Herstellung von Zucker aus Zuckerrohr: Verfahren, Schritte und Nebenprodukte

Zucker wird aus zwei Hauptpflanzen gewonnen: Zuckerrohr und Zuckerrüben, die jeweils ähnliche Verarbeitungsmethoden mit geringfügigen Unterschieden erfordern. Die hier dargestellten Schritte fokussieren auf die Gewinnung von Zucker aus Zuckerrohr, wobei immer wieder Bezüge zu den Verfahren bei Zuckerrüben ersichtlich werden, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu verdeutlichen.

Kurzüberblick: Was ist Zucker und woher stammt das Zuckerrohr?

Zucker (besonders Haushaltszucker) ist die gebräuchliche Bezeichnung für die organische Verbindung Saccharose. Man kann Zucker aus verschiedenen pflanzlichen Quellen gewinnen; meistens sind das Zuckerrohr (Saccharum officinarum) und die Zuckerrübe (Beta vulgaris subsp. vulgaris). Das Zuckerrohr stammt ursprünglich aus Neuguinea und die ältesten Aufzeichnungen zeigen, dass es diese Pflanze dort schon seit 8000 v. Chr. gab. Die ältesten schriftlichen Aufzeichnungen über den Raffinierungsprozess von Zucker kommen aus Indien und können auf 100 n. Chr. datiert werden.

Anbau und Ernte des Zuckerrohrs

Das Zuckerrohr ist ein ausdauerndes Gras, das 3-4 Meter hoch wachsen kann. Es wächst in tropischen und subtropischen Regionen, die reichlich Regenfall (mindestens 60 cm pro Jahr) abbekommen. Manche Arten können sich durch Samen fortpflanzen, es ist aber effizienter, das Zuckerrohr durch vegetative Vermehrung zu züchten. Hierbei werden die Halme in kleine Stücke geschnitten und dann im Boden vergraben. Ein reifer Stamm enthält 11-16 % Ballaststoffe, 12-16 % löslichen Zucker und der Rest ist hauptsächlich Wasser. Im Durchschnitt produziert ein Hektar Land 60-70 Tonnen Zuckerrohr.

Plantation von Zuckerrohr und Erntereihen

Transport und Anlieferung in die Fabrik

Nach der Ernte wird das Zuckerrohr zum Entsaften in die Fabriken transportiert. Nach der Ernte wird das Zuckerrohr zum Entsaften in die Fabriken transportiert. Dort erfolgt die Vorbehandlung vor dem Entsaften, beispielsweise Zerkleinerung und Aufbereitung des Materials.

Saftgewinnung: Zerkleinerung und Pressung

Nach der Ernte wird das Zuckerrohr zum Entsaften in die Fabriken transportiert. Danach wird das Zuckerrohr zerkleinert und eingeweicht, um den zuckerhaltigen Saft freizusetzen. Beim Vergleich mit der Zuckerrübe: Bei der Zuckerrübe lösen wir den Zucker aus den Zellen mit heißem Wasser heraus, während er beim Zuckerrohr aus den Zellen gepresst wird.

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Industriepressen zur Saftgewinnung aus Zuckerrohr

Reinigung des Rohsafts

Der Rohsaft enthält neben dem Zucker auch verschiedene organische und anorganische Bestandteile der Pflanze. Dieser Rohsaft durchläuft einen Reinigungsprozess, um Nichtzuckerstoffe zu entfernen. Beim Rübenverfahren werden Nichtzuckerstoffe mit Hilfe von zugesetzter Kalkmilch und Kohlensäure gebunden und ausgeschieden; beim Rohrsaft erfolgen ähnliche Entfärbungs- und Reinigungsschritte, um Verunreinigungen und Farbe aus der Saccharose zu entfernen.

Eindicken und Verdampfung

In der Verdampfstation wird dem Dünnsaft in mehreren hintereinander geschalteten Verdampfungsapparaturen solange Wasser entzogen, bis er als dickflüssiger Sirup einen Zuckergehalt von 65-70 Prozent hat. Die Verdampfungsapparate sind so miteinander verbunden, dass der dabei entstehende Dampf stets die nächste Stufe heizt. Der gewonnene goldbraune Dicksaft wird in der Kochstation weiter eingedampft. Dies geschieht unter vermindertem Druck, da das Wasser dann bereits zwischen 65° und 80° C verdampft und der Zucker bei dieser schonenden Methode nicht karamellisiert.

