Zimt und Honig: Wirkung auf den Cholesterinspiegel – was wissenschaftliche Studien zeigen

Zimt ist mehr als ein duftendes Gewürz: Als Heilmittel soll er unter anderem den Blutzuckerspiegel senken, entzündungshemmend und verdauungsfördernd wirken. Honig besteht zu knapp 80 Prozent aus Zucker, und zwar zu rund 38 Prozent aus Fructose, zu 31 Prozent aus Glukose und zu 10 Prozent aus Mehrfachzucker.

Cholesterin, insbesondere das LDL-Cholesterin, begünstigt arteriosklerotische Veränderungen in den Blutgefäßen und damit zusammenhängende Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weiß der Gesellschaftssprecher Sven-David Müller-Nothmann. Ein erhöhter Cholesterinspiegel stellt den größten Risikofaktor für koronare Herzerkrankungen dar.

Infografik: LDL, HDL und Triglyzeride - Mechanismen und Risikofaktoren

Zimt und Cholesterin: Ergebnisse klinischer Studien

Zimt senkt das gefährliche LDL-Cholesterin bei Typ-2-Diabetikern deutlich, das belegt eine jüngst in der renommierten Zeitschrift Diabetes Care erschienene Studie, berichtet heute Diplom Oecotrophologin Claudia Reimers von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. Die von amerikanischen und pakistanischen Wissenschaftlern durchgeführte Zimt-Studie zeigt, dass der LDL-Cholesterin-Spiegel von Typ-2-Diabetikern um 7 bis 27 Prozent und der Triglyceridspiegel um 23 bis 30 Prozent sank.

An dieser randomisierten placebokontrollierten doppelblinden Studie nahmen 60 Typ-2-Diabetiker mit einem Durchschnittsalter von 52 Jahren teil, die in sechs Gruppen eingeteilt wurden. 30 Probanden erhielten 40 Tage lang ein, drei oder sechs Gramm Zimt in Kapselform, die anderen 30 Probanden erhielten ein Placebo. Die Wissenschaftler stellten außerdem eine positive Wirkung auf den Blutzuckerspiegel der Probanden fest.

Die Forscher beobachteten die positiven Effekte von Zimt erst ab einer Einnahme von einem bis hin zu sechs Gramm täglich, das entspricht ungefähr einem bis drei Teelöffeln. Eine regelmäßige jahrelange Einnahme von größeren Zimtmengen in dieser Größenordnung ist jedoch kaum durchführbar.

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Meta-Analysen und kontroverse Evidenz

Eine kürzlich erschienene Umbrella-Analyse legt nahe, dass Zimt-Konsum tatsächlich sowohl das LDL- als auch das Gesamtcholesterin senken kann (1). Die Einnahme von Zimt führte zu einer Verringerung des LDL von 0,82 mg/dL und des Gesamtcholesterins um -1,01 mg/dL (95-%-Konfidenzintervall: −1,57, bis −0,07, p = 0,032 beziehungsweise −2,02 bis −0,00, p = 0,049).

„Im Hinblick auf die hohe Patientenzahl ist die statistische Signifikanz schwach“, sagt der Leiter der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig, Prof. Dr. med. Ulrich Laufs. Der Experte hält die Studie für methodisch schwach und die gezeigte LDL-Senkung für nur sehr gering. „Für einen einzelnen Patienten liegt der Effekt unterhalb der physiologischen Schwankung und unterhalb der analytischen Messgenauigkeit“, erklärt Laufs.

Der fehlende Effekt bestätige sich auch in der randomisierten SPORT-Studie (2). Hier hatten die 190 Teilnehmenden entweder 5 mg Rosuvastatin, ein Nahrungsergänzungsmittel, darunter auch Zimt, oder ein Placebo bekommen. Während Rosuvastatin LDL-C im Vergleich zum Placebo signifikant senken konnte, ließ sich durch Zimt und andere Nahrungsergänzungsmittel kein Effekt erzielen.

