Honig bei Chemotherapie: Wirkung und Anwendung gegen orale Mukositis

Die orale Mukositis ist eine häufige und belastende Nebenwirkung bei Chemotherapie oder Bestrahlung im Rahmen einer Krebsbehandlung. Dabei kommt es typischerweise zu geröteten Stellen und brennenden Schmerzen; Essen und Trinken schmerzt dann häufig und belastet Betroffene entsprechend stark.

Warum Mukositis eine klinische Herausforderung ist

Die Entzündungsherde im Mund können so schmerzhaft und belastend sein, dass die Krebsbehandlung unterbrochen werden muss und das Therapieziel gefährdet wird. Die Prävalenz einer oralen Mukositis liegt bei Krebspatienten unabhängig von der Tumorart bei mehr als 20 Prozent und ist bei einer Bestrahlung des Kopf-Hals-Bereichs fast unvermeidbar. Die dabei auftretenden Schleimhautverletzungen wie kleinere Geschwüre können äußerst schmerzhaft sein. Das hat verständlicherweise negative Auswirkungen auf Ernährung, Mundhygiene und vor allem Lebensqualität.

Schulmedizinische Leitlinien und komplementäre Ansätze

Die aktuelle S3-Leitlinie zur Supportivtherapie führt als evidenzbasierte Verfahren nur Mundhygiene, Meiden von Noxen und prophylaktische Kryotherapie während der Chemotherapie auf in Form des 30-minütigen Lutschens von Eiswürfeln. Professor Dr. Karsten Münstedt von der Frauenklinik Offenburg Ebertplatz des Ortenau Klinikums Offenburg wies darauf hin, dass die Kryotherapie bei allen Formen der Chemotherapie Sinn mache und nicht nur, wie in der Leitlinie festgehalten, bei Behandlung mit 5‑Fluorouracil. Einer Metaanalyse von 2015 zufolge halbiere dies das Mukositisrisiko. Die Erfahrung zeigt, dass das Ausmaß einer Mukositis im Rahmen gehalten werden kann, je besser es gelingt, der Entzündung vorzubeugen, etwa durch lokale Kryotherapie.

Infografik: Mechanismen der oralen Mukositis und Präventionsmaßnahmen

Honig als komplementäre Therapiemöglichkeit: Evidenzlage

Im Bereich der Onkologie finden sich Studien, in denen Honig beispielsweise als supportive Therapie bei Krebspatienten nach einer therapiebedingten oralen Mukositis eingesetzt wurde. Honig lindert die Beschwerden der Patienten, in Abhängigkeit vom Schweregrad manchmal deutlich, manchmal weniger deutlich. In einer Patientenstudie zur Behandlung therapiebedingter Mukositis zeigte sich, dass mithilfe von Honig zusätzlich zur Standardtherapie das Ausmaß sowie die Dauer der Beschwerden günstig beeinflusst werden konnte.

Zu den vielen Strategien, denen die Leitlinie eine Absage erteilt, gehört das Lutschen von Honig. „Das Thema muss sicher noch einmal neu bewertet werden“, betonte Prof. Münstedt. Er zitierte eine Metaanalyse von vier Studien aus der pädiatrischen Onkologie, bei der die Chemotherapie vergleichsweise hoch dosiert wird. Honig erwies sich als gegen die Mukositis als prophylaktisch und therapeutisch effektiv, auch wenn sich die Wirksamkeit im Vergleich zu etablierten Strategien derzeit nicht beurteilen lässt.

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Eine Netzwerk-Metaanalyse ermittelte 55 randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 3 552 Patienten. Honig senkte das Risiko Chemotherapie- oder Strahlentherapie-induzierter mittelschwerer bis schwerer oraler Mukositis signifikant im Vergleich zu einem Placebo (OR: 0,01; 95 % KI: 0,00 - 0,45). In einer Ranglisten-Analyse zeigte sich Honig als beste Behandlung mit 85,6 %, gefolgt von Lignocain mit 5,1 % (OR: 0,07; 95 % KI: 0,00 - 0,95).

Systematische Auswertung und Studienergebnisse

Für eine Übersichtsarbeit hat der Gynäkologe selbst 17 Studien ausgewertet. Von diesen fanden 13 einen positiven Effekt bei Prophylaxe und Therapie, vier andere nicht. Auffällig: Alle Studien mit negativem Ergebnis wurden ausschließlich mit Manuka-Honig durchgeführt, die übrigen nur mit anderen Honigsorten.

