Gründe für steigende Kakaopreise: Eine umfassende Analyse

Schokolade gehört für viele von uns zu den kleinen Freuden des Lebens. Doch wie so oft in der Lebensmittelwelt hat auch sie ihre Wurzeln in einem komplexen Markt, der von vielen äußeren Faktoren beeinflusst wird. Seit Jahresbeginn haben sich die Börsenpreise für Kakao stark verändert. In den vergangenen zwei Jahren ist der Kakaopreis weltweit stark gestiegen - allein von Anfang 2023 bis 2025 hat er sich zeitweise mehr als verdoppelt.

1. Angebotsschock: Ernteausfälle und Wetterextreme

Die Kakaoernte ist weltweit von starken Einbußen betroffen. Besonders die Kakaoernte in Westafrika - woher mehr als 60 Prozent des weltweiten Kakaos stammt - fiel durch heftige Regenfälle infolge des Klimaphänomens El Niño sowie Pilzerkrankungen wie der „Black Pod Disease“ sehr schlecht aus. Diese Veränderungen haben dazu geführt, dass die Kakaoernte 2023/2024 um bis zu 40-50% geringer ausgefallen ist als im Vorjahr, obwohl die Ernte 2022/2023 bereits unterdurchschnittlich war.

In kaum einem anderen Teil der Welt machte sich der Klimawandel so stark bemerkbar wie in Westafrika. Während normalerweise mit Beginn der Kakaoernte die Regenzeit vorbei ist, dauerte sie im vergangenen Jahr während der gesamten Kakaoernte an. Dabei regnete es 1-2 Stunden am Tag so stark, dass es teilweise zu Überschwemmungen kommt, da der Boden die Wassermengen nicht aufnehmen kann, während es den Rest des Tages sonnig und warm ist. Einer der Hauptgründe für diese starken Wetterveränderungen ist ein Klimaphänomen namens „El Niño“, bei dem sich die Meeresströmungen durch die Erwärmung des Ozeans verändern.

Kakaoplantage nach Starkregen - Schäden und verschimmelte Schoten

Auswirkungen auf Hauptproduzenten

Die größten Kakaoerzeuger sind die Elfenbeinküste und Ghana, die zusammen mehr als 60% der weltweiten Produktion ausmachen. Derzeit sieht es so aus, als würde die aktuelle Ernte keine Entlastung bringen, denn die klimatischen Bedingungen beim weltweit größten Kakaolieferanten Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) und in Ghana bleiben schwierig. In Deutschland stammen beispielsweise rund 50 Prozent des importierten Rohkakaos aus Côte d’Ivoire, heißt es vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

2. Pflanzengesundheit und Anbaumethoden

Neben den klimatischen Veränderungen hat auch die so genannte „Black Pod Disease“ zu Ernteeinbußen geführt. Dabei handelt es sich um eine Pilzerkrankung des Kakaobaums, bei der die Kakaoschoten direkt am Kakaobaum schwarz werden und abfallen, bevor sie überhaupt reif sind. Im konventionellen Anbau wird Kakao oft in Monokulturen angebaut. Diese sind anfälliger für Pilzkrankheiten oder Wetterschäden. Kakao aus biologischem Anbau stammt meist aus Mischkulturen, die widerstandsfähiger gegen extreme Witterungsbedingungen sind. Durch die hohe Biodiversität - also den Reichtum an verschiedenen Pflanzenarten - sind diese Anbaumethoden nachhaltiger und weniger anfällig für Krankheiten oder Ernteausfälle.

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3. Strukturelle Marktprobleme und Lieferketten

Einer der Hauptgründe für die großen Herausforderungen auf dem Kakaomarkt sind die historisch gewachsenen Strukturen mit unzähligen Zwischenhändler*innen, die zwischen Kakaobäuer*innen und Schokoladenkäufer*innen agieren. So wird der Kakaohandel in Ghana von der staatlichen Behörde COCOBOD reguliert, die das Monopol zum Kauf und Verkauf von ghanaischen Kakaobohnen hat. Der Ankauf der Bohnen von den Bäuerinnen und Bauern erfolgt durch COCOBOD-zertifizierte Unternehmen, sogenannte „Licensed Buying Companies“ (LBC).

