Die Geschichte und Produkte der Jan Stoffel Schokolade

Die Confiserie Stoffel in Bobenheim am Berg ist eine Institution für Schokoladenliebhaber. Selbst überzeugte Brokkoli-Fans können sich der Versuchung der zahlreichen Schoko-Kreationen kaum entziehen, wenn sie zwischen Tafeln, Trüffeln und den kunstvollen Hohlfiguren aus brauner und weißer Schokolade stehen.

Verkaufsraum der Chocolaterie Stoffel mit Tafeln und Hohlfiguren

Historische Wurzeln: Von der Schweiz in die Pfalz

1893 kam der Ururgroßvater von Jan Stoffel aus der Schweiz in die Pfalz - „unter nicht ganz geklärten Umständen“, wie der heutige Herr der Bobenheimer Schokolade lachend erzählt. Ob es tatsächlich die Liebe war, die Walter Stoffel nach Bad Dürkheim und in die erste Produktionsstätte unweit der heutigen Spielbank verschlug, bleibt offen. Fest steht jedoch, dass seine neue Heimat bis heute vom süßen Handwerk seiner Nachkommen profitiert.

Seit 125 Jahren und bereits in der fünften Generation führt die Familie Stoffel ihren Betrieb in der Pfalz. Die Firma Stoffel zog in den 1970er Jahren in die heutigen Produktionsstätten nach Bobenheim am Berg um, vor 20 Jahren kam ein Geschäft in Mannheim dazu. Seit 30 Jahren verkaufen die Stoffels ihre feinen Schokoladen auch in der Mannheimer Heinrich-Vetter-Passage.

Historische Entwicklung der Chocolaterie Stoffel und Familienbetrieb

Die Familie und das Team

Geschäftsführer, Chocolatier und kreativer Kopf ist Jan Stoffel, der nach seinem Betriebswirtschaftsstudium eigentlich gar nicht in die Firma einsteigen wollte, dann aber doch involviert war. Seine Mutter Ingrid steht mit 80 Jahren während der Saison noch immer täglich hinter der Ladentheke und bietet mit viel Charme und großem Fachwissen die von neun Mitarbeiter:innen hergestellten Köstlichkeiten an.

Im Verkauf sind drei weitere Angestellte tätig, und die zehn Produktionsmitarbeiter sind für die aufwendige Handarbeit zuständig: Das „Schminken“ der Figuren mit andersfarbiger Schokolade, das Verpacken und Befüllen der Formen, welche vom ersten Entwurf bis zum fertigen Modell bis zu 15.000 Euro kosten können.

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Einblick in die Produktion

Hinter Verkaufsraum und Hof liegen die Produktionsstätten: Links arbeiten zwei französische Chocolatiers an Trüffeln und Tafelschokolade, rechts entstehen die Hohlfiguren. Im Hintergebäude einer ehemaligen Winzerei des Urgroßvaters stapeln sich die verschiedensten Schokoladenformen - mehr als 600 verschiedene Kunststoffformen, darunter Fische, Fahrräder, Fußbälle und Fotoapparate.

Manuelle Herstellung von Hohlfiguren in der Chocolaterie Stoffel

Zu Ostern herrscht Hochbetrieb: Punkt 9 Uhr startet die Saison im Pfälzer Ladengeschäft. Der angenehme Duft nach feinstem Kakao empfängt die Kunden. Im Schaufenster und in den warmen Holztönen gehaltenen Regalen finden sich winzige Häschen fürs Osternest, Osterhasen auf Motorrädern mit und ohne Beiwagen oder ganze Langohrfamilien. Das größte Hasenmodell misst stolze 63 Zentimeter, dazu gibt es Eier aus heller, dunkler, weißer oder rosa Schokolade mit unterschiedlichsten Füllungen.

Sortiment und Kreationen

Die helle Sorte - Milchschokolade - macht 80 Prozent der Produktion aus, auf weiße Schokolade entfallen fünf und auf die bittere 15 Prozent. Die Nachfrage nach dunklen Sorten habe merklich nachgelassen, beobachtet Jan Stoffel. Tausende Hasen produziert die Chocolaterie vor den Feiertagen jeden Tag und stellt mehr als 120 verschiedene Osterhasenvarianten in allen Größen her, diese wiegen zwischen 15 Gramm und 2,5 Kilo.

Schokoladensorte Produktionsanteil (%)
Milchschokolade 80
Weiße Schokolade 5
Bittere Schokolade 15

Zu den Abnehmern zählen neben Privatkunden Firmen - wie Winzergenossenschaften, die ihre eigenen Weine in Trüffeln verarbeitet haben wollen - der Großhandel sowie Konditoren der Region. Die Produkte werden fast ausschließlich innerhalb Deutschlands verkauft, mit Schwerpunkt auf dem Süden.

Für die handgefertigten Kreationen werden im Hintergebäude leckere Zutaten verwendet: kandierte und getrocknete Früchte, bunte Schokolinsen, Marzipan, frisch geröstete Nüsse oder gefriergetrocknete Erdbeeren zum Färben von rosa Schokolade. Aus einem Edelstahl-Schokobrunnen fließt flüssige Schokolade, in Handarbeit werden Pralinen oder Früchte damit überzogen, oder Hasen mit weißer Schokolade bemalt.

