Schwarze Holzbiene (Blauschwarze Holzbiene) — Biologie, Lebensweise und Honigproduktion
Die Große Blaue Holzbiene, auch Blauschwarze oder Violettflügelige Holzbiene (Xylocopa violacea), ist eine Biene aus der Gattung der Holzbienen (Xylocopa) innerhalb der Familie der Apidae. Mit 20 bis 28 Millimeter Körperlänge zählen die Tiere zu den größten Vertretern der Bienen in Mitteleuropa. Ihr Körper ist tiefschwarz und hat eine hummelähnliche Erscheinung, der ansonsten blauschwarze Thorax ist am Rücken grau gefärbt. Die Holzbiene fällt nicht nur durch ihre metallisch-blau schimmernden Flügel auf, sondern auch durch ihren dunklen, hummelgroßen Körper, der sie zu einem besonderen Exemplar macht.
Verbreitung und Status
Die Art kommt in Süd- und Mitteleuropa bis in Höhen von rund 740 Meter vor. In manchen Bundesländern sowie in der Schweiz war sie, auf Grund ihres Wärmeanspruchs in Kombination mit geeigneten Nistmöglichkeiten, als gefährdet und zum Teil, wie etwa in Baden-Württemberg, sogar als „stark gefährdet“ eingestuft worden. Seit den Erhebungen im Rahmen des Stuttgarter Wildbienen-Katasters hat sich diese Kategorisierung jedoch als unbegründet erwiesen. In der Roten Liste gefährdeter Arten wird sie für Deutschland aktuell als „ungefährdet“ geführt (früher auf der „Vorwarnstufe“).
Früher kam die Art nur in den äußersten "Wärmeinseln" vor, doch mittlerweile hat sie die Klimaerwärmung dazu genutzt, sich allmählich über ganz Deutschland auszubreiten. Inzwischen ist die Art in Deutschland in tieferen Lagen weit verbreitet. Dabei stammen die Erstnachweise aus Norddeutschland fast immer aus Siedlungen und Gärten, erst später tritt sie auch in der freien Landschaft auf, wobei höhere Mittelgebirgslagen bis heute gemieden werden. Die Art konnte seit etwa 2005 auch in Niedersachsen nachgewiesen werden, wobei heute Funde aus fast allen Landesteilen vorliegen, bis einschließlich der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns. In Sachsen ist sie bisher vor allem im Elbtal und im Großraum Leipzig zu finden. Im Mittelmeerraum ist die Große Holzbiene eine der häufigsten Bienenarten.
Lebensraum und Nistverhalten
Die Holzbiene baut ihre Nester bevorzugt in mürbem Totholz. Sie besiedelt sonnige Lebensräume mit ausreichend mürbem Totholz als Nistmöglichkeit, insbesondere Gärten und Streuobstwiesen am Rande von menschlichen Siedlungen. Sonnenbeschienene Biotope mit starkem Totholz und mit großer Blütenvielfalt liebt sie ganz besonders. Beliebte Lebensräume sind strukturreiche Streuobstwiesen, naturnahe Gärten, Parkanlagen und lichte Waldränder. Für die Holzbiene und viele andere Insekten ist das Vorhandensein von größerem Totholz wichtig. Sie freut sich über alte Obstbaumstämme, die senkrecht und sonnig aufgestellt oder stehen gelassen wurden.
Die markante Biene nutzt morsche Obstbaumstämme aber auch gestapeltes Kaminholz, um die rund einen Zentimeter weiten Gänge in das Holz zu nagen. Die Holzbiene fährt sogenannte „Liniennester“, d.h. der genagte Gang wird von hinten nach vorn nach und nach in Zellen unterteilt. Als Einsiedlerbiene beginnt jedes Weibchen im April/Mai mit dem Anlegen ihrer Niststätte in selbstgenagten Hohlräumen in Totholz. Sie bildet sogenannte „Liniennester“, d.h. der genagte Gang wird von hinten nach vorn nach und nach in Zellen unterteilt. Die Trennwände zwischen den Brutzellen bestehen aus einer Mischung aus Speichel und Holzspänen. Dabei legt sie pro Kammer ein einzelnes Ei auf einen zuvor zusammengetragenen Pollenkuchen, ehe sie die Zelle mit einer Trennwand aus Holzspänen und Sekreten abteilt.
