Exklusive Eiscreme und andere Laster: Hintergrundinformationen und Kritische Betrachtung
Zunächst einmal: Ich habe bisher mehr Bücher mit Eisrezepten verschlungen als ich an zwei Händen abzählen kann. Nur wenige davon bleiben im Gedächtnis hängen. Eines davon ist garantiert „The Icecreamists“ von Matt O’Connor (Inhaber einer bekannten Londoner Eisdiele), welches in Deutschland unter dem Namen „Exklusive Eiscreme und andere Laster“ verkauft wird.
Aufmachung, Layout und fotografische Gestaltung
„The Icecreamists“ enthält 160 Seiten in sehr edler Aufmachung. Sofort ins Auge fallen die absolut liebevoll gemachten Fotos, meist vor einem dunklen Hintergrund, bei denen wirklich die Eiscreme (teilweise komplett formatfüllend) im Vordergrund steht. Ebenfalls ins Auge fällt das ungewöhnliche Layout des Buches. Insgesamt wirkt die Aufteilung der Texte im Buch sehr unruhig, die Schriftarten sind manchmal schwierig zu lesen und die eigentlichen Rezepte oft so klein gedruckt, dass man beim Nachkochen Probleme hat, die richtige Stelle wiederzufinden.
Eine typische Doppelseite im Buch sieht so aus: Eine Seite ist komplett dem Foto gewidmet. Die andere Seite ziert oben in riesiger Schrift der Name der Eissorte, wobei man bei vielen Namen wie „Jamaika Inn“, „Kalter Schweiss“ oder „Sex Bomb“ nicht sofort auf den Geschmack schließen kann (und was auch den „Index“ hinten ad absurdum führt), weshalb dieser im Untertitel erklärt wird. Die obere Hälfte der Seite füllt dann eine Anekdote zur Erfindung der Eissorte, auf die ich jedoch hätte verzichten können. In der Mitte der Seite stehen dann die benötigten Zutaten. Durch diesen verschwenderischen Umgang mit dem Platz finden sich auf den 160 Seiten nur insgesamt 76 Rezepte, aus den Bereichen Eiscreme, Sorbets, Cocktails, Eisbecher und Eis am Stiel.
Inhalt: Konzepte, Zutaten und Rezepttechnik
Die Rezepte sind handwerklich solide und basieren meist auf einer Zusammensetzung von Milch, Crème Double, Eigelb und Zucker. All das klang jetzt recht negativ, doch trotzdem gehört das Buch für mich zu den besseren Eis-Rezeptbüchern. Das hat zwei Gründe: Einerseits weiß ich es zu schätzen, wenn jemand Eis wirklich liebt und das wird in der Aufmachung und den Texten auch deutlich. Andererseits sind viele verdammt leckere Sorten in dem Buch vorhanden, die so gut wie nie in anderen Rezeptbüchern zu finden sind. Kurz: „The Icecreamists“ ist ideales Buch für den fortgeschritteneren Eismacher, der Lust auf verrückte Experimente hat.
Mit einer Mischung aus leidenschaftlicher Hingabe und kindlicher Fantasie präsentieren die berüchtigten Erfinder so wunderbar lasterhafte Eiscreme-Kreationen wie Sex Bomb, Shoot to Chill oder Baby Googoo nichts weniger als eine kleine Eiscreme-Revolution. Auf Grundlage traditioneller italienischer Gelati stellen The Icecreamists eine unwiderstehliche Auswahl an exklusiven Eiscremes, fruchtigen Sorbets, verführerischem Wassereis und wirklich eisgekühlten Cocktails vom Feinsten vor.
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Alle Rezepte und Variationen basieren ausschließlich auf frischen Zutaten unter Verzicht von Konservierungsstoffen und künstlichen Aromen. Und das Beste daran: Alles lässt sich von Hand zu Haus schnell und einfach zubereiten - auch ohne Eismaschine.
