Künstliche Süßstoffe und ihre Auswirkungen auf die Zuckerforschung: Ein Überblick mit Fokus auf Stefan Kabischs Arbeit

Künstliche Süßstoffe werden oft als kalorienarme Alternative zu Zucker angepriesen, doch neue Forschungsergebnisse werfen Fragen nach ihren potenziellen Auswirkungen auf die Gesundheit auf. Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen dem Konsum künstlicher Süßstoffe und Insulinresistenz hin, wobei das Mikrobiom eine Schlüsselrolle spielen könnte. Darüber hinaus können diese Süßstoffe über die Muttermilch an Säuglinge weitergegeben werden. Angesichts dieser Erkenntnisse stellt sich die Frage, ob eine Neubewertung der aktuellen Empfehlungen erforderlich ist.

Der Reiz künstlicher Süßstoffe

Künstliche Süßstoffe wie Aspartam und Sucralose versprechen Süße ohne Kalorien. Sie sind um ein Vielfaches süßer als Zucker, was bedeutet, dass nur geringe Mengen benötigt werden, um den gewünschten Geschmack zu erzielen. Diese Eigenschaft macht sie zu einer beliebten Zutat in Light-Getränken und anderen kalorienreduzierten Produkten. Die Werbung verspricht unverfälschten Geschmack bei gleichzeitigem „Null“-Kalorien-Gehalt.

Der Konsum von Süßstoffen ist besonders in den USA stark angestiegen. Es ist zu erwarten, dass Deutschland diesem Trend mit einiger Verzögerung folgen wird.

Hinweise auf Insulinresistenz

Dr. Kristina Rother von den National Institutes of Health (NIH) betont, dass die Diskussion über die Sicherheit von Süßstoffen nicht nur auf das Krebsrisiko und die Teratogenität beschränkt sein sollte: „Wir müssen auch über metabolische Sicherheit sprechen.“ Ihrer Ansicht nach gibt es immer mehr Beweise dafür, dass künstliche Süßstoffe Insulinresistenz fördern können.

Diese Bedenken werden durch Studien gestützt, die zeigen, dass übergewichtige Probanden nach dem Konsum von Sucralose-haltigen Getränken Anzeichen von Insulinresistenz aufwiesen. Eine randomisierte Kontrollstudie mit gesunden, normalgewichtigen Personen bestätigte diese Ergebnisse.

Lesen Sie auch: Käsekuchen nach Schwarzwälder Art

Dr. Stefan Kabisch vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam äußert sich jedoch skeptisch: „Die neue Studie ist sicherlich ein wichtiger Aspekt, aber noch kein Beweis.“ Rother hält den Zusammenhang zwischen Sucralose und Insulinresistenz hingegen für praktisch nachgewiesen und vermutet, dass dies auch für andere Süßstoffe wie Saccharin und Acesulfam-K gilt.

Die Rolle des Mikrobioms

Die Forschung konzentriert sich zunehmend auf die Rolle des Mikrobioms bei den potenziellen Auswirkungen von Süßstoffen auf den Stoffwechsel. Es ist bekannt, dass die Darmflora eine wichtige Rolle bei der Nahrungsverwertung spielt und dass einige Süßstoffe in hohen Dosen bakteriostatische Eigenschaften haben können.

Eine Studie in der Fachzeitschrift „Nature“ zeigte, dass insbesondere Saccharin die Zusammensetzung der Darmflora von Mäusen verändern und dadurch eine Glukoseintoleranz auslösen kann. Entscheidend war, dass die Übertragung des Darminhalts von behandelten Mäusen auf andere Mäuse ebenfalls zu Glukoseintoleranz führte, was die Bedeutung der Darmflora unterstreicht. Es wurden jedoch keine Anzeichen einer Insulinresistenz gefunden.

