Schoko Bons Käfer Vorfall: Läuse, Schellack und die Debatte um Insekten in Süßigkeiten

WHAAAT?! Kein Scherz! Zum Nachtisch gibt es Schokolade beziehungsweise Läuse ... Nanu, sind wir etwa im Dschungelcamp? Nein! Auch in der Lebensmittelindustrie ist es mittlerweile gang und gäbe, Insekten in Süßigkeiten zu verarbeiten. Während in den letzten Jahren das Thema Insekten als Lebensmittel verlässlich in den Medien vorkam und heiß darüber diskutiert wurde, ob man sich vorstellen könnte, das Burgerpatty aus Rindfleisch durch eines aus Mehlwürmern zu ersetzen, wurde ein Aspekt vielfach ausgeklammert: Insekten finden sich bereits seit Jahren in unseren Lebensmitteln.

Welche Insektenprodukte stecken in Süßigkeiten?

Besonders zwei Tierprodukte kommen sehr häufig in Süßigkeiten, aber auch in Kosmetikprodukten vor: Schellack und der Farbstoff Karmin. Schellack (E904), der viele Lebensmittel überzieht, und der rote Farbstoff Karmin (E120) werden seit langem verwendet. Der Farbstoff E 120, das sogenannte "rote/echte Karmin", das aus ausgekochten und zerquetschten weiblicher Kochenilleläuse (Nopal-Schildläuse) gewonnen wird, längst in einigen unserer Lieblingsnaschereien Verwendung.

Nicht nur in Schoko-Bons! In diesen Lebensmitteln stecken Insekten. Bei Schellack handelt es sich um eine Art Harz, das als Glanz-, Überzug- und Bindemittel verwendet wird, wie das Öko-Magazin Öko-Test erklärt. Schellack wird von Lackschildläusen abgesondert und bildet eine Art Harz an Bäumen. Dort kann es dann geerntet, erhitzt, gesäubert und geformt werden, um anschließend zu Schellack zermalmt und weiterverarbeitet werden zu können.

Illustration: Lackschildlaus und Gewinnung von Schellack

Beispiele für Produkte mit E120 und E904

Enthalten ist der Farbstoff E 120 laut "codecheck.info" in: "Saure Glühwürmchen" von Trolli, "Kaugummi - Full Fruit" von Mentos, "Müllermilch Kirsch-Banane" von Müller, "Obstgarten Erdbeere" und "Obstgarten Himbeere" von Ehrmann, "Crisp" von m&m‘s. Der Schellack ist unter anderem in den Schokolinsen von Milka. Und auch in Schokobons war Schellack als Überzugsmittel gelistet.

Der Schellack ist unter anderem in den Schokolinsen von Milka. Der glänzende Überzug ist besonders bei Schokoladenprodukten beliebt und wird laut dem Portal Lebensmittelklarheit der Verbraucherzentrale auf Inhaltsstofflisten selten als „Schellack“ gelistet, sondern meistens als E904. Schellack wird als Überzugsmittel eingesetzt, damit Lebensmittel stärker glänzen.

Lesen Sie auch: Blechkuchen mit Kirschen

EU-Verordnung und öffentliche Reaktionen

Seit Januar 2023 ist es offiziell! Mit dem Inkrafttreten einer EU-Verordnung dürfen neben Mehlkäfern und Wanderheuschrecken nun auch Hausgrillen und die Larven des Getreideschimmelkäfers in Lebensmitteln verarbeitet werden - wenn sie entsprechend gekennzeichnet werden. Als die EU anfing, immer mehr Insekten als Lebensmittel zuzulassen, gingen viele Kritiker auf die Barrikaden. Der ein oder andere hat es vielleicht schon einmal gehört: In vielen Süßigkeiten seien Insekten enthalten. Als die EU anfing, immer mehr Insekten als Lebensmittel zuzulassen, gingen viele Kritiker auf die Barrikaden.