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Osterhasen-Modelle und Auswahl in der Chocolaterie Stoffel

Kreativität und Sonderformen

Motiven der Hohlfiguren sind mit mehr als 5000 Formen kaum Grenzen gesetzt. Besonders beliebt sind Wahrzeichen wie der Mannheimer Wasserturm in zwei Größen oder die Stoffel-Variante des Mannemer Drecks. Auch Auftragsformen wie Firmenlogos oder Werbepräsente sind gefragt. Dafür arbeitet Jan Stoffel mit einem Formenbauer zusammen, und erweitert seinen eigenen Fundus laufend. Gerne übernimmt er Formen, Maschinen und Ladenausstattungen von kleinen Manufakturen, deren Besitzer aus Altersgründen aufgeben. Ein komplettes Stockwerk ist inzwischen damit gefüllt - darunter findet sich eine Bonbon-Wickelmaschine aus dem Jahr 1915. „Ich könnte jederzeit ein Schokoladenmuseum eröffnen“, sagt der quirlige Pfälzer schmunzelnd.

Innovationen, saisonale Vielfalt und Tradition

Die Schokoladensaison endet nach Ostern, aber die Produktion schließt sich fast nahtlos an das turbulente Weihnachtsgeschäft an. Zuletzt hat Jan Stoffel Dubai-Schoko-Nikoläuse entwickelt - mit eigener Pistaziencreme, Varianten mit weißer oder dunkler Schokolade. Besonders Dubai-Schokolade-Osterhasen sind ein Renner. Auch nach dem Weihnachtsgeschäft bleiben die Stoffels aktiv: Maschinen und Formen werden gereinigt und generalüberholt. Oft bleiben nur wenige Wochen für Pausen, bevor die Saison im September wieder startet.

Die Motive wechseln je nach Jahreszeit: Weinflaschen und -trauben aus Schokolade zur Weinlese, Rieslingtrüffel und Schoko-Bleistifte zum Schulstart. Zu Halloween gibt es Schoko-Kürbisse, Geister und sogar einen Totenkopf. „Den habe ich auf einer Messe mit einem mexikanischen Chocolatier getauscht.“ Totenköpfe sind auch in der Gothic-Szene beliebt und erweitern den Kundenkreis. Jan Stoffel setzt gern kreative Ideen flexibel und schnell um.

Halloween-Schokoladen: Kürbisse und Totenköpfe

Handwerkskunst und Herausforderungen

Für die zehn Produktionsmitarbeiter steht viel Handarbeit auf dem Programm, während Maschinen das minutenlange Drehen der Figuren übernehmen, damit diese nur „Schokoladenseiten“ besitzen. Jährlich wird so viel Schokoladenmasse verarbeitet, wie in zwei Doppelgaragen passt - eine beachtliche Menge für einen kleinen Betrieb, aber kein Branchen-Gigant. Gerade die Qualität und die schnelle Reaktion bei Auftragsannahmen von Saisonwaren seien ein entscheidender Vorteil auf dem Markt.

Handarbeit: Bemalen und Verpacken von Schokoladenfiguren

Immer strengere Vorschriften wie zuletzt die Kennzeichnungspflichten möglicher Allergene und demnächst die Kalorienzahl machen das Geschäft nicht immer zum Zuckerschlecken. Die fast unmögliche Rechnerei, wie viel exakt von welcher Zutat mit wie viel Brennwert in welchem Trüffel ist, könnte den Tod aller handgefertigten Pralinen bedeuten, befürchtet Stoffel. Der überwiegende Teil der kleineren Schokoladenproduzenten in der Region hat in den vergangenen Jahren aufgegeben.

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Einzigartige Trüffelkreationen und Publikumsnähe

Die verschiedensten Modelle sowie Pralinen und Trüffel entstehen im Hintergebäude, wobei sich die Zutaten in den Regalen stapeln. Neben klassischen Pralinen gibt es immer ausgefallenere Trüffel-Kreationen mit Wein aus der Region oder anderen Spezialitäten.

Sonderaktionen und Kundennähe

Die Produkte der Stoffel Chocolaterie sind beliebte Geschenke, sie eignen sich als Gutscheine oder als kreative Auftragswaren. Die Kunden können individuelle Wünsche äußern, saisonale und thematische Figuren bestellen, und auch Sonderaktionen wie die berühmten „Dubai-Schoko-Nikoläuse“ sind Teil der Philosophie.

Produktionsstätten und Kooperationen

Eine weitere Produktion betreibt Jan Stoffel im nahen Dackenheim, dort werden hauptsächlich Kuvertüren und Pralinen hergestellt. Zu den Abnehmern zählen auch Winzergenossenschaften wie die in Herxheim, die eigenen Weine in Trüffeln verarbeiten lassen wollen.

Firmenphilosophie und Zukunft

Das Geheimnis des Erfolges liegt im kreativen, schnellen und flexiblen Umsetzen von Ideen, der handwerklichen Qualität und der Nähe zum Kunden. In der Region sind die Stoffels Stadtbekannt - etwa durch den Mannemer Dreck oder den Mannheimer Wasserturm als Schokofigur.

Handgemachte Pralinen und Trüffel der Stoffel Chocolaterie

Heißt es doch, dass neun von zehn Menschen Schokolade mögen - und der zehnte muss lügen. Die süße Seite der Pfalz bleibt durch die Confiserie Stoffel lebendig und verführerisch!

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