Manuka-Honig: Wirkung, Kritik und Studienlage – eine umfassende Übersicht
In den letzten Jahren erlangte neuseeländischer Manuka-Honig eine zunehmende Bekanntheit und Bedeutung, was auf die antibakteriellen Eigenschaften zurückzuführen ist. Insbesondere ein medizinischer Einsatz bei der Behandlung von Wunden erscheint vielversprechend. Die Ursache für die hohen antibakteriellen Eigenschaften von Manuka-Honig kann auf eine Besonderheit in der Zusammensetzung zurückgeführt werden. So wurden von Mavric et al. Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit war die weitere Aufklärung und Charakterisierung des Ursprungs und der Bildung des in Manuka-Honig enthaltenen MGO.
Es stellte sich die Frage, warum MGO einen natürlichen Honigbestandteil darstellt, inwieweit die Bildung auf einer enzymatischen oder mikrobiellen Grundlage basiert und ob sie durch weitere Honigparameter, wie z.B. bei der Lagerung frischer Manuka-Honige, zu einem Plateaus erreicht, an dem der Honig in Bezug auf den MGO-Gehalt als „ausgereift“ betrachtet werden kann. Eine weitere MGO-Nachbildung ist nicht zu induzieren, vielmehr kommt es zu beginnenden Abbaureaktionen. Direkter Precursor ist die Verbindung Dihydroxyaceton (DHA), die bei der Honigreifung zu MGO umgesetzt wird, was den erstmaligen Nachweis von DHA durch Adams et al. Zur Bestimmung von DHA in Honig konnte eine RP-HPLC-Methode basierend auf einer Vorsäulen-Derivatisierung mit OPD und UV-Detektion erfolgreich etabliert werden.
DHA und MGO wurden in frischen und kommerziellen Manuka-Honigen in vergleichsweise hohen Mengen bis zu 2700 mg/kg DHA bzw. 700 mg/kg MGO quantifiziert. Es ergibt sich für „ausgereifte“ Honige eine gute lineare Korrelation, die mit einem mittleren DHA-MGO-Verhältnis von 2:1 beschrieben werden kann. In frischen Proben liegen die Relationen signifikant höher, wodurch eine Einteilung der Honige nach „Reifegrad“ möglich ist. Die Umsetzung von DHA zu MGO in der Honigmatrix wurde durch Dotierung von DHA-freien Honigsorten und anschließender Lagerung untersucht. Hierbei war eine Varianz in der MGO-Bildung feststellbar. Durch Einbeziehen weiterer Parameter wie z.B. pH-Wert, Wasser- oder Proteingehalt wurde deutlich, dass die DHA-Konzentration im Honig zwar den wesentlichen Faktor für den resultierenden MGO-Gehalt darstellt, die Umsetzung jedoch durch Unterschiede in der Honigmatrix beeinflusst wird.
Ergänzend zu den spezifischen Komponenten MGO und DHA wurde eine Bestimmung von weiteren Inhaltsstoffen von Manuka-Honig vorgenommen, um eine umfassende chemische Charakterisierung dieser Sorte zu ermöglichen und etwaige Auffälligkeiten in der Zusammensetzung von Manuka-Honig aufzuzeigen. Darüber hinaus wurden die Konzentration an 5-Hydroxymethylfurfural (HMF) und die Diastasezahl (DZ) als rechtlich geregelte Qualitätsparameter einbezogen. Die zur Verfügung stehenden Manuka-Honige wurden hinsichtlich der Gehalte an Wasser, Fructose, Glucose, Proteinen, freier Aminosäuren, phenolischer Verbindungen sowie der Parameter pH-Wert und Honigfarbe analysiert. Dabei kann diese Sorte im Allgemeinen als hell- bis dunkelbrauner Honig beschrieben werden, der sich durch vergleichsweise hohe Mengen an Proteinen und freien Aminosäuren sowie einen hohen Gesamtphenolgehalt auszeichnet.
Frische Manuka-Honige zeichnen sich analog zu anderen frischgewonnenen Honigen durch einen sehr geringen Gehalt an HMF aus, der während der Lagerung stark ansteigen kann. In handelsüblichen Manuka-Honigen ergeben sich daher große Unterschiede in den bestimm-baren Konzentrationen. Anhand von Dotierungs- und Lagerexperimenten mit Kunsthonigmatrix und ausgewählten Honigen konnte ein Einfluss der freien Aminosäuren und des DHA auf die Bildung von HMF aufgezeigt werden. Im Vergleich zu anderen Honigsorten zeichnet sich Manuka-Honig durch eine eher niedrige bis mittlere DZ aus. Da frische, nachweislich unbehandelte Proben ebenfalls geringe Werte aufweisen können, ist dies nicht auf eine unsachgemäße Behandlung oder Erhitzung zurückzuführen.
