Die Bedeutung und Herausforderungen der Kakaowirtschaft in der Elfenbeinküste

Die Elfenbeinküste ist weltweit der bedeutendste Kakaoproduzent und spielt eine zentrale Rolle in der globalen Kakaowirtschaft. Kakao ist das wichtigste Exportgut des Landes und sichert Millionen von Menschen in der Elfenbeinküste ihren Lebensunterhalt. Der Großteil des Kakaos wird von Klein- und Mittelbetrieben produziert, die ihre Ernte an große Konzerne verkaufen, welche den Weltmarkt dominieren. In der Elfenbeinküste selbst findet jedoch kaum eine Weiterverarbeitung der Bohne statt - die Wertschöpfung und damit die Gewinne verbleiben im globalen Norden.

Karte der Elfenbeinküste mit Hauptanbaugebieten für Kakao

Bedeutung des Kakaos für Wirtschaft und Gesellschaft

Kakao ist ein entscheidender Wirtschaftsfaktor für die Elfenbeinküste. Zwischen 40 und 50 Prozent der weltweiten Kakaoernte stammen aus dem westafrikanischen Land. 2023 produzierte die Elfenbeinküste 2,37 Millionen Tonnen Kakao. Kakao bringt einen erheblichen Teil der Exporteinnahmen. Neben Kakao werden in der Elfenbeinküste auch Kaffee, Cashewnüsse, Bananen, Kokosnüsse, Kolanüsse, Baumwolle, Kautschuk, Zuckerrohr, Ananas, Mangos und weitere Produkte angebaut und exportiert.

Die Wirtschaft der Elfenbeinküste zählt zu den stärksten Volkswirtschaften Westafrikas und wuchs auch im Jahr 2020 trotz Pandemie leicht. Dennoch profitieren die Bauern nur bedingt vom Wert des Kakaos - knapp 80 Prozent des Umsatzerlöses beim Schokoladenverkauf gehen an Hersteller und Handel, während die Kakaoproduzenten oft nur etwa sechs Cent pro verkaufter Tafel Schokolade erhalten.

Wertschöpfungskette von Kakao: Vom Anbau bis zur Schokolade

Etwa 90 bis 95 Prozent des Kakaos werden von Kleinbäuerinnen und -bauern angebaut, meist auf Flächen von zwei bis fünf Hektar. Insgesamt arbeiten rund 20 Prozent der Bevölkerung in diesem Sektor. Der durchschnittliche Tagesverdienst vieler Kakaobäuerinnen und -bauern in Côte d'Ivoire und Ghana liegt bei etwa 0,97 Euro, also weit unterhalb der von der Weltbank definierten Armutsgrenze von 2,15 US-Dollar pro Person und Tag.

Soziale Herausforderungen: Armut und Kinderarbeit

Die Einkünfte der meisten Kakaobauernfamilien liegen unterhalb der international festgelegten Armutsgrenze, und Armut gilt als eine der größten Herausforderungen im Kakaosektor. Niedrige Einkommen verhindern Investitionen in die Betriebe und begünstigen die Abholzung von Wäldern sowie Kinderarbeit. So müssen etwa 1,2 Millionen Kinder in der Elfenbeinküste auf Kakaoplantagen arbeiten. Insgesamt arbeiten laut Schätzungen über 1,5 Millionen Kinder allein in Côte d'Ivoire und Ghana auf Kakaofeldern, wobei Kinderarbeit offiziell verboten ist.

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Kinderarbeit auf Kakaoplantagen: Alltägliche Realität für viele Familien

Kinder werden für schwere und teils sehr gefährliche Arbeiten eingesetzt - etwa beim Sprühen von Pestiziden, beim Tragen schwerer Lasten oder beim Öffnen der Kakaoschoten mit Macheten. Mangelnde Bildung, Armut und der Zwang, niedrige Produktionskosten zu garantieren, führen zum Einsatz der Kinder. Dazu kommt der Menschenhandel, der Kinder aus Nachbarländern wie Mali und Burkina Faso in die Elfenbeinküste bringt.

Viele Familien berichten, dass sie ihre Kinder auf den Kakaoplantagen einsetzen, weil das Einkommen für bezahlte Arbeitskräfte fehlt. Kinderarbeit raubt ihnen nicht nur ihre Kindheit, sondern auch schulische und gesundheitliche Entwicklungschancen. 30 Prozent der auf den Feldern arbeitenden Kinder besuchen keine Schule, was den Kreislauf der Armut für kommende Generationen fortschreibt.

