Vegane Schweizer Schokolade: Herstellung, Marken und Nachhaltigkeit

Für viele von uns ist Schokolade pures Glück. Doch sie hat Schattenseiten: Die 254-Milliarden-Dollar-Schokoladenindustrie (erwartet für 2024) bietet vielen Menschen eine wichtige Einkommensquelle - gilt aber schon lange auch als Synonym für Abholzung, Verlust der Artenvielfalt und unfaire Arbeitsbedingungen. Der WWF ist überzeugt, dass es möglich ist, Schokolade ohne Entwaldung, Kinderarbeit und mit fairen Löhnen für die Kakaobauern zu produzieren. Unternehmen wie Tony’s zeigen dies bereits vorbildlich.

Warum Nachhaltigkeit bei Schokolade wichtig ist

Kakao ist nach wie vor eine der Hauptursachen für die Abholzung der Wälder. In Ghana und der Elfenbeinküste, aus denen 75 Prozent des weltweiten Kakaos kommen, sind mehr als 80 Prozent der Wälder bereits abgeholzt. Ein Drittel davon, um neue Flächen für Kakaoplantagen zu schaffen. «Ich bin kürzlich von einer Projektreise aus dem tropischen Regenwald zurückgekehrt. Die Bilder von zerstörten Wäldern bedrücken mich sehr. Es bewegt sich erst dann etwas, wenn verbindliche Regeln gesetzt werden.»

Die neuste Studie «Chocolate Scorecard 2024» zeigt, dass die EU-Entwaldungsverordnung bereits heute wirkt. Diese tritt am 1.Januar 2025 in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt dürfen keine Produkte aus Holz, Kaffee, Kakao, Soja, Ölpalmen, Rindern und Kautschuk mehr in die EU eingeführt werden, die auf Flächen hergestellt wurden, welche nach 2020 entwaldet wurden. Firmen, die ihre Produkte in der EU verkaufen wollen, müssen Lieferketten zurückverfolgen können und Transparenz zeigen. Von 11 Prozent im vergangenen Jahr ist der Anteil der Firmen, die dies können, nun auf 50 Prozent gestiegen. Klare Regeln helfen offensichtlich, auch wenn es noch ein weiter Weg ist, bis sich alle Unternehmen daranhalten.

Die «Chocolate Scorecard 2024» - Bewertung der Branche

Die «Chocolate Scorecard 2024» ist eine Zusammenarbeit zwischen NGOs, Unternehmen und Universitäten (die australischen Macquarie University und University of Wollongong und sowie die britische Open University) mit dem Ziel, die Industrie bei der Bewältigung sozialer und ökologischer Fragen im Zusammenhang mit Kakao zu analysieren. Zu diesem Zweck werden 85 Schokoladenunternehmen (51 Hersteller und Händler sowie 34 Einzelhändler) in Bezug auf die Nachhaltigkeitsaspekte Rückverfolgbarkeit und Transparenz, existenzsichernde Einkommen, Kinderarbeit, Entwaldung und Klima, Agroforstwirtschaft sowie Agrarchemikalien bewertet.

Die Scorecard bietet auch Orientierung für Konsument:innen, die sich über die Nachhaltigkeit von Schokolade informieren wollen. Die Chocolate Scorecard wurde erstellt, um die Unternehmen über ihr Abschneiden bei den wichtigsten Nachhaltigkeitsherausforderungen zu informieren und einen produktiven Dialog mit ihnen darüber zu führen. Die NGO «Be Slavery Free» begann 2014 mit der Bewertung von Zertifizierungsstandards und Programmen von Schokoladenunternehmen. Unabhängig davon hatten andere NGOs Schokoladenunternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit ebenfalls bewertet. Die NGOs beschlossen, ihre Kräfte zu bündeln.

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Ergebnisse und Rankings: Schweizer Produzenten

In der Gruppe der 38 grossen Produzenten erreichte Halba wie im Vorjahr das beste Resultat und verbesserte sich auf Rang 3. Deutlich schwächer schneidet Delica ab, das unter anderem die Marke Frey für Migros produziert. Verbesserungen gab es auch bei Nestlé: das Unternehmen setzte stärker auf Rückverfolgbarkeit und existenzsichernde Einkommen und erreichte neu Platz 8.

