Dunkle Schokolade: Auswirkungen auf Bluthochdruck – Wissenschaftliche Studien im Überblick

Die Frage, ob dunkle Schokolade den Blutdruck senken kann, ist seit Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Dank zahlreicher Studien und Meta-Analysen lässt sich heute sagen: Dunkle Schokolade besitzt tatsächlich blutdrucksenkende Eigenschaften, allerdings sind diese Effekte meist moderat und hängen stark von Sorte, Menge und Dauer des Konsums ab.

Die Geschichte der Forschung: Beobachtung bei den Kuna

Am Anfang stand die Beobachtung, dass die Kuna, ein Volk auf den Atlantikinseln vor Panama, auch im Alter nicht an einer Hypertonie erkranken, solange sie ihre Heimat nicht verlassen. Die Ursache wurde im hohen Kakao-Konsum gefunden. Die Inselbewohner trinken täglich mehrere Becher des bitteren Getränks, das besonders reichhaltig an Flavanolen wie Epicatechin, Catechin und Procyanidin ist. Flavanole sind auch in anderen Pflanzen wie Bohnen, Aprikosen, Brombeeren, Äpfeln und Teeblättern enthalten, aber in wesentlich niedrigerer Konzentration.

Kuna Volk trinkt Kakao

Flavanole: Schlüssel zu den blutdrucksenkenden Eigenschaften

Dunkle Schokolade enthält ebenfalls Kakao, mit einem unterschiedlich hohen Gehalt. Am höchsten ist der Gehalt mit 50 bis 85 Prozent in Bitterschokolade. Während die Indios ihren Kakao ungesüßt und kalt trinken, veränderte die europäische Küche, seit Kolumbus und Cortes das Getränk nach Europa einführten, den Geschmack durch Zuckerzusatz, Röstung und Dutching (Alkalienbehandlung). Dies führte dazu, dass der Flavanol-Gehalt mit 2 bis 18 Prozent des frischen Kakaopulvers nach der Verarbeitung wesentlich niedriger ist.

Die blutdrucksenkenden Eigenschaften von Flavanolen hängen mit einer Erweiterung der Blutgefäße zusammen - ausgelöst durch Stickstoffmonoxid. Der Genuss von Kakaoprodukten mit einem hohen Flavanolgehalt reduziert den Blutdruck daher um 2 bis 3 mmHg.

Flavanole in Schokolade

Meta-Analysen und klinische Studien: Wie stark ist der Effekt wirklich?

Eine Meta-Analyse der Cochrane-Library aus 2012 (doi: 10.1002/14651858.CD008893.pub2), in der 20 Studien an 856 zumeist gesunden erwachsenen Hypertonikern ausgewertet wurden, zeigte: Eine Tafel Schokolade, vielleicht aber auch schon ein Stückchen, können den systolischen und diastolischen Blutdruck um mehrere Millimeter Quecksilbersäule senken. Die Dosis schwankte stark - von einem Stückchen (3,6 Gramm) bis zu einer ganzen Tafel (105 Gramm), mit einem Flavanol-Gehalt zwischen 30 und 1080 mg pro Tag.

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Die berichteten Ergebnisse: Der systolische Wert sank durchschnittlich um 2,77 mmHg, der diastolische Wert um 2,2 mmHg; dies war statistisch signifikant. Die Studien waren dabei meist kurz - zwischen zwei und acht Wochen, nur eine Studie ging über 18 Wochen. In weiteren Meta-Analysen wurden in 35 Studien mit 40 Behandlungsvergleichen und durchschnittlich 670 mg Flavanol ebenfalls eine kleine, aber signifikante Senkung des Blutdrucks (systolisch und diastolisch) um 1,8 mmHg festgestellt.

Ein Team um Karin Ried vom National Institute of Integrative Medicine in Melbourne bewertet die Wirkung als gesichert, auch wenn die Dosis-Wirkungsbeziehung schwer zu bestimmen war. Der Status des Blutdrucks der Probanden (Hypertonie oder normaler Blutdruck) war ein entscheidender Faktor für die Wirkung.

Ergebnisse von Meta-Analysen zu Schokolade und Blutdruck

Ergebnisse im Überblick

Studie Anzahl Teilnehmer Dauer Flavanol-Menge Systolische Senkung Diastolische Senkung
Cochrane Meta-Analyse 856 2-8 Wochen 30-1080 mg/Tag 2,77 mmHg 2,2 mmHg
BMC Medicine (Karin Ried) 13 Einzelstudien - - 5 mmHg (nur Hypertoniker) -
Köln Pilot-Studie 13 ältere Patienten 2 Wochen 1 Tafel/d 5 mmHg -

Unterschiedlicher Effekt abhängig von Blutdruckstatus

Bei Hochdruckpatienten war der Effekt im Schnitt so hoch wie durch eine halbe Stunde Bewegung am Tag. Bei Probanden mit normalem Blutdruck zeigte sich dagegen keine Wirkung. Als Vorbeugung gegen hohen Blutdruck eigne sich Schokolade daher nicht.

