Wundheilung mit Zucker: Anwendung und Wirksamkeit
Einführung
Die Wundheilung ist ein komplexer Prozess, der in verschiedenen Phasen abläuft und von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird. Seit langem sind alternative Behandlungsmethoden im Gespräch, darunter auch die Anwendung von Zucker zur Wundheilung. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Zucker in der Wundbehandlung, ihre Wirkungsweise, geeignete Wundtypen sowie Vor- und Nachteile.
Der Fall Bamekow: Eine Fallstudie
Eine junge Hausärztin schildert den Fall von Herrn Bamekow, einem 73-jährigen Pflegefall mit einem tiefen Dekubitus (Druckgeschwür) im Kreuzbeinbereich. Der Dekubitus hatte eine Ausdehnung von etwa 16,8 mal 8,6 Zentimetern und war mit schmierigen, foetiden Granulationen bedeckt. Zusätzlich litt Herr Bamekow unter Stuhlinkontinenz, was die Situation erschwerte.
Die Ärztin entschied sich zu einem Behandlungsversuch mit einer ungewöhnlichen Methode. Täglich spülte sie die Wunde mit einer konzentrierten Salzlösung und bestreute sie anschließend mit normalem Haushaltszucker. Im Wechsel dazu legte sie mit Kochsalzlösung getränkte sterile Kompressen auf.
Begleitend führte sie aufmunternde Gespräche mit dem Patienten, machte Bewegungsübungen und leitete die Pflegepersonen an. Mit der Zeit wurde Herr Bamekow zugänglicher, mobiler und geistig regsamer. Auch die Schließmuskelfunktion verbesserte sich.
Nach etwa einem Jahr war der Dekubitus fast vollständig verheilt. Herr Bamekow konnte wieder Spaziergänge machen und zog später mit seiner Familie in eine neue Wohnung. Er starb elf Jahre nach der ersten Begegnung mit der Ärztin an einer Virus-Pneumonie.
Lesen Sie auch: Fanta Lemon Zucker: Was Sie wissen sollten
Diese Fallstudie zeigt, dass die Wundbehandlung mit Zucker in bestimmten Fällen erfolgreich sein kann.
Die Phasen der Wundheilung
Die Wundheilung erfolgt in mehreren Phasen, die sich zum Teil überlappen:
- Gerinnungsphase: Blut und Gewebeflüssigkeit treten aus der Wunde und schwemmen Keime aus. Das Blut gerinnt und bildet einen schützenden Wundschorf.
- Entzündungsphase: Zellen des Immunsystems wandern in die Wunde ein, reinigen sie und stimulieren die Wundheilung.
- Reparaturphase: Neues Gewebe bildet sich, das die Wunde auffüllt und den Wundschorf ersetzt. Die Wunde zieht sich zusammen und wird kleiner.
- Wiederaufbauphase: Die Wunde verschließt sich von den Rändern aus durch neue Hautzellen. Bei tiefen Wunden bildet sich eine Narbe.
Wie Zucker die Wundheilung beeinflusst
Zucker kann verschiedene Vorgänge im Gewebe auslösen, die die Wundheilung positiv beeinflussen können:
- Entzug von Wasser: Zucker zieht Wasser aus dem Gewebe, was zu einer Minderung der Schwellung und zum Rückgang von Flüssigkeitsansammlungen (Ödemen) führt. Da auch Bakterien Wasser entzogen wird, kann die Keimzahl in der Wunde reduziert werden.
- Antibakterielle Wirkung: Zucker kann Bakterien unschädlich machen, auch solche, die gegen Antibiotika resistent sind.
- Geruchsreduktion: Durch die Reduktion von Keimen kann unangenehmer Geruch von Wunden vermindert oder beseitigt werden.
- Feuchthaltung: Auf der Wunde verflüssigt sich der Zucker und hält die Wunde feucht, was die Heilung unterstützt.
- Reinigung: Zucker hilft, Wundbeläge zu lösen und die Wunde zu reinigen.
- Förderung der Neubildung von Blutgefäßen: Die Wundbehandlung mit Zucker fördert die Neubildung von kleinen Blutgefäßen (Kapillaren) im Wundgebiet.
- Bildung von Granulationsgewebe: Zucker auf der Wunde unterstützt die Bildung von Granulationsgewebe, das für den Verschluss der Wunde benötigt wird.
Für welche Wunden ist eine Behandlung mit Zucker geeignet?
Vor allem infizierte, schlecht heilende und übelriechende Wunden kommen für die Behandlung mit Zucker in Frage. Dazu gehören beispielsweise:
- Dekubitus (Wundliegen)
- Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris)
Medizinische Produkte auf Zuckerbasis
Es gibt verschiedene medizinische Produkte auf Zuckerbasis zur Wundbehandlung, wie z. B.:
Lesen Sie auch: Inhaltsstoffe und Nachhaltigkeit von zuckerfreiem Chocomel
- Iodpovidon-Zuckersalbe
- Zuckerpasten
Diese Produkte werden unter aseptischen (keimfreien) Bedingungen hergestellt und sind daher für die Anwendung auf Wunden geeignet.
