Zuckertest in der Schwangerschaft: Wann und wie wird er durchgeführt?
Der Zuckertest ist eine routinemäßige Vorsorgeuntersuchung während der Schwangerschaft und dient dazu, einen Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) frühzeitig zu erkennen. Gerade weil ein Schwangerschaftsdiabetes oft keine spürbaren Beschwerden verursacht, ist der Test ein wichtiger Bestandteil der Schwangerenvorsorge.
Was ist der Zuckertest in der Schwangerschaft?
Umgangssprachlich spricht man vom „Zuckertest“, medizinisch handelt es sich um den oralen Glukosetoleranztest (oGTT). Der Test prüft, wie gut der Körper größere Zuckermengen verarbeiten kann. Ziel ist es, einen Schwangerschaftsdiabetes auszuschließen, der bei etwa sechs Prozent aller Schwangeren auftritt und eine der häufigsten Komplikationen in der Schwangerschaft darstellt.
Meistens tritt Gestationsdiabetes zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche (SSW) auf. Deshalb nimmt der Zuckertest in diesem Zeitraum einen festen Platz im Vorsorgekalender ein.
Wann wird der Zuckertest durchgeführt?
Empfohlen wird der Zuckertest routinemäßig zwischen der 24+0 und 27+6 Schwangerschaftswoche, also in der Regel ab der 24. bis zur 28. SSW. Dies gilt insbesondere für gesunde Schwangere ohne besondere Risikofaktoren oder Auffälligkeiten.
- Gab es bereits in einer früheren Schwangerschaft einen Gestationsdiabetes, besteht ein erhöhtes Risiko, oder zeigten sich Auffälligkeiten bei Ultraschall oder Fruchtwassermenge, kann der Test auch schon im ersten Schwangerschaftsdrittel gemacht werden.
- In besonderen Risikosituationen findet eine frühere Blutzuckeruntersuchung statt, meist direkt zu Beginn der Schwangerschaft.
Die Entscheidung zum Testzeitpunkt wird individuell im Gespräch mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt getroffen.
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Wie läuft der Zuckertest ab? Unterschied zwischen kleinem und großem Test
Der Vortest: Kleiner Zuckertest (Glucose Challenge Test, GCT)
Zunächst wird allen Schwangeren ein Vortest angeboten. Für den kleinen Zuckertest müssen Sie nicht nüchtern sein - Sie können also ganz normal vor dem Testtag essen und trinken. Bei diesem Test trinken Sie in der Praxis ein Glas Wasser mit 50 Gramm Glukose. Eine Stunde später wird Ihnen Blut aus einer Vene entnommen und Ihr Blutzuckerwert bestimmt.
- Liegt der Wert unter 135 mg/dl (7,5 mmol/l), ist das Ergebnis unauffällig und der Test beendet.
- Liegt der Wert darüber, wird ein zweiter, umfassender Test durchgeführt: der große Zuckertest.
Der kleine Test ist einfach und unkompliziert, birgt keine Risiken für Mutter und Kind, kann aber durch Mahlzeiten vor dem Test leicht beeinflusst werden. Dennoch wird empfohlen, insbesondere vor dem Test keine zuckerreichen Speisen oder Getränke zu sich zu nehmen, da dies das Ergebnis verfälschen könnte.
Diagnostik: Der große Zuckertest (Oraler Glukosetoleranztest, oGTT)
Der große Zuckertest ist genauer und aussagekräftiger. Dafür müssen Sie mindestens acht Stunden vor dem Test nüchtern bleiben. Morgens in der Praxis wird zunächst Blut abgenommen, um den Nüchternblutzucker zu bestimmen. Danach trinken Sie eine Lösung mit 75 Gramm Glukose. Nach einer und nach zwei Stunden wird jeweils erneut Blut abgenommen und die Blutzuckerwerte gemessen.
Die entsprechenden Normwerte lauten:
| Messzeitpunkt | Grenzwert |
|---|---|
| Nüchtern | 92 mg/dl (5,1 mmol/l) |
| nach 1 Stunde | 180 mg/dl (10.0 mmol/l) |
| nach 2 Stunden | 153 mg/dl (8,5 mmol/l) |
Schon ein Wert oberhalb dieser Schwellen bestätigt die Diagnose Gestationsdiabetes.
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Wird im Verlauf ein sehr hoher Blutzuckerwert (über 200 mg/dl nach zwei Stunden oder 126 mg/dl nüchtern) festgestellt, so liegt vermutlich schon vor der Schwangerschaft ein Diabetes vor - hier sind weitere Abklärungen notwendig.
Wer sollte den Zuckertest machen?
Der Zuckertest wird heute nahezu jeder Schwangeren angeboten. Besonders wichtig ist er bei diesen Risikofaktoren:
- Starkes Übergewicht (Adipositas)
- Alter über 35 Jahre
- Diabetesfälle in der Familie
- Gestationsdiabetes in einer früheren Schwangerschaft
- Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)
- Fehlgeburten in der Vergangenheit
- Übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
Zeigen sich bereits frühzeitig Auffälligkeiten, etwa ein großes Kind, viel Fruchtwasser oder auffällige Werte im Standardlabor, kann auch zu Beginn der Schwangerschaft ein Blutzucker-Nüchternwert bestimmt werden.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für den Zuckertest?