In der Gruppe der 16 gerankten Detailhändler ragte Coop heraus und erreichte insgesamt Platz 1. Lidl folgt auf Rang 2 und erhält zudem einen Gender Award. In der Schweiz hat der Bundesrat kürzlich darauf verzichtet, eine entsprechende Regulierung für entwaldungsfreie Lieferketten einzuführen.

Infografik: Weltkarte der Kakao-Anbauregionen und Entwaldungs-Hotspots

Schweizer Marken und ihre Ansätze zur veganen Schokolade

Lindt lanciert als erster grosser Schoggiproduzent vegane Milchschokolade. Lindt hat als erste grosse Schweizer Marke reagiert und bringt ab November 2020 eine Linie mit veganer Milchschokolade auf den deutschen Markt. Schokolade ist vegan, wenn sie keine zusätzlichen Milchbestandteile enthält. In der Regel handelt es sich um Milchpulver. Das ersetzt Lindt mit Hafermilchpulver. «Ich bin schon sehr gespannt, wie diese Schokolade schmeckt», sagt Sara Thallner, Mediensprecherin von Lindt Schweiz. Ausgetüftelt wurde die Schokolade nämlich in der deutschen Fabrik, die unabhängig der Schweizer Lindtfabrik agiert. Das sei schon mutig von Lindt, denn dabei handle es sich um die erste vegane Milchschoggi.

Eine einzige Schweizer Firma stellt seit 2015 vegane Milchschokolade her: Chocolat Schönenberger. «Vegan ist aus Marktsicht sowie auch für uns bereits seit einiger Zeit ein grosses Thema und ein immer stärker werdender Trend», heisst es vom Luzerner Hersteller. Die Schokolade wird bei ihnen mittels getrocknetem Reisglukosesirup hell. Vertrieben werden die Produkte vor allem über Bioläden.

Auch für Maestrani (Munz, Minor und Schokoladentafeln) ist vegane Schokolade schon länger ein Thema. Maestrani (erhältlich im Coop) und Chocolat Frey (erhältlich in der Migros) teilten mit, dass sie Innovationen auf Basis veganer Milch-Alternativen prüfen beziehungsweise bereits Produktentwicklungen laufen. Läderach schreibt: «Wir sehen Potenzial für vegane Schokolade und überlegen uns, in diese Richtung weiterzudenken.» Camille Bloch (Ragusa und Torino) führt aktuell keine vegane Milchschoggi-Produkte im Sortiment. Sie seien mit 200 Angestellten eine zu kleine Firma: «Auch wenn es technisch möglich wäre, können wir Ragusa nicht für so einen kleinen Markt zusätzlich vegan produzieren.» Und bei den Torino-Stängeli gäbe es ja bereits eine dunkle, vegane Variante. Keine Auskunft über vegane Pläne gab uns Toblerone.

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Bean-to-Bar und kleine Manufakturen

Kilian & Close steht für handgemachte Bean-to-Bar-Schokoladen von höchster Qualität. Seit 2008 kreiert Mikkel Friis-Holm in seiner dänischen Manufaktur außergewöhnliche Schokoladen, die regelmäßig zu den besten der Welt gekürt werden. Die Kakaobohnen stammen aus Madagaskar, Guatemala und Nicaragua, wo Mikkel Friis-Holm selbst die Fermentation und Trocknung begleitet. Die preisgekrönte „Dark Milk“ mit 65 % Kakao gilt als beste Milchschokolade der Welt. Vegan. Edel.

Original Beans kombiniert seine Leidenschaft für feine Schokolade mit konsequentem Naturschutz und nachhaltigem Wirtschaften. Original Beans steht für puren Ursprung und Transparenz. Unsere Kakaobohnen für vegane Schokoladen stammen direkt von Kleinbauern aus Ecuador, Kolumbien, Brasilien oder Venezuela. Die Bauern erhalten von uns faire Preise und Unterstützung für nachhaltige Anbaumethoden. Die Essenz unserer Schokoladenherstellung ist der Bean-to-Bar-Prozess. Die Partnerschaften ermöglichen es uns, die höchste Qualität der Bohnen sicherzustellen und die Lebensbedingungen der Bauern zu verbessern.

