Mehrstöckige Torten: Gestell, Funktionsweise und Arten
Für mehrstöckige Motivtorten und Hochzeitstorten ist die Stabilität sehr wichtig. Damit deine Torte auch nach dem Transport noch gerade und aufrecht steht, musst du Stützen einbauen. Ohne diese würden die unteren Torten-Etagen unter dem Gewicht nachgeben.
Grundprinzip: Statik wie bei einem Gebäude
Man kann sich die mehrstöckige Torte wie ein hohes Gebäude vorstellen, und jedes Kuchen-Stockwerk auch wie ein Stockwerk des Hochhauses: Das ganze Gebäude braucht natürlich eine stabile Statik. Jedes Stockwerk muss abgestützt werden. Das macht man bei Gebäuden mit tragenden Wänden und Säulen. Bei unseren Tortenstockwerken nehmen wir stattdessen Stäbe oder auch Strohhalme als Stützen.
Wichtige Bauteile und Hilfsmittel
- Tortendübel / Stäbe: Um die Stockwerke zu stützen, werden senkrechte Stäbe in die Torte eingesetzt. Dafür eignen sich spezielle Tortendübel oder auch Cocktail Strohhalme. Beide werden exakt auf die Höhe des Stockwerks zugeschnitten, in das sie gesteckt werden.
- Mehrere dünne Cakeboards (Zwischenböden): Du benötigst pro Etage ein dünnes, aber dannoch stabiles Cakeboard, das den gleichen Durchmesser hat, wie die jeweilige Torte, die darauf kommt. Diese "Zwischenböden" geben der Torte insgesamt Halt.
- Ein dickes Cakeboard / Cake Drum: Die Basis einer Torte ist die Tortenplatte, auf welche die gesamte Torte aufgebaut wird. Wenn du willst, dass auch der Untergrund perfekt zu deiner Torte passt, empfehle ich dir ein 1 cm dickes Cakeboard. Der Durchmesser sollte mindestens 6-10 cm größer sein, als der deiner Torte.
- Bleistift, Schere / Bastelmesser: Du brauchst einen Stift, um dir auf den Tortendübeln die exakte Stelle zu markieren, an der du sie auseinanderschneiden musst, und eine Schere zum Zuschneiden.
Materialwahl für Stützen: Vor- und Nachteile
Es gibt verschiedene Arten von Tortendübel. Ich verwende meistens welche aus dünnen Bambusstäben, aber ich hatte auch schon welche aus weißen Kunststoff-Röhrchen. Manche Leute verwenden stattdessen Strohhalme die sie auf die passende Länge zuschneiden, aber das wäre mir zu unsicher, da diese sich zu einfach umknicken lassen.
Die Strohhalme knicken, einmal nur minimal verletzt wie nichts weg. Bei fast 300€ Materialkosten sind mir 5€ für ordentliche Totenstützen wirklich egal! Ich arbeite meist 20 bis 30 Stunden an einer Torte, da gehe ich kein Risiko ein. Um es kurz zu machen: Strohhalme knicken, wie Strohhalme halt knicken! Wilton garantiert nicht!
Holzstäbchen sind stabil und wiederverwendbar; Plastikstäbchen sind stabiler als normale Trinkhalme; dicke Trinkhalme (z. B. Bubble Tea Strohhalme) können als günstige Alternative funktionieren, sind aber oft weniger sicher als richtige Tortendübel.
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Vorbereitung jeder Etage
Wenn du eine einzelnen Torten-Etagen mit Creme füllst, mache das gleich auf einem passenden Cakeboard (mit gleichem Durchmesser). Zum Füllen der Torte empfehle ich dir einen Tortenring, dessen Größe du verstellen kannst. Stelle diesen auf die Größe des Cakeboards ein und platziere ihn darauf. Bestreiche das Board mit etwas Creme zum Fixieren und drücke darauf den ersten Tortenboden.
Kühle deine Torten für ein paar Stunden ein, damit die Cremes schön fest werden. Entferne anschließend jeweils den verstellbaren Kuchenring und streiche deine Torte mit Ganache oder Buttercreme ein. Überziehe deine Torte mit Fondant, streiche es glatt und schneide überschüssiges Fondant weg. Bereite alle Etagen so weit vor.
Welche Torten gehören nach unten, welche nach oben?
Die schwerste Torte nach unten, die leichteste nach oben: Die unterste Torte besteht am besten aus einem Rührteig und einer Buttercreme oder Ganache. Weil das besonders schwere Komponenten sind, sorgen sie für ein gutes Grundgerüst der Torte. Biskuittorten mit Joghurt- oder Sahnecremes sind deutlich leichter und sollten eher oben platziert werden.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Stapeln
- Unterste Torten-Etage am dicken Cakeboard platzieren und fixieren: Streiche die Stelle auf die deine Torte kommen soll mit etwas Zuckerkleber, klein wenig Wasser, Royal Icing, Buttercreme oder Ganache ein. Platziere die unterste Tortenetage samt dem dünnen Cakeboard darauf und drücke sie sanft fest.
