Die Geschichte von Schokolade mit Pervitin: Eine dunkle Seite des Zweiten Weltkriegs und ihre Nachwirkungen

Die Geschichte von Schokolade mit Pervitin ist eng mit dem Aufstieg und Fall des Dritten Reiches verbunden. Pervitin, ein Markenname für Methamphetamin, wurde erstmals 1938 in Deutschland von den Temmler-Werken auf den Markt gebracht. Es wurde schnell zu einem weit verbreiteten Aufputschmittel, das in verschiedenen Bevölkerungsgruppen Anklang fand, von Studenten bis hin zu Hausfrauen. Besonders brisant ist jedoch die Rolle, die Pervitin im Zweiten Weltkrieg spielte, als es millionenfach an deutsche Soldaten ausgegeben wurde, um Müdigkeit zu unterdrücken und die Leistungsfähigkeit zu steigern.

Pervitin: Die "Wunderpille" der Wehrmacht

Im Zweiten Weltkrieg wurde Pervitin zum Synonym für die deutsche Kriegsmaschinerie. Der Wehrphysiologe und Oberfeldarzt Otto Ranke erkannte früh das Potenzial von Methamphetamin als "Wundermittel", das müde Piloten munter und ein ganzes Heer euphorisch machen konnte. Im September 1939 testete er das Mittel an Studenten, die trotz Schlafmangels plötzlich zu enormen Leistungen fähig waren. Die Wehrmacht verteilte die Tabletten millionenfach an ihre Soldaten an der Front.

Die Soldaten gaben dem Mittel bald Spitznamen wie "Panzerschokolade" und "Göring-Pillen". Pervitin ermöglichte es ihnen, tagelang ohne Schlaf und Hunger zu marschieren und zu kämpfen. Die Droge unterdrückte das Schmerzempfinden und stärkte das Selbstvertrauen, was sie zur idealen Waffe für die Blitzkriege gegen Polen und Frankreich machte.

Ein junger Gefreiter schrieb am 9. November 1939 in seiner Feldpost an seine Familie: "Der Dienst ist stramm, und Ihr müsst verstehen, wenn ich späterhin Euch nur alle zwei bis vier Tage schreibe." Am 20. Mai 1940 bat er: "Vielleicht könntet Ihr mir noch etwas Pervitin für meinen Vorrat besorgen." Dieser Gefreite war kein geringerer als der spätere Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll.

Die dunkle Seite der "Wunderpille"

So verlockend Pervitin für die Soldaten auch war, so verheerend waren die langfristigen Auswirkungen auf ihren Organismus. Die kurzen Erholungszeiten nach den langen Wachphasen reichten nicht aus, und die Soldaten wurden schnell von den Muntermachern abhängig. Mit der Sucht kamen Schweißausbrüche, Schwindelanfälle, Depressionen und Wahnvorstellungen. Einige Soldaten starben an Herzversagen, andere erschossen sich in ihren Psychosen selbst.

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Reichsgesundheitsführer Leonardo Conti warnte bereits am 19. März 1940 vor den Gefahren des massenhaften Medikamentenmissbrauchs an der Front: "Wer Ermüdung mit Pervitin beseitigen will, der kann sicher sein, dass der Zusammenbruch seiner Leistungsfähigkeit eines Tages kommen muss." Seine Warnung fand jedoch zunächst kein Gehör.

Erst als Folge eines Sexskandals sah sich das Innenministerium genötigt, Pervitin und andere Methamphetamin-Präparate zum 1. Juli 1941 unter das Opiumgesetz zu stellen. Doch auch danach kämpften viele Wehrmachts- und Waffen-SS-Einheiten weiter high, da die Tabletten vielfach gerade vor Offensiven massenhaft an Soldaten ausgegeben wurden.

Pervitin nach dem Krieg

Auch nach dem Krieg war Pervitin leicht erhältlich, entweder auf dem Schwarzmarkt oder rezeptpflichtig in Apotheken. Ärzte verschrieben es ihren Patienten bedenkenlos als Appetitzügler oder Stimmungsaufheller bei Depressionen. Zahlreiche Sportler senkten mit Pervitin ihr Schmerzempfinden und steigerten gleichzeitig Leistungsfähigkeit und Ausdauer.

