Verrückter Honig aus der Türkei: Wirkung, Risiken und Traditionen
Im Nordosten der Türkei, genauer gesagt in den Kaçkar-Bergen am Schwarzen Meer, hat sich eine besondere Art der Imkerei entwickelt, die einen Honig hervorbringt, der sowohl für seine potenziellen Heilwirkungen als auch für seine gefährlichen Nebenwirkungen bekannt ist: den "verrückten Honig" oder "Deli Bal". Dieser Honig, der seit der Antike bekannt ist, birgt eine faszinierende Geschichte und birgt Risiken, die man kennen sollte.
Was ist Verrückter Honig?
Verrückter Honig ist eine Spezialität, die durch Bienen erzeugt wird, die Nektar von bestimmten Rhododendronarten sammeln, insbesondere Rhododendron ponticum. Diese Rhododendren enthalten Grayanotoxine, starke Nervengifte, die für Bienen harmlos sind, sich aber im Honig anreichern. Der resultierende Honig hat einen bitteren Geschmack und einen scharfen Geruch und wird eher als Rauschmittel denn als Süßungsmittel verwendet.
Die Wirkung von Grayanotoxinen
Grayanotoxine beeinflussen die Natriumkanäle in Zellmembranen, was zu einer erhöhten Erregbarkeit von Nerven- und Muskelzellen führt. Beim Menschen kann der Konsum von verrücktem Honig eine Reihe von Symptomen auslösen, darunter:
- Euphoriegefühle und Halluzinationen
- Benommenheit und Schwindel
- Übelkeit und Erbrechen
- Schwitzen
- Niedriger Blutdruck
- Verlangsamte Herzfrequenz
- Herzrhythmusstörungen
- In seltenen Fällen: Krampfanfälle, Ohnmacht und Tod
Die Intensität der Wirkung hängt von der Menge des konsumierten Honigs und der Konzentration der Grayanotoxine ab. Bereits ein kleiner Löffel, aufgelöst in Milch oder Wasser, kann halluzinogene oder euphorische Zustände hervorrufen.
Traditionelle Verwendung und Risiken
Seit Jahrhunderten wird verrückter Honig in der türkischen Volksmedizin als Mittel gegen Bluthochdruck, Impotenz, Schmerzen und Sodbrennen eingesetzt. Auch in anderen Ländern wie Nepal und Tibet gibt es ähnliche Traditionen. Allerdings birgt die Verwendung von verrücktem Honig erhebliche Risiken. Die Konzentration von Grayanotoxinen kann stark variieren, abhängig von Faktoren wie der Rhododendronart, dem Standort, der Jahreszeit und den Imkereipraktiken. Dies macht es schwierig, die richtige Dosis zu bestimmen, und erhöht das Risiko einer Überdosierung und Vergiftung.
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Historische Bedeutung
Der Gebrauch von verrücktem Honig reicht bis in die Antike zurück. Der griechische Historiker Xenophon berichtete bereits 401 v. Chr. von einer Honigvergiftung bei griechischen Soldaten, die in der Nähe des Schwarzen Meeres Honig konsumierten. Eine weitere Anekdote erzählt, dass Mithridates IV. im Jahr 67 v. Chr. verrückten Honig einsetzte, um feindliche Truppen zu schwächen.
Aktuelle Forschung
Eine aktuelle Studie untersuchte die schmerzlindernde Wirkung von Grayanotoxinen an Mäusen. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass geringe Dosen von Grayanotoxinen tatsächlich eine schmerzlindernde Wirkung haben könnten. Allerdings wies die Studie auch methodische Mängel auf, und weitere Forschung ist erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen und die potenziellen Risiken und Vorteile von Grayanotoxinen besser zu verstehen.
Der Handel mit Verrücktem Honig
In den letzten Jahren hat der Handel mit verrücktem Honig, insbesondere über das Internet, zugenommen. Online wird der Honig oft als "Luxusdroge" oder als Heilmittel mit gesundheitsfördernden Wirkungen angepriesen. Einige Anbieter weisen zwar auf mögliche Nebenwirkungen hin, doch diese Warnungen werden oft von den angeblich positiven Wirkungen überlagert. Experten warnen jedoch vor dem unkontrollierten Konsum von verrücktem Honig, da die Konzentration von Grayanotoxinen stark variieren kann und bereits kleine Mengen zu ernsthaften Vergiftungen führen können.
Warnungen und Empfehlungen
Aufgrund der potenziellen Risiken raten das Bundesinstitut für Risikobewertung und andere Experten vom Verzehr von Rhododendron-Honigen ab. Die Tierärztliche Grenzkontrollstelle am Frankfurter Flughafen verzeichnet einen Anstieg von Importware an Pontischem Honig und zieht häufig Sendungen mit Mad Honey aus dem Verkehr, da die Warenbeschreibungen mangelhaft sind und keine Rückschlüsse auf die Zusammensetzung oder den Gehalt an Grayanotoxinen zulassen.
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