Schema: Bean-to-Bar Prozess - von der Bohne zur Tafel

Rezepturen, Zutaten und Praktisches zur veganen Schokolade

Schokolade an sich muss nicht zwingend Milch enthalten - im Grunde besteht sie hauptsächlich aus Kakao und Zucker, die zusammen den herrlichen Genuss erzeugen. Die Fette der Milch geben dem Ganzen zwar einen zusätzlichen Geschmackskick. Doch es gibt natürlich auch vegane Schokolade ganz ohne Milch oder ihre Alternativen. Wussten Sie, dass dunkle Schokolade vegan ist? Und das immer? Diese besteht nämlich von Haus aus nur aus Kakaomasse und Kakaobutter. So zum Beispiel auch bei der 100 % Bio-Schokolade von Schell. Das intensive Aroma der Bohne steht hier voll im Mittelpunkt.

Vegane Schokolade ohne Milch ist in vielen Varianten erhältlich. Die Rezepturen basieren auf Kakaobutter und pflanzlichen Alternativen wie Mandel-, Hafer- oder Reismilch. Besonders beliebt ist vegane Minzschokolade von Summerdown, die mit einer erfrischenden Note begeistert. Eine tolle Alternative zur herkömmlichen Milchschokolade ist die milchfreie Schokolade für Kinder. Diese ist oft mit natürlichen Süßstoffen gesüßt, sodass sie auch als zuckerfreie vegane Süßigkeiten eine gesündere Option darstellen.

Bei vielen Schokoladen, die aus mehreren Zutaten bestehen, wird der Hinweis «Kann Spuren von Milch enthalten» zu finden sein. Bedeutet das automatisch, dass diese Lebensmittel nicht vegan sind? Nein! Der Hinweis «Kann Spuren von Milch enthalten» ist lediglich eine Kennzeichnung von Allergenspuren und dient der rechtlichen Absicherung - das Produkt ist mit einer rein pflanzlichen Zutatenliste also trotzdem vegan!

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Wer sich vegan ernährt, wirft sofort einen Blick auf die Verpackungsrückseite von Lebensmitteln und untersucht diese nach tierischen Inhaltsstoffen. Vegane Schokolade sollte an einem kühlen, trockenen Ort aufbewahrt werden, idealerweise bei einer Temperatur zwischen 15 und 18 Grad Celsius. Der Kühlschrank ist oft zu feucht und kann die Textur und den Geschmack negativ beeinflussen.

Produktfoto: Verschiedene vegane Schokoladentafeln mit Zutatenangaben

Gesundheitliche Aspekte und Genuss

Vegane Schokolade bietet zahlreiche Vorteile, die sie zu einer hervorragenden Alternative zu herkömmlicher Milchschokolade machen. Dunkle vegane Schokoladen enthalten keine Milchfette und weniger Zucker, was sie gesünder macht. Sie sind zudem reich an Antioxidantien, die die Zellen vor freien Radikalen schützen und die Herzgesundheit fördern. Auch der hohen Kakaoanteil unterstützt die Produktion von Endorphinen, die das allgemeine Wohlbefinden steigern.

Ein ebenso grandioses Geschmackserlebnis bietet die beste vegane Schokolade in Form von heißer Trinkschokolade - oder im Sommer als schokoladige Erfrischung! Der aromatische Edelkakao liefert beispielsweise als vegane Schokodrops in unserer dunklen CAMONDAS Hausmischung oder feines Kakaopulver von Becks Cocoa die perfekte Basis für einen herrlich-schokoladigen Genuss ohne Kuhmilch. Besonders harmonisch ist die Kombination mit einem Pflanzendrink Ihrer Wahl.

Video: Herstellung von veganer Schokolade - Bean-to-Bar und pflanzliche Milchalternativen

Produktbeispiele und Sortimentsvielfalt

Vegane, weiße Bio-Schokolade mit 42% Kakaobutter, veredelt mit Rote Beete Saftpulver und gerösteten Kokoschips. Vegane helle Schokolade (44%) hergestellt mit Mandelmehl. Veredelt mit gerösteten & dezent gesalzenen Bronte-Pistazien. Die Cremadelizia Nocciola Suprema begeistert mit fantastischem Geschmack, hergestellt aus 45% echten Piemont- Haselnüssen. Vegan und glutenfrei. Single Origin Kakao aus der Dominikanischen Republik mit 60% Kakao: Leicht herber Schokoladengeschmack mit feiner Karamellnote. Pure, dunkle Schokolade (100% Kakao) aus reinem Criollo-Kakao, der hochwertigsten Kakaosorte der Welt.

