Ben Zucker: „Ich kann aufhören zu rauchen“ — Bedeutung und Hintergrund

Ben Zucker, bürgerlich Benjamin Fritsch, ist ein deutscher Schlagersänger, der in seiner Autobiografie und in Medien sehr offen über seine persönlichen Krisen, seinen Weg zum Erfolg und seine langjährige Alkoholabhängigkeit spricht. Sein Leben ist von Aufstiegen und Abstürzen geprägt: Die Flucht aus der DDR, diverse Nebenjobs, der Durchbruch 2017 und später die öffentliche Auseinandersetzung mit Sucht und Gesundheit gehören zu seiner Biografie.

Wer ist Ben Zucker? Kurzbiografie

Ben Zucker wurde im vorpommerschen Ueckermünde geboren und wuchs ab dem zweiten Lebensjahr in Ost-Berlin im Stadtteil Mitte auf. Zuckers Familie reiste im September 1989 aus der DDR über die Tschechoslowakei und Ungarn ins westdeutsche Laichingen aus. Ben Zucker lernte mit 14 Jahren Gitarre spielen; zunächst coverte er englische Grunge- und Rocksongs und wechselte dann zu deutschen Stücken.

Vor seinem musikalischen Durchbruch hatte Ben Zucker viele Jobs. Einer davon: Backstage-Betreuer in der Arena in Berlin-Treptow, in der auch Konzerte stattfinden. „Ich habe die Räumlichkeiten sauber gehalten, darunter auch das Klo», sagte der Sänger dem „Südkurier”.

2017 feierte Ben Zucker seinen Durchbruch in der Schlagerbranche. Sein Debütalbum „Na und?!“ und weitere Veröffentlichungen schafften es in die Charts. Am 7. Juni 2019 erschien sein zweites Studioalbum Wer sagt das?!, am 16. April 2021 sein drittes Album Jetzt erst recht!, mit dem er Platz 1 der deutschen Albumcharts erreichte. Am 28. Oktober 2022 edierte Zucker mit Was wir haben, ist für immer - Das Beste aus 5 Jahren sein erstes Kompilationsalbum. Im Oktober 2023 brachte er mit Kerstin Ott das gemeinsame Duett An diesen Tagen als Single heraus. Am 8. Dezember 2023 veröffentlichte Zucker sein viertes Studioalbum Heute nicht!, das sich auf Platz 2 in Deutschland positionierte.

Die Schattenseite des Ruhms: Alkohol als „fataler Helfer”

Abseits der Bühne lauert sein Dämon, sein "unbesiegbarer Gegner": der Alkohol. Seine Problematik entwickelte sich nicht über Nacht, sondern bahnte sich langsam ihren Weg in sein Leben. Ursprünglich nutzte der Künstler Alkohol als Hilfsmittel, um mit der enormen Nervosität vor Auftritten und dem wachsenden Leistungsdruck umzugehen. Was harmlos begann, entwickelte sich zu einer Abhängigkeit vom Alkohol als Bewältigungsmechanismus und damit zu einer ernsthaften Suchterkrankung.

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Während der Corona-Pandemie verschärfte sich Zuckers Situation dramatisch. Tourausfälle und soziale Isolation trieben ihn in eine destruktive Routine. Die Pandemie hat die Welt fest im Griff. Lockdown, steigende Infizierten- und Todeszahlen. In Berlin sitzt Ben Zucker. Vor genau drei Jahren stieg er zum gehypten Schlager-Newcomer auf. Der Lockdown bedeutet für ihn erst einmal eine Pause vom Performen und vom ständigen Leistungsdruck in der Musikszene. Seine erste Open-Air-Tour? Abgesagt. Genauso wie die Arena-Tour. Existenzängste machen sich breit.