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Neben der natürlichen Variation kann ein zusätzlicher Einfluss von DHA diskutiert werden. Dotierungsversuche lassen ein stärkeres Absinken der DZ bei der Lagerung unter Anwesenheit von DHA erkennen, dessen Ursache vermutlich in einer Hemmung des Enzyms durch eine Modifizierung relevanter Seitenketten begründet liegt. Eine Behandlung von Honig mit hohen Temperaturen (70 °C) führte nachweislich zu keiner MGO-Bildung, wohingegen sowohl sensorische Beeinträchtigungen, als auch ein drastischer Anstieg an HMF zu verzeichnen waren.
Honig wird neben der antibakteriellen Wirkung mit weiteren biofunktionellen Eigenschaften in Verbindung gebracht. Darunter fallen z.B. ein antioxidatives und entzündungshemmendes Potential. Für Manuka-Honig kann eine potentielle Biofunktionalität auch auf die außergewöhnliche Präsenz von MGO zurückgeführt werden, das in der Literatur jedoch mit einer zytotoxischen Wirkung in Verbindung gebracht wird. Mittels Mikrodilutionstest wurden gegen vier klinisch relevante Bakterien (Escherichia coli, Staphylococcus aureus, Streptococcus pyrogenes und Pseudomonas aeruginosa) für MGO minimale Hemmkonzentrationen (MHK) zwischen 0,44 und 3,55 mM bestimmt, wobei die Inhibierung im Vergleich zu typischen Antibiotika geringer ist. Eine Antibiotika-Resistenz der Bakterien hatte keinen Einfluss auf die inhibierende Wirkung von MGO. In Anwesenheit von Zucker- bzw. Honigmatrix resultierten vergleichbare MHK-Werte für MGO.
Geringe Unterschiede sind auf eine bessere Stabilität des MGO in Honigmatrix zurückzuführen, während etwaige synergistische Effekte durch weitere Komponenten nicht zu vermuten sind. Untersuchungen an ausgewählten Manuka-Honigen bestätigten MGO als maßgeblichen für die inhibierende Wirkung verantwortlichen Faktor. Zur Bestimmung der Zytotoxizität von Honig und 1,2-Dicarbonylverbindungen konnte der Koloniebildungstest als geeignetes Verfahren unter Nutzung einer einstündigen Inkubation der Zellen mit Proben in Phosphatpuffer etabliert werden. Für die verwendeten HT-29-Zellen wurde eine 50%ige Inhibierung für einen MGO-Gehalt von 0,7 mM ermittelt. Trotz hoher MGO-Gehalte zeigen Manuka-Honige im Mittel keine signifikant stärkere zytotoxische Wirkung als andere mitgeführten Nektar- und Honigtau-Proben.
Die Beurteilung der antioxidativen Kapazität von Manuka-Honigen erfolgte mittels TEAC-II-Test, bezogen auf Trolox als Referenz. Im Vergleich zu anderen Sorten konnten signifikant höhere Werte ermittelt werden. Dabei ist ein direkter Zusammenhang zum Gesamtphenolgehalt festzustellen. Für Manuka-Honig lässt sich ein zusätzlicher Beitrag von MGO oder daraus entstehenden Folgeprodukten diskutieren. Prinzipiell ist die antioxidative Kapazität von Honig jedoch als sehr gering einzustufen.
Freie Schlagwörter (DE): Manuka-Honig, Leptospermum scoparium, Methylglyoxal, Dihydroxyaceton, 5-Hydroxymethylfurfural
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Freie Schlagwörter (EN): manuka honey, Leptospermum scoparium, methylglyoxal, dihydroxyacetone, 5-hydroxymethylfurfural
Klassifikation (DDC) 540 • Klassifikation (RVK) VN 8107
GutachterIn: Prof. Dr. Thomas Henle, Prof. Dr. Gerold Barth; BetreuerIn: Prof. Dr. Lebensmittelkontrolle. Manuka-Honig ist ein Star im Honigregal von Reformhäusern und Ökomärkten. Der neuseeländische Honig soll besonders antibakteriell wirksam sein. Mit diesem Argument können Anbieter besonders hohe Preise erzielen. Doch der weltweite Absatz übersteigt die Produktion um ein Vielfaches.