Standardmäßig übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland den kleinen Zuckertest (50 g Glukose). Sollte das Ergebnis auffällig sein, wird auch der große Zuckertest (75 g Glukose) von der Krankenkasse bezahlt.
In anderen europäischen Ländern wird häufig direkt ein einstufiges Verfahren durchgeführt. In Deutschland ist das zweistufige Vorgehen Standard.
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Welche Risiken und Begleiterkrankungen bestehen bei Schwangerschaftsdiabetes?
Ein unbehandelter Gestationsdiabetes kann sowohl für Mutter als auch für das Kind Risiken bedeuten. Typische Komplikationen sind:
- Überdurchschnittliches Kind (Makrosomie)
- Komplizierte oder schwierige Geburt (z.B. Schulterdystokie)
- Verzögerte Lungenreifung
- Langfristig erhöhtes Risiko für Übergewicht beim Kind
- Für die Mutter: Risiko für Präeklampsie (Bluthochdruck und Eiweiß im Urin), Frühgeburt und Entwicklung eines Typ-2-Diabetes nach der Schwangerschaft
Die rechtzeitige Diagnose und Behandlung kann Komplikationen verhindern und die Chancen auf eine normale Schwangerschaft und Geburt erhöhen.
Wie geht es nach einem auffälligen Testergebnis weiter?
Wird der große Zuckertest als auffällig bewertet und damit ein Gestationsdiabetes diagnostiziert, führen regelmäßige Kontrollen der Blutzuckerwerte sowie Ernährungsberatung und ausreichende Bewegung in den meisten Fällen zu guten Therapieergebnissen. Oft reicht eine bewusste Ernährungsumstellung und Bewegung. Nur selten ist eine Insulinbehandlung notwendig.
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen finden nun alle zwei bis vier Wochen statt. In Absprache mit Ihrem Behandlungsteam lernen Sie die Blutzucker-Selbstkontrolle und erhalten wertvolle Empfehlungen rund um Ernährung und Bewegung.
Nach der Geburt verschwindet ein Schwangerschaftsdiabetes meist von allein, aber eine erneute Kontrolle ist wichtig, da ein erhöhtes Risiko für einen späteren Typ-2-Diabetes bleibt.
Was empfehlen Expert:innen für den Alltag?
- Achten Sie auf eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung mit wenig Zucker und vielen Vollkornprodukten sowie frischem Gemüse.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, ohne sich zu überfordern - Bewegung hilft dabei, den Blutzuckerspiegel auszugleichen.
- Vermeiden Sie leere Kohlenhydrate wie Weißmehlbrötchen und Süßigkeiten.
- Sprechen Sie alle Unsicherheiten frühzeitig mit Ihrer Frauenärztin, Ihrem Frauenarzt oder einer Ernährungsfachkraft durch.
Häufige Fragen rund um den Zuckertest
- Ist der Zuckertest Pflicht? - Nein, der Test ist nicht verpflichtend, wird aber empfohlen.
- Muss ich für den kleinen Zuckertest nüchtern sein? - Nein, nur für den großen Test.
- Wie lange dauert der große Test? - Etwa zwei bis drei Stunden, da Blutentnahmen im Abstand von einer Stunde erfolgen.
- Kann ich den Zuckertest beim Hausarzt machen? - Möglich, allerdings wird die Durchführung beim Frauenarzt empfohlen, da dort bei Kreislaufproblemen sofort Hilfe und Kontrolle für Mutter und Kind sichergestellt werden kann.
Mögliche Nebenwirkungen und Kritik am Test
Insbesondere beim großen Test kommt es gelegentlich zu Übelkeit oder Kreislaufbeschwerden nach Einnahme der Zuckerlösung. Diese Beschwerden sind meist harmlos. Die hohen Zuckerbelastungen werden immer wieder diskutiert, valide Risiken für das Kind sind aber bisher nicht belegt.
Kritik gibt es auch an den gesunkenen Grenzwerten und der damit wachsenden Zahl an Diagnosen - der Nutzen des Screenings wird ständig geprüft, um unnötige Beunruhigung zu vermeiden.
Zusammenfassung: Das Wichtigste zum Zuckertest
- Der Zuckertest ist zwischen der 24. und 28. SSW fester Bestandteil der Schwangerschaftsvorsorge.
- Standard ist zuerst der kleine Zuckertest (50 g), bei auffälligem Wert folgt der große Zuckertest (75 g Glukose, nüchtern).
- Die Testung wird von der Krankenkasse bezahlt.
- Das Ziel: Schwangerschaftsdiabetes früh erkennen und Komplikationen verhindern.
- In Risikofällen kann ein Test auch vor der 24. SSW notwendig sein.
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