Trüffelvorkommen in Rheinland-Pfalz: Eine verborgene Delikatesse

Rheinland-Pfalz, bekannt für seine malerischen Weinberge und vielfältigen Landschaften, birgt ein kulinarisches Geheimnis: Trüffel. Obwohl die Trüffelsuche in Deutschland reglementiert ist, erlebt der Anbau dieser edlen Pilze eine Renaissance. Dieser Artikel beleuchtet die Trüffelvorkommen in Rheinland-Pfalz, von den geologischen Voraussetzungen bis hin zu den ambitionierten Projekten, die darauf abzielen, die Region zu einem Zentrum des Trüffelanbaus zu machen.

Geologische Grundlagen und potenzielle Anbaugebiete

Trüffel gedeihen besonders gut auf kalkhaltigen Böden mit einem pH-Wert zwischen 7 und 8,5. Ein Klima, das auch für den Weinbau geeignet ist, mit regelmäßigem Regen, nicht zu viel Sonne und wenig Frost im Winter, begünstigt das Wachstum der edlen Pilze. Diese Bedingungen finden sich in verschiedenen Regionen von Rheinland-Pfalz.

Kalkgebiete als Wegweiser

Potenzielle Anbaugebiete in Rheinland-Pfalz lassen sich anhand von Kalkgebieten aus verschiedenen Erdzeitepochen identifizieren. Ein Blick auf die Bodenkarte zeigt, dass sich die saarländische Trüffelregion mit Rendzina und Pararendzina als Bodentyp nach Nordnordost an Trier vorbei parallel zur Grenze nach Luxemburg bis oberhalb von Bitburg fortsetzt.

Die Trüffelregion Bitburg-Trier

Vom Saarland aus erstreckt sich ein Trüffelgebiet nordwärts über Konz, westlich an Trier vorbei und teilweise durch Luxemburg. Das Ausgangsgestein ist ein breiter, teilweise unterbrochener Kalkgürtel aus Muschelkalk, der weiter in Richtung Nordnordwest über Irrel, Menningen, Welschbillig, Bettingen und Messerich bis hinter Bitburg verläuft. Hier wechselt das Ausgangsgestein zu Gesteinsschichten aus dem Jura oder mittleren Keuper. Die Bodenbildung ermöglicht hier das Wachstum von Burgundertrüffeln.

Weitere potenzielle Gebiete

Ein weiteres Gebiet setzt sich nach Osten hin über Zweibrücken, Hornbach, Riedelberg, Bottenbach, Maßweiler bis kurz vor Pirmasens fort. Im Südwesten schließen sich bekannte französische Trüffelbereiche bis Sarreguemines (Saargemünd) und südlich bis Rohrbach und Bitche an. Der Bodentyp wird hier als Braunerde aus Mergelgesteinen und kalkhaltigen Schottern bezeichnet.

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Trüffelanbau in Rheinland-Pfalz: Pioniere und Projekte

In Rheinland-Pfalz gibt es ambitionierte Projekte, die den Trüffelanbau vorantreiben wollen. Eines davon ist die Trüffelanlage im Soonwald, die von Job von Nell betrieben wird.

Die Soonwald Trüffel: Ein Schatz zwischen Rhein, Mosel, Nahe und Saar

Im Nordosten des Soonwalds, in der Stromberger Mulde, gibt es Kalkvorkommen und Baum- und Strauchpartner, die für das wilde Trüffelvorkommen der geschützten Gattung Tuber notwendig sind. Unter dem Motto "Geheime Werte" wurde auf einem 3,38 Hektar großen Acker eine Trüffelanlage mit rund 2.300 Bäumen angelegt.

Am 25. November 2020 wurden 2.300 mykorrhizierte Bäume (Haselnuss, Eiche, Buche und Winterlinde) sowie Begleitsträucher gepflanzt. Um den „Trüffelbäumen“ ein passendes Milieu zu schaffen, wurden die Säume der Anlage mit 170 unterschiedlichen Feldgehölzen bepflanzt. Felsenbirne, Aronia, Berberitze, Kornelkirsche, Ölweide, Schwarzer Holunder und der gewöhnliche Schneeball sollen ein möglichst naturnahes Strauchumfeld für den Trüffel abbilden. Aufsitzstangen für die Greifvögel und angelegte Steinhaufen für Wildkatze und Mauswiesel oder Ringelnatter sollen helfen, Wühlmäuse und Feldmäuse in Schach zu halten. Zusätzlich ist der Einsatz eines mobilen Hühnerstalls geplant, ebenfalls gegen Mäuse und für den Humusaufbau im Boden. Die Trüffelanlage ist genehmigt, gegen Wildschaden elektrisch umzäunt und kann bewässert werden.

