Feodora Schokolade: Geschichte und Bedeutung in Bremen
Der Kakao spielt in der Geschichte der Menschheit eine tragende Rolle und ist bis heute buchstäblich in aller Munde. Das Schokoladenzimmer ist eine süße Versuchung für alle Leckermäulchen. Zu den wenig bekannten Gewinnern von Wirtschaftskrisen gehören die Hersteller von Schokolade. Nach aller Erfahrung essen die Menschen in bitteren Zeiten mehr Süßes.
Ursprünge: Von Tangermünde bis zur Namensgebung Feodora
Friedrich Theodor Meyer gründete im Jahre 1826 in Tangermünde an der Elbe ein Zuckersiedereigeschäft. Diese Zuckersiederei entwickelte sich gut und war bis zum Ende des zweiten Weltkrieges eine der größten Europas. Zu der unter dem Namen „Zuckerraffinerie Tangermünde“ bekannten Fabrik kam 1903 eine Schokoladenfabrik hinzu. Die Schokoladen wurden seit 1910 unter dem Namen „Feodora“ vertrieben.
Im Jahr 1910 kreierte Hermann Meyer eine besonders edle Schokolade und suchte für diese einen Namen. Feodora. Ein Name, wie gemacht dafür, und das findet auch der heutige Feodora-Chef Hasso Nauck: "Der Klang ist schön, bestimmt die weibliche Komponente der Marke, und mit Sicherheit ist das auch die Motivation des Firmengründers Hermann Meyer gewesen, als das mit einem Namen zu machen, der die Bedingungen erfüllt, da hat er eine weise Entscheidung getroffen."
Feodora, die Schwester von Kaiserin Auguste Viktoria, starb schon mit 36 Jahren. Als in Tangermünde bei Magdeburg der Zuckerfabrikant Hermann Meyer davon erfuhr, kam ihm eine Idee. Denn für eine neue, besonders feine Schokolade suchte er noch einen eleganten Namen. Der Zuckerfabrikant Meyer musste natürlich beim Kaiserhaus um Erlaubnis fragen. Und tatsächlich: Die Kaiserin war einverstanden. Aber unter der Bedingung, dass sie Farbe und Gestaltung der Verpackung aussuchen durfte.
Sie war die jüngste Schwester der Kaiserin Auguste Victoria - der Frau von Kaiser Wilhelm II. - und stellte ihren guten Namen anlässlich einer Wohltätigkeitsveranstaltung auf der auch Schokolade und Pralinen aus Tangermünde angeboten werden sollten zur Verfügung. Seitdem trägt die Schokolade den Namen und das Wappen der Prinzessin. Sie ziert die persönliche Unterschrift der Prinzessin, eine Krone und das Wappen des Schleswig-Holsteinischen Königshauses. Noch heute sind die Tafeln und Pralinenschachten in Gelb gestaltet, der Lieblingsfarbe der Kaiserin, verbunden mit dem goldenen Schriftzug, der Handschrift von Feodora und dem Wappen der Herzöge zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg.
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Feodora als Marke: Rezeptur, Ruf und Besonderheiten
Feodora, die Prinzessin zu Schleswig-Holstein war eine ungewöhnliche Frau. Sie war Malerin und Schriftstellerin. "Feo" wie sie genannt wurde, galt als unabhängiger Geist. Sie schrieb Gedichte und Erzählungen. Das Honorar dafür spendete sie für die Armen, was keine Selbstverständlichkeit war. Zu ihrem Freundeskreis zählten die Worpsweder Künstler Heinrich Vogeler und Fritz Mackensen. In Worpswede erlernte sie auch das Malen.
Zu den Produkten von Feodora gehören neben massiven und gefüllten Tafeln, vor allem Pralinen und Saisonartikel. Mit Namen wie "Rolli-Molli" oder "Ei, schmeckst du prächtig" verzückten sie die Gaumen ihrer edlen Kundschaft. Bis heute findet der gesamte Produktionsprozess von der Kakaobohne bis zum fertigen Produkt im Hause Feodora statt. Bis zur fertigen Praline stellt Feodora alles unter einem Dach her.
Weg nach Bremen: Fusionen, Kriegsfolgen und Neuanfänge
Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges kam es zur Enteignung des Betriebes. Nach dem Zweiten Weltkrieg enteigneten die sowjetischen Besatzer den Fabrikbesitzer Meyer in Tangermünde. Er landete mit seiner Familie in Hamburg und suchte einen neuen Ort für seine Schokoladenproduktion. Nachdem ab 1949 wieder Edelkakao importiert werden konnte, begann man in Hamburg mit der erneuten Produktion von Produkten unter der Marke Feodora.
