Stollwerck Knuspergold Pralinen: Geschichte, Informationen und Markenentwicklung
Die Stollwerck Knuspergold Pralinen stehen exemplarisch für die traditionsreiche Geschichte der Stollwerck GmbH, die zu den bedeutendsten Schokoladenherstellern Europas zählt. Die Entwicklung des Unternehmens ist eng verknüpft mit der Geschichte der Schokoladenindustrie und ihrer kulturellen Bedeutung, insbesondere in Köln.
Die Ursprünge: Franz Stollwerck und die Gründung des Unternehmens
Im Jahr 1839 eröffnete Franz Stollwerck in Köln ein Werk zur Hustenbonbon-Produktion, dem nach zwei Jahren der Durchbruch gelang. Um 1860 begründete der Unternehmer und Cafehausbesitzer Franz Stollwerck seine Süßwarenfabrik. Mit seinen „Stollwerckschen Brustbonbons“ erlangte er 1847 den begehrten Titel eines preußischen Hoflieferanten.
Parallel baute Franz Stollwerck die Konditorei zur Gastwirtschaft aus, in der er auch Abendkonzerte veranstaltete, ebenso unterhielt er Theater- und Konzertsäle. Seit 1850 stellte er unter dem Markennamen „Farina“ Kölnisch Wasser her. Ab 1860 wurden schließlich in Produktionsstätten in der Hohe Straße sowie einer Fabrik in der Sternengasse Schokolade, Marzipan und Printen erzeugt.
Ab dem Jahr 1860 wurde die Stollwerck Schokolade dann in den Fabriken in der Hohe Straße sowie in der Sternengasse produziert. Es folgte stetiges Wachstum des Schokoladengeschäfts und so zog das Unternehmen 1872 von den Standorten in der Innenstadt in das Severinsviertel, damals noch ein am Stadtrand gelegenes Viertel, welches Stollwerck weitaus mehr Platz zur Ausdehnung bot.
Von vielen wurde die Produktionsstätte als „d´r Kamelledom“ bezeichnet.
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Von Bonbons und Backwaren zum internationalen Schokolade-Unternehmen
Franz Stollwerck nahm zum 1. Januar 1869 seine drei ältesten Söhne Albert Nikolaus, Peter-Joseph und Heinrich per Gesellschaftsvertrag vom 16. Dezember 1868 in sein Unternehmen auf, das nun als „Franz Stollwerck & Söhne“ firmierte. Aufgrund familiärer Konflikte machten die Söhne sich jedoch bereits 1871 mit einer eigenen Fabrik als „Gebr. Stollwerck“ selbständig.
Nach dem Tod von Franz Stollwerck im Jahr 1876 übernahmen seine fünf Söhne die Leitung der Firma. Die Neugründung fiel in das Zeitalter der Industrialisierung, die sowohl die Mechanisierung der Schokoladenindustrie als auch die Entwicklung der heutigen Tafelschokolade einleitete.
Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebte das Unternehmen eine stürmische Expansion, denn die Brüder waren den neuen Technologien und innovativen Ideen sehr aufgeschlossen. Schon kurz nach der Neugründung eröffneten die Brüder Zweigstellen in Frankfurt am Main und in Wien. Zahlreiche Geschäftsgründungen folgten in Belgien, Frankreich, der Schweiz, Österreich-Ungarn, England und den USA.
Fabriken bauten sie in Pressburg 1893, in New York 1897, in Berlin 1900 und in London 1902. Zusammen mit dem deutschen Kaufmann Johann Heinrich „John“ Volkmann gründete man 1894 in New York die Firma „Volkmann, Stollwerck & Co.“ zur Herstellung von Verkaufsautomaten. Die bereits seit 1887 von Stollwerck aufgestellten Automaten waren immens erfolgreich: Im Jahr 1893 verkauften 15.000 Automaten Stollwerck-Schokolade, alleine auf New Yorker Bahnhöfen standen 4.000 Apparate.
Das hohe Interesse an den neuen Technologien und Vermarktungsstrategien motivierte Gebr. Stollwerck zur Gründung der „Deutschen Automaten-Gesellschaft „Stollwerck“ und weiterer Automatenfabriken in London und den USA.