Forscher des Mangalore Institute of Oncology in Indien rund um den Krebsexperten Dr. Baliga ermittelten nun die Wirksamkeit von Honig zur Linderung der Entzündung. Den teilnehmenden Patienten wurde dabei entweder die Standardbehandlung (Povidon mit Jod) oder Honig zur Behandlung ihres Mundes gegeben. Im Vergleich zur Standardbehandlung mit Jod senkt Honig messbar die Mundschleimhautentzündung. Bei der Chemotherapie macht Honig also einen deutlichen Unterschied: Mundschleimhautentzündungen entwickeln sich seltener und sind besser erträglich im Vergleich zu einer Standardbehandlung, ohne dass die Krebstherapie davon negativ beeinflusst wäre.

Diagramm: Vergleich Honig vs. Standardtherapie (Povidon-Iod) - Mukositis-Schweregrad

Manuka-Honig: Vor- und Nachteile

Hobbyimker Prof. Münstedt hat dafür eine wissenschaftlich fundierte Erklärung: Manuka-Honig enthält das Zellgift Methylglyoxal. Das macht ihn zwar hervorragend geeignet zur Therapie eitriger Wunden, an den durch die Krebstherapie ohnehin geschädigten Schleimhäuten übt er aber hohe lokaltoxische Wirkungen aus. Hochwertige Studien, denen in nachfolgenden Analysen vermehrt Gewicht beigemessen wurde, testeten den auch als „medizinischer Honig“ gehandelten Manuka-Honig. Die Studien mit negativem Ergebnis wurden ausschließlich mit Manuka-Honig durchgeführt, die übrigen nur mit anderen Honigsorten.

Es wundert daher nicht, dass Honig in vielen Kulturen als Heilmittel gilt und traditionell in der Naturheilkunde gegen Erkältungen, Hautreizungen und zur Wundpflege eingesetzt wird. Offensichtlich besitzt Honig heilungsfördernde und antibakterielle Eigenschaften. In einigen wissenschaftlichen Studien heilten selbst problematische Wunden unter Honigauflagen ab, und zwar teilweise besser als mit Antibiotikum.

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Wann und wie kann Honig angewendet werden?

Ärzte können Honig empfehlen, wenn eine Bestrahlung im Mundbereich oder eine Chemo mit hohem Mukositisrisiko ansteht. Prof. Münstedt rät, je einen Teelöffel davon eine Stunde vor und direkt nach der Radiatio sowie vier Stunden später im Mund zu verteilen und möglichst lange zu halten. Ob Patienten den Honig ausspucken oder herunterschlucken, bleibt ihnen überlassen. In Studien hatte diese Strategie auch einen positiven Effekt auf das Gewicht: Die Honiggruppen nahmen viel weniger ab als Kontrollgruppen, die den Mund mit NaCl spülten.

Generell können verschiedenste Krebstherapien, nicht nur eine Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich, zum Auftreten von Mukositiden führen. Hier stellt Honig tatsächlich eine präventive Maßnahme dar. Diese Anwendung von Honig ist zwar nicht schädlich, trotzdem sollten Ärzte, Apotheker oder auch einbezogene Pflegefachleute auf eine gute Mundhygiene hinweisen: Der hohe Gehalt an Zucker im Honig kann bei einer langzeitigen Anwendung und vor allem bei eingeschränktem Speichelfluss die Entstehung von Karies fördern.

Wichtig ist natürlich, anschließend den Mund auszuspülen und die Zähne zu putzen, sonst droht Karies. Danach das Zähneputzen nicht vergessen!

Demonstration: Anwendung von Honig zur Mukositisprophylaxe

Sicherheit, Hygiene und Produktwahl

Honig unterliegt zwar dem Lebensmittelrecht, wird in der Naturheilkunde aber traditionell als Heilmittel eingesetzt. Es gibt jedoch auch als Medizinprodukt zertifizierte Zubereitungen, z.B. für die Wundbehandlung, die nach den Vorgaben des europäischen Arzneibuchs hergestellt sein müssen. Die Wirkung basiert auf physikalischen, antibakteriellen Prozessen. Die Behandlung offener Schleimhautwunden mit naturbelassenem Honig ist aufgrund der möglichen Keimbelastung nicht zu empfehlen. Egal ob kranke Personen Honig präventiv oder supportiv verwenden möchten, es sollte immer medizinischer Honig genutzt werden.

Honig aus dem Supermarktregal sollte allerdings nie auf offene Wunden aufgetragen werden. Weil Honig ein Naturprodukt ist, kann er Verunreinigungen, Pestizide oder Keime enthalten. Dagegen gilt speziell gereinigter, medizinischer Honig für die Behandlung kleiner Wunden als unbedenklich.

