Franz Haas Waffel und Keksanlagen Industrie GmbH: Geschichte, Produkte und globale Entwicklung
Die Franz Haas Waffel und Keksanlagen Industrie GmbH hat sich aus einer 1905 in Wien gegründeten Bau- und Maschinenschlosserei zu einem weltweit führenden Anbieter von Produktionsanlagen für Waffeln, Kekse und verwandte Backwaren entwickelt. Heute ist das Unternehmen Teil eines internationalen Konzerns und beliefert Kunden auf allen Kontinenten mit maßgeschneiderten Anlagen und Systemlösungen.
Historische Entwicklung und Meilensteine
1905 gründete Josef Haas eine Bau- und Maschinenschlosserei in Wien. Seine drei Söhne Franz, Josef und Karl übernahmen 1933 den Betrieb. Während des Zweiten Weltkrieges wurden Teile der Produktion nach Kaplice ins besetzte Tschechien verlagert, wo Franz Haas durch die Reparatur eines einfachen Waffeleisens seine Liebe zur Materie entdeckte. 1948 kehrte er nach Wien zurück und stellte auf der Wiener Messe 1949 seine erste eigens produzierte Waffelmaschine - die HV6 - vor. Bestärkt durch den Erfolg seiner ersten Maschine gründete er 1966 mit seiner Frau die Firma Franz Haas Waffelmaschinen.
In dieser Zeit begannen auch die vier Kinder Josef, Franz, Margarete und Johann im Unternehmen mitzuarbeiten, welche 1974 die Firma übernahmen. Ein Jahr später wurde die komplette Produktion von Wien in ein größeres Werk in Leobendorf, Niederösterreich, verlegt. Im Jahr 1979 erhielt das Unternehmen die staatliche Auszeichnung und somit das Recht, das Bundeswappen im Geschäftsverkehr zu führen.
Es folgten weltweite Expansionsschritte: Niederlassungen in Curitiba (Brasilien) und Richmond, Virginia (USA) sowie später Standorte und Beteiligungen in Holland, Dänemark, China und weiteren Ländern. 1983 übernahm Haas den Waffelteig-Mischspezialisten Danger sowie 1986 den deutschen Keksmaschinenhersteller Hecrona. Mit der Integration des holländischen Mischer- und Belüfterspezialisten Mondomix im Jahr 2002 und des deutschen Herstellers von Waffeltüten-Backanlagen GAM Steinhoff im Jahr 2003 entwickelte sich das Unternehmen hin zu einer international tätigen Firmengruppe.
2005 übernahm die vierte Generation - Josef Haas, Johannes Haas und Stefan Jiraschek - die Firmenführung. Ein Jahr später eröffnete Haas in Shanghai einen Verkaufs- und Produktionsstandort. 2009 wurden 85 % der dänischen DFE Meincke Holding übernommen, welche die Vorreiterrolle im Keksmaschinenbereich innerhalb der Haas Gruppe übernahm.
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Die Franz Haas Waffelmaschinen GmbH ist heute Teil der Bühler Group; mit dem Geschäftsbereich Consumer Foods leistet das Unternehmen weltweit einen entscheidenden Beitrag zur Herstellung von Gebäck, Süßigkeiten und Snacks. Mit dem jetzt erfolgten Transfer wollten die Alteigentümer langfristig die erfolgreiche Weiterführung des Geschäfts sicherstellen.
Familienunternehmen und Nachfolge
Das Familienunternehmen zeichnet sich durch eine klare Nachfolgeregelung und generationenübergreifende Kontinuität aus. Seit 1905 haben in jeder Generation Familienmitglieder das Unternehmen geleitet. Wichtig für eine geordnete Übergabe sind dabei aus Sicht der Nachfolger umfassende Vorbereitung, externe Experten und frühe Trainings in verschiedenen Abteilungen. Die Geschäftsführung trifft wichtige Entscheidungen im Konsens; innerhalb der Geschäftsführung gibt es keine Mehrheitsbeschlüsse.