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Fortpflanzung, Entwicklung und Jahreszyklus
Die Paarung erfolgt im Frühjahr, nachdem beide Geschlechter überwintert haben. Als eine der ersten wird die Blauschwarze Holzbiene schon sehr früh im Jahr aktiv. Vor allem die agilen Männchen bemühen sich bereits Ende Januar / Anfang Februar intensiv darum, die größeren Weibchen aus ihren Winterquartieren zu zerren, um sich mit ihnen zu verpaaren. Nach der Paarung zu Beginn des Jahres und der Anlage der Niststätte geht die Holzbiene auf Nahrungssuche. Mit ihren kräftigen Kauwerkzeugen nagt die Holzbiene sich durch das Holz und schafft so ein Zuhause für sich und ihre Brut.
Die bereits im Spätsommer fertig entwickelten Holzbienen überwintern in dem Nest bis der Zyklus erneut beginnt. Die vergleichsweise langlebige Biene, die im schnellen Schwirrflug an Christrose, Blauregen, Klatschmohn, Muskateller-Salbei und anderen Blütenpflanzen zu beobachten ist, ist eine der wenigen Solitärbienen-Arten, bei denen die Mutterbiene ihre eigenen Töchter kennen lernt. Die weiblichen Tiere legen zusätzlichen Proviant in jede Wabe mit einer Larve. Anders als bei den Honigbienen werden die Larven der Holzbiene nicht versorgt und gepflegt, sondern sich selbst überlassen. Mithilfe der Nahrung in der Wabe entwickeln sich die Larven eigenständig zu adulten Bienen und verlassen nach etwa zwei Monaten der Entwicklung die Wabe.
Brutpflege und Nahrungsquellen
Die Weibchen ernähren sich und ihre Entwicklungsstadien vom Nektar und Pollen verschiedener Blüten wie etwa von Lippenblütlern, Korbblütlern, Raublattgewächsen und Schmetterlingsblütlern. Im Frühjahr ist diese auffällige Biene ein regelmäßiger Besucher an den wohlriechenden Blütentrauben von Wisteria (Wisteria spp.). Unter den Besuchern der Blüten werden Holzbienen als die einzig „legitimen“ angesehen, da sie durch Gewicht und Kraft und mit ihrem langen Rüssel von vorn an den Nektar gelangen und dabei als Bestäuber wirken und nicht wie andere Insekten seitlich den Kelch durchbeißend „Nektarraub“ betreiben. Vorkommen der Großen Holzbiene lassen sich auch zuverlässig durch Muskatellersalbei (Salvia sclarea) zur Blütezeit im Juni-August anlocken.
Ernährung und Bestäubungsleistung
Holzbienen sind ausgezeichnete Flieger und können sich hervorragend orientieren. Sie fliegen von Blüte zu Blüte, saugen Nektar und sammeln Pollen zum eigenen Verzehr und für die Aufzucht des Nachwuchses. Die Holzbienen fahren entweder mit ihrem Rüssel in die Blüte oder beißen zu enge Blüten seitlich auf, um an Pollen und Nektar zu gelangen. Unter den Besuchern der Blüten werden Holzbienen als die einzig „legitimen“ angesehen, da sie durch Gewicht und Kraft und mit ihrem langen Rüssel von vorn an den Nektar gelangen und dabei als Bestäuber wirken.