Kristallisation und Impfung

Bei einem bestimmten Verhältnis von Wasser zu Zucker wird die Kristallbildung häufig durch Zugabe von sogenannten Impfkristallen in Form feinsten Zuckers angeregt. Der Kristallbrei wird zum Abkühlen in Maischen abgelassen. Durch Hitze verdampft nach und nach Wasser, bis sich Zuckerkristalle bilden. Die entstehende Masse besteht je zur Hälfte aus Kristallen und aus Flüssigkeit.

Zentrifugation und Trennung von Sirup

In hochtourigen Zentrifugen werden die Zuckerkristalle vom zähflüssigen Sirup durch Abschleudern getrennt. Dabei bleiben die Zuckerkristalle in einem Sieb hängen, während der Zuckersirup abfließt. Der abgeschleuderte Sirup kommt wieder in die Kochstation zum Auskristallisieren. Die entstehende Masse kommt in einen Behälter, der sich sehr schnell dreht. Durch die Drehung werden die Kristalle von der Flüssigkeit getrennt. Übrig bleibt Melasse.

Raffinerie-Zentrifuge beim Trennen von Kristallen und Sirup

Melasse: Restsirup und Weiterverwendung

Der dunkelbraune, zähflüssige Sirup, der nach der letzten Kristallisation zurückbleibt, wird Melasse genannt. Melasse enthält noch circa 50 Prozent Zucker, der aber mit herkömmlichen Methoden nicht mehr auskristallisiert werden kann. Die verbleibende Melasse wird hauptsächlich in der Hefe- und Bioethanolproduktion verwendet oder als Viehfutter-Bestandteil verkauft.

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Trocknung, Lagerung und Verpackung

Die Zuckerkristalle werden getrocknet, gekühlt und im Silo gelagert. Durch die richtige Trocknung wird Verderb verhindert und sichergestellt, dass das Produkt für die Verpackung und den Transport bereit ist. Das Endprodukt wird dann getrocknet und verpackt und ist damit bereit zum Verzehr. In der Verpackungshalle wird der Zucker in die unterschiedlichen Verpackungen abgefüllt, für den Haushalt gibt es 500‑Gramm‑ und Ein‑Kilo‑Packungen. Für Unternehmen, die Zucker verarbeiten, wird in wesentlich größeren Verpackungseinheiten verpackt, bis hin zu ganzen LKW‑Ladungen.

Große Silo-Lager und Verpackungslinien für Kristallzucker

Nebenprodukte und stoffliche Nutzung

Neben dem Hauptprodukt Zucker entstehen im Prozess und aus dem Rohstoff weitere Produkte. Zuckerrübenschnitzel werden zu Viehfutter verarbeitet. Zuckerrohrbagasse (Stängel) wird oft als Brennstoff verbrannt, um die Zuckerraffinerie selbst mit Energie zu versorgen. Melasse wird zum Backen, Destillieren und zur Herstellung von Tierfutter verwendet. Beim Rübenverfahren fällt bei der Verarbeitung der Zuckerrüben ein wertvolles Futtermittel aus den ausgelaugten Rübenbestandteilen an. Fast alle Rübenbestandteile, die nicht Zucker sind, werden in anderer Form verwertet.

Wirtschaftliche und historische Aspekte

Die ersten Verwendungen von Zucker und die Ausbreitung des Zuckerrohrs erfolgen seit der Antike, über Indien gelangte das Wissen nach Griechenland und Rom, später in die arabische Welt und ins mittelalterliche Europa. Im 15. Jahrhundert begannen europäische Kolonisten damit, Zuckerrohr in den tropischen Kolonien anzubauen und zu ernten. Mit der Entdeckung, dass Saccharose auch aus Zuckerrüben gewonnen werden kann, entstanden seit dem 18. Jahrhundert vielfache Entwicklungen in der Rübenzuckerproduktion, die die europäische Zuckerwirtschaft nachhaltig veränderten.