- Tortendübel richtig zuschneiden: Mache dir kleine Markierungen darauf, wo der äußere Rand der nächsten Etage sein wird. Nimm einen langen Tortendübel und stecke ihn senkrecht in deine Torte. Markiere dir die Stelle, an der der Tortendübel oben aus der Torte heraus schaut. Ziehe ihn wieder heraus und schneide ihn an der markierten Stelle ab. Stelle insgesamt 4-5 Stück gleich lange Tortendübel her.
- Tortendübel in der Torte versenken: Stecke die zugeschnittenen Tortendübel gleichmäßig in einem Kreis innerhalb des markierten Umfanges. Drücke die Tortendübel bis zum Boden, sodass sie oben nicht mehr herausschauen.
- Gestapelte Torte mit essbarem Kleber fixieren: Verstreiche zum Kleben etwas Zuckerkleber, Royal Icing oder ganz wenig Wasser innerhalb der markierten Fläche und setzte darauf die nächste Etage (auf eigenem Cakeboard).
- Ablauf für jede weitere Tortenetage: Wiederhole die letzten Schritte für jede Etage. Nur in die oberste Tortenetage steckst du keine Tortendübel mehr.
Zusätzliche Mitteldübel für sehr hohe Torten
Sollte deine Torte sehr viele Etagen haben, kannst du mittig in die dünnen Cakeboards ein Loch schneiden und nach dem Stapeln der Torten (ausgenommen der letzten Etage) einen langen Tortendübel senkrecht durch alle Tortenetagen stecken. Diese können dann sicher nicht mehr verrutschen. Dieser lange Tortendübel ersetzt nicht die Tortendübel, die kreisförmig die Torte abstützen. Er ist nur eine zusätzliche Sicherheitsstütze, damit seitlich nichts verrutschen kann.
Kleben, Fugen und saubere Übergänge
Damit der Kuchen auf dem Cakeboard nicht verrutscht, etwas Buttercreme, Kuvertüre mit etwas Öl oder Ganache als "Kleber" verwenden. Am besten klappt das mit Kuvertüre mit etwas Öl. Einfach mittig auf das Cakeboard streichen und anschließend die Torte obendrauf setzen. Jetzt kann man die Torte noch etwas schieben, bevor der "Kleber" aushärtet und sie komplett fixiert ist.
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Damit kein Spalt zwischen den Etagen sichtbar ist, kannst du diesen mit Royal Icing verstecken. Nimm dazu einen Spritzsack mit einer kleinen runden Lochtülle und trage etwas Royal Icing auf den Spalt zwischen den Etagen auf. Fahre mit dem sauberen Finger entlang der Fuge und der Spalt ist verschwunden. Das Royal Icing wird durch das Trocknen fest und sorgt deshalb auch dafür, dass später nichts mehr verrutscht.
Anschneiden und Servieren
Beim Anschneiden kannst du die Torte ganz einfach wieder auseinander bauen und alle Etagen können gleichzeitig angeschnitten und gegessen werden. Beim Anschneiden der Torte trennst du die verklebten Etagen mit einem großen Messer wieder auseinander. Führe dazu mit dem Messer unter das jeweilige Cakeboard ein und schneide die verklebten Stellen wieder auseinander.
Bevor die Tortenstücke ausgeteilt werden kannst du die Tortendübel mit den Fingern oder einer Zange greifen und aus der Torte ziehen. Alternativ kannst du sie auch einfach drinnen lassen und den Gästen Bescheid geben, dass diese nicht essbar sind. Sie sollen die Tortendübel einfach am Teller überlassen.
Transport und Aufbau vor Ort
Transport ist der sensibelste Moment beim Torte stapeln. Bevor deine Torte auf Reisen geht, sollte sie gut gekühlt und stabil sein. Das bedeutet: Mindestens 4-6 Stunden kühlen, besser über Nacht. Ein gekühlter Kuchen lässt sich außerdem einfacher bearbeiten und dekorieren.
Gerade bei empfindlichen oder besonders hohen Torten kann es sinnvoll sein, die einzelnen Etagen getrennt zu transportieren und erst am Veranstaltungsort zu stapeln. Bei einer aufwändigen Torte empfehle ich dir da kein Risiko einzugehen. Langsam fahren, dann geht das schon. Du brauchst keine Cakeboards, wenn du die Plexiplatten verwendest, diese dienen nämlich als Cakeboards.
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So transportierst du deine Torte richtig: Platziere die Torte gerade auf dem Boden des Autos, z. B. im Kofferraum oder auf der Rückbank mit Sicherung. Vermeide abrupte Bremsmanöver oder enge Kurven. Nicht auf den Schoß nehmen - das birgt zu viele Risiken. Plane genügend Zeit ein und transportiere deine Torte nicht in der prallen Sonne oder in einem überhitzten Fahrzeug.