Worauf ist bei der Anwendung von Zucker zu achten?
Die Anwendung von Zucker oder zuckerhaltigen Präparaten sollte immer mit einem Arzt abgesprochen werden. Von einer Eigenbehandlung wird abgeraten.
Besondere Vorsicht ist geboten bei:
- Diabetikern (Zuckerkranken)
- Menschen mit Überempfindlichkeiten oder Allergien gegen Iod
In diesen Fällen sollten Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen werden.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Behandlung mit Zuckerpaste in der Wunde schmerzhaft sein kann.
Lesen Sie auch: Osterhasen-Kekse ohne Zucker
Alternativen zur Wundbehandlung mit Zucker
Neben Zucker gibt es auch andere Möglichkeiten, die Wundheilung zu fördern:
- Honig: Honig kann aufgrund bestimmter Inhaltsstoffe eine noch höhere Wirkung als Zucker haben. Es sollte jedoch spezieller medizinischer Honig verwendet werden.
- Moderne Wundversorgung: Moderne Wundprodukte wie Schaumstoffwundauflagen, Alginatkompressen, Hydrokolloidverbände und silikonisierte, nicht haftende Wunddistanzgitter gewährleisten ein ideales, feuchtwarmes Milieu in der Wunde und ermöglichen längere Tragezeiten.
- BepanGel® Wundgel: Dieses Gel kann bei offenen, kleinen und oberflächlichen Wunden angewendet werden.
- Bepanthen® Schaumspray: Dieses Spray kann bei leichten Verbrennungen zur Wundheilung eingesetzt werden.
- Hausmittel: Nach dem Verschließen oberflächlicher Wunden können Hausmittel wie Zinksalbe, Vaseline, Kokosöl, Honig oder Präparate mit Aloe Vera die Regeneration und Wundheilung der Haut unterstützen.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Energie, Proteinen, Vitaminen (A, C, E) und Mineralstoffen (Eisen, Zink, Selen, Kupfer) kann die Wundheilung unterstützen.
Was man bei schlechter Wundheilung vermeiden sollte
- Alkohol und übermäßiger Zuckerkonsum: Diese können die Wundheilung beeinträchtigen.
- Entzündungshemmende Medikamente (Ibuprofen, Diclofenac): Diese Medikamente können die erste Entzündungsphase stören.
- Hausmittel wie Zucker und Mehl bei offenen Wunden: Diese können die Wunde verunreinigen.
- Meerwasser: Es ist nicht steril und kann Bakterien enthalten, die zu einer Wundinfektion führen können.
- Leitungswasser: Es ist nicht steril und sollte nur im Notfall zur Wundspülung verwendet werden.
Primäre und sekundäre Wundheilung
Es gibt zwei Arten der Wundheilung:
- Primäre Wundheilung: Bei unkomplizierten Wunden mit glatten Wundrändern, die aneinander liegen (z. B. nach einer Operation), erfolgt die Heilung schnell und problemlos. Die Narbe ist in der Regel dünn und kaum sichtbar.
- Sekundäre Wundheilung: Bei großen, klaffenden oder infizierten Wunden ist eine primäre Wundheilung oft nicht möglich. Der Wundspalt muss durch viel neues Gewebe aufgefüllt werden, was die Heilungsdauer verlängert und eine größere Narbe hinterlässt.
Symptome schlechter Wundheilung
- Verlängerte Heilungsdauer
- Ausbleiben eines stabilen Wundverschlusses
- Wunde reißt leicht wieder auf
- Wunde nässt länger als normal
- Anhaltende Schmerzen
- Blasse und kalte Wunde
- Gefühlsstörungen
- Absterben von Gewebe (braune oder schwarze Verfärbung)
- Rötung, Schwellung, Überwärmung und Schmerzen (Entzündung)
- Eiterbildung und unangenehmer Geruch (Wundinfektion)
- Deutliche Schwellung der Wundregion
- Unschöne Narbenbildung
- Dunkle Flecken mit verstärkter Pigmentierung
Ursachen schlechter Wundheilung
- Große, unregelmäßige oder schwere Wunden
- Anhaltende mechanische Belastung der Wunde
- Infektionen oder chronische Entzündungen
- Gestörte Durchblutung
- Geschwächtes Immunsystem
- Mangel an Nährstoffen, Vitaminen oder Mineralien
Wundheilungsstörungen
Neben der schlechten Wundheilung gibt es auch andere Wundheilungsstörungen:
- Entzündungen und Wundinfektionen
- Ergüsse von Blut (Hämatom) oder Gewebeflüssigkeit (Serom)
- Erneutes Aufreißen der Wunde
- Absterben von Gewebe (Nekrose)
- Entwicklung abnormer Narben (hypertrophe Narben oder Keloide)
tags: #Wundheilung #mit #Zucker #Anwendung