Wie bezeichneten die Azteken Kakao? Ursprung, Bezeichnung und Bedeutung von Kakao im aztekischen Reich

Der Kakaobaum (Theobroma cacao) wurde vor etwa 4000 Jahren in Mittelamerika kultiviert. Im Reich der Azteken galt er als wertvolle Pflanze und war als Gabe des Gottes Quetzalcoatl angesehen worden. Kakao spielte bei den Azteken - wie auch bei vielen anderen mesoamerikanischen Kulturen - eine bedeutende gesellschaftliche, rituelle und wirtschaftliche Rolle.

Azteken und Kakaobohnen - Symbolik und Rituale

Die Bezeichnung Kakao bei den Azteken und ihre Bedeutung

Bereits das Volk der Olmeken, das bis vor etwa 400 v. Chr. in Mittelamerika lebte, verwendete Kakaobohnen und prägte vermutlich schon das Wort „cacao“ - ausgesprochen „kakawa“. Die Azteken übernahmen diese Bezeichnung und wandelten sie ab: Sie nannten sowohl den Kakaobaum, die Bohnen als auch das Getränk „cacahuatl“, was so viel wie „Kakaowasser“ bedeutet.

Den Spaniern bereitete die Aussprache der Endung „atl“ übrigens Schwierigkeiten, weshalb sie das Wort später zu „chocolate“ abwandelten. Heute bezeichnet man die Pflanze des Kakaobaumes und seine Früchte im Allgemeinen im deutschen Sprachgebrauch vor der Verarbeitung als Kakao und nach der Verarbeitung als Schokolade.

Kakaobohnen und linguistische Entwicklung der Bezeichnung

Kakao als „Speise der Götter”

Carl von Linné orientierte sich bei der Benennung der Pflanze mit dem botanischen Namen „Theobroma cacao“ an diesen alten Bezeichnungen, denn Theobroma kommt aus dem Griechischen und entspricht in der Übersetzung dem, was die Azteken als „Speise der Götter“ betrachteten. Sie glaubten, dass Kakao ein Geschenk der Götter an die Menschheit sei.

Die flüssige Schokolade symbolisierte für sie auch das Blut, das menschliche Herz war in der Frucht zu sehen. Deshalb wurde cacahuatl zu einer häufigen Opfergabe für die zahlreichen Gottheiten der Azteken.

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Aztekische Kakaorituale und religiöse Symbolik

Das Getränk „cacahuatl“ - Herstellung und Konsum im Alltag und in Ritualen

Einst wurde Kakao ausschließlich zu rituellen Zwecken eingenommen und den Göttern dargebracht. Damals wurde er auch noch ohne Zucker und mit Wasser zubereitet. Das von den Maya als xocolatl bezeichnete Rezept gilt als historischer Vorläufer unserer Trinkschokolade.

Im Unterschied zu den Maya bevorzugten die Azteken es aber, die Schokolade kalt zu trinken. Das Getränk der Azteken war kalt, bitter und wurde mit Gewürzen wie Chili und Vanille zubereitet. Überall in Mittelamerika war die Zugabe von zerriebenem Chili sehr beliebt.

Einfachen Schokoladengetränken wurden gemahlener Mais und andere gemahlene Körner - etwa Samenkörner des Woll- oder Seidenbaumwollbaums - zugegeben. Neben Kakao enthielt xocolatl Vanille, Zimt, Pfeffer sowie regional unterschiedliche Gewürze. Das Getränk sollte eine aphrodisierende, stimmungsaufhellende bis berauschende Wirkung haben.

Die Zubereitung der Schokolade war im Wesentlichen identisch mit der Zubereitung bei den Maya. Sie mahlt den Kakao [die Bohnen]; sie zerstampft, bricht und zerkleinert sie zu Pulver. Sie sortiert sie aus, verliest und trennt sie. Sie durchtränkt sie, durchfeuchtet sie, weicht sie ein.

Zubereitung und Zutaten des aztekischen „cacahuatl“

Gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung: Kakao als Zahlungsmittel und Luxusgut

Kakaobohnen waren damals nicht nur als Nahrungsmittel, Stimulans oder Medizin von Bedeutung, sondern dienten auch und vor allem als Zahlungsmittel. Der Warenwert wurde mit bestimmten Mengen von Bohnen abgegolten: Ein Truthahn kostete etwa 200 Kakaobohnen, ein Hase 100 Bohnen, eine große Tomate eine einzige Bohne.

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Produkt Kakaobohnen
Truthahn 200
Hase/Kaninchen 100
Große Tomate 1

Die Schokolade blieb den Mitgliedern des Königshauses, dem Adel sowie Fernhandelskaufleuten und Kriegern vorbehalten. Vor allem Tributzahlungen von unterstellten Provinzen wurden in Kakaobohnen und Trinkgefäßen an die Hauptstadt geleistet. Die Handelsrouten, auf denen der Kakao in die mexikanische Hochebene transportiert wurde, wurden besonders bewacht.

Kakao als Zahlungsmittel bei den Azteken

Xocolatl: Das alte Kakaogetränk und seine Entwicklung

Dem aztekischen Begriff „cacahuatl“ verwandte sich die Bezeichnung „xocolatl“ an, die vor allem auf dem Einfluss der Maya basiert. Die Bedeutung von „xocolatl“ lässt sich aus den Wortbestandteilen „bitter“ und „Wasser“ (xococ - „bitter“, atl - „Wasser“) ableiten. Das von den Maya als xocolatl bezeichnete Rezept gilt als historischer Vorläufer unserer Trinkschokolade.

Aus Zeichnungen geht hervor, dass das Getränk schaumig gemacht wurde, indem die Flüssigkeit aus einer bestimmten Höhe gegossen wurde. Erst später, mit der Ankunft der spanischen Konquistadoren, begann man, Holzquirle (Molinillos) zu verwenden. Zur Zeit der Azteken wurde der Kakao meist kalt getrunken.