Produktportfolio
Die Haas-Gruppe stellt maßgeschneiderte Anlagen zur Keks-, Waffel- und Kuchenproduktion sowie für viele weitere Gebäck- und Snackprodukte her. Gefertigt werden Maschinen zur Produktion von Waffeln, Keksen, Eistüten, Hohlhippen, Weichwaffeln, Kuchen und Palatschinken. Das Produktportfolio umfasst Maschinen und Anlagen zur Herstellung von Waffeln, Snacks, Keksen, Crackern, Kuchen, Eistüten, Weichwaffeln und Convenience-Food-Produkten sowie Misch- und Belüftungssysteme für Teige, Schokolade und andere Süßwarenprodukte, wie zum Beispiel Marshmallows.
Das Angebot umfasst Teigmischer, industrielle Backöfen, Kühler, Gebäckformer, Schnittgebäckmaschinen und viele weitere Verarbeitungsstationen bis zur Verpackungsvorstufe. Die Lösungen reichen von Einzelmaschinen bis zu kompletten Fertigungsstraßen und Systemen, die über Jahre im Einsatz bleiben; deshalb hält Haas Ersatzteile und Serviceleistungen auch über lange Zeiträume vor.
Vier Produktgruppen
- Maschinen zur Herstellung von Waffeln.
- Maschinen zur Herstellung von Produkten rund um Keks: Hartkeks, Weichkeks, Kuchen.
- Convenience-Produkte: Softwaffeln, Pancakes, Eistüten.
- Mischsysteme: Anlagen zum Aufschlagen von Teigen und Cremes.
Standorte, Produktion und Service
Die Firma Haas betreibt neben ihrer Zentrale in Leobendorf Werke in Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, China, USA und Brasilien. In Leobendorf, wo der Betrieb rund 550 Personen beschäftigt, befindet sich das Kompetenzzentrum für die Herstellung der Hochleistungsproduktionsanlagen. Hier werden alle Maschinen auf Herz und Nieren getestet, bevor sie an ihren Einsatzort gelangen. Die Haas-Gruppe betreibt Entwicklungsstandorte wie die Haas-Mondomix B.V. in Holland und die Haas-Meincke A/S in Dänemark.
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Die Haas-Gruppe verfügt über ein dichtes Vertriebs- und Servicenetzwerk mit Verkaufs- und Servicebüros in Singapur, Kolumbien und Indien sowie Servicestandorten in Russland und der Türkei. Haas unterstreicht: „Wir bieten auch Serviceleistungen an, die unsere Kunden weltweit abrufen können.“
Export und Kunden
Rund 95 Prozent der Produkte gehen in den Export. Über 1.000 Waffelproduktionsanlagen sind in mehr als 120 Ländern auf allen Kontinenten in Betrieb. Die Abnehmer der Haas-Anlagen gehören zur Crème de la Crème der Markenartikelindustrie: Nestlé, Masterfoods, Ferrero, Unilever, Manner oder Loacker. Die Anlagen können preislich zwischen 400.000 und sechs Mio. Euro liegen; der Durchschnitt liegt bei etwa 1,5 Mio. Euro, Projektgrößen können bis über 5 Mio. Euro reichen.
Produktions- und Fertigungsprozesse
Die Produktion besteht aus der herkömmlichen Fertigung individueller Komponenten mit Durchlaufzeiten zwischen sechs und acht Monaten pro System. Allein die großen Waffellinien können sich aus bis zu 10.000 verschiedenen Einzelteilen zusammensetzen. Da die Lösungen in der Regel bis zu 30 Jahre im Einsatz sind, hält das Unternehmen auch Ersatzteile für diesen Zeitraum im Bestand.
Zur Effizienzsteigerung und Fertigungsflexibilität wurden bei Haas moderne Fertigungssysteme und Automatisierungslösungen eingesetzt, darunter flexible Fertigungssysteme (FMS) mit großen Palettenpools und Nullpunkt-Aufspannsystemen, um die Unabhängigkeit von Maschinentypen zu erhöhen und eine unbemannte Mehrschichtproduktion zu ermöglichen.