Längst aber kommt die Feodora-Praline nicht mehr aus Tangermünde, sondern aus Bremen. Später wurde Feodora Teil von Hachez und Produktion und Firmensitz nach Bremen verlegt. Die Not der Nachkriegszeit hatte die beiden Marken zusammengeführt. Auch der Hachez-Chef, der Großvater des heutigen Chefs Hasso Nauck, brauchte Hilfe. Seine Schokoladenfabrik in Bremen war zerstört. Die beiden Schokoladen-Fabrikanten taten sich zusammen. Und seitdem werden die beiden Firmen unter einem Dach hergestellt. Aber jede nach ihrer eigenen Rezeptur, wie Hasso Nauck betont.
Bis heute ist die Produktion in Bremen. Der heutige Name der Firma lautet Feodora Chocolade GmbH & CO. KG. Bis heute wird die Feodora Schokolade in Bremen produziert, früher bei Hachez, heute unter dänischer Flagge von Toms. Die beliebte Feodora Schokolade wird noch lange in Bremen produziert, früher bei Hachez, heute unter dänischer Flagge von Toms.
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Hachez, Toms und die Neuordnung der Produktion
Die Bremer Schokoladenproduktion in der Neustadt ist geprägt von Wandel: Die Dänen planen eine Mischung aus Neubau und historischem Bestand, "um neue Nutzungen möglich zu machen und den Charme der ehemaligen Schokoladenproduktion zu erhalten", sagt Beckendorf. Die Stadt Bremen und die dänische Toms-Gruppe, die die Bremer Schokoladenmanufaktur und das gesamte Areal 2012 erworben hat, haben die Bremer Weser-Wohnbau (WWB, Sitz: Osterdeich) mit der Weiterentwicklung und Umgestaltung des 1,1 Hektar großen Areals im "Herzstück der Bremer Neustadt" beauftragt.
Die Schokoladenproduktion in der Bremer Neustadt ist längst Geschichte. Seit zwei Jahren werden die Edelmarken „Hachez“ und „Feodora“ in Nowa Sól in Polen produziert. Auf dem ehemaligen Hachez-Gelände an der Westerstraße soll ein „innovatives, nachhaltiges und urbanes“ Viertel entstehen. Läuft alles nach Plan, beginnen Ende 2023 erste Bauarbeiten. Das Gelände soll zu einem lebendigen Quartier mit einer „Mischnutzung“ aus Wohnen und Gewerbe werden. Eine entsprechende Absichtserklärung haben die Stadt Bremen und der Süßwarenhersteller Toms im Februar 2021 getroffen.
Geplant sind 50 Prozent Wohnnutzung, 30 Prozent für Gewerbe (unter anderem Start-ups und Kreativwirtschaft) sowie 20 Prozent für „hybride Nutzungen“. Wie viele Wohnungen entstehen, ist noch unklar. Aber: 30 Prozent davon werden öffentlich gefördert, heißt es. In den ehemaligen Produktionsstätten sind unter anderem gewerbliche Flächen, kulturelle Einrichtungen, eine Kindertagesstätte und Cafés geplant.
Arbeitsplätze, Kultur und Identität
Bis zu 500 neue Arbeitsplätze sollen auf dem Areal entstehen. "Die Mischung stimmt und wird erfolgreich sein", sagt Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt. Neu Nutzungen und alter Charme: "Sie werden als identitätsstiftende Elemente in das neue, lebendige Quartier eingebettet", sagt WWB-Geschäftsführer Dr. Matthias Zimmermann. Im Innenbereich sind verschiedene Höfe angedacht, ferner sollen dazu szenetypische Gastronomie, flexible Außenräume sowie ein Multifunktionssaal geschaffen werden.
Von der ehemaligen Hachez- und damit zuletzt auch Toms-Belegschaft ist noch ein Rest aus Verwaltung, Vertrieb und Marketing in Bremen geblieben. Mit insgesamt 70 Mitarbeitern ist Toms im August 2021 ins Tabakquartier nach Wolmershausen gezogen, auf das ehemalige Gelände der Zigarettenfabrik Brinkmann.