Erklärvideo: Warum Studien zu Zimt unterschiedliche Effekte auf LDL zeigen

Honig und Lipidprofil: systematische Evidenz und Honigsorten

Jetzt ist eine Auswertung von über 18 Studien mit über 1.100 Teilnehmern erschienen, in der dem natürlichen Süßungsmittel unter anderem eine positive Wirkung auf den Blutzucker und die Cholesterinwerte zugeschrieben wird. Der Nüchternblutzucker sank, ebenso die Triglyzeridwerte, das Gesamtcholesterin und das LDL-Cholesterin. Die Werte für das „gesunde“ HDL-Cholesterin hingegen stiegen deutlich an.

Die Effekte von Honigverzehr auf kardiometabolische Risikofaktoren wurde mittels systematischer Überprüfung und Metaanalyse kontrollierter Studien unter Verwendung des GRADE-Ansatzes (Grading of Recommendations, Assessment, Development, and Evaluation) bewertet. Insgesamt wurden 18 kontrollierte Studien (33 Studienvergleiche, n=1.105 Teilnehmer) eingeschlossen. Deren Analyse zeigte: Der Verzehr von Honig reduziert insgesamt den Nüchternglukosewert, das Gesamtcholesterin, das LDL-Cholesterin, die Nüchtern-Triglyceride und die Alanin-Aminotransferase und erhöht die HDL-Cholesterinwerte. Bis auf die mit hoher Evidenzsicherheit belegte HDL-Erhöhung gab es bei den anderen metabolischen Parametern nur eine schwache Evidenzsicherheit für die Effekte des Honigkonsums.

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Ein achtwöchiger Verzehr von je 40 Gramm (1,5 bis 2 Esslöffel) Honig pro Tag zeigte je nach Honigsorte mehrfache positive Auswirkungen. Kleehonig und Rohhonig haben einen günstigen Einfluss auf den Blutzuckerwert. Kleehonig und Robinienhonig beeinflussten die Cholesterinwerte und Triglyzeride positiv.

„Honig, insbesondere Robinien-, Klee- und unverarbeiteter Rohhonig, können die Blutzuckerkontrolle und die Lipidwerte verbessern, wenn er im Rahmen einer gesunden Ernährung konsumiert wird“, folgern die Autoren der Studie. Unter Rohhonig versteht man reinen, naturbelassenen, unverarbeiteten Honig, der nicht erhitzt oder gefiltert wurde.

Widersprüchliche Einzelstudie mit hoher Dosis

Jeder Studienteilnehmer verzehrte 14 Tage lang 75 g Honig oder 75 g eine honigähnlichen Zuckerlösung aus Glukose und Fruktose als Plazebo. Der zusätzliche Verzehr von Honig führte nicht zu einer Reduktion des Gesamtcholesterinspiegels.

Honig führte genauso signifikant zu einem Abfall des HDL - Spiegels, wie der Verzehr von Zucker. Weiterhin führte Honig zu einem ebenso signifikanten Anstieg des LDL - Spiegels, wie der Verzehr von Zucker. Folgerichtig kommt es auch in beiden Gruppen zu einem signifikanten Anstieg des Quotienten LDL / HDL.

Im Hinblick auf die ursprüngliche Fragestellung, ob sich der Verzehr von Honig günstiger auf die Blutfettwerte auswirkt, als der Konsum einer Honig analogen Zuckermischung konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. Lediglich in der Untergruppe der weiblichen Hypercholesterinämiepatienten war der Anstieg des LDL - Spiegels durch Honigverzehr deutlich geringer als der Anstieg durch den Verzehr der gleichen Menge Zucker.

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Diagramm: Vergleich Meta-Analyse Honig vs. Kurzzeit-Studie mit 75 g/Tag

Zimt: Wirkmechanismen, Dosierung und Sicherheit

Zimt regt nachweislich den Appetit an, fördert die Darmtätigkeit und beeinflusst die Zusammensetzung der Darmflora positiv. Diese wirken besonders im Verdauungstrakt und verzögern die Magen-Entleerung leicht, was dafür sorgt, dass der Blutzuckerspiegel nicht so stark ansteigt.

