Sven Dunker: Traditionelle Korbimkerei und Honig-Innovationen aus der Lüneburger Heide
Die Imkerei von Sven Dunker gehört zu den letzten Oasen traditioneller Bienenhaltung in Deutschland und verbindet jahrhundertealtes Wissen um die Korbimkerei mit kreativen Honigideen, die selbst Kenner überraschen. Die Lüneburger Heide ist nicht nur eine malerische Landschaft, sondern auch ein bedeutendes Zentrum für Imkultur - und mittendrin Sven Dunker aus Eyendorf, der sich seit rund 20 Jahren der Bewahrung und Weiterentwicklung dieser besonderen Imkerkunst verschrieben hat.
Die Traditionspflege der Lüneburger Korbimkerei
„Du musst jeden Tag an deine Bienen denken“, sagt Sven Dunker, der mittlerweile einer der wenigen Imker ist, die noch die alte Kunst der Korbimkerei in der Heide praktizieren. Dabei war es nicht unbedingt vorgesehen, dass er zum Imker wurde - durch den Tod des Schwiegervaters übernahm er die Bienenhaltung und wurde von einem erfahrenen Imker, dem Bruder seines Schwiegervaters, angelernt. So hat sich Sven Dunker, von der Ausbildung her Sozialarbeiter, in die Imkerei eingefuchst.
Was ihn immer noch fasziniert, ist die besondere Arbeitsweise der Korbimkerei: „Der Korbimker versucht möglichst wenig zu intervenieren, damit die Biene nicht gestresst wird; damit sie sich wohlfühlt.“ Außerdem sorgt der Korb aus natürlichen Strohmaterialien für ein optimales Klima, und selbst schwächere Völker können sich in dem kleinen Raum besser organisieren als im großen Kasten. Krankheiten wie die Faulbrut treten in seinen Körben kaum auf. Von dem sogenannten Bienensterben sind seine Völker weniger betroffen, da sie sich in den Körben viel besser organisieren können.
Die Besonderheiten der Lüneburger Stülper
Die „Lüneburger Stülper“ - charakteristische Bienenkörbe aus der Heide - sind heute kaum noch kaufbar; erhaltene Exemplare pflegt Dunker liebevoll, einige sind über hundert Jahre alt. Besonders wichtig ist es, die Körbe mit der sogenannten „guten Maibutter“ - frischem Kuhfladen - von außen zu verputzen, um das Bienenvolk vor Wind und Regen zu schützen. „Das macht die nächsten drei Tage sehr einsam“, lacht Dunker, „bleibt aber einfach das beste Material.“
Der Umgang mit den Bienen unterscheidet sich grundlegend von der Imkerei in den Magazinbeuten: Die Korbimkerei ist ein artgerechterer Umgang mit den Bienen und entspricht somit vielmehr dem Wesen dieser fleißigen kleinen Tiere.
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Jahreszyklus und Betriebsweise der Korbimkerei
Die Schwärmzeit - also die Phase der natürlichen Bienenvermehrung - beginnt Ende April und reicht bis Mitte Mai. Der Korbimker erwartet und fördert, dass die Kolonien schwärmen: „Für uns Korbimker ist die eigentliche Vermehrung nicht das Eierlegen der Königin, sondern das Schwärmen des Bienenvolkes.“ In einem günstigen Jahr können sich zehn Völker mehrfach teilen und zu dreißig Völkern heranwachsen.
Im August, wenn die Heide blüht, reisen Dunkers etwa 30 Körbe in die Heide. Die Bienen sammeln dann fleißig Nektar und produzieren Heidehonig. Ende September endet die Saison: Die Sonne sinkt ab, die Tage werden kürzer, die Brut der Königin nimmt ab, und die Bienen werden schwächer. Dann beginnt der zweite, große Arbeitseinsatz des Jahres: Die Körbe werden mit nach Hause genommen, die Waben herausgebrochen und der Honig mit einer alten Presse aus den Waben gewonnen. Der Heidepresshonig ist dunkler und enthält mehr Bestandteile als geschleuderter Honig - ein echtes regionales Spezialprodukt.