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Produktionstradition in Bremen: Handwerk, Rohstoffe, Innovation
Hasso Nauck, der Urenkel des Firmengründers Josef Emile Hachez, hält auch heute an Traditionen fest: hochwertige Rohstoffe und fast schon altmodische Zubereitungsverfahren. Die Röstmaschine stammt aus den 30er-Jahren und soll ein besseres Ergebnis liefern als ein moderner Ofen. Doch neben dem Altbewährten musste sich der Schokomanager auch immer wieder Neues einfallen lassen, um nicht den Anschluss an moderne Trends zu verpassen: Es gibt die klassischen Pralinen, wie Mandelsplitter, Rumtrüffel, Cognac-Butte. In den neuen Sorten spielen aber auch Zutaten wie Pfeffer, Zitronenmelisse und Koriander eine Rolle.
In der Schokoladen-Produktion in Bremen: Frauen in dunkelroten Schürzen und mit Hauben auf dem Kopf stehen an einem Fließband und sortieren Pralinen. Das ist die Füllungsküche, für Schokolade, leckere Geschichten wie Champagnertrüffel, Nugat, Kirschfüllung werden hier hergestellt. Bei uns ist es so, dass wir für uns abschätzen, was geht und was nicht.
Marktwirtschaftliche Aspekte und Unternehmensentwicklung
Das Wirtschaften in Zeiten der Krise ist nicht einfacher geworden, sagt Hasso Nauck. Details zum Umsatz möchte der Manager aber nicht nennen. Da hält er es mit der hanseatischen Kaufmannstradition: "Über Umsätze reden wir nicht, die machen wir lieber." Der Jahresumsatz 2008 wird auf 54 Millionen Euro geschätzt - der Schokoladenmarkt ist hart umkämpft. Doch Hasso Nauck will kein "billiges braunes Zeug" herstellen, wie er verächtlich sagt. Er will lieber weiter auf Luxus setzen.
Es ist ein tiefer Einschnitt in der mehr als 120-jährigen Geschichte des Bremer Traditionsunternehmens Hachez: Die bisherigen Inhaber Hasso G. Nauck und Wolf Kropp-Büttner haben ihre Hanseatische Chocolade GmbH, zu der auch die Marke Feodora gehört, verkauft. Als Grund für den Verkauf nannte der 61-jährige Nauck die Absicherung der Zukunft von Hachez. "Im unternehmerischen Sinne ist es der richtige Schritt in die richtige Richtung." Toms Gruppen A/S ist den Angaben zufolge der größte dänische Hersteller von Schokoladen- und Süßwaren und drei- bis viermal so groß wie Hachez. "Es ist das Interesse von Toms, die Eigenständigkeit der Unternehmen zu erhalten und so die Geschäfte weiter auszubauen", sagte Toms-Konzernchef Jesper Möller.
Kulturvermittlung: Chocoversum und Markenkommunikation
Ende vergangenen Jahres hatte Hachez auch in Hamburg für viel Aufsehen gesorgt. Im Dezember eröffnete das Unternehmen im Kontorhausviertel die Erlebniswelt Chocoversum, in der Besucher hautnah miterleben können, wie aus bitteren Kakaobohnen edle Schokoladentafeln werden. Das Museum bietet auch Pralinen-Seminare, Verkostungen und Lesungen an. Die Marke profitiert von solchen Maßnahmen, weil Hintergrundgeschichten wie die der Prinzessin Feodora das Stimmungsbild und die emotionale Aufladung der Marke positiv beeinflussen: "Wenn man diese Hintergrundgeschichten kennt und den Schriftzug kennt, dann füllt das das Stimmungsbild."
Historische Daten und Meilensteine
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1826 | Gründung der Zuckersiederei Friedrich Theodor Meyer in Tangermünde |
| 1903 | Errichtung der Schokoladenfabrik zur Zuckerraffinerie |
| 1910 | Einführung des Markennamens Feodora |
| Nach 1945 | Enteignung in Tangermünde; Neuanfang in Hamburg |
| Später | Übernahme durch Hachez; Verlegung der Produktion nach Bremen |
| 2012 | Erwerb des Bremer Manufaktur-Areals durch die dänische Toms-Gruppe |
| 2021 | Absichtserklärung Stadt Bremen und Toms zur Entwicklung des Hachez-Areals |
Die Geschichte von Feodora ist damit ein Kapitel in der deutschen Schokoladentradition, das von regionaler Handwerkskunst, königlicher Namensgebung, Kriegsfolgen und moderner Markenführung geprägt ist. Die Verbindung von Historie, Qualität und Erlebnis - von der Kakaobohne bis zur Praline und vom Fabrikgelände zur Stadterneuerung - macht Feodora zu einem Beispiel für die Wandlungsfähigkeit traditioneller Lebensmittelmarken.
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