Wirkt Kakao müde? Wirkung und Inhaltsstoffe von Rohkakao
Kakao ist gesund und macht glücklich - das hören Schokoladenliebhaber gern! Jedoch bezieht sich diese Aussage nicht auf die klassische Tafel Milchschokolade, denn die positive Wirkung des darin enthaltenen Kakaos ist durch die starke Hitze beim industriellen Rösten und durch die Kombination mit Milch stark reduziert. Besonders wertvoll ist Rohkakao, der botanisch als Theobroma cacao („Speise der Götter“) bekannt ist. Rohkakao ist ungerösteter Kakao, der bei niedrigen Temperaturen (unter 42 °C) verarbeitet wird, um seine Nährstoffe zu bewahren.
Die unverarbeitete Bohne wird zu Recht als Superfood bezeichnet, denn sie weist eine beeindruckende Dichte an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen auf, die in kaum einem anderen Lebensmittel in dieser Konzentration vorkommen. Rohkakao ist ein Nährstoffwunder: Er enthält bis zu 30 % Ballaststoffe, viele sekundäre Pflanzenstoffe wie die Polyphenole Catechin und Epicatechin sowie Flavonoide, die als starke Antioxidantien wirken. Über 300 wirksame Substanzen wurden bisher gefunden. Bis zu ca. 500 mg pro 100 g sind enthalten, Nüsse liegen mit rund 200 mg weit dahinter.
Wachmachende und beruhigende Wirkstoffe: Theobromin, Koffein, Phenylethylamin
Kakao enthält von Natur aus Koffein, allerdings deutlich weniger als Kaffee oder schwarzer Tee. Im Gegensatz zu Kaffee enthält Kakao primär Theobromin und nur wenig Koffein. Theobromin wirkt sanfter, aber länger anhaltend wachmachend und stimmungsaufhellend. Theobromin ist ein Alkaloid, das für die stimulierende Wirkung von Kakao verantwortlich ist. Es ist ein Herzstimulator, erweitert die Blutgefässe und senkt den Blutdruck. Im Vergleich zu Koffein gibt Theobromin eine längere und weichere Energie ohne die Spitzen und Tiefpunkte, die viele Menschen mit Kaffee erleben.
Phenylethylamin (PEA) ist ein Stimmungsregulator und löst Glückshormone wie Endorphin, Dopamin und Noradrenalin aus. Ähnlich wie wenn wir uns verlieben oder Sex haben. Es steigert Konzentration und Energie und bringt uns in einen Flow, bei dem wir die Zeit aus den Augen verlieren. Außerdem steigert es unsere Libido, vermindert Angstzustände und wird als Extrakt gegen Depressionssymptome verwendet. Ein erhöhter oxidativer Abbau im Körper bedeutet physischen Stress, der Entzündungen auslösen kann und die Alterung beschleunigt. Antioxidantien schützen unsere Zellen vor freien Radikalen.
Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe: Warum Kakao nicht einfach nur Genuss ist
Magnesium unterstützt den Knochenaufbau, die Regulation des Stoffwechsels und die Gehirnleistung. Es fördert die Herzgesundheit und kann Kopfschmerzen lindern. Keine andere Nahrungsquelle enthält so viel Magnesium wie Kakao, nämlich 500 Milligramm pro 100 Gramm Kakaopulver. Auch Mineralstoffe wie Kalzium, Eisen, Kalium und Kupfer sind reichlich enthalten. Kakao weist mit rund 160 mg pro 100 g einen hohen Kalziumgehalt auf, höher als der von Milch, der rund 120 mg beträgt. Das Mineral ist wichtig für Knochen, Zähne und Muskeln, die Blutgerinnung und die Übertragung von Nervenimpulsen. Auch das für die Blutbildung essentielle Eisen ist mit 7,3 mg pro 100 g in beachtlicher Menge in der Wunderbohne enthalten.
