Herzwein aus Petersilie, Honig und Wein: Rezept, Wirkung und Anwendung nach Hildegard von Bingen

Petersilie war für mich immer ein etwas „angestaubtes“ Küchenkraut, das meine Oma sehr gerne und häufig verwendete. Nachdem ich mich aber intensiver mit der Pflanze beschäftigt habe, sehe ich sie mit anderen Augen. Petersilie ist eine sehr alte Gewürz- und Heilpflanze. Sie wird seit Tausenden von Jahren von Menschen genutzt und angebaut.

Petersilie: Pflanze, Inhaltsstoffe und gesundheitliche Hinweise

Die Petersilie (Petroselinum crispum) gehört zur Pflanzenfamilie der Doldenblütler. Petersilie enthält wertvolle ätherische Öle, Bioflavonoide, Provitamin A und Vitamin C. Ein anderer Bestandteil, das Vitamin C der Petersilie, wirkt darüber hinaus kräftigend und belebend und kurbelt unser Immunsystem an. Die entlastende Wirkung auf den Herzmuskel wird unter anderem auf die in der Petersilie enthaltenen ätherischen Öle zurückgeführt. Diese liegen im Herzwein in gelöster Form vor und sind dadurch für den Körper schnell bioverfügbar.

Petersilie regt außerdem den Verdauungsvorgang an, wirkt harntreibend und unterstützt die Nieren- und Blasentätigkeit. Damit ist die Petersilie natürlich hervorragend für das Rezept vom Herzwein der Hildegard von Bingen und Maria Treben geeignet. Die Petersilie ist wahrscheinlich das bekannteste Kraut in der deutschen Küche. Als Heilpflanze kommt sie heute den wenigsten Menschen in den Sinn.

Im Juni/Juli erscheint ihr bis 60 cm hoher Blütenstängel mit gelblich grünen Doldenblüten. Schwangere sollten Petersilie nicht in größeren Mengen verwenden, da sie Apiol enthält, eine Substanz, die die Aktivität der Gebärmutter verstärken und damit Wehen auslösen kann. Auch Gesunde sollten Petersilie nicht im Übermaß zu sich nehmen. In starker Überdosierung wird Petersilie giftig und kann z. B. …

Hildegard von Bingen und die Tradition des Herzweins

Hildegard von Bingen (1098-1179) war eine Benediktineräbtissin, deren umfassendes Wissen über Kräuterheilkunde und Naturheilverfahren bis heute geschätzt wird. Sie hinterließ uns nicht nur Rezepte für die Küche, sondern ebenfalls Anleitungen, in denen Nahrungsmittel medizinischen Einsatz erfahren. Ein Beispiel, wie sie Nahrungsmittel für heilkundige Zwecke einsetzte, ist der Herzwein nach Hildegard von Bingen.

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„Wer im Herzen oder in der Milz oder in der Seite Schmerzen leidet, der koche Petersilie in Wein unter Zugabe von etwas Essig und reichlich Honig und seihe durch ein Tuch ab.“ - Hildegard von Bingen. Der Petersilientrank (Decotum Petroselini), auch bekannt als Herzwein, Petersilienhonigwein oder Petersilienelixier, ist ein traditionsreiches Mittel aus der Klosterheilkunde. Der Herzwein wird seit Jahrhunderten für seine überlieferte Wirkung geschätzt und ist bis heute fester Bestandteil der Hildegard-Heilkunde.

Hildegard von Bingen Kräutergarten

Wirkung des Herzweins

Der Petersilienwein soll Herz und Kreislauf sowie das Immunsystem stärken. Die Heilige Hildegard von Bingen beschrieb seine Anwendung zur Unterstützung der Herzgesundheit und allgemeinen Kräftigung. Die Petersilie wird herzstärkende Kräfte zugeordnet und sie wird als Heilpflanze hoch geschätzt und eingesetzt: bei Herzstichen, Herzschwäche, zur Erholung nach einem Infarkt, zur Blutdruckregulation, sie stärkt das Altersherz und die Milz, wirkt ausgleichend auf Herz und Kreislauf, entwässert und ist hilfreich bei Schlaflosigkeit, Erschöpfung, Übermüdung und Kraftlosigkeit.