„Mich fasziniert an Honig mehr die Farbe und die Konsistenz. Und nicht unbedingt der Geschmack.“ Jana Rückriemen kann froh sein, daß das so ist. Denn würde es sie nach ihrem Untersuchungsobjekt lüsten, käme das die Lebensmittelchemikerin ganz schön teuer: „Zwischen zehn und 50 Euro“ - So viel muss man berappen für ein Glas Manuka-Honig aus dem Reformhaus oder aus dem Internethandel. Jana Rückriemen forscht über das wertvolle Naturprodukt, am Institut für Lebensmittelchemie der TU Dresden.
Manuka-Honig stammt aus Neuseeland. Gewonnen wird er aus dem Blütennektar einer dort heimischen Teebaum-Art. Die neuseeländischen Ureinwohner nutzen ihn schon seit Jahrhunderten, um Entzündungen und Infektionen zu behandeln. Laut mehrerer Studien wirkt er antibakteriell. Er wird daher auch in der Medizin eingesetzt. Die antibakterielle Wirkung kommt vermutlich durch den sehr hohen Gehalt an Methylglyoxal (MGO). Das ist ein Stoff, der entsteht nachdem Bienen den Blütennektar gesammelt und zu Honig verarbeitet haben. Manuka-Honig enthält im Vergleich mit herkömmlichen Honigen bis zu hundert Mal mehr Methylglyoxal.
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Vorsicht bei der Anwendung und vor Fälschungen. In der Medizin verwendeter Manuka-Honig wird sterilisiert und äußerlich angewandt. Wer den Honig als Lebensmittel kauft, sollte ihn wegen möglicher Verunreinigungen nicht selbst auf Wunden auftragen, raten die Verbraucherzentralen. Manuka-Honig ist sehr teuer - bis zu 80 Euro für 250 Gramm. Aufgrund seines hohen Preises und der begrenzten Verfügbarkeit gibt es viele Fälschungen auf dem Markt. Da es derzeit kein verlässliches einheitliches Siegel für echten Manuka-Honig gibt, können Sie beim Kauf darauf achten, ob der Anbieter Mitglied des neuseeländischen Branchenverbandes oder der Australian Manuka Honey Association ist.
Fragen zu Lebensmitteln und Ernährung? Das interaktive Lebensmittel-Forum der Verbraucherzentralen beantwortet kostenfrei Fragen zu Lebensmitteln, Ernährung, Verpackung und Kochutensilien. Werbung zu heilenden Eigenschaften von Manuka-Honig verboten. In der Europäischen Union ist es gesetzlich verboten, in der Werbung zu suggerieren, ein Lebensmittel könne eine Krankheit heilen oder lindern. Dies gilt auch für Manuka-Honig.
Was ist Manuka-Honig? Manuka-Honig wird aus dem Nektar der Blüten des Manuka-Strauchs Leptospermum scoparium gewonnen. Er ist in den Bergregionen Neuseelands und in Teilen Australiens heimisch. Die neuseeländischen Ureinwohner nutzen ihn schon seit Jahrhunderten, um Entzündungen und Infektionen zu behandeln. Laut mehrerer Studien wirkt er antibakteriell. Er wird daher auch in der Medizin eingesetzt. Die antibakterielle Wirkung kommt vermutlich durch den sehr hohen Gehalt an Methylglyoxal (MGO), einem Abbauprodukt pflanzlicher Stoffe, das in Manuka-Honig deutlich höher vorkommt als in herkömmlichen Honigen. Weitere Besonderheiten betreffen die Stabilität der Enzymaktivität und die Auswirkungen von Hitze auf MGO und HMF.
Was bedeutet das für Verbraucher? Beim Kauf auf echte Kennzeichnungen achten: MGO- oder UMF-Angaben, Herkunftszertifikate aus Neuseeland, Seriosität der Hersteller. Manuka-Honig kann als Therapeutikum verwendet werden, doch die Belege für positive Effekte im Menschen sind uneinheitlich. In Erkenntnissen aus Meta-Analysen und Einzelstudien zeigt Honig generell eine evidenzbasierte Hustenlinderung und antibakterielle Eigenschaften, doch die Standardisierung und Vergleichbarkeit von Studien bleiben problematisch. Manuka-Honig bleibt somit eine viel diskutierte, teure, aber potenziell nützliche Substanz - insbesondere bei äußerlicher Anwendung auf Wunden.
Hinweis: Dieser Beitrag basiert auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Babys unter zwölf Monaten sollten keinen Honig bekommen. Temperaturen über 65 Grad Celsius können antibakterielle Eigenschaften beeinträchtigen.
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