Tonic Water ohne Zucker selber machen – ausführliches Rezept und Varianten

Wer heute ein Glas Gin Tonic in der Hand hält, genießt längst mehr als nur ein Trendgetränk - er kostet ein Stück Geschichte. Heute möchte ich mich mit einem der beiden Bestandteile eines meiner Lieblingsdrinks - dem Gin Tonic - beschäftigen. Wie der Name schon sagt sind die beiden Zutaten Gin und Tonic. Und heute soll es um das Tonic bzw. ganz praktisch darum gehen, wie man Tonic Water ohne Zucker bzw. als Sirup selbst herstellt und variiert.

Geschichte und Grundidee von Tonic

Tonic Water, das heute in zahllosen Varianten in Bars und Supermärkten steht, hat seinen Ursprung nicht in der Welt der Mixgetränke, sondern in der Medizin. Die Wurzeln des Tonic Waters liegen im 17. Jahrhundert - genauer gesagt im Dschungel Südamerikas. Indigene Völker nutzten die Rinde des Chinarindenbaums (Cinchona), um Fieber zu lindern. Spanische Jesuitenmissionare brachten diese Praxis nach Europa. Im 19. Jahrhundert griffen britische Kolonialbeamte in Indien regelmäßig zu Chinin als Malariaprophylaxe. Da das reine Chininwasser jedoch unangenehm bitter schmeckte, wurde es mit Zucker, Zitrone und Sodawasser gemischt - das Tonic Water war geboren.

Das Chinin, welches für das Bittere im Tonic Wasser verantwortlich ist, wird durch die verschiedenen Gin Aromen abgerundet und erscheint auf einmal weniger bitter. Heute wird Chinin meist in deutlich geringerer Dosis eingesetzt und dient nur noch der Geschmacksgebung. Der markante, trockene Bitternis-Ton bleibt jedoch das Erkennungsmerkmal jedes echten Tonic Waters.

Zutaten-Grundausstattung für selbstgemachten Tonic-Sirup

  • Wasser
  • Chinarinde (geschnitten oder gemahlen)
  • Zitronensäure
  • Bio-Zitrusfrüchte: Zitronen, Limetten, Orangen (Abrieb und Saft)
  • Zitronengras
  • Pimentkörner, Kardamom (optional)
  • Meersalz, Langer Pfeffer (optional)
  • Süßungsmittel: Zucker oder alternative wie Agavendicksaft (für „ohne Zucker“ Version Agavendicksaft oder Reduktion des Zuckers verwenden)
  • Eiswürfel, Mineralwasser oder Soda zum Servieren

Vorbereitung der Zutaten

Zitrusfrüchte gründlich waschen und trockentupfen. Mit einem Zestenreißer (oder Sparschäler) die Zesten von den Zitrusfrüchten schälen. Saft auspressen. Zitronengras klein schneiden. Lavendel, Koriander- und Pigmentkörner grob mörsern. Vier Stängel Zitronengras in 3-4 cm lange Stücke schneiden und bspw. mit einem Fleischplattierer andrücken.

Grundrezept: Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Wasser in einen Topf geben. Chinarinde zufügen.
  2. Zesten, Saft und Zitronensäure in den Topf geben und 15 Minuten kochen.
  3. Meersalz, Piment, Zitronengras, Langer Pfeffer und Zucker zufügen. Weitere 5 Minuten köcheln.
  4. Den Sirup durch ein feines Küchentuch filtern.
  5. Anschließend mit Hilfe eines Trichters in sterilisierte Flaschen abfüllen.

Alternativ gibt es eine Vorgehensweise mit vorab hergestelltem Zuckersirup: Parallel 600 Milliliter weiches Wasser mit 1000 Gramm feinsten weißen Zucker kurz (!) aufkochen und rühren, bis ein klarer Zuckersirup entstanden ist. Diesen zur Seite stellen und abkühlen lassen, bis der Zuckersirup nur noch eine Maximaltemperatur von 60 °C hat. Den Zuckersirup und das Tonic-Gemisch zusammen schütten, gut umrühren und in heiß sterilisierte Bügelflaschen abfüllen und im Kühlschrank aufbewahren.

