Stollwerck Schokolade Norderstedt: Geschichte, Fakten und Marken im Wandel der Zeit
Die Stollwerck GmbH ist ein deutsches Lebensmittelunternehmen mit Sitz in Norderstedt, das durch die Produktion von Schokolade international bekannt wurde. Das Unternehmen hat eine bewegte Geschichte, die von der Gründung im 19. Jahrhundert, über innovative Technik, Wachstum und Krisen bis hin zur Integration in globale Schokoladenkonzerne reicht. Im Zentrum der Entwicklung standen bahnbrechende Produkte, neue Märkte und starke Marken wie Sarotti, Sprengel, Alpia oder Eszet.
Die Anfänge: Von der Hustenbonbonfabrik zur Schokoladenproduktion
Im Jahr 1839 eröffnete Franz Stollwerck in Köln ein Werk zur Hustenbonbon-Produktion, dem nach zwei Jahren der Durchbruch gelang. Etwa 20 Jahre später begann man mit der Herstellung von Schokolade. Die Industrialisierung der Schokoladenproduktion wurde entscheidend durch die Gebr. Stollwerck vorangetrieben, wobei insbesondere Ludwig Stollwerck viele technische Innovationen einführte.
1860 wurde das Unternehmen als Süßwarenfabrik von Franz Stollwerck gegründet und avancierte zu einem der führenden Konzerne der Schokoladenindustrie.
Expansion und Internationalisierung im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Nach dem Tod von Franz Stollwerck im Jahr 1876 übernahmen seine fünf Söhne die Leitung der Firma. 1871 wurde die Firma Gebr. Stollwerck gegründet, die die Industrialisierung der Produktion vorantrieben. Um 1860 wurde die Stollwerck Schokolade dann in den Fabriken in der Hohe Straße sowie in der Sternengasse produziert.
Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde Stollwerck zum Generalausrüster der preußischen Armeen, was dem Unternehmen enormen Aufschwung brachte. 1887 stellte Stollwerck erste Verkaufsautomaten auf; 1893 waren es bereits 15.000 Automaten, mit denen Schokolade verkauft wurde. In den USA gründete Stollwerck 1894 mit dem deutschen Kaufmann John Volkmann die Firma Volkmann, Stollwerck & Co., die in New York eine Fabrikation von Stollwerck-Automaten errichtete. Allein in New Yorker Bahnhöfen standen Anfang der 1890er Jahre über 4000 ihrer Automaten.
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Durch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft (Gebr. Stollwerck A.G.) wurde 1902 das Kapital beschafft, um weiter wachsen zu können. Neben dem Exportgeschäft gründete die Gesellschaft eine Tochterfirma in Belgien. Auch im aufkommenden Geschäft mit den Kinematographen war Stollwerck führend tätig. Um die Jahrhundertwende war die Schokoladenfabrik der größte Arbeitgeber im Kölner Süden, der hauptsächlich Frauen beschäftigte.
Krisen, Kriege und Umstrukturierungen
Der Erste Weltkrieg ab 1914 beendete zunächst den rasanten Aufstieg von Stollwerck. In den folgenden Jahrzehnten geriet das Unternehmen durch die Weltwirtschaftskrise, den Zweiten Weltkrieg und zahlreiche Fehlinvestitionen in Schwierigkeiten. Es kam zu massiven finanziellen Problemen, Werkschließungen, Enteignungen im Ausland und der Übernahme durch die Deutsche Bank unter Leitung der Bankdirektoren Georg Solmssen und Karl Kimmich. Dabei wurden nahezu alle Mitglieder der Familie Stollwerck aus dem Unternehmen gedrängt.
Die Sanierungsmaßnahmen waren wenig erfolgreich und 1970 wurde Stollwerck von der Wirtschaftszeitschrift Capital zum „Versager des Jahres“ gekürt.
Kölner Fabrik, Kunst und der Weg nach Norderstedt
Das traditionsreiche Unternehmen mit Hauptsitz in Köln wurde in den 1970er-Jahren durch Fördermittel, Grundstücksverkäufe und eine Produktionsverlagerung grundlegend umstrukturiert. Die Konzentration der Produktion führte dazu, dass das traditionsreiche Kölner Werk im Severinsviertel Mitte der 1970er Jahre aufgegeben wurde. Nach dem Krieg und dem folgenden Wiederaufbau konnte Stollwerck jedoch nicht an vergangene Ruhmeszeiten anknüpfen. Die Produktion wurde weniger, bis Hans Imhoff, der sogenannte "Schokoladenkönig", das Unternehmen 1972 übernahm und den Sitz nach Porz, später nach Norderstedt verlagerte.
Die zurückgebliebene Fabrik im Severinsviertel wurde in den 1980er Jahren als größtes Kulturzentrum der Stadt Köln bekannt - durch die 49 Tage andauernde Besetzung mit über 600 Teilnehmern. Über sieben Jahre war die ehemalige Stollwerck-Fabrik ein kulturelles Zentrum, bevor sie weitgehend abgerissen wurde. Einzig Überbleibsel wie das frühere Räderwerk und wenige Schornsteine erinnern heute noch an das einstige Schokoladenimperium.
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Stollwerck in Ostdeutschland und Internationalisierung nach der Wiedervereinigung
Nach dem Mauerfall engagierte sich Stollwerck als erster Schokoladenhersteller in den neuen Bundesländern und übernahm die Thüringer Schokoladewerk GmbH in Saalfeld, einst größte Schokoladenfabrik der DDR. In Ungarn wurde das Unternehmen nach der Eröffnung einer Fabrik in Székesfehérvár 1995 zum Marktführer auf dem Schokoladenmarkt.