Provokation, Marketing und der Icecreamists-Mythos
Matt O'Connor bescherte sein 2009 im Souterrain des Londoner Kaufhauses Selfridges initiierte God Save the Cream Guerilla-Punk Pop-up Eisdielen-Bar nicht nur einen gewaltigen Medienrummel und Rechtsstreit mit Lady Gaga, sondern vor allem den Icecreamists einen enormen Erfolg! Seine Strategie heißt Provokation, die Sex Pistols und Vivienne Westwood lassen grüßen, wenn O'Connor und Gefolgschaft unter dem Namen "The Icecreamists" Tiefgefrorenes zum Kinderschreck machen. Oder besser gesagt: zum Behördenschreck. Denn als O'Connor seine Eisdiele in Covent Garden mit der Sorte Baby Gaga im Angebot eröffnete - Eiscreme aus Muttermilch - stand schnell das Londoner Gesundheitsamt vor der Tür. Natürlich war auch der Boulevard da und dann auch bald ein Brief von Lady Gaga, die sich die Verwendung ihres Namens für dieses Eis juristisch verbat. In seinem kürzlich auf Deutsch erschienenen Kochbuch Exklusive Eiscreme und andere Laster steht das Rezept für das Muttermilch-Eis nun unter dem unstrittigen Namen Baby Googoo mitsamt der ganzen, höchst britischen Gossip-Geschichte.
Zum Spiel mit den Symbolen von Punk und Rock 'n' Roll gehört Alkohol natürlich dazu. Manchmal stülpt O'Connor auch nur ein schrilles Kostüm über einen Klassiker. Die Zutaten wählen die Icecreamists mit Bedacht, viel Fantasie und Liebe zu starken Aromen. Auch wenn die Beschaffung nicht selten eine Herausforderung ist, die punkigen Rezepte brechen wohltuend mit dem Erdbeer-Vanille-Schoko-Schema. Chocwork Orange beispielsweise kombiniert Bitterschokolade mit Orangenextrakt. Eine "Gehirnwäsche" versprechen die Icecreamists mit einem Sorbet, dessen Hauptzutat englischer Cider ist, nicht zu verwechseln mit dem französischen Cidre.
Praktische Erfahrungen: ausgewählte Rezepte im Test
Um zu prüfen, ob der Eis-Extremismus hält, was er verspricht, habe ich gleich drei Rezepte ausprobiert. Das Erdbeer-Balsamico-Eis Scarlett, eine Kalter Schweiß getaufte Sorte mit Chili und Ingwer und das gediegene Earl-Grey-Sorbetto Savoy Chill. Für die sahnigen Cremes werden zunächst Milch und Crème Double erhitzt, sowie Eigelb und Zucker zu einer cremigen Masse verrührt. Kleingewürfelter Ingwer, Zitronengras und Chili machen nur einen Abstecher in der heißen Sahnemasse und werden mit einem Sieb wieder ausgefiltert. Dann Sahne- und Eimasse mischen, in der Eismaschine cremig rühren und anschließend für ein paar Stunden ins Gefrierfach.
Am überraschendsten war das scharfe Chili-Ingwer-Eis, das im Mund abwechselnd Hitze- und Kältewellen auslöst. Das Earl-Grey-Sorbet Rolle hinterlässt den feineren Eindruck eines elegant aufgemotzten Eistees. Mein Erstlingswerk, Schlaraffenland (mal ein Titel, der einen nicht schaudern lässt), war eine Eismasse, die mit gewöhnlichem Apfelmus und Zimt abgeschmeckt wird. Den Clou erhält sie durch die Beigabe von Balsamico. Ein wenig gewöhnungsbedürftig aber irgendwie auch - voll cool.
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Technische und praktische Kritikpunkte
Der Nachteil des extremen Kochbuchs: Für die meisten Milcheisrezepte verwenden die Icecreamists Crème double mit einem Fettanteil von 45 Prozent. In London steht sie becherweise in jedem Kühlregal, doch in Deutschland ist Crème double schwer zu bekommen. Wer es kühl mag, aber es nicht ganz so cool braucht, könnte auch mit Elisabeth Johanssons Eis glücklich werden. Johanssons Buch ist deshalb eine gute Alternative, weil die Zahl der Zutaten geringer ist und die Autorin weniger verschwenderisch mit Milchfett umgeht.
