Die Viktoria-von-Eberbach-Torte: Eine Legende aus Heidelberg erobert die Welt
Die Viktoria-von-Eberbach-Torte ist mehr als nur ein Kuchen; sie ist ein Stück Eberbacher Geschichte, ein kulinarisches Denkmal und ein Botschafter des guten Geschmacks, der bis in den Buckingham Palace gereist ist. Ihre Geschichte beginnt im beschaulichen Eberbach am Neckar und führt über royale Festbankette bis hin zu den Kaffeetafeln von Tortenliebhabern weltweit.
Die Geburt einer Torte: Eine königliche Inspiration
Die Geschichte der Viktoria-Torte beginnt im Jahr 1962. Der Eberbacher Konditormeister Heinrich Strohauer III. wurde zu einem Festessen des schwedischen Königshauses nach Stockholm eingeladen. Als Dessert wurde ein Orangen-Dessert serviert, das Strohauer so begeisterte, dass er versuchte, das Rezept vom Schweizer Patissier zu bekommen. Dieser hielt es jedoch geheim. Zurück in Eberbach, vertraute Strohauer auf seinen Geschmackssinn und mixte aus dem Gedächtnis heraus die möglichen Zutaten zusammen. So entstand die Viktoria-Torte.
Namensfindung mit lokalem Bezug
Für den Namen der Torte ließ sich Heinrich Strohauer III. von der Eberbacher Stadtgeschichte inspirieren. Die Legende besagt, dass im Jahr 1819 fast die spätere englische Königin Victoria I. im Thalheim’schen Haus in der Kellereistraße in Eberbach zur Welt gekommen wäre. Ihre Mutter, Marie Louise Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld, soll am Neckar eine kleine Sommerresidenz besessen haben. Die kleine Verfremdung bei der Schreibweise mit dem Buchstaben K im Namen war dabei bewusst eingesetzt. So erhielt die Torte ihren vollständigen Namen: Viktoria-von-Eberbach-Torte.
Der Weg in den Buckingham Palace
Dass die Torte ihren Weg in den Buckingham Palace fand, verdankte Heinrich Strohauer der Hauswirtschaftslehrerin Johanna Nedden. Ihre Cousine aus Emden ließ sich eine der Torten nach Hause schicken. Nachdem dies reibungslos verlaufen war, beschloss Strohauer, auch Queen Elizabeth II. eine Torte zu senden. Die Queen bedankte sich per Brief, und seitdem werden zu besonderen Anlässen wie Thronjubiläen, Hochzeiten oder Geburtstagen von Königskindern Viktoria-Torten nach London geschickt. Sogar Bundeskanzler Kohl und Frankreichs Ex-Staatspräsident Mitterand kamen während eines Aufenthalts in Heidelberg in den Genuss der Torte.
Das Geheimnis des Geschmacks: Die Zutaten
Die Viktoria-von-Eberbach-Torte besteht aus Schokoladen-Biskuit mit einer Mischung aus frisch gepresstem Orangensaft, Sahne, Zitrone, herbem Wein, Rum und einem Fruchtgelee-Überzug. An den Zutaten wurde bis heute nichts verändert.
Lesen Sie auch: Einfache Johannisbeer-Baiser-Torte
Die Konditorei Viktoria: Eine Familiengeschichte
Die Viktoria-Konditorei wurde 1886 von Heinrich Strohauer I. gegründet. Sein Sohn Heinrich II. führte sie ab 1923 weiter und erweiterte sie zur Café- und Weinstube. 1954 übernahm Heinrich III. den elterlichen Betrieb. 1958 erfolgte der Umzug ins heutige Gebäude in der Friedrichstraße 5-9. Im Jahr 2022 drohte dem Café Viktoria die Schließung, doch Dorina Camaj und ihr Mann Alfred Cakraj aus Heilbronn übernahmen den Betrieb, um die Tradition zu erhalten.
Patentiert und prämiert: Die Torte als Marke
Die Viktoria-Torte ist patentiert. Das Patent, das Namen und Rezept der Torte schützt, wurde im April 2023 erweitert und schützt nun auch die besondere Form der Torte und die Art der Verpackung für den Versand. Im Oktober wurde die Viktoria-Torte von dem Wissensmagazin „Galileo“ als „Deutschlands beste Torte“ ausgezeichnet.