Der Boxer Joseph "Jupp" Elze starb 1968 nach einem K.o. im Ring. Er hatte 150 Kopftreffer eingesteckt. Ohne Methamphetamin wäre er viel früher zu Boden gegangen und vielleicht nicht gestorben. Elze wurde Deutschlands erstes bekanntes Dopingopfer.

In den sechziger Jahren belieferten die Temmler-Werke die Armeen der DDR und der Bundesrepublik mit den Muntermachtabletten. Erst in den Siebzigern strich die Bundeswehr die Pillen aus dem Sanitätsbestand, die NVA verbannte sie im Jahr 1988. Pervitin wurde in ganz Deutschland verboten, doch die große Karriere des Methamphetamins als illegal produzierte Droge hatte gerade erst begonnen.

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Der Aufstieg von Crystal Meth

In den USA, wo der Methkonsum heute weit verbreitet ist, blieb illegales Methamphetamin zunächst eine Randerscheinung. Ab den späten Siebzigern entdeckten Motorradgangs wie die Hells Angels das sogenannte Crystal Meth als Einkommensquelle und bauten Drogenküchen im großen Stil. Methamphetamin wurde nun nicht mehr als Pulver in Tabletten gepresst, sondern in Form von Kristallen verkauft.

Die Wenigsten wussten allerdings, wie man die Kristalle herstellt, bis ein verrückter Tüftler aus Wisconsin Mitte der Achtziger das Drogenkochbuch "Secrets of Methamphetamine Manufacture" herausbrachte. Es war der Chemiker Steven Preisler alias "Uncle Fester".

Der Autor präsentiert in seinem umstrittenen Buch sechs verschiedene Rezepte zur Zubereitung der Droge, die er "Raketentreibstoff für Menschen" nennt. Für alle verwendet er ausschließlich legale Zutaten. Von nun an entsteht der Stoff in immer mehr illegalen Meth-Küchen, eingerichtet in gewöhnlichen Mietwohnungen, abgelegenen Waldhütten oder Hotelzimmern.

Beim Kochen von Meth entstehen hochgiftige, explosive Substanzen. Immer wieder fliegen improvisierte Drogenküchen in die Luft, abhängige Mütter lagern die gefährlichen Zutaten im Kühlschrank neben Babybrei und vergiften damit ihre Kinder.

Die Anzahl dieser "Privatlabore" ist schockierend: Laut der amerikanischen Drogenfahndungsbehörde (DEA) wurden allein im Jahr 2010 rund 11.000 Meth-Küchen ausgehoben, verglichen mit 7530 in 2009. Meth wird geschnupft, geraucht, gegessen oder gespritzt, Süchtige konsumieren oft die tausendfache Dosis dessen, was die Wehrmachtsoldaten im Krieg genommen haben.

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Die Nebenwirkungen sind erschreckend: Meth schwächt das Immunsystem. So wuchern Ekzeme auf der Haut, Haare fallen aus, die Abhängigen bekommen den sogenannten Meth-Mund - die Zähne fallen aus und die Schleimhäute zersetzen sich. Methsüchtige magern stark ab, bekommen Nieren-, Magen- und Herzstörungen.

Trotz dieser fatalen Nebenwirkungen hat die Droge offenbar nichts von ihrem Reiz verloren, dem schon Heinrich Böll erlag. 2011 schätzte das National Institute of Drug Abuse, dass etwa 13 Millionen US-Amerikaner schon einmal Meth genommen haben.

Hitlers Drogenkonsum

Auch Adolf Hitler selbst war möglicherweise abhängig von Drogen. Sein Leibarzt Dr. Theodor Morell verabreichte ihm täglich einen "Vitamin"-Cocktail, dessen belebende Wirkung unmittelbar einsetzte. Es gibt jedoch Zweifel an Morells Beteuerung, dass sich in den "Vitamultin A"-Ampullen lediglich Vitamine befunden hätten.

Der US-Psychiater Professor Leonhard Heston von der University of Minnesota und seine Frau Renate Heston, eine Krankenschwester, befanden schon 1979 in ihrer Studie "Medical Casebook of Adolf Hitler", dass Vitamine allein nicht als Muntermacher taugten. Spätestens Anfang 1942, so vermuten die Hestons, habe der Diktator das Aufputschmittel zusätzlich zu den Pillen auch als intravenöse Injektion bekommen.

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