In wissenschaftlichen Studien zeigte Zimt vielversprechende Effekte bei Diabetes-Typ 2, jedoch waren die Ergebnisse bislang nicht eindeutig. Eine aktuelle Metastudie aus 2024 hat nun 24 klinische Studien ausgewertet. Sie belegen, dass Zimt den Nüchternblutzucker, die Insulinresistenz und auch das HbA1C (Langzeitblutzuckerwert) signifikant senkt.

Problematisch im Zimt ist der Aromastoff Cumarin. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt daher eine Höchstmenge von 0,1 Milligramm Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Der teurere Ceylon-Zimt enthält hingegen kaum Cumarin.

Erwachsene sollten nicht mehr als zwei Gramm Zimt am Tag zu sich nehmen, dies entspricht etwa einem gestrichenen Teelöffel. Für Kinder sind schon geringe Mengen schädlich: Bei einem Kleinkind mit einem Gewicht von 15 Kilo ist die tägliche Höchstmenge bereits bei 0,5 Gramm erreicht.

Der wässrige Zimtextrakt ist gut verträglich, denn das ätherische Öl des Zimtes, welches Allergien auslösen oder zu Unverträglichkeiten führen kann, ist darin nicht mehr vorhanden. Das blutfett- und blutzuckersenkende MHCP liegt dagegen in hoher Konzentration vor.

Praxisrelevante Dosierungen aus Studien

  • Die Forscher beobachteten die positiven Effekte von Zimt erst ab einer Einnahme von einem bis hin zu sechs Gramm täglich, das entspricht ungefähr einem bis drei Teelöffeln.
  • Eine regelmäßige jahrelange Einnahme von größeren Zimtmengen in dieser Größenordnung ist jedoch kaum durchführbar.
  • Zur LDL-C Senkung kann Zimt also leider nicht empfohlen werden.

Honig: Zusammensetzung, Sortenwahl und Studiendetails

Naturbelassener Honig kann mit einer Reihe von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen aufwarten - besteht aber auch zu rund 80 Prozent aus Zucker (Fruktose und Glukose), der Rest ist Wasser. Es gilt als erwiesen, dass naturbelassener Honig zahlreiche wertvolle Nährstoffe enthält und deshalb industriellen Süßungsmitteln zu bevorzugen ist.

Die gewöhnlichen Produkte im Handel bestehen zumeist aus Anteilen verschiedener Blüten sowie „Honigtau“: eine zuckerhaltige Ausscheidungen verschiedener Insekten. Besonders zu empfehlen sind den Studienautoren zufolge aber reine Honigsorten, also solche, die aus dem Nektar einer einzigen Pflanzenart gewonnen werden: etwa Akazien-, Robinien-, Lavendel- oder Lindenhonig.

Kleehonig, Robinienhonig und Rohhonig. Unter Rohhonig versteht man reinen, naturbelassenen, unverarbeiteten Honig, der nicht erhitzt oder gefiltert wurde. Kleehonig und Robinienhonig beeinflussten die Cholesterinwerte und Triglyzeride positiv.

Ein achtwöchiger Verzehr von je 40 Gramm (1,5 bis 2 Esslöffel) Honig pro Tag zeigte je nach Honigsorte mehrfache positive Auswirkungen. Der Nüchternblutzucker sank, ebenso die Triglyzeridwerte, das Gesamtcholesterin und das LDL-Cholesterin. Die Werte für das „gesunde“ HDL-Cholesterin hingegen stiegen deutlich an.

Kanadische Studie: Blutzucker und LDL/HDL

Das wollen Forscher aus Kanada in einer Studie aus dem Jahr 2022 herausgefunden haben. Dies gilt als vorteilhaft - ein tendenziell hoher Nüchternblutzucker dagegen kann auf eine Diabeteserkrankung oder deren Vorstufe hinweisen.