Die unconchierte 100%ige Forastero-Schokolade begeistert mit dem puren Kakaogeschmack, ohne weitere Zusätze. Dunkle Schokolade (70%) veredelt mit fein gemahlenen Kaffeebohnen - intensiver Schokoladengeschmack mit belebender Kaffeenote. Dunkle Bio-Schokolade (75%) von der Plantage Mokaya in Mexiko. Noten von exotischen Früchten, versch. Nüssen, Pfeffer & Vanille. Dunkle Schokolade mit 72% Kakao, veredelt mit aromatischen, kandierten Orangenschalen - fruchtige Noten, feinherb unterlegt.

Verantwortung, Transparenz und Fairness

Die gesamte Produktionskette ist frei von Kinderarbeit. Für uns ist es wesentlich, dass die für uns produzierenden Kakao-, Zucker- und Vanille-Kleinbauern einen angemessenen Preis für ihre Produkte erhalten. Für die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sind die Fair Trade Prämien ein wichtiger Zusatzverdienst. Zudem investieren die Kooperativen diese Mittel in gemeinschaftliche Projekte, sei es zum Beispiel in Bildung und Gesundheit oder auch in die Optimierung der landwirtschaftlichen Infrastruktur.

Nur echte Schweizer Schoggi: Bei uns bekommen Sie nur Schokolade, die auch wirklich in der Schweiz hergestellt wurde. Die meisten unserer Schokoladen beziehen wir direkt beim Hersteller, für einige sind wir gar der exklusive Export-Partner. In der Rubrik "1 €- Schokoladen gegen Foodwaste" können Sie selbst Schokoladen kurz vor dem MHD retten!

Nachhaltigkeitspreise und Auszeichnungen

PERÚ PURO erhielt den Nachhaltigkeitspreis 2025, weil das Unternehmen beispielhaft zeigt, wie sich eine Hilfsinitiative zu einem wirtschaftlich erfolgreichen und zugleich sozial wie ökologisch engagierten Unternehmen entwickeln kann. BONNAT verwendet ausschließlich Edelkakaosorten von kleinen Plantagen weltweit. Die dunklen Schokoladen bestehen nur aus Kakaomasse, Kakaobutter und Zucker - ohne Lecithine oder Zusatzstoffe. Ein Meilenstein: 2016 wurde Stéphane Bonnat in London als Hersteller der weltbesten Schokolade ausgezeichnet. Die prämierte Tafel: Selva Maya 75%, hergestellt mit Kakao aus Mexiko.

Aspekt Wichtige Punkte
Umwelt Entwaldung, Agroforstwirtschaft, EU-Entwaldungsverordnung
Soziales Existenzsichernde Einkommen, Kinderarbeit, Fair Trade Prämien
Traceability Lieferketten-Rückverfolgbarkeit, Transparenz, Scorecard-Rankings
Produktion Bean-to-Bar, vegane Rezepte (Hafer-, Mandel-, Reisalternativen)

Ausblick: Marktchancen und Verbraucherrolle

Angesichts der rasant wachsenden Anzahl vegan lebender Personen ist das Marktpotenzial also riesig. Wer auf der Suche nach einer besonderen Schokolade ohne Kuhmilch ist, kann die himmlischen Kreationen von Paccari oder Willie’s Cacao probieren. Wenn Sie Premium-Schokolade in der veganen Variante online kaufen möchten, lohnt sich ein Blick auf die Kakaobutter und die Milch-Alternativen. Erstklassige vegane Schokoladen zeichnen sich dadurch aus, dass sie gänzlich ohne künstliche Aromen oder billige Pflanzenfette auskommen - der pure Geschmack des Edelkakaos steht immer im Vordergrund.

Die Scorecard zeigt: Es bewegt sich etwas in der Branche, vor allem, wenn verbindliche Regeln gesetzt werden. Klare Regulierungen und Transparenzpflichten helfen, Entwaldung, Kinderarbeit und unfairen Löhnen entgegenzuwirken. Konsument:innen können durch informierte Kaufentscheidungen und Nachfrage nach entwaldungsfreien, fairen und veganen Produkten den Wandel weiter beschleunigen.

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