Mir ist jetzt kein Rezept daneben gegangen, ich habe aber ein halbes Jahr Patisserie-Erfahrung. Und dieses Buch der „Eiscreme und anderer Laster“ spricht aber garantiert auch andere Leser an. Be warned: es ist nicht alles so chilled und easy und es gibt auch noch Fehler. Hörte bei mir der Spaß schon auf wenn ich die gekünstelten „witzigen“ Sprüche eingangs jeden Rezepts las, sind Fehler im Rezept für mich unverzeihlich. Mal wird der extra zubereitete Zuckersirup nicht mehr erwähnt, mal werden die Textbausteine falsch eingefügt. Sorry, Icecreamist, aber Gebot Nummer eins beim Kochbuchschreiben sollte Sorgfalt sein!
Ein wenig schwierig fand ich zum Teil auch die Lesbarkeit, wenn die Rezepte auf dunkel-lila oder -blauem Hintergrund gedruckt sind. Das poppige Layout und die Sprüche lassen es „cool und easy“ aussehen. Aber nichts desto trotz ist ein perfektes Eis herzustellen harte Arbeit und bedingt Know-how. Da helfen auch die „10 Gebote der Kühle“ nicht, die unter Gebot zwei - Du sollst Dich nicht verunsichern lassen - verheißen, das Buch sei idiotensicher.
Struktur des Buchs und Rezeptverteilung
Den Löwenanteil der Rezepte macht die Boutique-Eiscreme aus. Hier gibt es zuerst Klassiker-„Leicht Verdreht“, wo zur eingangs beschriebenen Grundmasse die Standard Aromen (Vanille, Schokolade, Espresso) kommen, aber mit Titeln wie „Sex, Drugs and Choc’n’Roll“ geadelt werden (Milchschokoladeneis). Danach folgen Kreationen für „Schurken und Exzentriker“, worunter Roseneiscreme genauso zu finden ist wie Eis aus, ja, Muttermilch. Schnell weitergeblättert und mich den „sündigen Verführungen“ gewidmet wie Absolut Peanut. In drei weiteren Kapiteln widmet sich unser Icecreamist den Sorbetti, Eis-Cocktails und -Lollies.
| Aspekt | Bemerkung |
|---|---|
| Seiten | 160 |
| Rezepte | 76 (Eiscreme, Sorbets, Cocktails, Eisbecher, Eis am Stiel) |
| Hauptzutaten | Milch, Crème Double, Eigelb, Zucker |
| Besonderheiten | Provokative Namen, ausgefallene Aromen, Verzicht auf Konservierungsstoffe |
| Schwierigkeit | Fortgeschrittene bis Experimente; teilweise Zutaten schwer beschaffbar |
Fazit für unterschiedliche Leser
Wenn man Punk-Fan ist und Vivien Westwoods Style eher schätzt als die good-boy attitude eines Jamie Olivers, dann kann man bestimmt Matt O’Connors Icecreamist mit einem Augenzwinkern cool finden. Ich mag keinen Punk. Aber Eiscreme. Und die Fotos sehen super verführerisch aus: pinke Eiscreme in einer schwarzen Waffel, gelbe Chilischote - das hat schon was. Tabubruch und aufmerksamkeits-heischende Exzentrizität sind Programm.
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Sieht man über die ganze Selbstdarstellung hinweg und hat man sich mit der Eiszubereitung vertraut gemacht, sind die Rezepte oft wirklich richtig gut. Dieses Buch der „Eiscreme und anderer Laster“ spricht aber garantiert auch andere Leser an. Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz. Mir ist aber wichtig zu betonen: Die Eiscreme birgt tatsächlich Suchtgefahr, ohne dass ich vorher Sex-, Alkoholschmuggel- oder Spielsucht-gefährdet war.
Hinweise zum Buchzustand und Ausgabe
Matt O'Connor, The Icecreamists - Exclusive Eiscreme und andere Laster, Edition Fackelträger, 160 Seiten, gebraucht, nur leichte Gebrauchsspuren, guter gebrauchter Zustand, keine Eintragungen oder dergleichen. Festeinband. Sprache: Deutsch. Gewicht in Gramm: 1001. Zustand: very good. Gut/Very good: Buch bzw. Schutzumschlag mit wenigen Gebrauchsspuren an Einband, Schutzumschlag oder Seiten. Zustand: good. Befriedigend/Good: Durchschnittlich erhaltenes Buch bzw. Schutzumschlag mit Gebrauchsspuren, aber vollständigen Seiten.
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