Was bedeutet der Begriff "Waffel" bei einer Frau (umgangssprachlich)?

»Du hast ja einen an der Waffel!« - Diesen Satz bekommt man heutzutage häufig zu hören bzw. jede*r nutzt ihn selbst ganz gerne. Er bedeutet so viel wie nicht „ganz richtig im Kopf sein“ oder „nicht richtig ticken“. Wer einen an der Waffel hat, spinnt, ist nicht ganz sauber, hat einen Vogel oder eine Schraube locker. Dreht ein Mensch durch, hat man also viele Möglichkeiten, dies zu beschreiben.

Herkunft der Redewendung

Doch was hat das mit der Waffel zu tun? Das flache, süßliche Feingebäck spielt in der Bedeutung keine Rolle. Als Ursprung wird „die Bewegung der Kinnbacken und das dadurch hervorgerufene schmatzende Geräusch“ angegeben. Die Redensart einen an der Waffel haben hat sich somit wahrscheinlich aus der Bezeichnung für jemanden entwickelt, der undeutlich und schnell redet, die Wörter vielleicht durcheinander wirft, schwätzt, schwafelt und Unsinn verteilt. Es wird vermutet, dass sich diese Bezeichnung für jene Menschen entwickelte, die sehr schnell und undeutlich sprachen, die Wörter durcheinander warfen und demzufolge Unsinn erzählten. Daraus entstand schließlich die Bedeutung „nicht ganz richtig im Kopf sein“.

Waffeleisen und sprechender Mund als Illustration

Sprachgeschichtliche Belege

Im »Deutschen Wörterbuch« der Brüder Grimm (Leipzig 1854 ff.) wird Waffel (›1. groszer mund mit herabhängenden lippen‹) auf das Verb waffeln zurückgeführt, das eine Weiterbildung des lautmalerischen Wortes waffen darstellt. Waffeln/waffen bedeutet so viel wie ›schwätzen, Unsinn erzählen‹. Die Brüder Grimm geben als Ursprung »die bewegung der kinnbacken und das dadurch hervorgerufene schmatzende geräusch« an. Vergleichend nennen sie Bildungen wie stammeln, lispeln, mummeln.

Noch heute ist der Ausdruck Waffel in verschiedenen, besonders ober- und mitteldeutschen Dialekten für den ›Mund‹ gebräuchlich. Ein in ober- und mitteldeutschen Mundarten und in der älteren Litteratur verbreitetes Wort, das wol zunächst auf das Verbum waffeln (s. d.) zurückgeht, das seinerseits eine Weiterbildung von dem onomatopoetischen waffen ist. Groszer mund mit herabhängenden lippen: wafflen, eine grosse goscha, ein triel, bucca. Waffel, gosche, schnautze.

Belege aus Dialekten und älterer Literatur

  • In den heutigen Mundarten lebt das Wort in Baiern (Schmeller) und in Tirol (Schöpf), in Nürnberg, Unterfranken, Schwaben und der Schweiz (Seiler).
  • In Basel und Elsasz bezeichnet es den Mund eines schwatzhaften Menschen; in Mitteldeutschland scheint das Wort sonst wenig bekannt zu sein.
  • In einigen Regionen wurde das Verb waffeln weiter gebraucht, z. B. in Hessen, Nassau und dem Westerwald.
  • Aus dem Schlesischen bringt Bernd die waffeln 'Zähne'.

In der Literatur tritt das Wort zuerst bei Keisersberg auf und ist dann in der Volksdichtung des 16. Jahrhunderts als derber Ausdruck recht beliebt; es verschwindet am Anfang des 17. Jahrhunderts und wird nur in der Weidmannssprache auch später gebraucht. Vom Munde als Organ der Rede, 'plappermaul': ein alter Mensch hat nüt denn die waffel, das er gern schwetzt und blappert. (...) Darum bei derber Aufforderung zu schweigen die waffel zuthun u. darumb so schwig, hab dwafel zuͦ. schweig nur und halt dein waffel zu! H. Sachs fastnachtsp. unflat, thuͦ die waffel zuͦ.

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Verwandte Bedeutungen und Fremdsprachen

Im Englischen haben sich derweil das Verb to waffle ›schwafeln‹ und das Substantiv waffle ›leeres Geschwätz‹ herausgebildet. Im englischen Sprachgebrauch, besonders im britischen Englisch, entstand so auch das Verb "waffling". Das bedeutet so viel wie herumdrucksen oder eben schwafeln. Im Englischen heißt das Nomen „waffle“ so viel wie „leeres Geschwätz“. Es hat somit (leider) rein gar nichts mit dem leckeren Nahrungsmittel zu tun.

