Zucker für Babys: Risiken, Empfehlungen und Alltagstipps
Zucker ist ungesund - das wissen die meisten Erwachsenen. Doch wie sieht es aus, wenn ein Kind auf die Welt kommt? Ist Zucker für Babys tatsächlich schädlich, und wie viel sollte in der Ernährung der Kleinsten erlaubt sein? Internationale Organisationen wie die WHO warnen eindringlich vor Zucker und Süßstoffen in Babynahrung, da eine frühzeitige Gewöhnung an gesüßte Nahrungsmittel das Risiko für Übergewicht, Diabetes, Karies und weitere Erkrankungen erhöhen kann.
Warum Zucker für Babys problematisch sein kann
Eine frühzeitige Gewöhnung an gesüßte Nahrungsmittel könne für den Rest des Lebens die Gefahr von Übergewicht und Zerstörung der Zähne durch Kariesbefall fördern, erklärte das europäische WHO-Büro. Übergewicht, Diabetes mellitus Typ 2 und Karies können die Folge sein. Zuckerkonsum kann zu Karies führen. Karies ist die Hauptursache für Zahnverlust, Schmerzen und Angstzustände. Die Studie der Universität Illinois hat ergeben, dass Zucker schon vor dem Sichtbarwerden der ersten Zähne Schaden anrichten und Ursache für Karies im späteren Leben werden kann.
Fettleibigkeit ist nicht nur ein Problem an sich, sondern auch die Hauptursache von Typ-2-Diabetes, Schlafstörungen, Lebererkrankungen, Bluthochdruck, Asthma und anderen Atemproblemen bei Kindern. Darüber hinaus kann sie psychische Auswirkungen haben, wie etwa ein geringes Selbstwertgefühl, Depressionen und soziale Isolation. Zu viel Zucker ist u.a. Studien deuten darauf hin, dass der vermehrte Verzehr von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln wie (gesüßten) Säften, Joghurts, Frühstücksflocken und Teigwaren zu Fettleibigkeit führen kann, was wiederum das Krebsrisiko erhöht.
Langfristige gesundheitliche Auswirkungen
Nach den Statistiken der WHO besteht die Gefahr, dass die Lebenserwartung der Europäer wegen Übergewichtsproblemen sinken könnte. (BZfE) - Wer im Mutterleib und als Baby nur eingeschränkt Zucker aufnimmt, hat im Erwachsenenalter offenbar ein deutlich geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Menschen, die im Mutterleib und in den ersten ein bis zwei Lebensjahren wenig Zucker aufgenommen hatten, besaßen ein um 20 Prozent geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Allgemeinen sowie für Herzinfarkt (25 %), Herzinsuffizienz (26 %), Schlaganfall (31 %) und Tod aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen (27 %).
| Krankheit | Reduziertes Risiko bei geringer Zuckeraufnahme |
|---|---|
| Herz-Kreislauf-Erkrankungen | -20% |
| Herzinfarkt | -25% |
| Herzinsuffizienz | -26% |
| Schlaganfall | -31% |
| Tod durch Herz-Kreislauferkrankung | -27% |
Empfehlungen internationaler Ernährungsexperten
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Babys in den ersten sechs Monaten ausschließlich mit Muttermilch zu ernähren. Sämtliche gesüßten Getränke, auch Fruchtsäfte, sollten laut WHO den Hinweis tragen, dass sie für Kinder unter drei Jahren nicht geeignet sind. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten Kinder weniger als zehn Prozent ihrer täglichen Energiezufuhr durch Zucker abdecken. Dieser Empfehlung hat sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) angeschlossen.
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Babys sollten im ersten Lebensjahr bestenfalls keinen industriellen Zucker zu sich nehmen. Der Zweck dieses Artikels besteht lediglich darin, zu informieren und zu inspirieren, nicht aber, medizinische oder ernährungswissenschaftliche Ratschläge zu erteilen. Zu viel Zucker ist ungesund, klar. Sollten wir daher komplett darauf verzichten und Babys ohne Zucker ernähren? Die Antwort lautet: Jein! Es kommt auf den Zucker an. Frucht- und Milchzucker sind in Ordnung. Milchzucker nimmt ein Baby ohnehin durch die Muttermilch zu sich. Fruchtzucker ist ab Beikostalter in Maßen ebenfalls okay.
Politische Maßnahmen und gesetzliche Regelungen
In Deutschland hat Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) Ende vergangenen Jahres die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für weniger Zucker, Fette und Salz in Fertignahrungsmitteln im Kabinett beschlossen. Verankert in der Strategie ist auch, dass Zucker und andere süßende Zutaten in Baby- und Kleinkindertees verboten werden. Eine Verordnung, die das ermöglicht, hat die Ministerin Ende Juni vorgelegt.
Prägende Wirkung auf den Geschmackssinn
Kleinkinder haben circa 10.000 Geschmacksknospen, das sind die Knospen, die auf der Zunge sitzen und durch die wir die Fähigkeit haben, Geschmack oder Genuss wahrzunehmen. In den ersten beiden Lebensjahren bildet sich der Geschmackssinn. Babys sind wahre Gourmets. Sie nehmen Geschmäcker sehr intensiv wahr. Bereits die natürliche Süße eines Apfels oder einer Beere stillt das Bedürfnis nach Süßem. Fertiger Babybrei und Quetschies enthalten jedoch häufig versteckten Zucker oder Aromastoffe. In Babygläschen sind oft versteckte Zuckerzusätze enthalten, die dein Baby geschmacklich eben doch an einen hohen Zuckergehalt gewöhnen.
Den Ernährungsexperten der WHO zufolge sollten zuckerhaltige Lebensmittel den täglichen Energiebedarf zu maximal 10 Prozent decken, idealerweise zu weniger als 5 Prozent. Hört sich wenig an? Stimmt! Aber Zucker ist nicht nur in Süßigkeiten, sondern auch in anderen Lebensmitteln enthalten (etwa in Wurst, Fertigsoßen, Toast). Selbst vermeintlich „gesunde“ Lebensmittel wie Joghurt und Säfte kommen selten ohne Zucker aus.
Versteckter Zucker: Herausforderungen für Eltern
Viele Eltern wissen tatsächlich nicht, wie viel Zucker in den Lebensmitteln stecken, die sie ihren Kindern täglich anbieten. Eine Studie zeigte jüngst, dass 74 % der Eltern den Zuckergehalt der meisten Nahrungsmittel und Getränke unterschätzen, und zwar zum Teil ganz erheblich. Gleichzeitig stellte sich übrigens heraus, dass die Kinder der betreffenden Eltern auch häufiger übergewichtig sind. Allerdings ist dieses Vorhaben im Alltag oft sehr schwierig umzusetzen. Denn in vielen Fertiggerichten und Speisen im Restaurant ist Zucker enthalten.
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Nur weil das Wort „Zucker“ nicht in der Zutatenliste eines Produktes steht, heißt es nicht, dass es zuckerfrei ist. Um dein Baby wirklich zuckerfrei zu ernähren, solltest du dich mit diesen Begriffen vertraut machen. Die Nahrungsmittelindustrie tarnt Zucker gerne. Es gibt neben dem herkömmlichen Zucker auch weitere Süßungsalternativen wie Glukose, Saccharose oder Maltose. Seid vorsichtig mit Zuckeralternativen. Auch wenn sie natürlich klingen wie Honig oder Kokosblütenzucker - auch sie sind Zucker und auch sie bringen eine Menge Kalorien mit.
Praktische Alltagstipps für einen bewussten Umgang mit Zucker
- Im ersten Lebensjahr hast du es aber (noch) selbst in der Hand, dein Baby zuckerfrei zu ernähren.
- Kaufe nur wenige Süßigkeiten. Mache wenig Aufhebens um Süßigkeiten. Setze sie nicht als Belohnung ein.
- Setze Süßigkeiten nicht als Trostpflaster ein. Verhaltensweisen werden in der Kindheit geprägt.
- Gib deinem Kind Wasser oder stark verdünnte Fruchtsaftschorle.
- Beim Backen kannst du die angegebene Zuckermenge easy um ein Drittel reduzieren.
- Als Knabberei im Kinderwagen ist frisches Obst wie Mandarinen oder kernlose Trauben eine super Alternative.
- Probieren Sie beim Kochen und Backen doch mal zuckerfreie Alternativen aus. Viele Kuchenrezepte funktionieren ohne Zucker.
- Eine Kinderhand voll Zucker pro Tag - das ist die Faustregel für die empfohlene Höchstmenge.
Wenn man sich selbst ca. 2-4 Wochen ohne Zucker und zusätzliche Süßungsmittel ernährt, stellt man fest, dass viele Dinge von Natur aus sehr süß sind. Süß genug sogar. Bananen zum Beispiel oder Trockenfrüchte. Zusätzlicher, raffinierter Zucker, ist eigentlich für die wenigsten Lebensmittel nötig.
Umgang mit Zucker außerhalb des Elternhauses
Auch unterwegs mit Baby oder Kleinkind ist der Verzicht auf Zucker kein Problem: Füllen Sie in die Trinkflasche ausschließlich Wasser - so wird Ihr Kind später keine Apfelschorle vermissen. Irgendwann wird dein Kind Süßigkeiten für sich entdecken. Spätestens im Kindergarten, wenn der Sitznachbar beim Frühstück seine Milchschnitte oder seinen Fruchtzwerg auspackt. Ist dein Kind noch nie in den „Genuss“ solcher süßen Leckereien gekommen, weckt das Begehrlichkeiten. Daher raten wir dir, ab dem zweiten Lebensjahr gelegentlich zuckerhaltige Lebensmittel zu erlauben.
Natürlich ist Zucker ab dem zweiten Lebensjahr nicht plötzlich gesünder für dein Kind. Aber es ist kontraproduktiv, Zucker komplett zu verbieten. Wenn ein Kind etwas sieht, aber nicht haben darf, schafft das Neugier und Frustration. Unser Rat lautet daher bei Kleinkindern ab einem Jahr: Zucker, ja - aber mit Maß und Ziel!
