Kölner Zucker: Geschichte und Verwendung der Kölner Zucker‑Etiketten

Seit 150 Jahren produziert das Kölner Unternehmen Pfeifer & Langen den süßen Stoff in allen erdenklichen Formen. Unsere Unternehmensgeschichte ist eng verbunden mit unserer Heimat. Köln tragen wir nicht nur im Herzen, sondern auch im Logo: Die zwei Zuckerhüte erinnern an die Kathedrale. Die Historie von Pfeifer & Langen begann mit einer Idee: Unsere Gründerväter wollten Zucker aus der heimischen Rübe gewinnen. Regionalen Zucker nutzen statt Zuckerrohr aus der Ferne zu importieren - diese Idee traf damals schon den Zeitgeist.

Gründung und frühe Jahre

Am 19. April 1870 gründen drei Pioniere das Unternehmen Pfeifer & Langen in Köln: Eugen Langen, der geniale Erfinder und Ingenieur, gemeinsam mit Emil und Valentin Pfeifer, die über landwirtschaftliche Flächen und fundierte Erfahrungen rund um Anbau und Verarbeitung von Rüben verfügen. Emil Pfeifer, der das Gut 1840 erworben hatte, und sein Partner August Joest beschäftigen in dieser Anfangsphase fünf Mitarbeiter, die die Rüben von 51 Bauern aus der Umgebung zu Zucker verarbeiteten.

1870 kam der Ingenieur Eugen Langen hinzu, der auch an der Erfindung des Ottomotors und der Entwicklung der Wuppertaler Schwebebahn beteiligt war. Die erste Zuckerfabrik entstand schließlich im Süden von Elsdorf. Ein Jahr später nahm die Zuckerfabrik Elsdorf den Betrieb auf. Direktor der Fabrik war Eugen Langen, der dort 1872 ein verbessertes Verfahren für die Verarbeitung von Zucker zu Würfeln („Langensches Würfelverfahren“) erfand und ein Jahr später ein preußisches Patent erhielt.

Historische Zuckerfabrik Elsdorf

Markenbildung: Kölner Zucker und das Dom‑Logo

1926 wurden die Marke „Kölner Zucker“ sowie das Logo aus zwei gestreiften Zuckerhüten, die an die Türme des Kölner Doms erinnern, markenrechtlich eingetragen. Das charakteristische „Pfeifer & Langen“-Logo mit seinen beiden Zuckerhüten in Anlehnung an die beiden Türme des Doms ist seit mehr als 150 Jahren das Symbol für Zucker in der Region und mittlerweile weit darüber hinaus. Unsere Gründerväter wählten den Standort wegen des fruchtbaren Umlands. Im rheinischen Raum wächst die Zuckerrübe besonders gut. Und so konnte auch Pfeifer & Langen schnell und dauerhaft wachsen und sich entwickeln.

Innovation als Firmenprinzip

Dem Erbe des umtriebigen Erfinders Langen ist die Firma durchgängig verpflichtet geblieben. Zahlreiche Innovationen stammen von Pfeifer & Langen. Eine der ersten Innovationen war das Langen'schen Würfelverfahren, nach dem 1872 erstmals Zucker in Würfelform produziert und gehandelt wurde. Zwei Jahre später stellte die Firma erstmalig Kandis her. Kandiszucker beispielsweise - erfunden 1928.

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1965 revolutionierte das Unternehmen schließlich mit einem neuen Produkt die Herstellung von Marmelade und Gelee auch am heimischen Herd. Das neue Produkt ermöglicht es, unkompliziert und lange haltbar Marmeladen und Gelees herzustellen. Der neue Gelierzucker erleichterte den Hausfrauen die Arbeit. Seit den 1960er Jahren gibt es einen Beratungsdienst, bei dem Chemiker und Technologen mit der Industrie zusammenarbeiten.

Auch heute forscht ein Team im Innovationscenter in Elsdorf an neuen Produkten. Im Innovationszentrum wird immer weiter geforscht. Auftraggeber ist häufig die Industrie. Ein Wunsch: Puderzucker, der nicht in die Kuchenoberfläche einzieht. Für den Zuckerspezialisten zwar eine knifflige Aufgabe, aber letztendlich: kein Problem. Mehrere Hundert Spezialzuckerarten fertigt Pfeifer & Langen heute für seine Industriekunden.

Innovationszentrum Elsdorf - Laborarbeit

Neue Rohstoffe und Zuckerersatzstoffe

Zudem wird an alternativen Biokunststoffen, die aus den Bestandteilen der Zuckerrübe gewonnen werden können, gearbeitet. „Zucker ist ein nachhaltiges heimisches Produkt, von dem alle Bestandteile verwendet werden können“, betont Unternehmenssprecherin Britta Schumacher. Als bahnbrechende Innovation wird in Fachkreisen derzeit die Allulose gehandelt, ein kalorienarmer Zuckerersatzstoff aus der Zuckerrübe. „Dieser Stoff ist momentan noch nicht auf dem Markt, sondern in der Zulassungsphase“, sagt Britta Schumacher.