Effizienz, Energie und moderne Anlagen

Die Zuckerproduktion ist energieintensiv: Von der Gewinnung bis zur Trocknung kann die Zuckerproduktion sehr energieintensiv sein. In der Weiterentwicklung der Werke stehen die Energieeinsparung, die Umweltverträglichkeit und die Kundenzufriedenheit an vorderster Stelle. Mit modernen Anlagen wie Zuckertrocknern, Siebmaschinen und Förderbändern lassen sich Prozesse optimieren, Abfall reduzieren und maximale Produktivität aufrechterhalten. Die Aufrechterhaltung des richtigen Feuchtigkeitsgehalts in Zuckerkristallen ist entscheidend für die Erhaltung der Produktqualität und gewährleistet, dass das Produkt Transport und Lagerung unbeschadet übersteht.

Funktionsweise eines Vibrations-Fließbetttrockners

Maßgeschneiderte Lösungen und Nachhaltigkeit

Keine zwei Zuckerverarbeitungsprozesse sind identisch. Maßgeschneiderte Designs und Konfigurationen sorgen dafür, dass Anlagen individuellen Anforderungen entsprechen. Carrier Vibrating entwickelt Systeme unter Berücksichtigung der Energieeffizienz und hilft so, CO2‑Emissionen und Betriebskosten zu senken. Darüber hinaus unterstützen Anlagen die effektive Handhabung von Nebenprodukten und ermöglichen deren gewinnbringende Wiederverwendung.

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Herausforderungen in der Zuckerverarbeitung

  • Saisonale Produktionsschwankungen: Zucker wird häufig in konzentrierten Erntezeiten verarbeitet; die Anlagen müssen robust genug sein, um während dieser Spitzenzeiten hohe Produktionsmengen bewältigen zu können.
  • Erhalt der Produktintegrität: Der Schutz der Zuckerkristalle während der Verarbeitung und des Transports ist für die Produktqualität entscheidend.
  • Energieintensität: Effiziente Verdampfer, moderne Trockner und Wärmerückgewinnung sind notwendig, um Kosten und CO2‑Emissionen zu senken.
  • Nutzung der Nebenprodukte: Melasse, Bagasse und Schnitzel müssen wirtschaftlich genutzt werden, um den Rohstoffwert voll auszuschöpfen.

Tabelle: Vergleich der Kerndaten Zuckerrohr vs. Zuckerrübe

Merkmal Zuckerrohr Zuckerrübe
Herkunft/Klima Tropisch/subtropisch Gemäßigt
Hauptmethoden zur Saftgewinnung Pressung / Zerkleinerung Gegenstromextraktion mit heißem Wasser
Typische Zuckerkonzentration im Rohstoff 12-16 % löslicher Zucker ca. 17-20 % Zucker (in der Wurzel)
Wesentliche Nebenprodukte Bagasse (Brennstoff), Melasse Schnitzel (Tierfutter), Carbokalk (Dünger), Melasse
Saison je nach Region, oft ganzjährig/mehrere Ernten verarbeitungszeitraum Herbst/Winter (Kampagne)

Qualitätssicherung und technische Betreuung

Die Tätigkeiten im technologischen Bereich umfassen technische Unterstützung und Innovation, Engineering, Prozesssteuerung/Automatisierung, Analytik, Qualitätssicherung und Fehlersuche in allen Bereichen der Zuckerherstellung (vom Feld bis zum Endprodukt) sowie Schulungen und Trainings für Mitarbeitende. Hier werden nicht nur Produkte aus Zucker entwickelt, hier werden sie auch angepasst und verbessert.

Ausblick: Modernisierung und Wettbewerbsfähigkeit

Die Investition in moderne, effiziente Anlagen ist der erste Schritt zu höherer Produktivität, geringeren Kosten und gleichbleibend hoher Produktqualität in der Zuckerverarbeitung. Durch kontinuierliche Modernisierung der Anlagen, Energieeinsparung und die optimale Verwertung sämtlicher Rohstoffbestandteile lässt sich der ökonomische und ökologische Wert der Zuckerproduktion maximieren.

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