Ein weiterer ganz entscheidender Treiber sind die strukturellen Herausforderungen des Kakaomarktes. Da der Staat über COCOBOD direkt Verträge mit den großen Akteuren des Kakaosektors abschließt und in den letzten Jahren stark vom Zufluss ausländischer Devisen abhängig war, wurden größere Mengen Kakao verkauft als verfügbar waren. Es funktioniert aber nur, wenn die Kakaoernte steigt oder zumindest konstant bleibt. Da diese Ernte deutlich geringer ausfällt, ist es nun zum Crash gekommen, da die Kontrakte aus der Vergangenheit und die reguläre Nachfrage deutlich über der verfügbaren Kakaomenge liegen.

4. Lagerbestände, Verfügbarkeit und Panikkäufe

Die Kakaolager in London und New York sind leer wie selten, der Preis für die Tonne Kakao klettert in Richtung bisheriger Höchststand. Die Vorräte sind dramatisch geschrumpft. Das sei der niedrigste Stand, den man je erlebt habe, sagte Jonathan Parkman, Co-Leiter der Agrarabteilung beim Rohstoffmakler Marex der FT. Viele Hersteller mussten dringend Kakao kaufen, um die Produktion nicht zum Erliegen zu bringen. Die Folge: Panikkäufe, bei denen der Preis zweitrangig war, um die Produktion zu sichern. Dies führte zu ungeahnten Preissprüngen.

5. Spekulation und Finanzmärkte

Da der Kakao-Weltmarktpreis an der Börse bestimmt wird, haben auch Spekulationen einen großen Einfluss auf den Kakaopreis. Die Preise zeigen sich äußerst volatil, was durch den spekulativen Terminhandel an den Börsen in New York und London noch verstärkt wird. Investoren spekulieren auf zukünftige Preisentwicklungen, was zu zusätzlichen Preisschwankungen führt. Die meisten Produzenten kauften nur kleine Mengen zu höheren Preisen, in der Hoffnung, dass es sich nur um einen kurzfristigen Effekt handeln würde. Doch aufgrund weiterer Missernten stieg der Preis immer weiter an.

6. Nachfrageanstieg: Globales Wachstum und Bio-/Fairtrade-Trend

Die steigende globale Nachfrage nach Kakaoprodukten hat auch damit zu tun, dass ein wachsender Anteil der Weltbevölkerung den Sprung aus der Armut geschafft hat. Obwohl der Pro-Kopf-Konsum von Schokolade in Ländern wie der Schweiz und Deutschland hoch ist, steigt die Nachfrage auch in Asien kontinuierlich. Diese steigende Nachfrage erhöht den Druck auf den Kakaomarkt weiter.

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Der Markt für Bio-Kakao wächst stark: Die Nachfrage nach Bio-Kakao entwickelt sich seit Jahren positiv. Laut einer Marktanalyse des Market Research Intellect soll das weltweite Marktvolumen von rund 657 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 auf über 1,2 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2031 steigen - das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 7,7 Prozent. Bereits 37 Prozent der im Jahr 2022 verkauften Fairtrade-Schokoladen waren zusätzlich bio-zertifiziert - ein deutliches Zeichen für die zunehmende Bedeutung verantwortungsvoll erzeugter Produkte.

Fairtrade- und Bio-Siegel auf Schokoladenverpackungen

Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI) meldete für 2024 einen Rekordwert: 86 Prozent des in Deutschland gekauften Kakaos in Süßwaren stammten aus nachhaltigem Anbau. Der Marktanteil von Fairtrade-Kakao lag 2024 in Deutschland bei rund 21 Prozent. Laut dem Jahresbericht 2024/2025 wurden im Jahr 2024 rund 89.000 Tonnen Fairtrade-Kakaobohnen abgesetzt.

