mesoamerikas enorm. Um den Arbeitskräftemangel auszugleichen, wurden innerhalb von 350 Jahren zwischen 15 und 20 Millionen Menschen vom westafrikanischen Kontinent nach Amerika gebracht und dort auf (Kakao-)Plantagen versklavt. Über den atlantischen Dreieckshandel wurden fertige Güter wie etwa Waffen und Werkzeuge nach Westafrika geschifft und dort gegen versklavte Menschen eingetauscht, die wiederum auf den Zucker-, Kakao-, Indigo- und Tabakplantagen in Amerika arbeiten sollten. Von den Erträgen dieser Ernten profitierten hauptsächlich die Kolonialmächte.
Industrielle Revolution und technische Innovationen
Im Laufe der Zeit änderte sich auch das Wort des Getränks und wurde zu „chocolatl“ und später zu „chocolate“. Bis zum 19. Jahrhundert veränderte sich die Herstellung des Schokoladengetränks nur geringfügig. 1819 setzten der französische Schokoladenhersteller Pelletier und die englische Firma Joseph Fry die erste Dampfmaschine bei der Schokoladenherstellung ein. Hierdurch wurde die Geschichte der Schokolade untrennbar mit den Errungenschaften der Industrialisierung verknüpft. Die Geschichte der Schokoladenherstellung ist reich an bahnbrechenden technischen Errungenschaften, die ihre Produktion revolutionierten.
Im Jahr 1811 machte Poincelet einen wichtigen Schritt vorwärts, indem er den Mélangeur entwickelte. Dieses Gerät ermöglichte es, Kakaomasse und Zuckeranteil effizient zu vermischen und trug wesentlich zur Verfeinerung der Schokoladenmasse bei. Ein weiterer Meilenstein folgte 1828, als der holländische Chemiker Van Houten die Kakaobutterpresse erfand. Die industrielle Produktion von Schokolade wurde 1846 durch die Konstruktion der Eintafelanlage durch den Techniker Daupley verbessert. Zum ersten Mal konnte Schokolade in einheitlicher Größe und in größeren Mengen produziert werden. Nur ein Jahr später, 1847, brachte das englische Unternehmen Fry & Sons die erste feste Essschokolade auf den Markt. 1873 Schweizer entwickelt das Conchier-Verfahren und die Milchschokolade. Im Jahr 1873 leistete das deutsche Unternehmen Stollwerck einen bedeutenden Beitrag zur Verbesserung der Schokoladenqualität, indem es den Fünfwalzenstuhl konstruierte. Die Herstellung von Milchschokolade wurde 1875 durch den Schweizer Daniel Peter revolutioniert, der das von Henri Nestlé entwickelte Milchpulver verwendete.
Im Jahr 1819 setzten der französische Schokoladenhersteller Pelletier und die englische Firma Joseph Fry die erste Dampfmaschine bei der Schokoladenherstellung ein. Im Jahr 1873 leistete das deutsche Unternehmen Stollwerck einen bedeutenden Beitrag zur Verbesserung der Schokoladenqualität, indem es den Fünfwalzenstuhl konstruierte. Die Schokoladenhersteller entwickelten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein breites Angebot an Schokoladen, die sich in vier Kategorien einteilen ließen: einfache Schokolade, aromatisierte Schokolade, stärkehaltige Schokolade und medizinisch-pharmazeutische Schokolade. In der medizinisch-pharmazeutischen Schokolade wurden medizinische Wirkstoffe, wie Irisches Moos, Eisen oder Quecksilber gegen Halsschmerzen, Blutarmut oder Syphilis mitverarbeitet und sie wurde vor allem in Apotheken verkauft.
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Vom Luxusgut zum Massenprodukt
Ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte der Kakao auch die Kolonien in Westafrika und Asien. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts fand das Schokoladengetränk langsam Einzug in das vornehme Bürgertum. Bis zum 19. Jahrhundert veränderte sich die Herstellung des Schokoladengetränks nur geringfügig. Im 19. Jahrhundert ist es das „Jahrhundert der Schokolade“. Mit der industriellen Kakao- und Zuckerherstellung und -verarbeitung zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Schokolade zunehmend erschwinglicher. Im 19. Jahrhundert wurde aus dem Getränk zunehmend feste Schokolade: Trinkschokolade verlor langsam an Bedeutung, dafür genoss man Schokolade in fester Form.