Der Honig wirkt entzündungshemmend, während der Weinessig die Durchblutung fördert. Der Honig ist ein echtes Naturprodukt und enthält sehr viele Nährstoffe, Spurenelemente, Vitamine und Mineralstoffe. All diese Inhaltsstoffe können die Abwehrkräfte stärken und verschiedenste Heilungsprozesse fördern. Honig hat eine feuchtigkeitsspendende und entzündungshemmende Wirkung, außerdem wirkt er durch seinen hohen Phosphorgehalt beruhigend auf Geist und Seele.

Weinessig wird eine entschlackende, desinfizierende und fiebersenkende Wirkung nachgesagt. Es kann positiv auf die Darmflora wirken und vor Infektionen schützen. In dem Rezept vom Herzwein ist nur 1 (max. 2) Essl. enthalten und man schmeckt in keinster Weise, dass Weinessig enthalten ist. Hildegard von Bingen war der Ansicht, dass „der Essig vom Wein allen Speisen nützt, wenn er als Zugabe den Geschmack der Kost nicht beeinträchtigt.“

Rezept: Herzwein nach Hildegard von Bingen (Variation aus Quellen)

Das Originalrezept ist simpel und du brauchst nur wenige Zutaten. Aus dieser Kombination dieser großartigen Naturprodukte ist die Rezeptur für den Petersilien- oder Herzwein nach Hildegard von Bingen entstanden.

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Zutaten (häufige Varianten) Menge
Frische Petersilie (Stängel + Blätter) 10-15 Stängel
Rot- oder Weißwein (BIO empfohlen) 1 Liter
Weinessig oder Apfelessig 1-2 EL
Honig (Bienenhonig) 80-300 g (typisch 100-175 g)

Zubereitung (zusammengefügte Anleitungen aus Quellen)

  1. Die Petersilie waschen und liebevoll grob zerkleinern.
  2. Wein und Weinessig in einen großen Topf geben. Die Petersilie mitsamt Stängeln und Blättern mit dem Essig und dem Wein zum Kochen bringen und dann ungefähr 5-10 Minuten lang ziehen lassen. Petersilie grob hacken und mit Rotwein und Weinessig in einem Topf bei kleiner Hitze 10 Minuten leicht köcheln lassen (nicht sprudelnd kochen).
  3. Vom Herd nehmen, kurz abkühlen lassen, Honig einrühren und gut auflösen lassen. Lassen Sie den Sud bis auf ca. 40 °C abkühlen, bevor Sie den Bienenhonig einrühren. Der Honig darf nicht zu heiß werden, sonst verliert er viele wertvolle Enzyme.
  4. Den Sud durch ein Tuch oder einen sehr feinen Filter in gut gesäuberte, sterilisierte Flaschen umfüllen. Spülen Sie jedoch die Flasche vorher mit einem Teelöffel hochprozentigen Alkohol.
  5. So zubereitet ist der Wein mehrere Monate haltbar; traditionell hergestellter Herzwein kann in sterilen Flaschen über mehrere Jahre haltbar sein.
Herzwein in Glasflaschen

Anwendung, Dosierung und Kuren

Nehmen Sie zur Stärkung des Herzens 1 bis 3 x täglich einen Esslöffel Herzwein ein. Täglich 1-2 Likörgläser (ca. 20 ml), am besten vor dem Frühstück oder abends vor dem Schlafengehen. Zur allgemeinen Stärkung 2 x täglich ein Stamperl (ca.). Bei einer Kur wird einen Monat lang drei Mal täglich ein Likörglas „Herzwein“ getrunken. Bei einer Kur zwischen 14 Tagen und mehreren Monaten kann man täglich drei Likörgläser davon trinken. Die „kleine Herzkur“ nach Dr. Hertzka kombiniert täglich ein Likörglas Petersilientrank mit einer Messerspitze Galgantwurzelpulver über einen Zeitraum von bis zu 6 Monaten.