In diesem Zuge gerieten viele Produkte, in denen schon lange Insekten-Zutaten verwendet werden, wieder in den Fokus. So auch die kleinen Kinder Schoko-Bons. Denn für ihren typischen Glanz sorgte bislang die Zutat Schellack, die nur unter der E-Nummer E904 in den Zutatenlisten auftaucht.

Grafik: EU-Verordnung und zugelassene Insektenarten

Ferrero und die Rezepturänderung der Kinder Schoko-Bons

2013-2023: 2023 hat Ferrero verkündet, keine Läuse-Ausscheidungen mehr für die beliebten Schokobons zu nutzen. Ferrero hatte im Jahr 2023 angekündigt, künftig auf die Verwendung von Schellack in Kinder Schoko-Bons zu verzichten. Ferrero hat jedoch die Rezeptur geändert und nutzt nun Gummi Arabicum. Statt Schellack verwendet Ferrero nun Gummi Arabicum, ein pflanzliches Harz, das ähnliche Eigenschaften besitzt und ebenfalls für den Glanzeffekt sorgt.

Das Weglassen der speziellen Zutat wird dem Konzern zufolge keinerlei Auswirkungen auf den Geschmack haben. „Wir werden künftig das gleiche einzigartige Geschmackserlebnis von Kinder Schoko-Bons mit einer Zutatenliste bieten, in der Schellack kein Bestandteil mehr ist“, so die Pressestelle des Unternehmens gegenüber dem Nachrichtenportal. Geschmacklich ändere sich dadurch nichts, so Ferrero. Die Schoko-Pralinen gebe es jetzt ohne Schellack in der Zutatenliste, berichtete zuerst «In Franken».

Die Schoko-Bons mit der neuen Rezeptur seien bereits im Handel, die alte Variante wird aktuell aber noch abverkauft. Ob auch die Kritik vieler Verbraucher eine Rolle spielte, verrät das Unternehmen hingegen nicht. Ob weitere Produkte folgen und andere Marken nachziehen, bleibt abzuwarten.

Lesen Sie auch: Einfaches Roulade Rezept

Foto: Kinder Schoko-Bons Packung

Ethik, Transparenz und Verbraucherschutz

Peta kritisiert an der Methode der Industrie: "Schellack ist zwar ein Ausscheidungsprodukt, das der Läuse-Nachwuchs irgendwann nicht mehr braucht, aber darauf wartet die Industrie nicht immer. Für ein Kilogramm Schellack wird die Sekretabsonderung von etwa 300.000 Lackschildläusen benötigt. Allerdings sterben bei der Produktion viele Läuse und ihre Nachkommen, was ethische Bedenken hinsichtlich Tierwohl und Nachhaltigkeit aufwirft, wie das Deutsche Zusatzstoffmuseum erklärt.

Schellack ist nicht vegan oder vegetarisch. Die Inhaltsstoffe sind nicht schädlich. Produkte, die solche Inhaltsstoffe enthalten, dürfen sich allerdings auch nicht als vegan bezeichnen, das hat die EU strikt geregelt. Wer auf Läuse und ihre Ausscheidungen in Nahrungsmitteln trotzdem verzichten will, der sollte unbedingt einen Blick auf die Zutatenliste auf der Rückseite der Verpackung werfen. Wird dort Schellack oder die E-Nummer E904 aufgeführt, sollten Sie besser die Finger davon lassen.

Verbreitung und Einsatzbereiche von Schellack

In der Lebensmittelindustrie wird Schellack (E904) als Überzugsmittel eingesetzt, um Produkten wie Äpfeln, Süßigkeiten und Nüssen Glanz zu verleihen und sie vor Feuchtigkeit zu schützen. Der Stoff sorgt für die glänzende und harte Struktur der Schoko-Bons und wird unter anderem auch als Überzugsmittel für Pfirsiche, Äpfel, Birnen, Ananas, Melonen, Zitrusfrüchte, Kaffeebohnen, Nahrungsergänzungsmittel und Süßwaren aller Art verwendet.