Lesen Sie auch: Der ultimative Leitfaden zur Nutzung von Kakaobohnen
Die gesunde Wirkung der Mineralien im Kakao wird durch sekundäre Pflanzenstoffe noch gesteigert. Zu den wirksamen Sekundärstoffen zählen unter anderem Polyphenole, wie die Flavonoide, sowie Aminosäuren, die als Neurotransmitter dienen. Von einer Untergruppe der Polyphenole, den Flavonoiden, ist im Kakao mehr enthalten als in jedem anderen Lebensmittel - ein Vielfaches der Menge, die in den als antioxidativ bekannten Blaubeeren oder grünem Tee zu finden ist. Rohkakao erreicht Spitzenwerte beim ORAC-Wert (Oxygen Radical Absorbance Capacity), die weit über denen von Blaubeeren oder Goji-Beeren liegen.
Herz-Kreislauf, Gehirnleistung und Stoffwechsel
Roher Kakao wirkt sich positiv auf den gesamten Organismus aus: Er stärkt das Herz-Kreislauf-System. Kakaoflavanole fördern die Fähigkeit der Blutgefäße, sich bei erhöhtem Blutfluss zu erweitern (endothelabhängige Dilatation). Mehrere Meta-Analysen und randomisierte klinische Studien zeigen, dass der regelmäßige Konsum von Kakao und dunkler Schokolade zu einer Senkung des Blutdrucks und des LDL-Cholesterins führen kann. Flavanolreicher Kakao entspannt und erweitert die Blutgefäße, verbessert die Gefäßfunktion und hat eine ähnlich blutverdünnende Wirkung wie Aspirin.
Studien der University of Birmingham belegen, dass Kakaoflavanole die Durchblutung und Sauerstoffversorgung im Gehirn steigern. Der regelmäßige Verzehr von flavanolreichem Kakao verbessert die kognitive Leistungsfähigkeit, Merkfähigkeit und Aufmerksamkeit gesunder Erwachsener. Eine japanische Studie mit 104 Proband*innen zeigte, dass Proband*innen, die dunkle Schokolade konsumierten, geistig fitter waren und langsamer ermüdeten als die Kontrollgruppe. In einer Studie konnten Menschen mit Schlafmangel sich dank Kakao besser konzentrieren.
Kakao gegen Müdigkeit: Macht Kakao müde oder wach?
Wie fühlt sich Kakao an? Viele Menschen empfinden ihn als sanfter als Kaffee: weniger spitz, weniger hektisch, dafür länger und runder. Die anregende Wirkung von Kakao wird jedoch nicht nur durch das Koffein, sondern vor allem durch Theobromin verursacht. Kakao funktioniert als natürlicher Wachmacher. Er enthält nämlich den Wirkstoff Theobromin, der mit Koffein verwandt ist, aber eine etwas mildere aufputschende Wirkung hat. Theobromin erweitert die Gefäße, regt den Kreislauf an, kann die Stimmung aufhellen und Hustenreiz lindern.
Die Wirkung hängt von Sorte, Menge, Tagesform, Zubereitung und Gewohnheit ab. Kakao ist kein Schalter, den man umlegt. Wir würden das heute nicht als "high auf Kakao" beschreiben. Das klingt größer, als es ist, und führt schnell in die falsche Richtung. Wenn du Kaffee reduzieren möchtest, ist Kakao eine passende Alternative: Er kann dich geschmacklich wach machen, ohne nach Energy-Drink oder süßem Kakao aus der Kindheit zu schmecken.
Lesen Sie auch: Perfekter Zuckerguss: So gelingt er garantiert
Weitere gesundheitliche Effekte
- Stimmungsaufhellung: Einige Aminosäuren im Kakao spielen als Neurotransmitter eine besondere Rolle: Endorphine, Dopamin, Serotonin und dessen Vorstufe Tryptophan sowie Phenylethylamin steigern das Wohlbefinden und sorgen für Glücksgefühle.
- Anti-Aging und Haut: Flavonoide verbessern die Hautelastizität, erhöhen Feuchtigkeit und schützen vor UV-Strahlen; Kakaobutter pflegt trockene Haut und verleiht Haaren Glanz.
- Blutzucker und Metabolismus: Kakao-Flavonoide verbessern die Insulinempfindlichkeit und können das Risiko für ein metabolisches Syndrom reduzieren.
- Darmgesundheit: Polyphenole wirken präbiotisch und fördern nützliche Darmbakterien wie Lactobacillus und Bifidobacterium.