Tabelle: Ursachen der Kinderarbeit im Kakaosektor

Ursache Beschreibung
Armut Familien haben nicht genug zum Leben und lassen Kinder arbeiten
Mangelnder Zugang zu Bildung Keine oder unzureichende Schulen auf dem Land
Migration Kinder werden aus Nachbarländern verschleppt
Unwissenheit Familien sind sich der Risiken oft nicht bewusst
Kurzreportage: Kakaoanbau und Kinderarbeit in Westafrika

Ökologische Herausforderungen: Entwaldung und Umweltbelastung

Der Kakaoanbau entwaldet ganze Landstriche. Die Côte d'Ivoire gehört zu den Ländern mit der weltweit höchsten Entwaldungsrate; von 1960 bis 2015 ging der Waldbestand um 79 Prozent zurück. Allein zwischen 1986 und 2015 ist die Waldfläche um mehr als 50 Prozent geschrumpft - von 7,85 auf 3,4 Millionen Hektar. Wälder sind jedoch sowohl für das Klima, die Biodiversität als auch den Kakaoanbau selbst von zentraler Bedeutung.

Landwirte roden häufig geschützte Flächen, um neue Plantagen anzulegen, da viele Kakaobäume alt und krankheitsanfällig sind. Intensive Landwirtschaft sowie der unkontrollierte und oft illegale Flächenzugang verschärfen diese Entwicklung. Entwaldung fördert den Verlust der Artenvielfalt und trägt zur Klimakrise bei, da weniger Kohlenstoff gespeichert und die Umwelt weniger widerstandsfähig gegen Extremwetter wird.

Der Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden verschmutzt Gewässer und Böden, was nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesundheit von Menschen und Tieren gefährdet. Untersuchungen zeigten Pestizidrückstände sogar in der Muttermilch der Landbevölkerung und Chlor-Verbindungen in Fischen.

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Satellitenbild: Rückgang der Waldflächen in der Elfenbeinküste

Klimawandel und Kakaoanbau

Die Kakaoproduktion ist zunehmend durch den Klimawandel bedroht. Extreme Wetterereignisse wie Starkregenfälle zur Blütezeit und längere Trockenperioden führen zu Ernteausfällen. Viele Anbauregionen werden weniger geeignet für den Kakaoanbau. Höhere Temperaturen, neue Schädlinge und Krankheiten vermindern die Qualität und den Ertrag der Ernte. Diese Unsicherheiten in der Produktion treiben die Weltmarktpreise und machen die Existenz der Bauern noch unsicherer.

Um dem entgegenzuwirken, fördert die Europäische Union Verordnungen, die sicherstellen sollen, dass Kakao nicht auf abgeholzten Flächen nach 2020 angebaut wurde. Unternehmen müssen nun Geolokalisierungsdaten für Anbauflächen liefern und das Risiko von Entwaldung minimieren. Initiativen wie die Cocoa & Forests Initiative treten für den Erhalt und die Wiederherstellung von Waldgebieten ein.

Fairer Handel, Kooperativen und Zertifizierungsinitiativen

Ein wichtiger Lösungsansatz liegt in Förderung von Kooperativen und Fair-Trade-Initiativen. Professionell gemanagte Kooperativen stärken die Verhandlungsmacht der Bauern und ermöglichen Zugang zu Schulungen, Qualitätsmanagement und gemeinschaftlichen Investitionen. Die "Société Coopérative Équitable du Bandama" (SCEB) hat ihre Produktion komplett auf Bio-Kakao umgestellt und sich den Regeln des Fairen Handels angeschlossen. Sie wird von der Misereor-Partnerorganisation 'Inades Formation Côte d’Ivoire' beraten.

Kleinbauernkooperative bei der Ernte und Trocknung von Bio-Kakao

Die Einkommen der Bio-Kakaobauern verbesserten sich nachweislich; Produktionskosten konnten gesenkt werden, und durch die stabile Bezahlung ist die Abhängigkeit vom Weltmarktpreis deutlich geringer. 75 Prozent des Gewinns werden direkt an die Erzeuger ausgezahlt. Die Bio- und Fairtrade-Zertifizierung ermöglicht es, Investitionen in Bildung, Gesundheit und Hygiene zu tätigen und die Lebensbedingungen der Familien insgesamt zu verbessern. Gleichzeitig zahlen Kooperativen Prämien an die Mitglieder, investieren in Infrastruktur und fördern nachhaltige Anbauweise, wie die Nutzung von Kompost und selbst hergestellten Bio-Pestiziden.