Ausbildung, Unternehmenskultur und Innovation
Groß geschrieben wird bei Haas die Lehrlingsausbildung. In der Lehrwerkstätte in Leobendorf erhalten Jugendliche eine Berufsausbildung, die sie in einen Weltkonzern hineinschnuppern lässt. In den letzten 25 Jahren haben hier rund 250 Facharbeiter ihre Ausbildung zum Elektroanlagen- oder Maschinenbautechniker durchlaufen.
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Die Unternehmenskultur hat sich im Zeitverlauf stark gewandelt: Weg vom patriarchalen, hin zu einem teamorientierten und offen kommunizierenden Ansatz. Teams werden in Diskussionen zur Entscheidungsfindung einbezogen; getroffene Entscheidungen werden anschließend konsequent umgesetzt. Als Erfolgsfaktoren nennt die Führung gewählte Produktnischen, eine konsequente „Follow the customer“-Strategie und die Stabilität als Familienunternehmen.
Marktstellung, Messepräsenz und Akquisitionen
Die Haas Gruppe ist regelmäßiger Aussteller auf internationalen Zulieferermessen für die Süßwarenwirtschaft wie der ProSweets Cologne, der IBA und der interpack in Deutschland, auf der Bakery China, der Fispal in Brasilien oder der IBIE in den USA. Strategische Akquisitionen und Beteiligungen erweiterten das Kompetenzportfolio, darunter Danger (Waffelteig-Mischer), Hecrona (Keksmaschinen), Mondomix (Mischer/Belüfter) und die DFE Meincke Holding als Spezialist im Keksbereich.
Finanzielle Kennzahlen und Personal
Die Haas-Gruppe beschäftigte zeitweise weltweit zwischen 1.400 und 1.650 Mitarbeiter, davon mehrere hundert am Standort Leobendorf. In früheren Jahren erzielte die Gruppe Umsätze im Bereich von rund 119,7 bis 250 Millionen Euro je nach Berichtsjahr; der Exportanteil liegt bei rund 95%. Die genaue Mitarbeiter- und Umsatzentwicklung variiert je nach Quelle und Zeitpunkt.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Die Herausforderung wird darin liegen, die teuren europäischen Standorte gut zu managen, um hier im gewohnten Stil das Unternehmen fortführen zu können. Die Kostenstruktur in Europa ist im Vergleich zu Standorten wie China oder Brasilien schwieriger zu managen; viele Mitbewerber aus Emerging Markets bieten mittlerweile mittlere Qualitätsbereiche zu wesentlich geringeren Kosten an und erhalten oft staatliche Förderungen, die ausländische Investoren nicht bekommen. Zugleich eröffnet die Integration in einen größeren Konzern wie Bühler neue Ressourcen: Zugang zu Servicestationen, Innovationsnetzwerken und globalen Marktchancen.
Fazit zur Bedeutung
Die Franz Haas Waffel und Keksanlagen Industrie GmbH ist ein Beispiel für ein erfolgreiches Familienunternehmen, das sich durch technologische Innovationskraft, strategische Akquisitionen, globale Präsenz und langfristige Kundenorientierung als Weltmarktführer in Nischenbereichen der Backwaren- und Süßwarenproduktion etabliert hat. Das Unternehmen kombiniert traditionelle Handwerksqualität mit modernen Systemlösungen und einem umfassenden Serviceangebot für internationale Großkunden.
| Aspekt | Kurzinfo |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1905 (Wien) |
| Zentrale | Leobendorf, Niederösterreich |
| Produkte | Waffel-, Keks-, Eistüten- und Snack-Anlagen, Mischsysteme |
| Exportanteil | Rund 95% |
| Kundenbeispiele | Nestlé, Ferrero, Unilever, Manner, Loacker |
| Teil des Konzerns | Bühler Group (seit Übernahme) |
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