In der kanadischen Studie zeigte sich überdies, dass der Verzehr von Honig dabei helfen könnte, die „schlechten“ Cholesterinwerte zu senken. Gleichzeitig soll regelmäßiges Konsumieren von Honig das „gute“ Cholesterin erhöhen, so die Forscher. „Die aktuellen Ergebnisse würden jedoch zeigen, dass dies nicht der Fall sei.“

Die Forscher räumen ein, dass es sich bei den Studienteilnehmern um Personen gehandelt habe, die einen insgesamt gesundheitsbewussten Lebensstil pflegten. Generell sei das Lebensmittel kein Allheilmittel, und dies ohnehin nicht die Botschaft der Studie, resümieren die Autoren.

Karte und Sortenübersicht: Ceylon-Zimt, Cassia-Zimt, Akazien-/Robinienhonig

Kombination Zimt und Honig: Nutzen, Anwendungen, Einschränkungen

Als ein wahrer Alleskönner gilt die Kombination aus Zimt und Honig. Zimt und Honig sind einzeln schon sehr gesund und weisen viele Vorteile auf. Auch auf viele Krankheiten soll sich laut wissenschaftlichen Studien die Kombination aus Zimt und Honig positiv auswirken.

So wirkt sich Zimt und Honig förderlich auf den Stoffwechsel aus und kann unterstützend bei der Gewichtsabnahme wirken. Die Kombination schmeckt nicht nur gut, sondern hat auch bei äußerlicher Anwendung viele Vorteile.

Wer Zimt und Honig in Kombination pur nicht mag, kann beides auch in Wasser auflösen. Dieses Zimt Honig Wasser eignet sich gut zum Trinken.

Als Besonderheit kann so ein Cremehonig auch mit Zimt versetzt werden. Viele Imker bieten bereits Cremehonig an.

Sicherheit: Cumarin, Dosis und Zielgruppen

Deshalb sollte man Cassia-Zimt, der viel Cumarin enthält, nicht in großen Mengen verwenden. Im Ceylonzimt steckt weniger Cumarin, weshalb das BfR bei großen Verbrauchsmengen eher zu dieser Sorte rät.

Besonders der Cassia-Zimt weist einen hohen Cumaringehalt auf, was bei übermäßigem Verzehr zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Schwangere und stillende Frauen sollten den Konsum von Zimt, besonders in hohen Mengen, vermeiden oder mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt abklären.

Eltern sollten also bei der Verwendung von Zimt in der Ernährung ihrer Kinder vorsichtig sein. Ein Kind mit 15 Kilogramm Körpergewicht sollte nicht mehr als etwa 1,5 Milligramm (mg) Cumarin aufnehmen.

Vergleichende Übersicht wichtiger Studienergebnisse

InterventionDesignDauerTeilnehmerEffekt auf LDL/HDL
Zimt (1-6 g/Tag)doppelblind, RCT40 Tagen=60, T2DLDL −7% bis −27%, TG −23% bis −30%
Honig (40 g/Tag)Meta-Analyse≥1 Wochen=1.105LDL ↓, HDL ↑, Evidenz für HDL hoch
Honig (75 g/Tag)doppelblind, RCT14 Tagen=60, Hyperchol.LDL ↑, HDL ↓, ähnlich wie Zucker
Zimt (NEM)SPORT RCT-n=190kein Effekt vs. Placebo; Statin senkt LDL

Praktische Hinweise für den Alltag

  • Zimt ist Bestandteil einer gesunden Ernährung: Er wird aufgrund seiner blutzuckersenkenden Wirkung zum Frühstück empfohlen.
  • Ein Beispiel für ein gesundes Frühstück ist Quark mit Beeren-Obst und Walnüssen, darüber Zimt gestreut.
  • „Honig, insbesondere Robinien-, Klee- und unverarbeiteter Rohhonig, können die Blutzuckerkontrolle und die Lipidwerte verbessern, wenn er im Rahmen einer gesunden Ernährung konsumiert wird“.
  • Wer also etwa aufgrund gesundheitlicher Vorbelastungen Zucker im Allgemeinen meide, solle nun nicht anfangen, zusätzlichen Honig zu sich zu nehmen.

Quelle: Alam Khan MS et al.: Cinnamon improves glucose and lipids of people with type 2 diabetes.

Ahmed A et al.; Nutr Rev.

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