Zubereitung von xocolatl bei den Azteken

Rolle von Kakao in Riten und im sozialen Leben der Azteken

Die Azteken glaubten, dass Kakao ein Geschenk der Götter sei. Der Trank spielte eine wichtige Rolle bei Opferritualen und Zeremonien. Xocolatl wurde oft als Opfergabe an die zahlreichen Gottheiten gereicht. Vor Zeremonien wurde Gefangenen das Kakao-Getränk angeboten, um ihnen ihr Schicksal vergessen zu lassen.

Auch bei gesellschaftlichen Anlässen war „cacahuatl“ ein Symbol von Status und Macht. Herrscher Montezuma trank den kräftigen Trunk vor jeder Audienz und schätzte seine belebende Wirkung.

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Herrscher Montezuma und die Bedeutung des Kakaos

Die Azteken und die Weitergabe des Kakaos an die Europäer

Der erste Europäer, der Kakaobohnen kennenlernte, war Christoph Kolumbus im Jahre 1502. Er begegnete auf seiner Amerikareise einem Handelsschiff der Maya, auf dem Kakaobohnen transportiert wurden, erkannte aber ihre Bedeutung nicht. Erst nach der Eroberung Mexikos durch Hernán Cortés im Jahr 1521 schätzte man den Wert des Getränks. Cortés brachte die Kakaobohnen schließlich nach Spanien, wo das Getränk weiterentwickelt und bald populär wurde.

Das „Cacahuatl“-Getränk der Azteken war kalt, bitter und wurde mit Gewürzen wie Chili und Vanille zubereitet. Später süßten die Spanier die Masse mit Rohrzucker und etablierten die Trinkschokolade als elitäres Modegetränk in ganz Europa.

Kakao gelangt nach Europa - Die Reise der Bohne

Zusätzliche Zutaten und Rezepturen

Die Azteken verwendeten neben Chili und Vanille auch Achiote, verschiedene Blumen (getrocknet und gemahlen) und spezielle regionale Zutaten, beispielsweise:

  • Blütenblatt der „Cymbopetalum penduliflorum“
  • Blüten des „Chiranthodendron pentadactylon“
  • die „Magnolia mexicana“ und die „Magnolia dealbata“
  • Piment (Pimienta dioica), Sapotillkerne (Pouteria sapota)

Das Getränk wurde sorgfältig zubereitet und konnte, je nach Status, einfach (mit Mais und Körnern) oder sehr aufwendig und edel (mit teuren Gewürzen und Blumen) hergestellt werden.

Um den Schaum zu erzeugen, wurde der Kakao aus einer gewissen Höhe in ein zweites Gefäß gegossen. Die in der Literatur oft genannten Holzquirle zum Erzeugen des Schaums kamen erst nach der Eroberung durch die Spanier auf.

Zutatenvielfalt des aztekischen Kakaogetränks

Kakao als Medizin und Allheilmittel

Medizinisch wurde Kakao vor allem als Tonikum (Stärkungsmittel), Aphrodisiakum (lustanregendes Mittel) und wegen seiner harntreibenden Wirkung eingesetzt. Auch bei den Maya wurde die Kakaopflanze als Allheilmittel verwendet: gegen Durchfall, Masern und Geburtsschmerzen.

Kakaobohnen enthalten zahlreiche wertvolle Inhaltsstoffe wie Fette, Polyphenole (z. B. Flavonoide und Catechine), Theobromin, wenig Koffein, biogene Amine sowie zahlreiche Mineralien, darunter besonders Magnesium, Eisen, Kalium, Kalzium und Zink.

Studien bringen die Inhaltsstoffe des Kakao in Zusammenhang mit antidepressiven, stimmungsaufhellenden, aphrodisierenden, entzündungshemmenden und antioxidativen Wirkungen. Gerade die Kakaoschalen, die im Zuge des Herstellungsprozesses entfernt werden, verfügen offenbar über ein großes therapeutisches Potenzial.

Kakao als Heilpflanze in der Medizin der Azteken

Aztekische Kakaozubereitung zum Nachmachen

Wer die Tradition der Azteken erleben möchte, kann ein Kakaorezept ausprobieren, das den ursprünglichen Zubereitungsformen nahekommt:

  • 250 ml Wasser
  • 5 gehäufte Teelöffel Kakaopulver
  • 1-2 Teelöffel Zimt (Ceylon-Zimt)
  • 1-2 Messerspitzen Kardamom
  • 1 Messerspitze Nelke
  • 4-6 Teelöffel Honig
  • Das Innere einer halben Vanilleschote
  • Nach Geschmack 1 Messerspitze roten Chilipfeffer

Alle Zutaten im Wasser für ca. 5 Minuten kochen lassen - Vorsicht, es kocht leicht über! Die Aromen verbinden sich und entfalten eine wohlig-warme, entspannende bis erheiternde Wirkung.

Fazit: Die aztekische Bezeichnung und das Erbe des Kakaos

Die Azteken nannten Kakao und das daraus hergestellte Getränk „cacahuatl“ - Kakaowasser. Dieses Wort spiegelt bis heute die große kulturelle, gesellschaftliche und ökonomische Bedeutung des Kakaos in Mesoamerika wider. Sie verehrten ihn als göttliches Geschenk und nutzten ihn als Nahrungsmittel, Zahlungsmittel, Medizin und Genussmittel. Die Handelswege, religiösen Bräuche und komplexen Rezepturen der Azteken prägen die Geschichte des Kakaoanbaus und sein weltweites Erbe bis heute.

Kulturelles Erbe der Azteken und globale Bedeutung des Kakaos

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