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Ludwig Stollwerck galt modernen Entwicklungen gegenüber als besonders aufgeschlossen. So gründete er ebenfalls 1895 in Köln zusammen mit dem US-amerikanischen Erfinder Thomas Edison die „Deutsche Edison Phonographen GmbH“ zum Vertrieb des von Edison erfundenen Vorläufers des Grammophons in Deutschland. Und natürlich gab es dazu auch „sprechende Schokolade“: Schallplatten, die auf Spielzeugphonographen abgespielt werden konnten.
Viele weitere Innovationen seiner Zeit konnte Ludwig Stollwerck gewinnbringend für sein Unternehmen nutzen, darunter so verschiedene Neuerungen wie die Kinematographen (frühe Filmprojektoren) oder die bis weit ins 20. Jahrhundert populären Schokolade-Sammelalben mit naturwissenschaftlichen oder historischen Bildserien.
Erste Aktiengesellschaft und internationale Entwicklung
Durch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft (Gebr. Stollwerck A. G.) wurde 1902 das Kapital beschafft, um weiter wachsen zu können. Zur Erweiterung der Kapitalbasis entschloss sich Ludwig Stollwerk zur Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von 14 Millionen Mark.
Auf Initiative von Ludwig Stollwerck, dem führenden Kopf der Firma, fand 1906 der erste Weltkongress von Schokoladenunternehmern in London statt, mit dem Ziel weltweit einheitliche Qualitätsstandards für Schokoladenprodukte einzuführen und den Kakaobauern in den außereuropäischen Anbauländern faire Preise zu zahlen.
Innovative Wege beschritt das Unternehmen nicht allein mit der Aufstellung von Schokoladenautomaten, sondern es war insgesamt ein Wegbereiter neuer Werbemethoden, wie elegante Schaufenstergestaltungen, aufwendigen Verpackungen, Sammelalben oder der Präsentation von aufsehenerregenden Schokoladenprodukten auf Weltausstellungen wie Stollwercks Schokoladentempel auf der Chicagoer Weltausstellung 1893.
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Ende des 19. Jahrhunderts richtete Stollwerck eine eigene Werbeabteilung ein.
Stollwerck im Krieg und wirtschaftliche Krisen
Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 brachte Stollwerck einen enormen Aufschwung, denn das Unternehmen wurde Generalausrüster der preußischen Armeen. Der Ausbruch des ersten Weltkriegs 1914 bedeutete einen schweren Rückschlag für die Firma. Fehlende Rohstoffzufuhren nach der Verhängung der Blockade durch die Briten zwangen Stollwerck zur Produktion von Ersatzprodukten. Die Fabrik in London wurde liquidiert und die in New York wurde 1917 nach dem Eintritt der USA in den Krieg enteignet. Am Ende des Krieges war die Firma hoch verschuldet.
Nach seinem Tod 1922 stieg die Deutsche Bank als wichtiger Anteilseigner ein und ermöglichte die während des Krieges nicht durchgeführte Modernisierung nachzuholen. Gegen Ende der 1920er Jahre übernahm Stollwerck die traditionsreiche Hamburger Schokoladenfirma Reichardt, die Süßwarenfirmen Joh. Gottlieb Hauswaldt aus Magdeburg, Goldina aus Bremen und P.W. Gaedke AG aus Hamburg.
Schlechte Geschäftsergebnisse - durch strategische Fehlentscheidungen der jungen Stollwerck-Generation, den Zukauf der genannten Firmen und der Weltwirtschaftskrise 1929 - brachten die Firma in eine finanzielle Schieflage. Die Deutsche Bank stieg als Hauptaktionär in den Vorstand des Unternehmens auf und zwang die Brüder Carl und Gustav Stollwerck zum Rücktritt. Damit schied die Familie aus dem Unternehmen aus. Die Maßnahmen der Sanierer waren wenig erfolgreich; 1970 wurden sie von der Wirtschaftszeitschrift Capital zum „Versager des Jahres“ gekürt.
1937 wurde das Unternehmen zusammen mit einigen anderen Schokoladenfirmen als Nationalsozialistischer Musterbetrieb ausgezeichnet. Wie schon im Ersten Weltkrieg kam auch im Zweiten Weltkrieg die Schokoladenproduktion weitgehend zum Erliegen. Weltkrieg und damit verbundenen Beschädigungen an Werken in Deutschland, Enteignungen im Ausland sowie verschiedene Fehlinvestitionen geriet Stollwerck in eine finanzielle Schieflage. Bombenangriffe der Alliierten beschädigten die Kölner Stollwerckfabrik schwer. Die Produktion wurde auf Ersatzprodukte wie Vitaminkekse, Bonbons und Fleischextrakte umgestellt.
Neubeginn und wirtschaftlicher Aufschwung
Nach dem Krieg dauerte der Wiederaufbau der Fabrikgebäude bis 1952. Währungsreform und Wirtschaftswunder verhalfen der Firma in den 1950er Jahren zum Aufschwung. Bis in die 50er Jahre florierte das Geschäft.
Mit der Aufhebung der Preisbindung für Schokolade 1964 setzte ein starker Unterbietungswettbewerb ein, durch die die Stollwerck AG in eine Wettbewerbs- und Unternehmenskrise geriet. Versuche der Deutschen Bank die Firma Ende der 1960er Jahre zu sanieren schlugen fehl. Das Unternehmen verkaufte das traditionelle Werk im Severinsviertel Mitte der 1970er Jahre und verlagerte Produktion und Firmensitz nach Porz.
Hans Imhoff und die Modernisierung der bekannten Marken
Erst als Hans Imhoff, der eine kleine Schokoladenfabrik in Bulley an der Mosel besaß, die Aktienmehrheit 1972 erwarb, gelang die erfolgreiche Sanierung. Auf einer „dramatischen Hauptversammlung“ 1972 wurde Hans Imhoff als Stollwerck-Sanierer präsentiert. Der gebürtige Kölner und gelernte Kaufmann Imhoff war nach dem Zweiten Weltkrieg kurz in der Fahrzeugproduktion bei Ford in Köln tätig, bevor er noch 1945 von den Besatzungsmächten eine Konzession für die Produktion und den Handel mit Lebensmitteln erhielt.
Unter Führung Imhoffs, der als „letzter rheinischer Kapitalist“ oder „Kamelle-Napoleon“ bezeichnet wurde, wurde Stollwerck in den folgenden 30 Jahren wieder zu einem der größten Schokoladenhersteller. Über die Imhoff Industrie Holding AG wurden einige der traditionsreichsten Schokoladen-Marken Deutschlands aufgekauft. Er reduzierte das Sortiment von 1200 auf rund 50 Produkte und schaffte neue Maschinen an. Auf teures Marketing verzichtete er. Seit 1975 zahlt das Unternehmen wieder eine Dividende.
Im Jahr 1995 wurden eine neue Schokoladenfabrik im polnischen Poznan und eine neue Keksfabrik im ungarischen Székesfehérvár eröffnet. Übernahmen von bekannten Marken wie Eszet, Sprengel, Sarotti, Chocolaterie Jacques und Gubor erweiterten das Sortiment von Stollwerck.
Die Konzentration der Produktion führte dazu, dass das traditionsreiche Kölner Werk im Severinsviertel Mitte der 1970er Jahre aufgegeben wurde. Dazu trugen auch Fördermittel der Stadt Köln und ein Verkaufspreis von 25 Millionen DM für die Betriebsgrundstücke bei. Imhoff verkaufte das Areal und die Gebäude für Millionen Mark und erlangte damit die Aktienmehrheit der Stollwerck AG.
Im Zuge dieser Transaktionen gelangte Imhoff außerdem an einen städtischen Zuschuss sowie ein zinsloses Darlehen zur Förderung des Umzugs der Stollwerck-Produktion an den entwicklungsbedürftigen Kölner Stadtrand. Im Dezember 1975 zog die Stollwerck-Zentrale schließlich in die Industriestraße (seit 1993 Stollwerckstraße) im rechtsrheinischen Westhoven um. Hier wurde bis März 2005 produziert.
Kulturelle Bedeutung und die Stollwerckbesetzung
Die zurückgebliebene Fabrik im Severinsviertel sollte aber noch einmal große Aufmerksamkeit erfahren. Und zwar hatte sich in der Kölner Südstadt in den 1970er Jahren eine Künstlerszene im Areal der Schokoladenfabrik angesiedelt. Die Stollwerckbesetzung war eine 49 Tage andauernde Hausbesetzung der ehemaligen Stollwerck-Schokoladenfabrik im Kölner Severinsviertel, die am 20. Mai 1980 begann. Die mit bis zu 600 Besetzern größte Hausbesetzung in der Geschichte der Stadt Köln erfuhr unter politischen und kulturellen Aspekten bundesweite Beachtung.
Das Hauptziel, der selbstverwaltete Umbau der Fabrikgebäude in preiswerten Wohn- und Kulturraum, wurde nicht erreicht. Als Erfolg der Besetzung wurde die Fabrik aber im Rahmen einer Zwischennutzung über sieben Jahre als Kulturzentrum von einer progressiven Kunst- und Theaterszene genutzt.
Einzig das frühere Räderwerk sowie ein paar Schornsteinsockel erinnern an alte, glorreiche und schokoladige Zeiten.
Von der Fabrik zur modernen Pralinenmarke
Die Geschichte von Stollwerck ist eng gekoppelt mit der Entwicklung zahlreicher Marken wie Eszet, Sarotti, Alpia und Gubor, die für viele süße und verschiedenartige Genussmomente sorgen. Alpia wurde 1906 gegründet und produziert Schokoladentafeln, die inzwischen um Schokoladensnacks aus Keksen, Brezeln und Trockenfrüchten erweitert wurden.
Sarotti stammt aus Berlin und ist für seine zartschmelzende Schokolade aus feinstem Kakao bekannt, die seit 1852 höchste Genüsse beschert. Seit 1903 verleihen die besten Kakaobohnen und exquisite Zutaten den Schokoladensorten von Schwarze Herren ihren einmaligen Geschmack.
Die sogenannten Knuspergold Pralinen stehen als Produktbeispiel für die Innovationskraft und Vielfalt, die Stollwerck bis heute auszeichnet.
Stollwerck heute und Ausblick
Die Stollwerck GmbH ist heute ein deutsches Lebensmittelunternehmen mit Sitz in Norderstedt (früher Köln), das durch die Produktion von Schokolade bekannt wurde. Stollwerck gehörte von 2002 bis 2011 der Barry Callebaut AG. 2011 ging die Firma in den Besitz der belgischen Baronie-Gruppe über, die 2015 den Sitz nach Nordersteck verlegte.
Mehr als 100 Jahre lang wurde im Kölner Severinsviertel Schokolade produziert und die Gebrüder Stollwerck prägten die deutsche und europäische Schokoladenindustrie. Unter der Ägide von Hans Imhoff wurde Stollwerck zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren zu einem der weltgrößten Schokoladenhersteller. Wer sich noch mehr für die Geschichte interessiert, kann das Imhoff-Stollwerck-Schokoladenmuseum in Köln besuchen.
Zeittafel: Stollwerck und Markenentwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1839 | Gründung der Bonbonfabrik durch Franz Stollwerck |
| 1860 | Erste Schokoladenproduktion |
| 1871 | Gründung Gebr. Stollwerck |
| 1893 | Aufstellung von Schokoladenautomaten |
| 1902 | Umwandlung zur Aktiengesellschaft |
| 1922 | Deutsche Bank wird Hauptaktionär |
| 1972 | Hans Imhoff übernimmt die Firma |
| 1993 | Gründung des Schokoladenmuseums in Köln |
| 2011 | Übernahme durch Baronie-Gruppe |
Kulinarisches und kulturelles Erbe
Schokolade hat viele Eigenschaften - sie ist Genussmittel und Kulturgut zugleich. Die deutsche Schokoladenkultur wurde maßgeblich von Stollwerck geprägt und lebt heute fort, sowohl in Produkten wie den Knuspergold Pralinen als auch im vielfältigen Sortiment der übernommenen Marken, die für höchste Qualität und Genuss stehen.
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