- Sportliche Leistung: Flavanole verbessern Endothelfunktion, Stickoxidproduktion und Durchblutung der Muskeln, was Ausdauer und Erholung fördern kann.
- Husten und Zahngesundheit: Theobromin kann den Hustenreiz lindern und die Zahnschmelzremineralisation unterstützen.
Verarbeitung, Risiken und Qualität
Verschiedene Verarbeitungstechniken wie die Alkaliverarbeitung (holländisch), das Pressen des Kakaos oder das Rösten bei hohen Temperaturen zerstören die gewünschten Bestandteile, die den Kakao so gesund machen. Rösten und Alkalisieren zerstören viele Antioxidantien wie Flavonoide, die in Rohkakao erhalten bleiben. Rohkakao ist besser als die klassische Tafel Schokolade oder industriell gefertigte Pralinen.
Wichtiger Sicherheitshinweis: Was für uns gesund ist, kann für Haustiere manchmal gefährlich sein! Theobromin ist für Hunde und Katzen hochgiftig, da sie das Enzym zum Abbau dieses Stoffes nicht besitzen. Schon kleine Mengen können für Tiere tödlich sein. Rohkakao hat auch Risiken für Menschen: Da er nicht geröstet wird, besteht ein höheres Risiko für mikrobiologische Verunreinigungen, weshalb Qualität und Herkunft wichtig sind. Theobromin kann bei übermäßigem Konsum Nebenwirkungen wie Übelkeit, Zittern oder in seltenen Fällen Herzrhythmusstörungen auslösen. Menschen mit Lebererkrankungen sollten vorsichtig sein.
| Inhaltsstoff | Wirkung / Bedeutung |
|---|---|
| Theobromin | Sanfter Stimulator, Gefäßerweiterung, stimmungsaufhellend, hustenreizlindernd |
| Flavonoide / Polyphenole | Antioxidativ, entzündungshemmend, verbessert Gefäßfunktion und Gehirndurchblutung |
| Magnesium | Unterstützt Energiestoffwechsel, Nerven- und Muskelfunktion, Herzgesundheit |
| Eisen, Kalzium | Blutbildung; Knochen, Zähne, Nervenimpulse |
| Phenylethylamin, Anandamid | Stimmungsaufhellend, erzeugt Euphorie-ähnliche Effekte |
Anwendung und praktische Tipps
In vielen Bioläden und Reformhäusern gibt es rohen Kakao inzwischen als ganze Bohnen, Nibs, Pulver und in fertigen Produkten wie Rohkostriegeln. Die Kakaonibs kannst du zum Beispiel als gesunde Zutat in deinem Müsli genießen. Auch ein Smoothie gewinnt an gesunden Inhaltsstoffen und Geschmack durch die Zugabe von Rohkakaopulver. Kakaonibs sind die natürlichste Form von Kakao: Sie haben einen intensiven, leicht bitteren Geschmack und sind reich an Antioxidantien, Mineralstoffen wie Magnesium und Eisen sowie Ballaststoffen.
Tipp: Achte beim Kauf auf Bio-Qualität und Fair-Trade-Zertifizierungen. Konventioneller Kakao wird oft stark mit Pestiziden behandelt und unter problematischen Arbeitsbedingungen geerntet. Starte nicht mit der größten Menge, sondern mit einer normalen Tasse und guter Zubereitung. Viele mögen 15 bis 25 g Kakao mit heißem Wasser oder Pflanzendrink, kräftig gemixt, optional mit einer Prise Salz oder etwas Gewürz. Wer zu einer Tafel Schokolade greifen möchte, dem empfehle ich eine mit einem Kakaogehalt von über 70 %.
Die Kakaobohne kann nicht die potenziell schädlichen Wirkungen eines hohen Zucker- und Fettkonsums aufwiegen. Dieser Effekt kommt jedoch nur zum Tragen, wenn die konsumierten kakaohaltigen Lebensmittel nicht mit übermäßig viel Zucker und Fetten versetzt sind.
Lesen Sie auch: Schokoladenrezepte für zu Hause
tags: #macht #kakao #mude #wirkung #inhaltsstoffe