Produktpalette und Verwendung

Das Produktsortiment für die Verbraucher füllt mittlerweile mehrere Regale im Lebensmittelhandel. Es reicht von Kristallzucker unterschiedlichster Körnungen über flüssige Zucker, Puderzucker, Karamellzuckersirupe, Kandisfarine, Bio-Zucker, Gelierzucker, Kulöre, Fondants, aromatisierte Zucker bis hin zu vielen weiteren funktionalen Zuckern. Allein für die Lebensmittelindustrie haben wir mehrere Hundert Produktspezifikationen entwickelt. Weitere wesentliche Umsatzbringer sind die Produktion für die Lebensmittelindustrie sowie Futtermittel aus Zuckerrüben.

Das neue Produkt Gelierzucker ermöglicht es, unkompliziert und lange haltbar Marmeladen und Gelees herzustellen. Zucker habe als Naturprodukt viele wertvolle Eigenschaften. Er macht haltbar, hilft, dass sich der Geschmack voll entfaltet, und dick mache er auch nicht. „Es zählt einzig und alleine die Energiebilanz. Wer mehr Kalorien zu sich nimmt, als er verbraucht, nimmt zu“, so die Unternehmenssprecherin.

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Regal mit verschiedenen Zuckerprodukten (Gelierzucker, Puderzucker, Kristallzucker)

Produktion, Standorte und Strukturwandel

Pfeifer & Langen betreibt Zuckerfabriken in Appeldorn, Elsdorf, Euskirchen, Jülich, Könnern und Lage sowie in Środa Wielkopolska, Gostyń, Miejska Górka, Poznań, Glinojeck (Polen), Oradea (Rumänien), Radechiw, Tschortkiw, Sbarasch, Kosowa, Chorostkiw, Gnidawa (Ukraine), Kaposvár (Ungarn), Lelystad (Niederlande), Minerbio (Italien), Ptuj (Slowenien), Thessaloniki (Griechenland). Heute ist das Familienunternehmen an sechs Produktions- und Veredelungsstandorten in Deutschland und weiteren 13 Standorten in Europa vertreten.

Nach der deutschen Wiedervereinigung erwarb die Tochtergesellschaft Diamant-Zucker KG Anteile an den vier ostdeutschen Zuckergesellschaften in Elsnigk, Langenbogen, Nauen und Thöringswerder im Jahre 1991, die zuvor alle dem Kombinat Zucker angehörten. Im selben Jahr übernahm Pfeifer & Langen von der Treuhandanstalt vier Fabrikgesellschaften mit zehn Standorten in den neuen Bundesländern und gründete die Diamant-Zucker KG. 1993 wurde von der Diamant in Könnern (Sachsen-Anhalt) eine Zuckerfabrik errichtet, anschließend wurden die übrigen ostdeutschen Fabriken geschlossen.

Jahr Ereignis
1870 Gründung von Pfeifer & Langen in Köln
1872-1873 Erfindung des Würfelzuckers / preußisches Patent
1926 Markeneintragung „Kölner Zucker“ und Dom‑Logo
1928 Erste Kandiszuckerproduktion
1965 Einführung von Gelierzucker
1970er-1990er Expansion national und international
2012 Umfirmierung in GmbH & Co KG
2023 Mehrheitsbeteiligung an Rügenwalder Mühle

Wirtschaftliche Entwicklung und Konzernstruktur

Die Pfeifer & Langen Industrie- und Handels KG ist die Holding eines Lebensmittelkonzerns mit Sitz in Köln. Zur Gruppe gehört Intersnack, ein Hersteller von Snack- und Knabberprodukten, und das 2019 geschaffene Tochterunternehmen Nature’s Richness Holding GmbH mit Geschäftsaktivitäten in Herstellung und Vertrieb von Lebensmittelrohstoffen, Proteinen und Kohlenhydraten. Der Teilkonzern Pfeifer & Langen produziert und liefert Zuckerprodukte für Haushalte mit den Marken-Bezeichnungen Kölner Zucker und Diamant Zucker.

2006 hatte das Unternehmen 856 Mitarbeiter bei einem Umsatz von 644 Mio. Euro. 2016 waren es 1.277 Mitarbeiter bei einem Umsatz von 750 Mio. Euro und 2022 insgesamt 2.521 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einem Umsatz von 1,33 Mrd. Heute ist Pfeifer & Langen einer der größten Zuckerhersteller in Europa. Mit rund 2600 Beschäftigten erwirtschaftete das Traditionsunternehmen im vergangenen Jahr rund 1,8 Milliarden Euro Umsatz und verarbeitete dabei 2,1 Millionen Tonnen Rüben.