Die Viktoria-Torte heute: Vielfalt und Versand
Im Café Viktoria werden neben der klassischen Viktoria-Torte auchVariationen wie Erdbeer-Joghurt und Champagner-Melba angeboten. Täglich stehen rund 30 Torten für die Kunden bereit. Die Viktoria-Torte wird tiefgekühlt verpackt in die ganze Welt verschickt. Vor Weihnachten gehen täglich rund 40 Torten auf die Reise.
Rezept für Viktoria-Torte (adaptiert)
Hier ist ein adaptiertes Rezept, das die Essenz der Viktoria-Torte einfängt, aber möglicherweise nicht das exakte Originalrezept widerspiegelt:
Zutaten:
- Für den hellen Biskuit:
- Eier: 4
- Zucker: 60 g
- Mehl: 40 g
- Mondamin (Maisstärke): 20 g
- Salz: eine Prise
- Für den Schokoladenbiskuit:
- Eier: 4
- Zucker: 60 g
- Mehl: 40 g
- Mondamin (Maisstärke): 20 g
- Kakaopulver: 30 g
- Zartbitterkuvertüre: 50 g
- Für die Biskuitrolle:
- Eier: 8
- Zucker: 120 g
- Mehl: 80 g
- Mondamin (Maisstärke): 20 g
- Für die Orangencharlotte:
- Frisch gepresster Orangensaft: aus 5 Orangen
- Weißwein Spätlese (halbtrocken): 200 ml
- Zucker: 100 g
- Mondamin (Maisstärke): 40 g
- Zitronenabrieb: ½ Zitrone
- Gelatine (weiß): 6 Blatt
- Schlagsahne (30% Fett): 500 ml
- Orangenmarmelade: ½ Glas
- Rum (optional)
Zubereitung:
- Heller Biskuit: Eigelbe mit der Hälfte des Zuckers schaumig rühren. Eiweiß mit dem restlichen Zucker und einer Prise Salz steif schlagen. Eischnee unter die Eigelbmasse heben. Mehl und Mondamin dazu sieben und vorsichtig vermengen. Die Biskuitmasse auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech streichen (ca. 1 cm dick) und bei 200°C etwa 10 Minuten backen.
- Schokoladenbiskuit: Eigelbe mit der Hälfte des Zuckers schaumig rühren. Eiweiß mit dem restlichen Zucker steif schlagen. Die geschmolzene (lauwarme) Kuvertüre unter die Eigelbmasse heben. Mehl, Mondamin und den Eischnee vorsichtig unterheben. In eine mit Backpapier ausgelegte Form (Durchmesser ca. 26 cm) geben und bei 180°C etwa 15 Minuten backen.
- Biskuitrolle: Eier und Zucker schaumig schlagen. Mehl und Mondamin mischen und unterheben. Auf ein Backblech streichen und backen. Nach dem Auskühlen in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden.
- Orangencharlotte: Orangensaft, Wein, Rum (optional), Zucker, Mondamin und Zitronenabrieb verrühren und in einem Topf unter ständigem Rühren aufkochen, damit keine Klumpen entstehen. Die eingeweichte Gelatine in etwas Orangensaft auflösen und unter die Creme ziehen.
- Fertigstellung: Wenn die Creme zu gelieren beginnt, die steif geschlagene Sahne unterheben. Eine Schüssel (22-24 cm Durchmesser) mit den Biskuitrollenscheiben auslegen. Die Creme in die mit Biskuit ausgelegte Schüssel einfüllen, glatt streichen und den Schokoladenbiskuit darauf setzen. Über Nacht im Kühlschrank fest werden lassen.
- Dekoration: Die Torte auf eine Platte stürzen und mit der restlichen, erhitzten und durchpassierten Orangenmarmelade überziehen.
Lesen Sie auch: Nussliebhaber aufgepasst: Giotto-Torte selber backen
Lesen Sie auch: Himbeertorte für jeden Anlass
tags: #viktoria #torte #heidelberg #rezept