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Spezielle Hinweise zur Chinarinde

Die Chinarinde ist der wichtigste Aromenträger für die Bitterkeit (Chinin). Erste Herausforderung ist die Chinarinde. Ich habe gemahlene Chinarinde bestellt. Die lässt sich super leicht verarbeiten, führt aber zu einer ziemlichen Verfärbung des Tonicsirups. Wer also einen hellen Tonic haben möchte, am besten auf die geschnittene Chinarinde zurückgreifen. Für eine stärkere Bitterkeit beim nächsten Mal 20 g Chinarinde verwenden (Menge je nach gewünschter Intensität variieren).

Filtern, Abfüllen und Lagerung

Flaschen und Gläser habe ich vorab im Dampfgarer bei 100 °C sterilisiert. Zum Abfüllen habe ich das Ganze über ein Spitzsieb mit Kaffeefilter abgegossen. Das Tonic Sirup sollte im Mischverhältnis 1:4 verwendet werden (z. B. 40 ml Tonic-Sirup zusammen mit 160 ml Mineralwasser). Den entstandenen Sirup in eine verschließbare Flasche abfüllen. Danach das Ganze nach dem Abkühlen am besten im Kühlschrank lagern. Mit dem Tonic Sirup lassen sich auf zwei Arten perfekte Drinks herstellen: Entweder direkt im Glas oder das Tonic Sirup in einem zusätzlichen Glas oder einer Karaffe vorbereiten.

Flaschen sterilisieren und Abfüllen

Rezept-Varianten und Aromatisierung (inkl. „ohne Zucker“ Ansätze)

Mit den Tonic-Zutaten kann nach Lust und Laune experimentiert werden. Indem man mehr oder weniger Chinarinde hinzufügt, die Zutaten oder die Ziehzeit variiert, entstehen ganz unterschiedliche Aromen. Wie wäre es zum Beispiel mit Kardamomkapseln, Basilikum oder Thymian im Sud? Pimentkörner können mit Basilikumblättern ausgetauscht werden. Gewürze wie Zimt, Cumin oder Cardamon zugeben. Anstelle von Zucker mit Agavendicksaft süßen. Für ein „ohne Zucker“ Profil kann man Zucker reduzieren oder durch Agavendicksaft ersetzen und die Süße dann beim Aufmixen mit Mineralwasser anpassen.

Beispielkompositionen: Für Hendricks könnten ein paar Gurkenscheiben mitköcheln; für einen mare-ähnlichen Gin dann etwas Thymian, Rosmarin und Basilikum. Tipp: Mit den Tonic-Zutaten kann nach Lust und Laune experimentiert werden. Wer gerne experimentiert oder den intensiven Geschmack klassischer Tonics bevorzugt, kann sich sein eigenes Tonic Water zu Hause ansetzen.

Praktische Hinweise zu Einlegen von Zutaten wie Gurke

Warum ist es schwer die Gurke rauszunehmen? Die wird ja nur beim Köcheln mit reingegeben. Es geht wohl eher um den Gurkengeschmack im fertigen Sirup. Beim Köcheln lösen sich Aromastoffe, die sich dann im Sirup halten. Wer nur eine leichte Gurken-Note wünscht, Gurkenscheiben kurz ziehen lassen und die Ziehzeit reduzieren. Für intensivere Aromen länger köcheln oder mehr frische Kräuter hinzufügen.

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Varianten: Gurke, Rosmarin, Thymian

Ein konkretes Misch- und Serviervorschlag (eigene Erfahrung)

Ich bin jemand der seinen Gin nicht vom Tonic erschlagen möchte. Daher ein wenig mehr Gin. Bei mir gab es folgende Mischung: 5 cl Gin (Bulldog London Dry), 10 ml Tonic Sirup und 80 ml Sodawasser plus Eiswürfel. Nach dem ersten Probieren würde ich eventuell den Zucker noch ein wenig absenken - denke mal 500 g reicht auch. Auch könnte die Bitterkeit der Chinarinde noch ein wenig dominanter sein. Daher beim nächsten Mal 20 g Chinarinde verwenden.

Alternatives Verfahren: Kaltansatz im Glas (Aromatisierungsprozess)

Den Abrieb von 3 Bio-Zitronen, 4 Bio-Limetten und 2 Bio-Orangen (jeweils vorher gut gewaschen) in ein großes Drahtbügelglas (zwei Liter) geben. 40 Gramm Chinarinde, 80 Gramm Zitronensäure, fünf Pimentkörnern und fünf geöffnete Kardamomkapseln hinzufügen. Das angedrückte kleingeschnittene Zitronengras mit einer Scheibe frischen chinesischen Ingwer sowie ¼ Teelöffel Salz zu den anderen Zutaten in das Drahtbügelglas geben. Ein Liter weiches Wasser hinzugeben, alles gut umrühren, Glas gut verschließen und an einem kühlen und dunklen Ort (bspw. Kühlschrank) lagern. Einmal am Tag gut durchrühren oder durchschütteln. Nach dem fünftägigen "Aromatisierungsprozess" ist die Mischung bereit zur Weiterverarbeitung.

