Durchschnittlicher Zuckerkonsum pro Kopf in Deutschland: Statistik, Quellen und gesundheitliche Folgen
Ungeachtet der Debatte über die gesundheitlichen Folgen nehmen die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland weiter erhebliche Mengen Zucker zu sich. Zucker ist ein fester Bestandteil in unserer Ernährung, ein übermäßiger Konsum kann jedoch ein Risiko für unsere Gesundheit darstellen.
Aktuelle Zahlen zum Pro-Kopf-Verbrauch
Durchschnittlich 33 Kilogramm Zucker konsumiert jeder Mensch in Deutschland laut Daten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) - das entspricht etwa 30 Stück Würfelzucker (à drei Gramm) pro Tag. Insgesamt lag der Zuckerverbrauch nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) zuletzt bei 33,2 Kilo Zucker pro Kopf und Jahr. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker stieg gegenüber dem Vorjahr um 2,1 Kilogramm auf 33,2 Kilogramm.
Zugleich wies das Bundesamt darauf hin, dass der jährliche Zuckerverbrauch pro Kopf im Jahr 2023 in Deutschland bei 41,2 Kilogramm gelegen habe - rechnerisch jeden Tag 38 Stück Würfelzucker. Im weltweiten Durchschnitt habe die Verbrauchsmenge von Zucker nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO hingegen bei 24 Stück Würfelzucker pro Kopf gelegen, führte das Bundesamt aus.
Als Zusatz in vielen Lebensmittel oder Getränken wird Zucker als beliebter Geschmacksverstärker in der Ernährungsindustrie eingesetzt. Ein Großteil des Zuckerbedarfs wird von vielen Konsumenten daher „unbewusst“ gedeckt. Die tatsächliche verzehrte Menge an Zucker pro Kopf liegt unterhalb der Versorgungs- bzw. Verbrauchsmenge. Die Versorgung (bzw. der Verbrauch) umfasst auch Mengen, die nicht verzehrt werden, wie zum Beispiel Flüssigkeiten aus Konserven, die zur besseren Haltbarkeit Zucker enthalten.
Quellen des Zuckerkonsums: Getränke, Süßwaren und Industrie
In Deutschland nehmen die Menschen besonders viel Zucker über Getränke zu sich: Fast 26 Gramm pro Kopf und Tag. Damit liegt Deutschland auf Platz eins unter den zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Ländern. Die Deutschen trinken sogar mehr Zucker als sie über Süßwaren zu sich nehmen (20 Gramm). Das zeigen Euromonitor-Daten, die foodwatch ausgewertet hat.
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Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 32 Litern pro Jahr gehört Deutschland auch zu den EU-Spitzenreitern beim Konsum von Fruchtsäften. Entsprechend gingen bei der Analyse durch das Marktforschungsinstitut Euromonitor im Schnitt 23 Gramm Zucker pro Kopf und Tag auf das Konto von Softdrinks. Zuckergetränke sind einer der größten Risikofaktoren für Adipositas und Typ-2-Diabetes.
Von den fast 6.000 Befragten sagen 51 Prozent, dass sie regelmäßig Süßigkeiten und Schokolade konsumieren. Süßigkeiten wie Schokolade und Bonbons brachten im vergangenem Jahr 7,9 Kilogramm auf die Zuckerwaage (22 Gramm pro Tag). Dagegen fallen Marmelade und Schokoladenaufstriche etwas ab.
Produktion und Verfügbarkeit von Zucker
Im Wirtschaftsjahr 2024/25 stellten die Zuckerfabriken in Deutschland 4,7 Millionen Tonnen Zucker her und damit fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Grund für die gestiegene Herstellungsmenge war eine deutlich höhere Erntemenge an Zuckerrüben, die 2024/25 rund 36,7 Millionen Tonnen betrug. Das waren gut fünf Millionen Tonnen mehr als ein Jahr zuvor.