Die Ergebnisse deuten nach Ansicht der Wissenschaftler darauf hin, dass bestimmte Inhaltsstoffe des Kakaos, wahrscheinlich Polyphenole, den Blutdruck mindern können. Für diese werden schon länger positive Wirkungen auf Herz und Kreislauf vermutet.

Vergleich: Schokoladengenuss vs. Bewegung

Nebenwirkungen und Grenzen der Schokoladendiät

Als „Medikament“ blieb die Schokolade in den Studien nicht ohne Nebenwirkungen. Am häufigsten klagten die Teilnehmer über gastrointestinale Symptome, darunter auch Geschmacksstörungen. Einige Patienten klagten zusätzlich über Kopfschmerzen und Nervosität. In einer Studie kam es, vermutlich aufgrund eines hohen Theobromingehalts, zu vermehrten Durchfällen. Nebenwirkungen wie Verdauungsbeschwerden und Abneigung gegen das Untersuchungsprodukt wurden nur von 1 % der Probanden in der aktiven Gruppe und von 0,4 % der Probanden in den Kontrollgruppen gemeldet.

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Es sei allerdings fraglich, ob sich eine Kakao- und Schokoladendiät als langfristige Therapie bei Blutdruckpatienten eigne. Eine Gewichtszunahme durch die „Schokoladendiät“ könne nämlich die positiven Blutdruckwirkungen aufheben. Außerdem wurde keine Verzehrempfehlung abgeleitet. Generell sollten Gesundheitsbewusste dunkle Schokolade mit hohem Kakaogehalt und wenig Zuckerzusatz bevorzugen.

Schokolade als Ergänzung, nicht als Ersatz für Medikamente

Verarbeitung und Qualität: Einfluss auf Flavanolgehalt

Rohkakao wird vor der Verarbeitung zu Schokolade in mehreren Schritten aufbereitet. Das Prozessieren umfasst unter anderem das Rösten und Alkalisieren der Kakaobohnen sowie den Zusatz von Zucker, Milch, Vanillin und Emulgatoren. Die Verarbeitung beeinflusst nicht nur den Geschmack und die Konsistenz der Schokolade, sondern auch den Flavanol-Gehalt. Unterschiedliche Herstellungsmethoden führen dazu, dass verschiedene Sorten von Bitterschokolade nicht den gleichen Gehalt an Flavanolen enthalten.

Wissenschaftliche Erklärung: Kakaoverarbeitung und Flavanolgehalt

Langzeitstudien und Perspektiven

Langzeit-Studien sind erforderlich, um festzustellen, ob der regelmäßige Verzehr von flavanolreichen Kakao-Produkten vorteilhafte Wirkungen auf den Blutdruck und somit auch auf die Herzkreislauf-Gesundheit hat. Die Evidenz ist von moderater Qualität. Bisher konnten keine randomisierten kontrollierten Studien zur Wirkung des langfristigen, täglichen Verzehrs von Kakao-Produkten auf den Blutdruck identifiziert werden.

Eine Zulassung als Medikament ist indes nicht in Sicht. Die Schokolade ist eine Ergänzung, aber kein Ersatz für blutdrucksenkende Medikamente. Die üblichen Antihypertensiva sind nebenwirkungsarm und weisen eine deutlich stärkere Wirkung auf, weshalb sie unverzichtbar für die Behandlung der Hypertonie bleiben.

Perspektive der Kardiologen: Schokolade und Kreislaufgesundheit

Zusammenfassung der wissenschaftlichen Evidenz

  • Dunkle Schokolade mit hohem Kakao- und Flavanolgehalt senkt den Blutdruck bei Hypertonikern moderat.
  • Der blutdrucksenkende Effekt beruht auf Flavanolen wie Epicatechin, Catechin und Procyanidinen.
  • Die Verarbeitung der Schokolade beeinflusst die Konzentration der blutdrucksenkenden Stoffe erheblich.
  • Als langfristige Therapie ist Schokolade nicht geeignet; Gewichtszunahme und Nebenwirkungen sollten berücksichtigt werden.
  • Bei normalem Blutdruck wurden keine Wirkungen beobachtet - Schokolade eignet sich nicht zur Vorbeugung.

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