Tipps zur Planung von Durchmessern und Höhen
Wichtig sind gleichmäßige und ausreichende Abstände beim Durchmesser der Torten. Soll es zum Beispiel eine dreistöckige Torte werden, sind Springformen mit 5 cm Unterschied im Durchmesser optisch eine gute Wahl. Also gut lassen sich Springformen mit 25 cm, 20 cm und 15 cm Durchmesser verwenden. Kleiner Tipp: Unter 15 cm empfehlen wir hier nicht, weil es optisch deutlich zu klein wirkt.
Je nach Größe meist 10-15-20-25 oder 15-20-25-30 Zentimeter. Das ist ein schöner Einzug für hohe Torten und sehr praktisch zum Backen mit verstellbaren Ringen. Meine haben immer einen Einzug von 5cm. Also wie du schreibst 10-15-20-25-30-35-40. Größer habe ich noch nicht gemacht. Da hat jede Menge Deko Platz und Blumen stehen wunderschön drüber hinaus.
Bei 5 Ebenen musst du 35, 30, 25, 20 und 15cm wählen, jeweils mindestens 10cm hoch, ich würde schauen dass du 12cm schaffst. Wohlgemerkt, diese Torte ist dann für über 200 Personen. Bei 4 Ebenen: 15-20-25-30 mit ca. 10cm Höhe kommst du rechnerisch auf etwa 115 Portionen.
Tabelle: Beispielgrößen und Portionsschätzung
| Etagen | Durchmesser (cm) | Höhe pro Ebene (cm) | Ca. Portionen |
|---|---|---|---|
| 3 | 15 / 20 / 25 | 10-12 | ~50-70 |
| 4 | 15 / 20 / 25 / 30 | 10 | ~115 |
| 5 | 15 / 20 / 25 / 30 / 35 | 10-12 | >200 |
Spezielle Arten: Upside-down und hängende Torten
Ich wollte schon immer mal eine hängende Upside down Hochzeitstorte kreieren. Mein Set besteht aus einem Hängeständer und einem Set für mehrstöckige Torten. Das Drahtstahl zum Aufhängen der Torte muss separat erworben werden. Das Hängegestell ist toll. Bei dem Cake-Frame-Einsteiger-Set sind genügend Einzelteile dabei um eine stabile Konstruktion zu bauen. So wird auch das Anschneiden kein Problem.
Für eine einfache einstöckige Torte eignet sich diese Aufhänge-Konstruktion nur für eine Präsentation der Torte. Nach dem Anschnitt verliert sie gleich an Gleichgewicht. Daher für den Anschnitt ebenfalls die Torte abhängen. Ansonsten sehen die Torten in dieser Art einfach nur genial aus. Vor allem die Upside down Torte.
Häufige Fragen und Problemlösungen
- „Wie bekomme ich verklebte Cakeboards wieder ab?“ - Beim Anschneiden die verklebten Etagen mit einem großen Messer wieder auseinander schneiden; ein waagrechter Schnitt verhindert Risse im Fondant.
- „Kann ich jede Tortensorte stapeln?“ - So halbwegs stabil sollte das Ganze schon sein. Also eine Schokomousse-Tarte ist vielleicht nicht die ideale Wahl. Sacher, Nuss, White Sacher, alle Rührteige, Biskuit usw. eignen sich gut, bei sehr weichen Cremes mehr Gelatine oder vor Ort stapeln.
- „Muss ich oben keinen Dübel mehr einsetzen?“ - Nur in die oberste Tortenetage steckst du keine Tortendübel mehr, da diese kein Gewicht tragen muss.
- „Wie vermeide ich ein Schiefstehen?“ - Wichtig: Das muss sehr genau sein, sonst läuft die Torte Gefahr schief zu werden. Stelle sicher, dass alle zugeschnittenen Tortendübel exakt gleich lang sind.
Praktische Hinweise und persönliche Empfehlungen
Bei mehrstöckigen Torten ist es immer wichtig, dass du sie abstützt, denn die unteren Etagen würden sonst unter dem Gewicht der oberen Torten nachgeben. Bei der Planung ist es unbedingt notwendig, sich die Statik genau zu überlegen. Je nach Größe, verwendeten Böden und Füllungen kann es sein, dass die Torte an sich stabiler oder instabiler ist.
Stapelt die Torten unbedingt erst vor Ort! Der Transport erweist sich so schon als schwierig genug. Ich habe die Torte samt Tortenretter auf einem Tortenheber platziert, diesen an die Stelle gehalten, an der die obere Etage stehen sollte (ca. 1-2 cm Abstand zur unteren Etage) und die Torte langsam abgesenkt. Beachtet dabei, dass die Torten zum Schluss ziemlich schwer sind und es schon ein kleiner Balanceakt ist - eine zweite Person, die euch dabei hilft, ist auf jeden Fall ratsam.
Ich hoffe, meine Anleitung war verständlich und konnte dir weiterhelfen. Wenn noch Fragen offen sind, dann hinterlasse mir einen Kommentar. Ich antworte dir gerne.
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