Die Menge an Zucker, die für die inländische Verwendung zur Verfügung stand, betrug im Wirtschaftsjahr 2024/25 rund 3,1 Millionen Tonnen. Davon wurden im Berichtsjahr 90 Prozent für Nahrungszwecke verwendet. Im Vorjahr waren es 93 Prozent. Für Zucker gilt das Wirtschaftsjahr 1. Oktober 2024 bis 30. September 2025.
Die Zuckerverwendung in der Industrie ist ebenfalls gestiegen: 267.000 Tonnen Zucker (+53 Prozent) flossen in die Energieherstellung, zum Beispiel von Bio-Ethanol, und in die chemische Industrie.
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Internationale Vergleiche und WHO‑Empfehlungen
Im weltweiten Durchschnitt habe die Verbrauchsmenge von Zucker nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO hingegen bei 24 Stück Würfelzucker pro Kopf gelegen. Höher als in Deutschland war die Zuckermenge unter anderem in den USA (63,0 Kilogramm im Jahr bzw. 57 Stück Würfelzucker pro Tag).
Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt für eine gesunde Ernährung weniger als 10 % der Gesamtenergiezufuhr aus freien Zuckern zu decken, was bei einer Person mit gesundem Körpergewicht, die täglich etwa 2000 Kalorien zu sich nimmt, einer Tagesration von 50 Gramm Zucker entspricht (rund 17 Stück Würfelzucker). Die WHO empfiehlt eine tägliche Zuckeraufnahme von rund 25 Gramm Haushaltszucker.
Politik, Steuerdiskussion und Maßnahmen zur Reduktion
Um den hohen Zuckerkonsum zu begrenzen, haben viele Staaten eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke eingeführt. Eine Steuer auf Zucker, um den hohen Konsum zu begrenzen, habe es laut WHO im Jahr 2024 weltweit in 116 Staaten gegeben, erklärte das Bundesamt zudem. Zu diesen Ländern zählen demnach beispielsweise Frankreich, Polen, Großbritannien, Saudi-Arabien, Brasilien, Indien und Südafrika.
In Deutschland gibt es dagegen keine derartige Steuer. Wie die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) heute berichteten, spricht sich allerdings eine Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher für eine Abgabe auf stark gesüßte Getränke aus. Dies ergab demnach eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherorganisation Foodwatch, der zufolge 60 Prozent der Befragten es befürworten, wenn Hersteller eine gestaffelte Steuer je nach Höhe des Zuckergehalts zahlen müssten. 38 Prozent lehnen das ab.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatte Ende letzten Jahres eine Gesetzesinitiative für eine bundesweite Zuckersteuer angekündigt. Vor dem CDU-Bundesparteitag forderte die Verbraucherorganisation die CDU auf, eine Zuckersteuer nicht länger zu blockieren. Bisher lehnt die CDU eine Limo-Abgabe ab.
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Foodwatch fordert seit Langem eine Zuckersteuer, genau wie etliche medizinische und wissenschaftliche Organisationen. Vorbild ist Großbritannien. Getränkeproduzenten zahlen dort seit 2018 eine Abgabe, gestaffelt nach dem Zuckergehalt. Seitdem ist der Zuckergehalt in Getränken um 35 Prozent gesunken. Der Vergleich mit Großbritannien zeige den Erfolg der dort 2018 eingeführten Softdrink-Steuer.
Gesundheitliche Folgen des hohen Zuckerkonsums
Hoher Zuckerkonsum wirke sich auf die Gesundheit aus und erhöhe das Risiko für Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erklärte das Bundesamt weiter. Nach WHO-Angaben seien 2022 in Deutschland knapp ein Viertel (24 Prozent) der Erwachsenen und acht Prozent der Kinder und Jugendlichen von Adipositas (Fettleibigkeit) betroffen gewesen.
Zucker hat viele Kalorien, aber wenig Sättigungseffekt. Dies kann zu Übergewicht und Adipositas führen. Ein hoher Zuckerkonsum kann die Insulinresistenz erhöhen. Zucker fördert die Bildung von Karies. Studien zeigen, dass ein hoher Zuckerkonsum das Risiko für Herzerkrankungen erhöht. Zuckergesüßte Getränke sind einer der größten Risikofaktoren für Adipositas und Typ-2-Diabetes. Sie erhöhen zudem das Risiko für Herzerkrankungen, Leberkrebs und Gicht. Besonders problematisch: Zuckergetränke liefern Kalorien, machen aber nicht satt.