Auch in der Kosmetik- und Pharmaindustrie findet Schellack breite Anwendung, beispielsweise in Lippenstiften, Lacken und als Kapselüberzug für Medikamente. PETA zufolge werde Schellack für "alles verwendet, das glänzen und sich nicht zu schnell auflösen soll". Dazu zählen unter anderem die "Kinder Schoko-Bons" von Ferrero und "bunte Kakaolinsen" von Milka. Aber auch in Kosmetik wie Nagellack und Haarspray und Zigaretten sowie auf Möbelstücken und als Überzug von Tabletten finden die Hinterlassenschaften von Gummilackschildläusen Verwendung.

Infografik: Anwendungsbereiche von Schellack und Karmin

Was bedeutet das für Verbraucher?

Wer jetzt Panik bekommt, kann sich beruhigen: Die Inhaltsstoffe sind nicht schädlich. Insekten sind in anderen Kulturen ein ganz normales Lebensmittel, während sie in Deutschland verhalten und langsam als Fleischersatz in die Supermärkte wandern. Doch sind Insekten schon länger Teil von Lebensmitteln in Deutschland, ohne, dass es die meisten Menschen wissen?

Lesen Sie auch: Schoko-Kokos-Kuchen für Genießer

Die Aussage, dass in Kinder Schokobons Insekten stecken ist nicht ganz falsch. Denn tatsächlich stammte bis vor ein paar Monaten eine Zutat in Schokobons von Insekten - nämlich Schellack. Er diente als Überzugsmittel und verlieh den Schokobons seinen Glanz. Immer wieder gibt es Behauptungen, dass beispielsweise in Kinder-Schokobons Insekten verarbeitet werden.

Praktische Hinweise

  • Wer auf tierische Inhaltsstoffe verzichten möchte, sollte die Zutatenliste prüfen und nach „Schellack“ oder „E904“ sowie „E120“ suchen.
  • Produkte, die solche Inhaltsstoffe enthalten, dürfen sich nicht vegan nennen; das ist gesetzlich geregelt.
  • Discounter-Alternativen können andere Rezepturen verwenden - ein genauer Blick auf die Zutatenliste lohnt sich.

Während in den letzten Jahren das Thema Insekten als Lebensmittel verlässlich in den Medien vorkam und heiß darüber diskutiert wurde, ob man sich vorstellen könnte, das Burgerpatty aus Rindfleisch durch eines aus Mehlwürmern zu ersetzen, wurde ein Aspekt vielfach ausgeklammert: Insekten finden sich bereits seit Jahren in unseren Lebensmitteln. An der Behauptung, in einigen Süßigkeiten würden Insekten stecken, ist tatsächlich etwas dran. Es ist allerdings nicht so, wie man es sich jetzt vielleicht vorstellt, dass die Schokolade in Schokobons eigentlich aus Mehlwürmern hergestellt wird.

Interview mit Ernährungsexperten: E904, E120 und Verbraucherschutz

Tabelle: Vergleich Schellack (E904) und Karmin (E120)

Eigenschaft Schellack (E904) Karmin (E120)
Herkunft Sekret von Lackschildläusen aus Kochenilleläusen gewonnen
Verwendung Glanz-/Überzugsmittel, Schutzschicht roter Farbstoff in Lebensmitteln und Kosmetik
In Produkten Schokolinsen, einige Schokoprodukte, Obstüberzüge Bonbons, Joghurts, Fruchtprodukte, Kosmetik
Kennzeichnung E904 oder „Schellack“ E120, „Karmin“, „Echtes Karmin“
Vegan/Vegetarisch nicht vegan/vegetarisch nicht vegan/vegetarisch

Der Laus-Lack wird in hunderten Lebensmitteln verwendet. Auch in solchen, die man auf den ersten Blick für vegan oder vegetarisch halten würde. Während in den letzten Jahren das Thema Insekten als Lebensmittel verlässlich in den Medien vorkam, sorgte ein EU-Beschluss für die Freigabe bestimmter Insekten in Lebensmitteln für Unmut bei vielen Deutschen.

tags: #Schoko #Bons #Käfer #Vorfall

Populäre Artikel: