Vernichtendes Urteil für Nesquik und Co.: Kakaopulver im Test – Zu viel Zucker, Mineralöl und wenig Transparenz

Morgens eine Tasse Kakao? Das Getränk ist nicht nur bei Kindern beliebt. Ein heißer Kakao hebt die Stimmung und versetzt uns in glückliche Kindheitstage zurück. Doch Öko-Test hat sich Kakaopulver jetzt genauer angesehen - und kommt zu einem vernichtenden Ergebnis: In den Pulvern steckt meist zu viel Zucker, in einigen auch Mineralöl. Ausgerechnet Nesquik - das beliebte Kakaopulver von Nestlé schmiert bei "Ökotest" mit der schlechtesten Note ab. Auch Kaba ist nicht wirklich besser.

Der Öko-Test Kakaopulver-Test: Was wurde untersucht?

Öko-Test wollte es beim aktuellen Kakaopulver-Test genau wissen: Das Augenmerk der Verbraucherschützer:innen lag nicht nur auf den Inhaltsstoffen und möglichen Schadstoffen, sondern auch auf der Herkunft der Hauptzutat, dem Kakao. Die Hersteller sollten ihre Lieferkette belegen sowie Auskunft zu Zertifizierungen und der Zahlung von Mindestpreisen, existenzsichernden Löhnen und Prämien geben. Hinweis: Öko-Test veröffentlichte die Testergebnisse erstmalig in der Ausgabe 05/2023. Haben sich zwischenzeitlich Änderungen bei den Produkten oder gesetzlichen Grenzwerten ergeben, ließen die Verbraucherschützer:innen eine neue Laboranalyse durchführen.

Für unseren Test haben wir 15 kakaohaltige Getränkepulver eingekauft, darunter sechs Bioprodukte. Dabei haben wir Packungen ausgewählt, die sich mit ihrer Produktaufmachung gezielt an Kinder richten. In umfangreichen Laborprüfungen ließen wir den Zucker- und Fettgehalt, Methylxanthine (Theobromin, Coffein) und den Kakaopulveranteil bestimmen, außerdem wurden Cadmium und Mineralöl analysiert. Auch die Belastung mit Keimen wie Enterobacteriaceen, E.coli, Salmonellen und Schimmel wurde gemessen. Darüber hinaus bestimmte das Labor mithilfe eines standardisierten Löffels ein Löffelgewicht, anhand dessen sich die Portionsgröße berechnen ließ, wenn der Hersteller selbst hierzu keine Angaben auf der Verpackung machte.

Mittels eines umfangreichen Fragebogens zur Corporate Social Responsibility (CSR) haben wir die Hersteller um Auskunft zur Transparenz entlang ihrer Lieferkette, zu vorliegenden Zertifizierungen, zu existenzsichernden Einkommen, der Zahlung von Mindestpreisen und Prämien sowie der Möglichkeit der Vorfinanzierung für die Kooperativen gebeten. Darüber hinaus wollten wir wissen, ob und wie sie sicherstellen und kontrollieren, dass grundlegende Menschenrechte in ihrer Lieferkette eingehalten und verbotene Formen der Kinderarbeit verhindert werden. Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden.

Das Ergebnis: Ernüchternd und bitter

Das Ergebnis ist ernüchternd: Vor allem bei den sozialen Aspekten machten Hersteller keine oder lückenhafte Angaben. Doch auch bei den Zutaten der Kakaopulver haben einige Produkte Luft nach oben. Von den insgesamt 15 Kakaopulvern im Test war kein einziges „sehr gut“ oder „gut“. Es sind vor allem die großen und bekannten Marken, die zu Problemkindern mutieren. "Ausgerechnet Nesquik aus dem Hause Nestlé", schreibt Ökotest, "eine der bekanntesten Kakaopulvermarken, rasselt komplett durch." Die Probleme sind vielschichtig: zu viel Zucker, Mineralölbestandteile und problematische Werbung über den Kakaoanbau und Transparenz. Auch der Kaba, dessen Name so bekannt ist, dass ihn manche als Synonym für Kakaopulver verwenden, schneidet "Mangelhaft" ab.

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Zu viel Zucker: Hauptzutat ist nicht Kakao

Die Hauptzutat in Kakaopulver von Nesquik und Co.? Kakaopulver besteht vor allem aus Kakao? Mitnichten. Oft enthalten die Produkte mehr Zucker als Kakao. In neun der 15 Pulver ist der Zuckeranteil nach Einschätzung von Öko-Test „erhöht“ oder sogar „stark erhöht“. "Ökotest" möchte keine direkte Empfehlung aussprechen, denn mit Zuckergehalten von bis zu 87 Prozent in den Pulvern, sollte sich die Tasse Kakao eher aufs Wochenende beschränken.

Ja! Die Bio-Produkte schneiden beim Zuckergehalt insgesamt besser ab: Bei allen sechs Bio-Kakaopulvern ist der Zuckergehalt „in Ordnung“.

Schadstoffbelastung: Mineralöl und Cadmium in einigen Produkten

Bei der Schadstoffbelastung können die Bio-Kakaopulver dagegen nicht punkten. In insgesamt sieben Produkten wies das Labor Mineralölbestandteile nach, genauer gesagt gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH). Die Stoffe reichern sich laut Öko-Test in der Leber und im Fettgewebe an. Die beiden genannten und zwei weitere Bio-Produkte fielen auch aus einem weiteren Grund negativ auf; sie alle enthalten Cadmium. Nehmen wir Cadmium auf, reichert es sich in den Organen an und kann diese schädigen. Insgesamt sind fünf Kakaopulver damit belastet, zuletzt wies Öko-Test Cadmium auch in Reiswaffeln nach.

Mangelnde Transparenz bei der Lieferkette und Kinderarbeit

Ob Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen in Ghana, Kamerun, der Elfenbeinküste und anderen afrikanischen Ländern oder der dominikanischen Republik stattfindet, können die Hersteller zumindest nicht nachweislich ausschließen. „Echte Belege blieben aus“, so das Urteil von Öko-Test. Zwar lobt Öko-Test die Hersteller Gepa und Rapunzel für ihre Transparenz in der Lieferkette und bescheinigt beiden ein „hohes zusätzliches Engagement“. Doch bei den meisten anderen Herstellern fehlt diese Transparenz. „Kaba“-Hersteller Cramabar etwa ging nicht auf die Fragen von Öko-Test ein.

In den vorwiegend westafrikanischen Anbaugebieten kann der Kakaoanbau die dortige Umwelt schädigen. Die meisten Bio-Anbieter konnten beide Umweltbelastungen ausschließen. Bei den konventionellen Herstellern sind die Pestizide nur „teilweise“ verboten. Die Zertifizierer Fairtrade und Rainforest Alliance schließen in ihren Standards die Abholzung von Regenwald aus.

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Details zu Nesquik und Kaba

  • Nesquik: Zu viel Zucker, Mineralölbestandteile, zusätzliche Aromastoffe, aus Sicht von Öko-Test problematische Werbung und ein nur ausreichendes Teilergebnis beim Kakaoanbau und Transparenz. Zwar versucht sich Hersteller Nestlé mit seinem eigenen Cocoa Plan-Programm in bunten Broschüren und blumigen Worten als Vorreiter in Sachen fairer und nachhaltiger Kakaoanbau zu präsentieren.
  • Kaba Das Original Kakao: Schneidet ebenfalls "ungenügend" ab.

Die Bewertung der Testergebnisse im Detail

Testergebnis Inhaltsstoffe:

  • Abwertung um jeweils zwei Noten:
    • Ein gemessener Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg.
    • Ein gemessener Gehalt an Zucker, der die WHO-Empfehlung von 15 Gramm Zucker täglich mit einer Portion überschreitet (bezogen auf eine durchschnittliche Energiezufuhr von 1.200 Kilokalorien eines etwa dreijährigen Kindes pro Tag).
  • Abwertung um jeweils eine Note:
    • Ein gemessener Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/MOSH-Analoge) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg.
    • Ein gemessener Gehalt an Zucker von mehr als 7,5 Gramm Zucker pro Portion.
    • Ein gemessener Gehalt an Cadmium von mehr als 0,30 mg/kg.

Testergebnis Weitere Mängel:

  • Abwertung um zwei Noten: An Kinder gerichtete Produktaufmachung, obwohl Produkte, die Kakao enthalten, nach Einschätzung und in Anlehnung an das Nährwertprofil-Modell der WHO Europa gar nicht für Kinder beworben werden sollten.
  • Abwertung um jeweils eine Note:
    • Die Angabe der Referenzmenge für Nährwerte für einen durchschnittlichen Erwachsenen auf einem Produkt, das sich an Kinder richtet.
    • Eine zu kleine Portionsgröße zur Berechnung der Nährwerte (hier: 100 Milliliter Milch und 7 Gramm Kakaopulver).
    • Eine gemessene Abweichung des Fett- oder Zuckergehalts vom deklarierten Gehalt.

Testergebnis Kakaoanbau und Transparenz:

Dieses Testergebnis beruht auf einer maximalen Punktzahl von 30 Punkten, die sich auf verschiedene Teilaspekte verteilen:

  • Lieferkette
  • Garantierter Fairtrade-Mindestpreis
  • Verbot hochgefährlicher Pestizide (inkl. Einhaltung des Bio-Standards)
  • Ausschluss Entwaldung
  • Einhaltung weiterer sozialer Mindeststandards (ILO)
  • Ausschluss verbotener Formen der Kinderarbeit
  • Transparenz (Beantwortung des Fragebogens)

Das Gesamturteil beruht zu je 50 Prozent auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und dem Testergebnis Kakaoanbau und Transparenz. Das Gesamturteil kann nicht besser sein als das Testergebnisse Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um zwei Noten.

Alternativen und Tipps für einen gesünderen Kakao-Genuss

Fertiges Kakaopulver sollte aus gesundheitlicher Sicht nur selten auf dem Frühstückstisch von Kindern stehen. Der Zuckergehalt ist in den von Öko-Test untersuchten Marken fast überall zu hoch. Doch Kakaopulver belastet auch die Umwelt und die Menschen, die den Kakao anbauen und ernten. Kakao hat einen langen Transportweg aus Afrika oder der Karibik hinter sich, bis er als Getränkepulver in unseren Supermarktregalen steht. Fairer Handel mit einer fairen Bezahlung der Arbeiter:innen ist bei Produkten aus dem globalen Süden unverzichtbar.

Wer nach Kakao mit weniger Zucker sucht, wird am ehesten bei den Bio-Produkten fündig, wobei auch die zum Teil mit Schadstoffen belastet sind. Oder aber man mischt den Kakao einfach selbst - mit purem Kakaopulver und der gewünschten Süße, so der Tipp von "Ökotest". Halte deshalb Ausschau nach dem Fairtrade-Siegel, noch besser nach den Zeichen von GEPA fair+ oder Rapunzel Hand in Hand. Tipp: Am besten kaufst du fairen puren Kakao und mischst in deine heiße Schokolade nur so viel Zucker, wie du möchtest.

Nestlé's Reaktion

Nestlé hat sich inzwischen zu Wort gemeldet, der Konzern wolle die Ergebnisse "so nicht akzeptieren".

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