Verhalten gegenüber Menschen und Schutzmaßnahmen
Sie sind in der Lage zu stechen, verhalten sich aber gegenüber dem Menschen nicht aggressiv. Doch der seltene Gast kann auch ein Ärgernis werden, wenn er zum Beispiel in altem Fachwerk seine Kinderstube einrichten will. Wer die Holzbiene davon oder vom Benagen alter Zaunpfähle oder anderen Holzteilen abhalten möchte, muss diese mit Ölen, Lasuren oder Lacken behandeln.
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Um den Holzbienen zu helfen, gibt es diverse Möglichkeiten: Wer seinen Garten durch herumliegendes Holz und Pflanzen nicht verunreinigen möchte, kann ein Insektenhotel aufstellen und so den wilden Tieren Unterkunft gewähren. Hierbei sollte beachtet werden, dass unterschiedliche Materialien verwendet werden sollten, um kleinen aber auch größeren Bienen sowie Insekten zu helfen. Die Holzbienen bevorzugen totes Holz. Dazu zählen neben morschen Bäumen auch abgebrochene Äste oder kleinere Stämme. Diese können einfach am Rand vom Garten abgelegt werden. Wem diese Optik nicht gefällt, der kann auch besser aussehende Äste als Dekoration im Garten platzieren. Dadurch werden der blauen Holzbiene Nistmöglichkeiten geschaffen. Wer der Blauschwarzen Holzbiene Nahrungspflanzen zur Verfügung stellen möchte, kann zum Beispiel Natternkopf, Wiesensalbei, Flockenblumen, vor allem aber Blauregen anpflanzen.
Praktische Hinweise für Gärtner
- Alte Obstbaumstämme senkrecht und sonnig stehen lassen oder aufstellen.
- Totholz und größere Äste nicht überall entfernen - ausgewählte Sammelplätze schaffen.
- Blauregen (Wisteria), Muskatellersalbei und Nektarspender wie Salvia sclarea zur Blütezeit anpflanzen.
- Bei unerwünschtem Benagen Holzoberflächen mit Ölen, Lasuren oder Lacken schützen.
- Insektenhotel mit unterschiedlich großen Hohlräumen für verschiedene Arten aufstellen.
Merkmale zur Bestimmung
Am Kopf befinden sich neben den großen schwarzen Facettenaugen auch drei kleinere Punktaugen auf der Stirn. Diese Neben-Augen sind bei der Wahrnehmung der Lichtintensität hilfreich, aber vor allem beim Fliegen. Die Weibchen können in Mitteleuropa im Feld nicht von der Xylocopa valga unterschieden werden. Die ähnlichen Männchen weisen einen braunroten Ring vor der etwas abgeknickten Fühlerspitze auf und können damit gut bestimmt werden.
Ökologische Bedeutung
Als eine der häufigsten Bienenarten im Mittelmeerraum und als regelmäßiger Besucher vieler Blütenpflanzen leisten Große Holzbienen einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung sonniger, strukturreicher Biotope. Die Fähigkeit, Nektar direkt und „legitim“ zu erreichen und dabei als Bestäuber zu wirken, unterscheidet sie von Insekten, die Nektarraub betreiben. Holzbienen sind damit relevante Bestäuber in Gärten, Streuobstwiesen und an Waldrändern.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Xylocopa violacea |
| Körperlänge | 20-28 mm (berlin: 23-28 mm) |
| Nistplatz | Morsches Totholz, Obstbaumstämme, Kaminholz |
| Lebensraum | Sonnige Gärten, Streuobstwiesen, lichte Waldränder |
| Brutaufbau | Liniennester, Trennwände aus Speichel und Holzspänen |
| Überwinterung | Im Nest überwinternde, bereits entwickelte Tiere |
Die Blauschwarze Holzbiene ist die größte Wildbiene in unseren Gärten - und auch die Wildbiene des Jahres 2024. Wir stellen Ihnen den Neuankömmling in fünf Fakten vor. Auffällige Merkmale, frühe Aktivität im Jahr und die Vorliebe für Totholz machen sie zu einer besonders bemerkenswerten Art unter den heimischen Wildbienen.
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