Integration in internationale Konzerne und Standort Norderstedt
2002 verkaufte Hans Imhoff den Konzern an die Barry Callebaut AG, den weltgrößten Kakao- und Schokoladenhersteller mit Hauptsitz in der Schweiz. Barry Callebaut nahm Stollwerck kurze Zeit später von der Börse und schloss das Kölner Werk, wo nur noch die Verwaltung erhalten blieb. Der Unternehmenssitz wurde nach Norderstedt bei Hamburg verlegt. Stollwerck ist heute ein Unternehmen der Gruppe Baronie, dessen Muttergesellschaft Baronie ebenfalls im internationalen Schokoladengeschäft aktiv ist.
Markenvielfalt: Die wichtigsten Stollwerck-Marken und ihre Besonderheiten
| Marke | Gründung | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Sprengel | 1805 | Traditionelle Marke, ehemals in Hannover, heute Holding der Stollwerck AG. |
| Sarotti | 1852 | Zartschmelzende Schokolade, berühmter Sarotti-Mohr, nachhaltige Kakao-Konzepte. |
| Alpia | 1906 | Schokoladentafeln, moderne Snacks mit Keksen, Brezeln, Früchten. |
| Eszet | 1933 | Hauchdünne Scheiben, klassisch zum Frühstück. Genusserlebnis seit Generationen. |
| Jacques Callebaut/Apothekerschokolade | 20. Jh. | Traditionsmarke aus Belgien und spezielle Apothekerschokoladen. |
| Alprose | - | Nachhaltige Schweizer Marke, SWISS ALPS INSIDE, Engagement für Natur- und Umweltschutz. |
Beispielhafte Markenporträts
Sarotti stammt aus Berlin und ist für seine zartschmelzende Schokolade aus feinstem Kakao bekannt, die seit 1852 höchste Genüsse beschert. Sarotti setzt sich in seinem Unternehmen für nachhaltige Konzepte ein. Schokolade hat viele Eigenschaften - diese ist die Beste. Seit 1903 verleihen die besten Kakaobohnen und exquisite Zutaten hier den Sorten ihren einmaligen Geschmack.
Alpia wurde 1906 gegründet und produziert Schokoladentafeln, die für viele süße und verschiedenartige Genussmomente sorgen. In jüngeren Jahren wurde Alpias Sortiment um Schokoladensnacks aus Keksen, Brezeln und Trockenfrüchten erweitert.
Machen Ihr Frühstück einmalig mit Eszet: Seit 1933 machen hauchdünne Schokoladentafeln das Frühstück zu einem besonderen Genusserlebnis. Unsere Marken tragen diese Unterschrift.
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Diese nachhaltige Schweizer Marke kombiniert die guten Eigenschaften Schweizer Schokolade mit ihrer Liebe für die Natur. Wem die Schweizer Bergwelt mit ihrer einmaligen Natur und vielfältigen Kultur am Herzen liegt, der wird auch unsere Marke Alprose mögen. Denn mit Alprose können Sie dieses Gefühl überall und jederzeit genießen, wenn Sie sich ein Stück dieser köstlichen Schweizer Schokolade auf der Zunge zergehen lassen. Alproses Zusatz SWISS ALPS INSIDE gilt nicht nur für die Zutaten der Schokolade, sondern auch für das starke Engagement der Marke für den Schutz der Schweizer Bergwelt.
Unternehmenskultur und Innovation bei Stollwerck
Am Beispiel Stollwerck zeigt Angelika Epple - von der Gründung 1839 bis zur Übernahme durch die Deutsche Bank 1932 -, wie der Prozess der Globalisierung von Unternehmen wie Stollwerck mitgestaltet wurde. Die Standardisierung der Produkte, Konsumgewohnheiten und Geschäftsmethoden wurde weltweit vorangetrieben und war dennoch kolonial geprägt. Die Studie vermittelt tiefe Einblicke in das Wechselverhältnis von globaler Homogenisierung und Differenzierung.
Stollwerck steht heute für einen kundenfokussierten, internationalen Ansatz innerhalb der Lebensmittelindustrie. Das Unternehmen mit heutigem Sitz in Norderstedt betreibt insgesamt 11 Standorte, davon vier in Deutschland. Stollwerck kombiniert traditionelle Werte mit innovativer Produktentwicklung und sieht sich als flexibler, engagierter und lösungsorientierter Partner für den Markt. Stollwerck vertreibt heute bekannte Marken wie Sarotti, Sprengel, Alpia, Van Houten, Jacques Callebout und Apothekenschokolade weltweit.
Kulturelles Erbe: Das Schokoladenmuseum und Erinnerungen
1993 ließ Hans Imhoff im Kölner Rheinauhafen für 53 Millionen DM das Imhoff-Stollwerck-Schokoladenmuseum errichten, in dem viele Ausstellungsstücke aus der Geschichte Stollwercks zu sehen sind. Das Museum präsentiert Exponate, Automaten, Werbematerialien und Informationen zur Produktion und Markengeschichte, die schon Hans Imhoff in seiner Kindheit begeisterten.
2006 beendete Barry Callebaut die Zusammenarbeit mit dem Museum, doch Besucher können bis heute in Köln die faszinierende Geschichte Stollwercks und des "Schokoladenkönigs" Imhoff erleben. Wer noch mehr über die schokoladigen Zeiten und die Geschichte von Stollwerck erfahren möchte, ist im Imhoff-Stollwerck-Schokoladenmuseum richtig.
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