7. Produktionskosten, Löhne und Lebenshaltung

Vor allem in den letzten zwei Jahren sind die Lebenshaltungskosten in Westafrika extrem gestiegen. Der Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen explodierenden Energiepreise haben in Ghana zu einer Währungskrise geführt, so dass die Inflation in den letzten Jahren stetig auf fast 70 Prozent anstieg. Unserer Vision entsprechend haben wir von fairafric daher die Löhne unserer Mitarbeitenden deutlich erhöht, was kaum ein anderes Unternehmen in Ghana getan hat, so dass die Kaufkraft der Menschen im Land stark gesunken ist.

Steigende Personalkosten: In der Schokoladenindustrie sind neben den Rohstoffkosten auch die Personalkosten gestiegen, was sich ebenfalls auf die Endpreise auswirkt. Die Produzenten haben sich darauf eingestellt und legen den Schwerpunkt auf die Herstellung von Kakaopulver. Die steigenden Löhne und Prämien für fair gehandelten Kakao erhöhen ebenfalls die Kostenbasis für Schokoladenhersteller.

8. Preisentwicklung: Zahlen, Volatilität und Prognosen

Der Weltmarktpreis für Kakao hat sich allein in den letzten 12 Monaten mehr als verdreifacht (von $2.200 im März 23 auf über $10.686 im April 24), wobei weiterhin täglich neue historische Höchststände erreicht werden. Zwischen 2023 und 2025 hat sich der Preis für Kakao verdoppelt. Der Weltpreis für Kakaobohnen ist vier- bis fünfmal höher als noch vor einem Jahr. Aktuell kostet eine Tonne Kakao knapp 9000 Franken. Die Kakaopreise fielen auf etwa 5.330 USD pro Tonne, den niedrigsten Stand seit fast drei Wochen, und setzten ihren Rückgang von dem Achtmonatshoch von 6.455 USD fort.

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Die Situation auf dem Kakaomarkt bleibt angespannt. Die Zwischenernte in den wichtigen Anbaugebieten Westafrikas ist aktuell in vollem Gange, doch ihre Entwicklung, sowohl qualitativ als auch quantitativ, ist stark von den Niederschlagsmengen in der Region abhängig, was sich unmittelbar auf die Preise am Markt auswirkt. Die konventionellen Lagerbestände, welche von der Börse ICE überwacht werden, sind zuletzt gestiegen, was zu einem kurzfristigen Preisrückgang führte. Dennoch bleiben die strukturellen Versorgungsengpässe bestehen. Insgesamt ist eine deutliche Entspannung vorerst nicht in Sicht.

Interview mit Marktexperten zur Kakaopreis-Entwicklung

9. Auswirkungen auf Produktion, Handel und Verbraucher

Auch die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland bekommen die hohen Preise für Kakao zu spüren. Nach Daten des Statistischen Bundesamts erhalten sie für jeden Euro ein Drittel weniger Schokolade als vor fünf Jahren. Schokoladenprodukte im Handel verteuern sich deutlich und die Produktion wird aufgrund des Rohstoffmangels zurückgefahren. Leere Lager und schwache Ernteerträge treiben den Preis für Kakao wieder in Richtung der jüngsten Rekordstände. Für viele Verbraucher könnten Schokoladenprodukte bald zum Luxusgut werden.

Einige Hersteller haben bereits auf die gestiegenen Kosten reagiert und ihre Preise erhöht. Andere hingegen können aufgrund bestehender Verträge weiterhin Kakao zu früheren, günstigeren Preisen beziehen und bleiben vorerst von Preiserhöhungen verschont. Langfristige Handelsvereinbarungen ermöglichen es Marken wie Milka oder Ritter Sport, ihre Produkte weiterhin zu attraktiven Preisen anzubieten, die jedoch nicht den aktuellen Marktbedingungen entsprechen.