Man soll die positive Wirkung angeblich sofort merken können. Die Einnahme des Herzweins ersetzt bei Beschwerden allerdings nicht den Besuch beim Arzt oder Heilpraktiker. Diese Rezeptur ersetzt weder den Arztbesuch noch verordnete Medikamente, sondern dient ausschließlich zusätzlich zur Unterstützung. Bei Vorerkrankungen, z.B. … Die Anwendung bei Babys, Kindern und Schwangeren sollte nur mit vorheriger Abklärung durch einen Arzt erfolgen.

Sicherheit, Hinweise und wissenschaftliche Aspekte

Wie der Name es schon sagt, handelt es sich hierbei um Wein, also um Alkohol. Daher bitte nicht übermäßig verzehren. Im Ärzteblatt kann man nachlesen, dass kanadische Forscher in einer Studie nachgewiesen haben, dass 1 Glas Wein günstige „hämodynamische“ Effekte hat - allerdings macht laut der Studie ein 2. Glas diese positive Wirkung sofort wieder hinfällig. Viele Langzeitstudien deuten darauf hin, wer täglich ein Gläschen Wein trinkt, lebt länger als Abstinenzler und bekommt seltener einen Herzinfarkt. Wichtig: Mehr als ein Glas war in den Studien nicht von Nutzen.

Wer selbst Wildkräuter und -pflanzen sammelt und nutzt, muss in der Lage sein, die Pflanzen eindeutig zu erkennen. Bei Unsicherheit ist von der Nutzung unbedingt abzusehen! Bei unklaren, akuten, schweren und anhaltenden Gesundheitsbeschwerden reichen Hausmittel nicht aus und es sollte ein Arzt konsultiert werden.

Herzwein Zubereitung Schritt für Schritt

Varianten, historische Hinweise und weitere Zutaten

Das Rezept für den Herzwein von Maria Treben unterscheidet sich hauptsächlich in der Honigmenge. Frau Treben hat 300 g im Rezept, Hildegard von Bingen 100 g. Wahrscheinlich war Honig zu Hildegards Zeit deutlich kostbarer und weniger verfügbar. Petersilienwurzel kann für stärkere Entwässerung verwendet werden. Weißdorn-Tinktur wird zur Förderung der Durchblutung genannt. Galgantpulver ist ein weiteres Hildegard-Mittel zur Unterstützung des Kreislaufs.

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Bereits Dr. Gottfried Hertzka führte die großangelegte Herstellung dieses Elixiers ein. Petersilienhonigwein wurde erstmals in der Konstanzer Rats-Apotheke im großen Stil hergestellt. Hildegard von Bingen soll über Wein gesagt haben: „Der Wein heilt und erfreut den Menschen mit seiner gesunden Wärme und seiner großen Kraft. Der Wein ist nämlich das Blut der Erde.“

Praktische Tipps und persönliche Anmerkungen

Herzwein selber machen geht einfach und ist für mich ein Rezept mit „Langzeitwirkung“. Als Kind mochte ich Petersilie gar nicht - mittlerweile ist sie aus meiner Küche nicht mehr weg zu denken. Ich kaufe Honig nur von unseren Imkern in der Region und erhalte immer hervorragende Honigqualitäten. Ein solches Geschenk ist für mich der „Herzwein“ nach dem Rezept von Hildegard von Bingen. Er schmeckt nicht nur großartig, sondern ist auch noch gesund. Wohl bekomms!

Das „alte“ Küchenkräutlein meiner Omi empfinde ich wirklich als kleines „Wunderkraut“ für die Gesundheit. Wer Petersilie nur als Dekoration auf dem Buffet oder als Suppengewürz schätzt, wird über die Heilkräfte dieser Pflanze überrascht sein!

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