Die bio-faire Kakao-Produktion ist zudem ein wirksames Mittel zur Bekämpfung der Kinderarbeit, da die Zertifizierungsgrundsätze die Beschäftigung von Kindern untersagen.

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Eine Evaluierung westafrikanischer Fairtrade-Förderprogramme zeigt, dass teilnehmende Kooperativen ihre Professionalisierung, Rechenschaftspflicht und Transparenz steigern konnten. Projekte wie PRO-PLANTEURS oder die Women's School of Leadership bauen zudem gezielt lokale Strukturen rund um gesunde Ernährung, Pflanzenvielfalt und Geschlechtergerechtigkeit auf.

Zertifizierungen und ihre Grenzen

Internationale Siegel wie Fairtrade, UTZ und Rainforest Alliance bestätigen, dass Kakao unter bestimmten sozialen und ökologischen Standards produziert wurde. Sie verbieten Kinderarbeit und fördern nachhaltigen Anbau. Allerdings ist bisher nur ein geringer Teil des Kakaos zertifiziert, und die Audits sind oft unregelmäßig und nicht tiefgehend. Viele Unternehmen haben sich dennoch verpflichtet, größere Mengen zertifiziert zu beziehen.

Zertifizierungssiegel - Fairtrade, Rainforest Alliance, UTZ

Rechtlicher Rahmen und internationale Verantwortung

Auf internationaler Ebene wurden die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sowie nationale Gesetze und EU-Richtlinien verabschiedet, die Transparenz und Sorgfaltspflichten in den Lieferketten fördern. So trat etwa das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) 2023 in Kraft, und ab Mai 2024 müssen Unternehmen EU-weit Nachweise zur Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards in ihren Lieferketten erbringen.

Das Harkin-Engel-Protokoll und weitere freiwillige Selbstverpflichtungen sollen Kinderarbeit beenden. Dennoch zeigen Studien, dass diese Ziele bisher nur unzureichend umgesetzt wurden und Kinderarbeit sowie Armut weiterhin zentrale Probleme im Kakaosektor bleiben.

Ansätze für nachhaltigen Kakaoanbau

Nachhaltige Lösungen umfassen die Förderung der Agroforstwirtschaft mit Kakaoanbau unter schattenspendenden Bäumen, die Diversifizierung der Landwirtschaft, gezielte Fortbildungen für Bauern, bessere Straßen und Infrastruktur. Programme wie Sankofa und Cocoa Circle setzen auf lokale Wertschöpfung, klimafreundlichen Kakaoanbau und Innovationen wie die Nutzung des Kakaofruchtfleischs, das früher als Abfall galt.

Fairtrade und Partnerorganisationen fördern Klimaresilienz, Einkommensdiversifizierung und die Stärkung von Frauen, die in vielen Projekten eine leitende Rolle übernehmen. Damit können die Kakaobäuerinnen und -bauern besser auf Herausforderungen reagieren, wie extreme Wetterlagen und volatile Preise.

Agroforstwirtschaft und nachhaltiger Kakaoanbau in Westafrika

Rolle der Konsument*innen

Nachhaltig und fair gehandelter Kakao erfreut sich wachsender Beliebtheit. Wer Fairtrade-Kakao oder -Schokolade kauft, leistet einen Beitrag gegen Kinderarbeit und Fördert ein existenzsicherndes Einkommen der Bauern. Verbraucher*innen können durch ihre Nachfrage und ihr Informationsverhalten zu mehr Transparenz in den Lieferketten beitragen.

Fairtrade-Kakao im Handel und auf Plantagen

Die Zukunft der Kakaowirtschaft in der Elfenbeinküste

Die Kakaoindustrie der Elfenbeinküste steht an einem Scheideweg: Einerseits bleibt sie eine globale Kakaomacht, andererseits wächst der Druck, Umwelt- und Arbeitspraktiken zu verbessern und den Lebensstandard der Produzent*innen nachhaltig zu heben. Innovative Produzenten, Fraueninitiativen und professionelle Genossenschaften zeigen, dass ein gerechteres und nachhaltigeres Kakaosystem möglich ist - für Menschen, Wirtschaft und Umwelt.

Innovative Frauen-Kakao-Kooperative mit Verarbeitungsanlagen

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