10. Chancen: Höhere Einkommen für Produzenten und nachhaltige Wertschöpfung

Wer profitiert von den höheren Kakaopreisen? Grundsätzliche alle Akteure in der Wertschöpfungskette, also Produzenten und Exporteure ebenso wie die Händler. Vor allem die Kakaobauern, die ihre letzte Haupternte noch zu den alten Preisen verkauften, werden diesen Herbst stärker profitieren. Es ist zu hoffen, dass ein Teil dieser Einnahmen in die Revitalisierung der Plantagen investiert wird und sich das in höheren Erträgen niederschlägt. Auch für die Kakaobauern wäre dies wünschenswert, da sie von grösseren Ernten und höheren Preisen doppelt profitieren würden.

Das Ziel von fairafric ist es, der Armut der beteiligten Menschen, die in Ghana vom Kakao leben, ein Ende zu setzen. Deshalb hat fairafric seine Schokoladenfabrik direkt im Kakaoanbaugebiet in Ghana gebaut um den gesamten Verarbeitungsprozess vom Kakaobaum bis zur fertigen Tafel vor Ort. Dadurch, dass man direkt vor Ort ist, können gemeinsam mit den dort umliegenden Gemeinden echte Lösungen und damit Perspektiven für immer mehr Menschen in Ghana geschaffen und daraus einen Strukturwandel vorangetrieben werden. Dafür zahlt fairafric mit 600 Dollar (entspricht 475 Britische Pfund) je Tonne Kakaobohnen die höchste Bio-Prämie in ganz Westafrika.

11. Bio, Fairtrade und Preissetzung

Auf den Weltmarktpreis schlagen Unternehmen, die Bio-Rohkakao importieren, eine Bio-Prämie und gegebenenfalls einen Zuschlag für fairen Handel hinzu. Die schwankenden Weltmarktpreise für Rohkakao beeinflussen auch den Preis für Bio-Kakao. Auf den Weltmarktpreis wird zudem ein Aufschlag für Bio gezahlt. Viele Schokoladenprodukte in Bio-Qualität tragen zudem Siegel des fairen Handels.

Faktor Auswirkung auf Preis
Ernteausfälle (El Niño, Black Pod) Starker Angebotsrückgang, Preistreiber
Spekulation Volatilität, kurzfristige Preissprünge
Steigende Produktions- und Personalkosten Höhere Endpreise
Wachsende Nachfrage (Asien, Bio) Dauerhafter Nachfrageaufbau
Leere Lager Preisvolatilität, Panikkäufe
Fairtrade/Bio-Prämien Zusätzliche Kostenbasis, bessere Einkommen für Bauern

12. Perspektiven: Bleibt der Preis hoch?

Ich persönlich bezweifle, dass der Kakaopreis wieder auf das Niveau von vor 2024 sinken wird. Es steckt sehr viel Arbeit in diesem Rohstoff, und diese muss fair entgolten werden. Die Situation auf dem Kakaomarkt bleibt angespannt und eine deutliche Entspannung ist vorerst nicht in Sicht. Die Zwischenernte könnte kurzfristig für Preisschwankungen sorgen, doch strukturelle Versorgungsengpässe und die anhaltende Nachfrage deuten darauf hin, dass die Grundspannung im Markt bestehen bleibt.

Trotz der aktuellen nominalen Rekordpreise liegen die inflationsbereinigten Kakaopreise immer noch unter den Höchstpreisen der 1970er-Jahre. Das bedeutet, dass die heutigen Preise in realen Begriffen niedriger sind als damals, obwohl sie auf einem hohen Niveau erscheinen. Dennoch: Die gesamte Kakaoindustrie steht derzeit Kopf!

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