Filterung und Kombination mit Zuckersirup

Was jetzt folgt ein etwas aufwändiger aber notwendiger Filterungsprozess. Die Tonic Mischung erst einmal durch ein grobes und anschließend durch ein feines Küchensieb filtern. Danach bspw. durch ein Mandelmilchsieb filtern. Wer dieses nicht besitzt, kann auch auf Kaffeefilter zurückgreifen. Im Anschluss die Tonic Mischung noch ein letztes Mal durch ein Sieb, das dreifach mit weißen Küchentüchern ausgelegt ist, filtern. Danach den Zuckersirup und das Tonic-Gemisch zusammen schütten, gut umrühren und in heiß sterilisierte Bügelflaschen abfüllen.

Tonic-Mischung filtern

Serviertipps und Finales Mixing

  • Für ein Glas Tonic Water mischt man etwa 1 Teil Sirup mit 4-5 Teilen kohlensäurehaltigem Wasser - je nach Geschmack.
  • Ein Gin & Tonic gilt die allgemeine Regel: ein Teil Gin (z. B. 5 cl) wird mit vier Teilen Tonic (z. B. 20 cl) gemischt. Generell ist es natürlich jedem selber überlassen, in welchem Mischverhältnis er seinen Gin Tonic genießen möchte.
  • Zum Servieren: Limette und Orange waschen und in Scheiben schneiden. In die Karaffe geben und mit dem Mineralwasser auffüllen. Eiswürfel hinzugeben. Tonic Water umrühren und genießen.
  • Wer heute ein Glas Gin Tonic in der Hand hält, genießt längst mehr als nur ein Trendgetränk - er kostet ein Stück Geschichte.

Aufbewahrung und Haltbarkeit

Das Tonic Sirup sollte im Kühlschrank aufbewahrt werden. Mit ihnen lässt sich die Intensität des Geschmacks durch die richtige Dosierung bestimmen. Und noch etwas gibt es zu bedenken: Tonic Sirups halten länger, im Kühlschrank aufbewahrt werden sie nicht schal.

Tipps für den Experimentierfreudigen

  • Indem man mehr oder weniger Chinarinde hinzufügt, die Zutaten oder die Ziehzeit variiert, entstehen ganz unterschiedliche Aromen.
  • Mit Rhabarber- oder Waldmeistersirup lässt sich ein Gin Tonic behutsam abrunden - 1-2 cl zum Schluss hinzufügen.
  • Weniger ist mehr: Lieber weniger Tonic verwenden, dafür qualitativ hochwertige Zutaten.
  • Wer eine Leidenschaft für Gin hat, den wird auch die Passion für Tonic Water früher oder später ergreifen. Und dann ist es nur noch ein kurzer Schritt, Lust am Ausprobieren zu bekommen, Neugier auf neue Geschmackserlebnisse zu spüren und Spaß daran zu entwickeln, etwas eigenes herzustellen.
Herstellungsprozess: Tonic Sirup filtern und abfüllen

Kurze Rezepttabelle (Basis-Mengen, anpassbar)

Zutat Mengenempfehlung (für ca. 1 L Grundextrakt)
Wasser 1-1,5 L
Chinarinde 20-40 g (je nach gewünschter Bitterkeit)
Zitronensäure 40-80 g
Zitruszesten + Saft Abrieb von 3 Zitronen, 4 Limetten, 2 Orangen + Saft
Zitronengras 3-4 Stängel, klein geschnitten
Piment / Kardamom 3-5 Körner / 3-5 Kapseln
Zucker oder Agavendicksaft 500-1000 g / entsprechend ersetzen

Mit diesem Wissen und den genannten Rezepten und Tipps steht dem Experimentieren nichts mehr im Weg. Ob klassisch bitter, hell und floral oder gurkenfrisch - mit selbstgemachtem Tonic Sirup eröffnen sich viele Möglichkeiten, den Gin Tonic individuell und perfekt auf den jeweiligen Gin abzustimmen.

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