Milka Schokolade: Gewichtsreduzierung und Verbraucherkritik

In den letzten Jahren hat sich bei Milka Schokolade einiges getan, was Verbraucher aufmerksam gemacht hat. Der Hersteller Mondelez hat nicht nur die Preise erhöht, sondern auch das Gewicht der Schokoladentafeln reduziert. Diese Praxis, bekannt als "Shrinkflation", hat zu Kritik und sogar zu einer Klage der Verbraucherzentrale Hamburg geführt.

Gewichtsreduzierung bei Milka-Tafeln

Mondelez, der Hersteller von Milka, hat die Grammatur einiger seiner beliebtesten Schokoladentafeln reduziert. Betroffen sind Klassiker wie Alpenmilch, Noisette, Haselnuss und Weiße Schokolade. Statt der üblichen 100 Gramm enthalten diese Tafeln nun nur noch 90 Gramm. Auch bei größeren Tafeln gab es eine Reduzierung von 270 Gramm auf 250 Gramm.

Diese Gewichtsreduzierung ist für Verbraucher oft schwer zu erkennen, da die Verpackung gleich bleibt. Der Hinweis auf das reduzierte Gewicht ist klein und befindet sich auf der Rückseite der Verpackung, oft verdeckt durch Verkaufskartons im Supermarktregal.

Begründung des Herstellers

Mondelez begründet die Gewichtsreduzierung mit gestiegenen Produktionskosten. Insbesondere die Kosten für Kakao, aber auch für andere Zutaten, Energie, Verpackung und Transport seien deutlich gestiegen. Tatsächlich haben Schokoladenhersteller mit dem explosionsartig gestiegenen Kakaopreis zu kämpfen. Infolge von schlechten Ernten und Börsenspekulation erreichte dieser im Dezember ein Rekordhoch von mehr als 12.000 Euro pro Tonne und lag zuletzt bei rund 11.000 Euro pro Tonne.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben und keine Kompromisse bei Geschmack und Qualität eingehen zu müssen, habe der Hersteller das Gewicht der Milka-Tafel im Standard- und im Großformat angepasst. Die Erhöhung der Preise für die Kunden sei immer das letzte Mittel, teilte der Hersteller mit.

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Kritik der Verbraucherzentrale Hamburg

Die Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert die Gewichtsreduzierung als "Mogelpackung" und wirft Mondelez unlauteren Wettbewerb vor. Sie hat Klage gegen den Hersteller beim Landgericht Bremen eingereicht.

Armin Valet, Lebensmittelexperte bei der Verbraucherzentrale, argumentiert, dass viele Verbraucher die Schokolade von Milka seit vielen Jahren in der gewohnten Verpackung kaufen und davon ausgehen, dass sich die Füllmenge nicht verändert hat. Sie würden getäuscht, weil etliche Sorten nur noch 90 Gramm zum gleichen oder gar höheren Preis enthalten.

Die Verbraucherzentrale fordert einen deutlichen Hinweis auf der Packung, wenn weniger Ware in gleicher Verpackung angeboten wird. Ein winziger Zahlenaufdruck, der zudem noch von Kartonlaschen verborgen wird, reiche nicht aus. Valet fordert von der Bundesregierung verbindliche Vorgaben zu schrumpfenden Packungsinhalten und schlägt vor, Hersteller für mindestens sechs Monate zu einem Warnhinweis zu verpflichten.

"Shrinkflation" und "Skimpflation"

Die Gewichtsreduzierung bei Milka ist ein Beispiel für "Shrinkflation", bei der Produkte bei gleichem Preis weniger Inhalt haben. Ein weiteres Phänomen ist die "Skimpflation", bei der die Qualität der Produkte sinkt, beispielsweise durch eine veränderte Zusammensetzung.

Die Verbraucherzentrale Hamburg sieht in diesen Praktiken Tricks, um Kundinnen und Kunden zu täuschen. Verbraucher kaufen scheinbar das gleiche Produkt, erhalten aber weniger Qualität fürs Geld. Die Praxis sei legal, solange die geänderte Zusammensetzung korrekt auf der Verpackung steht. Für Hersteller ist dies interessant, wenn Rohstoffe teurer werden, da sich so Produktionskosten sparen lassen. Der Verkaufspreis wiederum bleibe meist gleich.

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Neue Verpackungsgrößen und Preise

Mondelez hat neben der Gewichtsreduzierung auch neue Verpackungsgrößen eingeführt. So gibt es beispielsweise die "Milka Extra"-Tafel mit 190 Gramm, die sich an Konsumenten richtet, die "ein bisschen mehr wollen".

Auf der anderen Seite gibt es auch Mini-Tafeln mit 45 Gramm, die auf den ersten Blick bezahlbar wirken. Allerdings zeigt der Kilopreis, dass man hier nicht spart. Über 22 Euro kosten 1000 Gramm Milchschokolade.

Viele Verbraucher sind skeptisch gegenüber diesen neuen Tafelgrößen und sehen darin einen weiteren Täuschungsversuch - ein scheinbares Sonderangebot, das bei genauerem Hinsehen gar keines ist.

Gleichzeitig erhöhte Hersteller Mondelez den Preis von 1,49 € auf 1,99 €. Kombiniert ergibt das eine Preiserhöhung von fast 50 %. Vielen Kunden ist das vermutlich nicht mal aufgefallen. Einen deutlich sichtbaren Transparenzhinweis gab es nicht.

Kakaopreise und langfristige Lieferverträge

Die steigenden Kakaopreise werden oft als Hauptgrund für die Preiserhöhungen und Gewichtsreduzierungen bei Schokolade genannt. Tatsächlich haben sich die Kakaopreise an der New Yorker Rohstoffbörse im vergangenen Jahr um 161 Prozent erhöht. Mitte Dezember stiegen sie auf einen Rekord von 10.100 Dollar pro Tonne.

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Allerdings zweifelt die Verbraucherzentrale Hamburg daran, dass die höheren Kakaopreise die starke Preiserhöhung jemals in Gänze erklären konnten. Gerade langfristige Lieferverträge würden dazu führen, dass Großabnehmer wie Mondelez weniger starke Preisschwankungen hinnehmen müssen. Die Kakaopreise auf dem Spotmarkt entsprächen vermutlich nicht den tatsächlichen Konditionen bei der Herstellung von Milka.

In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob die Hersteller auch sinkende Rohstoffpreise an die Kunden weitergeben. Tatsächlich ist der Kakaopreis in den letzten Monaten kontinuierlich gefallen.

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