Politische Rahmenbedingungen und Herausforderungen

Allerdings macht dem Unternehmen derzeit die Politik Sorgen. Seit 2017 ist der Zuckermarkt liberalisiert, die Zuckermarktordnung ist weggefallen. Die Folge: Die Preise sind durch den internationalen Wettbewerb und das Überangebot stark gesunken. Durch die politische Weichenstellung sei der heimische Zuckerrübenanbau derzeit gefährdet. Während in anderen Ländern der Zuckerrübenanbau subventioniert werde, ist das hierzulande nicht so. „Das bringt die Rübenbauern unter Druck. Es ist ein verzerrter Wettbewerb“, schimpft Heinz Leipertz, landwirtschaftlicher Leiter für den Rübengürtel, der sich von der Mosel bis zum Münsterland erstreckt.

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Wenn Pflanzenschutzmittel nicht verwendet werden dürften, sei das für den Ertrag hinderlich. „Wir möchten an der heimischen Rübe festhalten“, sagt Leipertz bestimmt. Dafür sprechen für ihn auch Umweltgründe. „Der Weg vom Feld in die Fabrik ist kurz. Das ist etwas ganz anderes als wenn wir beispielsweise Zuckerrohr verarbeiten würden.“

Rübenfeld in der Nähe von Köln

Nachhaltigkeit, Energie und Zukunftspläne

Kölner Unternehmen will 2040 klimaneutral sein. Investitionen in die Energietransformation, Digitalisierung und Automatisierung der Produktion sollen den CO2‑Fußabdruck reduzieren helfen. Bis 2025 soll eine Halbierung der CO2‑Emissionen der Werke gegenüber 2019 erzielt werden. Der Trend, sich bewusster und damit auch zuckerärmer zu ernähren, scheint bislang keine Spuren in den Bilanzen des Unternehmens hinterlassen zu haben. „Es kommt dabei auf einen bewussten Umgang mit Zucker an. Das war vor 150 Jahren so und hat Bestand“, sagt Geschäftsführer Uwe Schöneberg.

Jubiläumsaktionen und Retro‑Packaging

Im Jubiläumsjahr 2020 bringt Pfeifer & Langen seinen Raffinade-Zucker in einer limitierten Retro-Optik auf den Markt. In den Supermarktregalen finden sich derzeit Tüten, wie schon die Großmütter sie kannten und gerne nutzten. Ein Kilogramm „weißes Gold“ sind in der Tüte, verziert mit den beiden blauen Zuckerhüten im Dom-Logo. Das charakteristische Logo ist eine Reminiszenz an den Unternehmensstandort Köln und die lange Tradition.

Dokumentation zur Geschichte von Pfeifer & Langen und Kölner Zucker

Historische Meilensteine und gesellschaftliche Wirkungen

1884 erfolgte die Gründung einer Betriebskrankenkasse. 1951 produzierte das Unternehmen in seinem Werk Dormagen Poly-Glucose - Dextran genannt. Hierbei handelte es sich um einen Blutplasma-Ersatzstoff. 1972 wurde die Krüger GmbH & Co. KG gegründet, an der sich Pfeifer & Langen wenig später zu 50 % beteiligte. Sie stellt Instantgetränke, Diätprodukte und Babynahrung her. Ebenfalls 1972 erfolgte die Gründung eines gemeinsamen Tochterunternehmens mit der Pfanni-Werke Otto Eckart AG, München. Das neue Unternehmen firmierte ab 1980 unter dem Namen Convent Knabbergebäck GmbH Co. KG, aus der später die Intersnack-Gruppe wurde.

Ab 1941 zog Pfeifer & Langen auch Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit in der Zuckerfabrik Elsdorf heran; sie waren in einem Gefangenenlager neben dem Fabrikgelände untergebracht. Bei einem Bombenangriff im November 1944 wurden dort u. a. ... (historische Berichte dokumentieren schwere Schäden und Verluste). Diese dunklen Kapitel gehören zur Unternehmensgeschichte und wurden in der Nachkriegszeit historisch aufgearbeitet.

Die Bedeutung der Kölner Zucker‑Etiketten heute

Die Etiketten und das Markenbild „Kölner Zucker“ transportieren Herkunft, Qualität und Tradition. Sie verweisen auf die enge Verbindung zur Region, auf Innovationen wie Würfelzucker, Kandis und Gelierzucker sowie auf die Produktvielfalt, die von Haushaltszucker bis zu Spezialprodukten für Industrie reicht. Die Etiketten sind damit nicht nur Verpackung - sie sind Markenzeichen, Identifikationssymbol und Instrument der Verbraucherkommunikation.

Die Liebe zum Zucker ist nach wie vor ungebrochen. Zuckerreduzierte Lebensmittel hätten zuweilen sogar mehr Kalorien als ihre „Verwandten“ mit „dem weißen Gold“. „Zum Beispiel hat ein Lebensmittel dann mehr Kalorien, wenn Fett anstelle von Zucker verwendet wird“, erläutert Britta Schumacher. Ihr Fazit: „Zucker hat Zukunft.“

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