Waffel kann auch Schlag aufs Maul, Ohrfeige sein, vgl. wäffling und waffe: ein wafflen gäben, colaphum infringere, incutere, depalmare aliquem. Dieselbe Bedeutung kann auch ndl. wafel haben. Aus dem Deutschen kommt schwed. waffla ohrfeige.

Warum nicht das Gebäck?

Bei dieser Redewendung liegt es in der Tat nahe, mit der hier genannten Waffel das süße, flache Gebäck zu assoziieren, denn solche Waffeln sind heutzutage allseits bekannt. Waffel f. ‘süßes, knuspriges, flaches Gebäck mit wabenartiger Musterung’. Mnd. waf(f)el (15. Jh.), aus mnl. wāfel(e), nl. wafel, wird im 16. Jh. in hd. Texte aufgenommen. Die Bezeichnung für das alte niederländische Fasten- und Festgebäck, die von der wabenartigen Musterung ausgeht, gehört mit (nachträglich geminiertem) f aus b zu dem unter Wabe behandelten Substantiv (verwandt mit weben). Auf ein vorauszusetzendes anfrk. *wāfla ‘Wabe, Waffel’ weist entlehntes afrz. walfre, waufre, gaufre ‘dünnes, leichtes Gebäck mit zellenförmiger Musterung, Waffel’ (13. Jh.), apikard. gauffre ‘Honigwabe’ (16. Jh.), frz. gaufre ‘Waffel, Wabe’.

Das Flachgebäck selbst gehörte hierzulande im 15. Jahrhundert eher zur gehobenen Küche. Schweden widmete dem Gebäck am 25. März einen ganzen Tag. Und die ältesten Waffeleisen stammen aus dem 9. Jahrhundert. Im Jahr 1869 erhielt der US-Amerikaner Cornelius Swartwout ein Patent für die Verbesserung des Waffeleisens. Zwar gab es das Waffeleisen schon seit Jahrhunderten, Swartwouts Verbesserung brachte es allerdings auch in Privathaushalte. Swartwouts Gerät ähnelte heutigen Waffeleisen und ließ sich bereits auf- und zuklappen. Aufgrund dieser Tatsache verglich man es im deutsch- und englischsprachigen Raum schnell mit dem Mund. Mit der Zeit wurde aus dem Waffeleisen nur noch die Waffel.

Historisches Waffeleisen und alte Waffeln

Wie wird der Ausdruck heute verwendet?

»Wenn man nett fragt, bekommt man auch die besseren Waffeln.« - Diese scherzhafte Wendung spielt mit der Doppelbedeutung des Wortes. Hat man also ein loses Mundwerk oder schwafelt gehaltloses Zeug, hat man einen an der Waffel. Die Idee mit der Waffel geht dabei auf eine Erfindung des 19. Jahrhunderts zurück. In den USA hat es die Waffel zwar nicht in den alltäglichen Sprachgebrauch geschafft, allerdings feiert man bis heute am 29. Juni den National Waffle Iron Day, also den Tag des Waffeleisens.

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Erklärungsvideo: Herkunft der Redewendung "einen an der Waffel haben"

Kurze Merkhilfe

  1. "Waffel" war historisch oft ein abwertender Begriff für Mund, Schwätzer oder Maul.
  2. Das Verb waffeln/waffen bezeichnete lautmalerisch das Schwätzen, das Schmatzen der Kinnbewegungen.
  3. Im Englischen hat "waffle" eine ähnliche Bedeutung (leeres Geschwätz, herumdrucksen).
  4. Die süße Waffel als Gebäck ist etymologisch getrennt und spielt in der Redewendung keine Rolle.
Aspekt Sachverhalt
Bedeutung heute »nicht ganz richtig im Kopf sein«, »schwafeln«, »loses Mundwerk«
Historische Wurzeln Wortfeld Mund, Schwatzen; onomatopoetisches waffen → waffeln
Fremdsprachen Engl. to waffle / waffle = schwafeln, leeres Geschwätz
Gebäck Getrennte Herkunft; Waffel (Gebäck) aus mnl. wāfel(e), Musterung wie Wabe

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