In Deutschland leben rund 8,9 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes; etwa jeder vierte Erwachsene ist krankhaft übergewichtig. Allein Adipositas verursacht laut der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina jährlich etwa 113 Milliarden Euro Folgekosten in Deutschland.
Regionale Unterschiede in Europa
Hinter Zucker-Spitzenreiter Deutschland folgen Österreich mit knapp 23 Gramm pro Tag und die Niederlande (20 Gramm). Die Menschen in Südeuropa trinken am wenigsten Zucker über Getränke. Die zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Länder im Vergleich (Gramm Zucker pro Tag über Erfrischungsgetränke): Deutschland (25,7), Österreich (22,8), Niederlande (20,4), Schweden (17,5), Belgien (17,45), Großbritannien (16,1), Frankreich (14,7), Spanien (12,6), Portugal (9,8), Italien (9,5).
Österreich liegt bei der Zuckeraufnahme durch Softdrinks mit knapp 23 Gramm pro Tag gleichauf mit Deutschland. Dahinter folgen die Niederlande (22 Gramm), Belgien (18 Gramm) und Großbritannien (18 Gramm). Mit neun Gramm nehmen die Italiener und Portugiesen im Foodwatch-Ländervergleich am wenigsten Getränke-Zucker auf.
Herkunft des Zuckers und Marktbedingungen
Zucker wird vor allem aus Zuckerrohr und Zuckerrüben gewonnen. Das tropische Zuckerrohr ist die wichtigste Pflanze zur Zuckergewinnung. Bis heute zählen die südamerikanischen Zuckerrohrplantagen zu den größten Zuckerproduzenten weltweit. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ermöglichte der Chemiker Franz Carl Achard die Zuckergewinnung aus der gezüchteten Zuckerrübe, sodass die Zuckerherstellung auch in kühleren Klimazonen möglich wurde.
Insgesamt wurden laut FAO im Jahr 2024 weltweit auf rund 31,5 Millionen Hektar Zuckerpflanzen angebaut. Die wichtigsten Erzeugerländer für Zuckerrohr sind Brasilien, Indien, China, Pakistan und Thailand. Hauptanbauländer für Zuckerrüben sind die Russische Föderation, Deutschland, Frankreich, die Vereinigten Staaten und die Türkei. Der Weltmarktpreis für Zucker unterliegt Schwankungen, Angebot und Nachfrage werden durch eine Vielzahl von Faktoren wie zum Beispiel den Wetterbedingungen oder sich verändernden Konsumgewohnheiten beeinflusst.
| Indikator | Wert / Jahr |
|---|---|
| Pro-Kopf-Verbrauch Deutschland (BLE/BMEL) | 33,2 kg / Jahr |
| FAO Pro-Kopf-Versorgung Deutschland | 41,2 kg / Jahr (2023) |
| Empfehlung WHO | ~25-50 g pro Tag (je nach Indikator) |
| Erfrischungsgetränke Produktion 2024 | 7,7 Mrd. Liter (93 Liter pro Kopf) |
| Zuckerproduktion Deutschland 2024/25 | 4,7 Mio. Tonnen |
Was bedeutet das für Verbraucherinnen und Verbraucher?
Viele Menschen trinken dadurch enorm viel Zucker - sind sich dessen aber kaum bewusst. Besonders leicht lässt sich Zucker in Getränken konsumieren. Die WHO und zahlreiche Verbraucherorganisationen empfehlen Maßnahmen zur Reduktion, darunter Produktreformulierung, klare Kennzeichnung und fiskalische Maßnahmen wie eine gestaffelte Steuer auf stark gesüßte Getränke, um Hersteller zu Anreizen für zuckerärmere Produkte zu bewegen.
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