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Weitere Bienenprodukte: Propolis und Gelée Royale

Propolis ist ein Gemisch aus mehr als zweihundert unterschiedlichen Stoffen. Deren Inhaltsstoffe erklären auch die antibiotische, antimykotische und antivirale Wirkung, die nicht nur Imker dem Bienenharz zuschreiben. Veröffentlichungen aus experimentellen Studien, in denen Inhaltsstoffe aus Propolis isoliert und gezielt an Zellkulturen getestet wurden, gibt es schon seit mehreren Jahrzehnten. Bislang haben sich weder dieser Ester noch weitere Wirkstoffe aus Propolis in aussagekräftigen klinischen Studien als Therapie gegen Krebs beweisen können.

Ähnlich sieht die Datenlage zu Gelée Royale aus. In einzelnen Studien wurden positive Effekte bei Patienten mit Mukositiden nach Bestrahlung oder Chemotherapie beobachtet. Hier liegen bislang aber zu wenige Daten vor, um eine eindeutige Empfehlung abgeben zu können. Diskutiert wird auch, ob der Bienenköniginnensaft das Immunsystem von Patienten verbessern kann. Studien am Menschen, Krebspatienten oder nicht, fehlen dazu aber bislang.

Mögliche Risiken: Allergien, Keimbelastung, Schadstoffe

Im Jahr 2009 veröffentlichte das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) eine immer noch gültige Stellungnahme zur "Einschätzung von Propolis und Gelée Royale". In dieser weist das BfR darauf hin, dass beide Bienenprodukte Inhaltsstoffe haben, die bei empfindlichen Personen in Einzelfällen zu schweren allergischen Reaktionen führen können. Propolis beschreibt Kontaktreaktionen bei äußerlicher Anwendung und allergische Reaktionen bei oraler Einnahme. Gelée Royale hat ein höheres allergenes Potenzial; Asthmatiker, Atopiker und Personen mit Überempfindlichkeiten sollten Vorsicht walten lassen.

Nicht nur die Keimbelastung von Honig, Propolis und Co. spielt eine Rolle. Wichtig ist es auch, den Schadstoffgehalt von Bienenprodukten im Blick zu behalten. Honig selbst wird regelmäßig überwacht im Rahmen des sogenannten Lebensmittelmonitorings des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Einmal aufgenommen, finden sich die Schadstoffe über kurz oder lang auch in den Bienenprodukten wieder.

Praxisempfehlungen für den klinischen Alltag

  1. Bei Patienten mit hohem Mukositisrisiko kann die Empfehlung von medizinischem Honig als ergänzende Maßnahme geprüft werden.
  2. Manuka-Honig sollte nicht pauschal bevorzugt werden; Studien zeigen teils negative Effekte, vermutlich durch Methylglyoxal.
  3. Verwenden Sie nur medizinisch aufbereiteten Honig für mukositisbezogene Anwendungen, nicht handelsüblichen Tafelnhonig bei offenen Schleimhautläsionen.
  4. Auf gute Mundhygiene achten: nach Honiganwendung den Mund ausspülen und Zähneputzen nicht vergessen, um Karies zu vermeiden.
  5. Bei Allergien oder bekannter Überempfindlichkeit gegen Bienenprodukte ist von einer Anwendung abzusehen.

Tabelle: Evidenzüberblick zu Honig und Bienenprodukten bei Mukositis

Intervention Studienlage Empfehlung
Honig (medizinisch) Mehrere RCTs und Metaanalysen zeigen Reduktion mittelschwerer bis schwerer Mukositis Kann als ergänzende Option empfohlen werden
Manuka-Honig Unterschiedliche Ergebnisse; einige Studien negativ (Methylglyoxal‑Effekt) Vorsicht; nicht pauschal bevorzugen
Propolis Präklinische Effekte, klinische Daten uneinheitlich Weitere Studien nötig; aktuell keine allgemeine Empfehlung
Gelée Royale Einzelne positive Befunde, zu wenige Daten Keine eindeutige Empfehlung

Besprich am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, ob sich solche ergänzenden Methoden im Rahmen deiner Krebstherapie eignen. Solange deine Ärztin oder dein Arzt dir nicht davon abraten und du Honig gerne magst, spricht nichts gegen den Verzehr von Honig. Du solltest ihn jedoch nicht auf äußerliche Wunden zur Heilung auftragen - dafür ist nur spezieller medizinischer Honig geeignet.

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