Job von Nell, der die Plantage im Soonwald bei Seibersbach (Kreis Bad Kreuznach) betreibt, hat dort vor rund drei Jahren eine Trüffelplantage angelegt. Auf einer Fläche von knapp 3,4 Hektar wachsen 2300 Bäume heran. Auf der Anlage stehen vor allem Haselnussbäume, aber auch Eichen und Buchen. Ihre Wurzeln wurden vor dem Pflanzen mit Trüffelsporen beimpft, und zwar mit jenen vom Burgundertrüffel, der in Deutschland heimisch ist. Die Trüffeln gehen mit ihren Wirtsbäumen über die Wurzeln eine direkte Verbindung ein - die Symbiose, die sogenannte Mykorrhiza. Das unterirdisch wachsende, verzweigte Pilzgeflecht hilft dem Wirtsbaum, mehr Wasser und Mineralien aufzunehmen. Im Gegenzug liefert der Baum Zucker, den der Pilz selbst nicht erzeugen kann.

Von Nell rechnet mit der ersten Ernte im Jahr 2027. Wenn alles normal läuft, wird man dann mit 90 Kilo jährlich rechnen können. Im besten Fall werden es 180 Kilo.

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Ahrtrüffel: Pioniere im Ahrtal

Jean-Marie Dumaine und Pilzexperte Frank Krajewski haben im Jahr 2006 die bundesweit erste Trüffelplantage in Sinzig im Kreis Ahrweiler angelegt. Auf fast 5000 Quadratmetern stehen 190 präparierte Trüffelbäume auf einem früheren Weinberggrundstück. Die erste Ernte war 2015. Dumaine erntet jedes Jahr Sommer- und Burgundertrüffeln.

Dumaine, Vorsitzender des Vereins Ahrtrüffel, betont, dass es beim Trüffelanbau nicht nur darum geht, einen Baum zu pflanzen, sondern darum, Wurzeln zu züchten. Die Bäume auf der Plantage wurden allesamt mit einheimischen, also im Ahrtal gefundenen Trüffeln und deren Sporen geimpft.

Gourmet-Revolte in der Pfalz

Bereits 2007 berichtete ein Artikel über einen Pfälzer Verein, der Trüffel in der Pfalz anbaut. Der Klub kultiviert den Edelpilz auf einer Plantage, um an alte adlige Traditionen anzuknüpfen.

Herausforderungen und Chancen des Trüffelanbaus

Der Trüffelanbau ist mit einigen Herausforderungen verbunden. Eine der größten ist der Schutz der Plantagen vor Wildschäden und Mäusebefall. Im Soonwald setzt Job von Nell auf Greifvögel, um den Mäusebefall zu bekämpfen. Zusätzlich ist der Einsatz eines mobilen Hühnerstalls geplant, ebenfalls gegen Mäuse und für den Humusaufbau im Boden.

Ein weiteres Problem ist, dass wilde Trüffel in Deutschland unter Naturschutz stehen und nicht gewerblich genutzt werden dürfen. Für den Anbau auf Plantagen gibt es jedoch Ausnahmen.

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Trotz der Herausforderungen bietet der Trüffelanbau in Rheinland-Pfalz große Chancen. Die Nachfrage nach Trüffeln ist hoch, und die Preise sind entsprechend attraktiv. Zudem kann der Trüffelanbau einen Beitrag zur nachhaltigen Landwirtschaft leisten, indem er den Nährstoffaufbau des Bodens fördert.

Die Rolle des Klimawandels

Die hiesige und zukünftige Klima-Situation ermöglicht die Kultur von Burgundertrüffeln/Herbsttrüffeln (Tuber aestivum var. uncinatum) und sogar bei weiterer Klima-Erwärmung die Périgordtrüffel/Schwarzer Diamant (Tuber melanosporum).

Trüffelsuche mit Hund: Ein wachsendes Interesse

Das Interesse an der Trüffelsuche mit Hund wächst in Rheinland-Pfalz. Es gibt jedoch noch wenige interessierte Hundebesitzer, die nach kurzer Ausbildung auf die spannende Trüffelsuche gehen und weitere Nachweise erbringen.

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