Das erste Schokoladencafé eröffnet 1657 in London. 16 Jahre später wird in Bremen erstmals öffentlich Kakao als Getränk ausgeschenkt. Erst im 18./19. Jahrhundert wurden größere Mengen von Kakaobohnen in Bremen gehandelt. Da sie sehr teuer waren, konnten sich zunächst nur reiche Adlige Schokolade leisten. Die Konsum- und Handelsentwicklung führte dazu, dass der Konsum bzw. der Handel von Kakao steuerpflichtig, staatlich kontrolliert und konzessioniert wurde. Dennoch eröffneten diverse Kaffeehäuser und Schokoladenstuben, die zu zentralen Treffpunkten und Stätten des Austausches wurden.
Im Jahr 1914 gibt es 180 Schokoladenfabriken in Deutschland. Der Schweizer Robert Victor Neher erfindet die Alufolie und revolutioniert damit die Verpackung und den Transport von Schokolade. Die beiden Weltkriege verändern die Schokoladenproduktion in vielen Ländern. Die moderne Geschichte der Schokolade beginnt im Zweiten Weltkrieg. Die deutsche Schokoladenindustrie produzierte fast ausschließlich für die Armee. Kakao als Notration und Stärkungsmittel wurde ständig mitgeführt. Seit dem letzten Kriegsende hat sich Schokolade stetig zum Massenprodukt entwickelt. Industrialisierung und Globalisierung haben die Preise fallen lassen.
Wirtschaft, Marktstruktur und soziale Herausforderungen
Heute wird der weltweite Schokoladenmarkt nur von wenigen großen internationalen Unternehmen beherrscht. Zu den größten Konzernen der Kakaoverarbeitungen gehören Barry Callebaut (Schweiz), welches selbst keine Endprodukte herstellt, sondern andere Hersteller beliefern sowie Cargill und Olam International. Zu Europas Schokoladenmarktführern zählen Mars Incorporated, Ferrero, Mondelez International, Nestlé sowie Lindt & Sprüngli.
Die weltweite Erntemenge von Kakao wird im Jahr 2023/24 auf 4,45 Millionen Tonnen geschätzt, wobei allein Côte d’Ivoire mit 1,8 Millionen Tonnen dazu beiträgt. Doch auch im Kakaosektor sind die Folgen des Klimawandels spürbar. Zunehmende Extremwetterereignisse in den Anbauländern, wie Dürren und Überflutungen haben 2023/24 zu erheblichen Ernteeinbußen geführt, wodurch die Rohstoffpreise für Kakao um knapp 60 Prozent gestiegen sind. Unter den Ernteverlusten und starken Preisfluktuationen leiden neben der Industrie auch viele Kleinbäuer*innen, deren Lebensunterhalt vom Verkauf der Kakaobohnen abhängt. Global sind rund sechs Millionen Menschen in der Kakaoproduktion beschäftigt und sichern damit den Lebensunterhalt für 40-50 Millionen Menschen.
Bereits die Geschichte des Kakaoanbaus, die eng mit der Kolonialgeschichte verknüpft ist, zeigt die gewaltvolle Ausbeutung von Menschen und Ressourcen; ein Muster, das sich leider bis in die Gegenwart zieht. Große internationale Konzerne dominieren den Markt und üben eine erhebliche Marktmacht aus, wodurch die Kleinbäuer*innen stark benachteiligt werden. Trotz ihrer essenziellen Funktion als Rohstofflieferanten, erhalten Kleinbäuer*innen nur einen Bruchteil der Profite, während der Großteil der Gewinne den Konzernen zugutekommt. Diese ungleiche Verteilung führt mitunter dazu, dass viele Kleinbäuerinnen unter prekären Bedingungen leben. Viele Anbaufamilien, besonders in Westafrika, leben unter der Armutsgrenze von derzeit 3,95 US-Dollar pro Tag.
Mittlerweile gibt es immer mehr Initiativen und Siegel, die darauf abzielen, die Arbeitsbedingungen im Kakaosektor zu verbessern und eine faire Entlohnung zu gewährleisten. Schokoladen in Bioqualität oder aus fairem Handel gewinnen zunehmend an Bedeutung und Beliebtheit.