Die so gepressten Honige sind eine qualitative Rarität: Pro Korb kommen etwa zehn Kilogramm Honig zusammen. Im Frühjahr verdreifachen sich die Völker durch das Schwärmen und werden im Herbst wieder auf etwa zehn Völker reduziert - das ist das Prinzip der Heideimkerei, abgestellt auf die Tracht aus der Heideblüte.
| Jahreszeit | Imker-Tätigkeit | Bienenaktivität |
|---|---|---|
| April - Mai | Schwarmfang und -vermehrung | Völker wachsen, Schwarmtrieb hoch |
| August - September | Wandern in die Heide, Honigernte | Honigeintrag, Heideblüte |
| Oktober - März | Einwintern, Pflege der Körbe | Winterruhe |
Kreative Honigprodukte von Sven Dunker
Neben dem klassischen Heidepresshonig ist Sven Dunker auch für seine innovativen Honig-Kreationen bekannt, vor allem Glas-Designs mit mehreren Honigsorten. Beispielsweise werden in ein 450g Sechseckglas je ca. 125g Sommertracht, weißer Rapshonig und Heidehonig nacheinander abgefüllt. Die abgefüllten Schichten müssen zwischenzeitlich gründlich auskühlen, damit keine Vermischung erfolgt. „Wir nennen es DREISCHICHTHONIG und verkaufen das Glas für 5,00 Euro“, berichtet Dunker. Besonders bei den Kunden, die Abwechslung schätzen, ist dieses Produkt als ultimatives Mitbringsel beliebt.
Allerdings erfordert die Fertigung solcher Gläser ein hohes Maß an handwerklicher Präzision und Wissen über die Eigenschaften der einzelnen Honigsorten: Oft klappt das nur in der Kombination Raps und Co., man muss eine honigdichte Folie aufspannen, damit der Deckel nicht verklebt, außerdem wird das Mindesthaltbarkeitsdatum verkürzt und es entsteht beachtlicher Mehraufwand. Die Einzelschichten müssen sehr kühl gelagert werden, da sie sonst ineinanderlaufen: Erst vermischt sich die Sommertracht mit dem Raps, dann kristallisiert der Heidehonig gerne aus und es bildet sich ein sichtbarer Rand.
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Der Anhänger der Honiggläser ist aus stärkerem, pastellfarbenen Karton, individuell gestaltet und unter dem Deckel mit Naturbast angebracht. Auf dem Etikett sind die enthaltenen Honigsorten genau vermerkt.
Vermarktung und Kundenfeedback
Anfangs war dieser Honig der absolute Bringer und für die Käufer ein Hingucker und ein ultimatives Mitbringsel für Besuche. Der Run hat nach einem Jahr etwas nachgelassen. Einige wenige Kunden kaufen diesen Honig aber immer noch sehr gerne, weil sie damit Abwechslung auf den Tisch bringen können, ohne dass sie sich ein halbes Dutzend Honiggläser in den Schrank stellen müssen.
- Multiflori, "Frühling trifft Sommer" und "Zwietrachthonig" wurden als Namen diskutiert.
- Als Hingucker am Marktstand taugt das Glas definitiv, selbst wenn der Aufwand groß ist.
Bedeutung der Korbimkerei heute
Die Korbimkerei basiert auf einem traditionellen Verständnis des Bienenvolks als eigenständigen Organismus, das sich deutlich von der modernen Kastenimkerei unterscheidet. Im Gegensatz zur Magazinhaltung, durch die der Imker das Volk auseinander nehmen kann, wie er will, ist das in den Körben nicht möglich. In der Korbimkerei muss sich der Imker auf Erfahrung und genaue Beobachtung verlassen, denn Bienen sind trotz aller Pflege immer wilde Tiere und nicht domestizierbar.
Viele Handgriffe und Tricks werden mündlich überliefert und machen den Imker zum Experten in seinem Bereich. Früher wurde diese Tätigkeit oft Älteren überlassen, da sie Erfahrung, Geduld - und Widerstandskraft gegen Bienenstiche erfordert.
Sven Dunker: Sozialarbeiter, Imker und Kulturbewahrer
Sven Dunker, der sich auch als Stadtteilmanager und Sozialarbeiter engagiert, sieht seine Aufgabe nicht nur in der traditionellen Bienenhaltung, sondern auch im Erhalt und der Weitergabe dieses alten Kulturguts. Er nutzt hierzu auch alte Werkzeuge wie Federwisch oder eine über 100 Jahre alte Honigpresse und sucht laufend nach weiteren erhaltenen Körben und Gerätschaften für seine Arbeit.
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Der Austausch mit Kunden, Kollegen und anderen Interessierten ist ihm ebenso wichtig: Er verrät offen seine Tricks und teilt seine Freude am Experimentieren mit Mehrschichthonigen.
Zusammenfassende Fakten zu Sven Dunkers Imkerei
- Fokus auf artgerechte, stressarme Haltung und traditionelle Methoden
- Eigene Kreationen: Dreischichthonig, sortenreine Rapshonige, Heidepresshonig
- Sehr geringe Verluste durch naturnahe Betriebsweise
- Starke saisonale Rhythmen in der Heideimkerei
- Liebevolle, handwerklich anspruchsvolle Gestaltung der Produkte
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