„Ich habe mir jeden Tag Pizza nach Hause bestellt und parallel dazu Wodka getrunken. Ich hielt ständig einen Pegel", gibt Zucker offen zu. Bald begann er schon morgens mit dem Trinken. Eine "Abwärtsspirale, die kaum aufzuhalten war", wie er in seiner Autobiografie beschreibt. Seine Familie, seine Freunde waren hilflos, konnten nicht zu ihm durchdringen. FaceTime-Anrufe handelten sie bis 15 Uhr ab. Bald ließ sich Ben Zuckers Alkoholproblem auch optisch nicht mehr vertuschen: "Ich ging auf wie ein Hefekloß: aufgedunsenes Gesicht, dicker Bauch. [...] Mein Spiegelbild wurde für mich immer schwerer zu ertragen." Sobald ihn jedoch negative Gedanken, Sorgen und Ängste einzuholen drohten, griff er wieder zum Glas. Ein Teufelskreis, den ich nicht zu durchbrechen schaffte.

Ben Zucker auf der Bühne, Portrait und Konzertatmosphäre

Der Moment der Erkenntnis und erste Gegenmaßnahmen

Der entscheidende Wendepunkt kam, als Zucker seinen körperlichen Zustand wahrnahm. Die Gewichtszunahme von mindestens 15 Kilogramm und der Verlust der Selbstachtung führten zu einer schonungslosen Selbstreflexion. "Ich verlor meine Selbstachtung und fand mich abstoßend. Und da ich auch eitel bin, habe ich gesagt: Jetzt muss hier Feierabend sein." Sein erster TV-Auftritt in der Corona-Pandemie wurde auch zum Moment des Umdenkens: Zusammen mit Schwester Sarah performte er in der "Schlagerlovestory 2020 - Das große Wiedersehen". Damals ganz coronakonform ohne Zuschauer, was Ben Zucker sehr gelegen kam. "In meinem Zustand war ich eigentlich nicht präsentabel." Dank der "magischen Fähigkeiten der TV-Kameras" sah er am Ende aber doch ganz "annehmbar" aus.

Zurück in Berlin fasste Ben Zucker einen Plan, der, wie er schreibt, zwar bei ihm selbst funktionierte, aber nicht als Blaupause gesehen werden soll. Schritt 1: Er klebte ein "präsentables Foto" von sich als Motivation an den Spiegel. Schritt 2: Er kippte sämtliche Alkoholvorräte in die Spüle. Schritt 3: Jeden Tag 10.000 Schritte gehen. Schritt 4: Kein Fast Food mehr und nach 18 Uhr nichts mehr essen. Unterstützung erhielt er von seiner Familie, die ihn mit täglichen FaceTime-Anrufen motivierte und auffing.

Professionelle Hilfe und die Grenzen der Heilung

Im Herbst 2024 suchte sich der Musiker professionelle Unterstützung und absolvierte eine 21-tägige Maßnahme in einer Fachklinik für Alkoholentzug. Dort traf er auf Menschen aus verschiedenen Berufsgruppen - Unternehmer, Anwälte und Ärzte -, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Die Maßnahme vermittelte ihm wichtige Erkenntnisse über den Umgang mit seiner Erkrankung und half ihm dabei, die zugrundeliegenden Mechanismen seiner Abhängigkeit zu verstehen.

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Professionelle Hilfe habe er sich vor etwa einem Jahr gesucht. Für 21 Tage sei er in eine Klinik für Alkoholentzug gegangen. Mit dem Trinken habe er auch nach dem Entzug nicht »gänzlich« aufgehört. »Ich trinke nach wie vor meinen Wodka auf Eis als Belohnung nach einem Konzert oder wenn ich zur Ruhe komme, das gehört für mich einfach dazu. Der Entzug habe sich trotzdem gelohnt: »Es ist ja nicht so, dass man in eine Klinik geht und danach ist alles wieder gut.« Man lerne den Umgang mit der Sucht und stelle sich Fragen: »Wie nehme ich Alkohol wahr, und warum brauche ich ihn überhaupt? Das sind Prozesse, die brauchen ihre Zeit, und diese Zeit nehme ich mir.«