Kulinarische, medizinische und kosmetische Verwendung
Die Verwendung von Kakao bzw. der Schokolade sowohl als Lebensmittel als auch als Medizin ist für Lateinamerika und Europa belegt. Schokolade wurde als generell kräftigend, leicht verdaulich und als Aphrodisiakum empfohlen. Noch bis ins 19. Jahrhundert wurde Schokolade in Apotheken als “Kräftigungsmittel” verkauft. Kakao und Schokolade wurden auch als Medizin verwendet und bis ins 19. Jahrhundert in Apotheken verkauft.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führten die Schokoladenhersteller ein breites Angebot an Schokoladen, die sich in vier Kategorien einteilen ließen: Die einfache Schokolade bestand aus Kakao und Zucker und war eher schwer verdaulich. Die aromatisierte Schokolade hatte Zusätze wie Vanille, Zimt oder Ambra. Die stärkehaltige Schokolade war z.B. mit Sago versetzt und diente der körperlichen Stärkung. Die medizinisch-pharmazeutische Schokolade wurde vor allem in Apotheken verkauft.
Nicht nur als Genussmittel, sondern auch in der Kosmetikindustrie spielt die Kakaopflanze eine bedeutende Rolle. Kakaobutter und -masse finden sich in einer Vielzahl von Produkten wie Cremes, Seifen, Körperlotionen und Masken wieder. Mittlerweile ist Kakao aus vielen Lebensbereichen nicht mehr wegzudenken. In deutschen Supermärkten hat sich Kakao vor allem in Form von Tafelschokolade als Verkaufsschlager etabliert. Verbraucher*innen in Deutschland konsumieren jährlich rund 7,9 Kilogramm Schokolade pro Kopf.
Zusammenhang von Geschichte, Kultur und Gegenwart
Die Geschichte der Schokolade lässt sich über 5.500 Jahre zurückverfolgen. In dieser Zeit wurde aus der wilden Kakaopflanze, die nur in den Tieflagen des Amazonas wuchs, eine überall in den Tropen angebaute Kulturpflanze. Ob pur, in gegärter Form als alkoholisches Getränk, als Medizin oder Zahlungsmittel - die Geschichte der Kakaopflanze und ihre vielfältigen Einsatzformen lässt sich 5500 Jahre zurückverfolgen. Erst Mitte des 16. Jahrhunderts erreichte die beliebte Kakaobohne das europäische Festland und eroberte von dort die ganze Welt. Seit seiner Ankunft in Europa hat Kakao eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen und ist heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken.
Alles hat eine Geschichte. Angefangen hat alles etwa im Jahr 3300 vor Christus in Südamerika. Die Frühen Kulturen wie Olmeken, Maya und Azteken legten die Grundlage für Zeremonien, Handel und Nutzung, die sich bis in die Neuzeit fortsetzen. Technische Innovationen des 19. Jahrhunderts verwandelten Kakao vom Luxusgetränk zum industriell hergestellten Massenprodukt, während Kolonialismus, Sklaverei und globale Handelsverflechtungen die ökonomischen und sozialen Strukturen prägten, die den heutigen Kakaomarkt noch beeinflussen.
| Epoche / Thema | Wesentliche Entwicklung |
|---|---|
| Früheste Nutzung (≈5500-3300 v. Chr.) | Domestizierung in Amazonasregion; Keramiknachweise mit Theobromin |
| Olmeken, Maya, Azteken | Zeremonielle Nutzung, Medizin, Währung, Handel |
| 16. Jh. - Einführung nach Europa | Spanische Siedler bringen Kakao; Adlige als frühe Konsumenten |
| 18.-19. Jh. - Industrialisierung | Erfindungen: Mélangeur, Butterpresse, Eintafelanlage, erste Tafeln |
| 20.-21. Jh. - Globaler Markt | Massenprodukt, Marktdominanz großer Konzerne, soziale & ökologische Probleme |
Vielleicht fragen Sie sich, woher diese besondere Zutat kommt und warum sie mehr ist als süßer Geschmack. Der Weg der Kakaobohne führt von Zeremonienstuben der Olmeken und Maya über die Höfe Europas bis in die Supermarktregale unserer Zeit. Wer die Geschichte kennt, sieht in der Schokolade nicht nur Genuss, sondern ein Produkt mit tiefer kultureller, wirtschaftlicher und ökologischer Bedeutung.
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