Zucker und die Entwicklung des Belohnungssystems
Es gibt sogar eine Studie, die aufzeigt, dass Kinder, die zu viel zucker- und fettreiche Nahrung essen, als Jugendliche einen höheren Alkoholkonsum haben. Als möglichen Grund nennen die Forscher biochemische Prozesse im Körper, die beim Verzehr von Zucker und Alkohol das Belohnungssystem aktivieren.
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Vorbildfunktion der Eltern und nachhaltige Essgewohnheiten
Sei ein Vorbild! Lebe deinem Kind vor, was Genuss bedeutet. Genuss bedeutet nicht, eine ganze Tüte Gummibärchen oder eine Tafel Schokolade in sich hineinzuschaufeln. Es bedeutet, sich nur eine Handvoll Gummibärchen zu gönnen und diese bewusst zu genießen. Oder nur ein Stück Schokolade zu essen und es auf der Zunge zergehen zu lassen. Du prägst die Essgewohnheiten deines Kindes mit.
Industriell hergestellte Babynahrung: Die versteckte Gefahr
Leider, und das ist wirklich skrupellos, enthält auch und vor allem industriell erzeugte Babynahrung häufig Zucker. Fertiger Babybrei und Quetschies enthalten jedoch häufig versteckten Zucker oder Aromastoffe. So werden Babys schon früh dazu gebracht, Babybreis oder sog. „Babymilch“ dem vorzuziehen, was zu Hause gekocht wird. Es wurden Produkte aus mehr als 500 Geschäften in den Städten Wien, Sofia, Budapest und dem israelischen Haifa untersucht. Bei einer Untersuchung von rund 8.000 Produkten sei festgestellt worden, dass in etwa der Hälfte von ihnen mehr als 30 Prozent der enthaltenen Kalorien aus Zucker bestand. Ein erheblicher Teil der Produkte - zwischen 28 und 60 Prozent - wurde für Säuglinge unter sechs Monaten geeignet vermarktet.
Was sagen Experten?
Dr. Martin Köhrer: Zucker ist in jeder Hinsicht ungesund für den Körper. Zunächst einmal kann ein übermäßiger Zuckerkonsum schnell dazu beitragen, dass ein Kind zu viel Körperfett aufbaut. Das Übergewicht wiederum steht häufig am Anfang einer ganzen Reihe schwerer gesundheitlicher Folgen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Früher bezeichnete man Typ-2-Diabetes als „Alterszucker“ - heute erkranken bereits Jugendliche daran. Eine einseitige Ernährung, wie sie durch zu viel Zucker entsteht, bringt zudem die Darmflora aus dem Gleichgewicht. Hinzu kommt, dass Zucker regelrecht süchtig macht. Das gilt auch bei Erwachsenen, aber bei Kindern ist es besonders fatal, denn in den ersten beiden Lebensjahren bildet sich der Geschmackssinn. Nehmen die Kinder in dieser Zeit regelmäßig Zucker zu sich, passt sich ihr Geschmackssinn den süßen Produkten an.
Prof. Dr. Andrea Maier-Nöth (2017). Geboren als Gourmet. Die Vielfalt auf dem Teller schult den Gaumen.
Fazit aus wissenschaftlichen Studien
Eine Beobachtungsstudie zur Zuckeraufnahme in den ersten Lebensjahren zeigte, dass eine reduzierte Zuckerzufuhr mit einem geringeren Risiko für Diabetes (minus 35 %) und Bluthochdruck (minus 20 %) in Zusammenhang stand - zwei wichtige Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für Eltern bedeutet das: Je weniger Zucker, desto besser. Und vor allem Anfangs macht das einem Baby rein gar nichts.
Zucker in der Babyernährung: Empfehlungen und praktische Umsetzung
- Im ersten Lebensjahr möglichst komplett auf industriellen Zucker verzichten.
- Muttermilch und naturbelassene Lebensmittel als Basis wählen.
- Ab dem Beikostalter natürliche Süße von Obst nutzen, aber keine zugesetzten Zucker.
- Langsam an zuckerhaltige Lebensmittel heranführen - ab dem zweiten Lebensjahr gelegentlich erlauben.
- Bewusst mit Süßigkeiten umgehen und die Gesamtmenge im Blick behalten. Faustregel: eine Kinderhand voll pro Tag.
- Vorbild sein: Essgewohnheiten werden in der Kindheit geprägt.
- Zuckeralternativen kritisch prüfen: Honig, Agavendicksaft & Co. sind ebenfalls Zucker und liefern viele Kalorien.
Kinder sollten ein gesundes Verhältnis zu Süßem bekommen - auf die Menge und die Häufigkeit kommt es an. Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme - es ist auch schmecken, fühlen, tasten, erleben. Und das Wichtigste: Ab und zu naschen ist absolut in Ordnung. Verbote bewirken oftmals das Gegenteil.
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