Interview mit Ben Zucker über seine Autobiografie und Suchtbewältigung

Ambivalente Haltung: Ehrlichkeit statt Heilsversprechen

Ben Zucker betont: „Es wäre unglaubwürdig zu behaupten, dass ich fortan ganz ohne Alkohol leben könnte. Das würden weder Benni Fritsch noch Ben Zucker mitmachen.“ Er trinkt weiterhin gelegentlich und beschreibt, dass er noch nicht so weit sei, ganz auf Alkohol zu verzichten. »Ich bin noch nicht so weit, ganz auf Alkohol zu verzichten. Das schaffe ich einfach noch nicht«, erklärt er ehrlich. Mit seinem offenen Bekenntnis zur Alkoholkrankheit leistet Zucker einen Beitrag zur Entstigmatisierung von Suchterkrankungen. Und seine Botschaft ist klar: Hilfe beginnt mit Ehrlichkeit - sich selbst und anderen gegenüber.

Auswirkungen auf Karriere und Privatleben

Die Suchtproblematik blieb nicht ohne Folgen für Zuckers private Beziehungen. Seine damalige Partnerin versuchte vergeblich, ihm zu helfen, konnte jedoch gegen die Macht der Abhängigkeit nicht ankommen. "Das war sicher auch ein Grund, warum diese Beziehung gescheitert ist", glaubt er. Auch seine Mutter Christine war über die Situation informiert und machte sich große Sorgen, wusste aber auch, dass Vorwürfe nicht helfen würden. "Sie wusste, dass ich irgendwann meine Reißleine ziehen würde", so Zucker.

Trotz dieser Belastungen zählt Ben Zucker heute zu den erfolgreichsten Künstlern der deutschen Schlagerszene: Mit mehreren Alben in den Top 10, großen TV-Auftritten und einem festen Platz in der Szene hat er seine Karriere stabilisiert. Gleichzeitig bleibt seine Geschichte eine Mahnung: Der Weg an die Spitze war für den Schlagerstar von schweren Krisen, Geldproblemen und sogar Suizidgedanken geprägt.

Tabellarischer Überblick: Wichtige Stationen

Jahr / Ereignis Beschreibung
1989 Flucht der Familie aus der DDR über die Tschechoslowakei und Ungarn
2017 Durchbruch in der Schlagerbranche mit „Na und?!“
2019-2023 Veröffentlichung mehrerer Alben, Chart-Erfolge
2020 (Pandemie) Verschärfung der Alkoholprobleme durch Lockdown und Tourausfälle
Herbst 2024 21-tägige Fachklinik für Alkoholentzug

Warum die Aussage „Ich kann aufhören zu rauchen“ hier relevant ist

Die Formulierung „Ich kann aufhören zu rauchen“ steht symbolisch für den Versuch, Kontrolle über ein suchtbezogenes Verhalten zurückzugewinnen. Bei Ben Zucker geht es zwar primär um Alkohol, dennoch ist das Motiv ähnlich: das Bewusstsein, dass Veränderung möglich ist, gekoppelt mit der Einsicht, dass langfristige Abstinenz ein schwieriger, oft nicht geradliniger Prozess ist. Seine Offenheit zeigt, dass Rückschläge möglich sind, dass aber das Suchen nach Hilfe und das Benennen der Probleme wichtige Schritte sind.

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Was seine Geschichte anderen Betroffenen sagen kann

  • Hilfe beginnt mit Ehrlichkeit: Ben Zucker macht öffentlich, was vielen peinlich oder unangenehm wäre.
  • Professionelle Unterstützung kann Perspektiven eröffnen: Der Klinikaufenthalt brachte ihm neue Einsichten.
  • Genesung ist kein einziger Moment, sondern ein Prozess mit Rückschlägen und Fortschritten.
  • Beruflicher Druck ist ein häufiger Auslöser für Suchtprobleme und sollte thematisiert werden.

Ben Zuckers Geschichte ist zugleich Warnung und Inspiration. Sie zeigt, dass Erfolg nicht vor Abgründen schützt, aber auch, dass der Weg aus der Sucht möglich ist - wenn Betroffene ehrlich sind, Hilfe annehmen und Unterstützung erhalten. Sein öffentliches Eingeständnis leistet einen Beitrag zur Entstigmatisierung und ermutigt andere, sich zu öffnen und Hilfe zu suchen.

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