Weitere Tierstudien haben Süßstoffe mit einem weniger diversifizierten Mikrobiom in Verbindung gebracht, was als negatives Zeichen gilt, da eine vielfältige Darmflora für einen gesunden Organismus wichtig ist. Allerdings konnten diese Veränderungen beim Menschen bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Weitere mögliche Mechanismen

Ein weiterer Mechanismus, durch den Süßstoffe den Insulinstoffwechsel beeinflussen könnten, ist ihre Fähigkeit, an dieselben Geschmacksrezeptoren zu binden wie herkömmlicher Zucker. Dies könnte die Ausschüttung von Inkretinen beeinflussen, die die Appetitregulation steuern und die Insulinsekretion im Pankreas verstärken. In-vitro-Studien haben gezeigt, dass künstliche Süßstoffe die Inkretinsekretion erhöhen können, aber die Studienlage im Tiermodell und beim Menschen ist inkonsistent.

Lesen Sie auch: Käsekuchen aus Freiburg

Epidemiologische Studien vs. randomisierte Kontrollstudien

Epidemiologische Langzeitstudien bringen den Konsum von Süßstoff-haltigen Getränken oft mit Übergewicht und Diabetes in Verbindung. Es ist jedoch schwierig festzustellen, ob Light-Getränke zu Übergewicht führen oder ob übergewichtige Menschen eher Light-Getränke konsumieren. Im Gegensatz dazu zeigen randomisierte Kontrollstudien keinen Einfluss von Süßstoff-haltigen Getränken auf das Gewicht oder sogar eine gewichtsreduzierende Wirkung. Diese Studien werden jedoch aufgrund der Finanzierung durch die Süßstoffindustrie und der kurzen Beobachtungszeiten kritisiert.

Süßstoffe in der Schwangerschaft

Die potenziellen Auswirkungen von Süßstoffen auf ungeborene Kinder sind ebenfalls ein Thema intensiver Diskussionen. Einige Studien haben einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Light-Getränken während der Schwangerschaft und einem erhöhten Risiko für Frühgeburten festgestellt. Andere Studien deuten darauf hin, dass Süßstoffkonsum während der Schwangerschaft das Risiko für Übergewicht im Säuglingsalter erhöhen kann. Rother weist darauf hin, dass Süßstoffe auch in der Muttermilch nachweisbar sind, obwohl sie in Babynahrung nicht erlaubt sind.

Krebsrisiko

Das schlechte Image künstlicher Süßstoffe rührte ursprünglich von dem Verdacht her, dass sie krebserregend sein könnten. Allerdings gibt es laut Rother und Kabisch diesbezüglich keine großen Bedenken mehr. Seit den 1970er-Jahren wurden über 50 Krebsstudien durchgeführt, die jedoch keine eindeutige Verbindung zwischen Süßstoffkonsum und Krebs feststellen konnten. Obwohl einige frühe Studien eine Verbindung zu bestimmten Krebsarten wie Blasenkrebs fanden, konnten diese Ergebnisse nicht bestätigt werden.

Auswirkungen auf Medikamente

In jüngster Zeit wurde vermutet, dass Süßstoffe die Pharmakokinetik bestimmter Medikamente beeinflussen könnten. Eine Tierstudie zeigte, dass Sucralose die Expression von P-Glykoprotein und Cytochrom P-450 erhöhen kann, was theoretisch die Aufnahme einiger Arzneimittel verhindern oder ihren Abbau beschleunigen könnte.

Fazit und Forschungsbedarf

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Forschung zu künstlichen Süßstoffen komplexe und widersprüchliche Ergebnisse liefert. Während ein erhöhtes Krebsrisiko unwahrscheinlich erscheint, sind die Auswirkungen auf den Stoffwechsel und insbesondere auf die Insulinresistenz weiterhin Gegenstand intensiver Forschung.

Lesen Sie auch: Fanta Lemon Zucker: Was Sie wissen sollten

Kabisch empfiehlt eine generelle Zurückhaltung bei süßen Lebensmitteln. Schwangere und stillende Mütter sollten vorsichtshalber auf übermäßigen Süßstoffkonsum verzichten, bis die Auswirkungen auf die Entwicklung des Neugeborenen vollständig geklärt sind.

Es besteht ein großer Bedarf an weiteren, unabhängigen Studien, um die langfristigen Auswirkungen von Süßstoffen auf den menschlichen Körper besser zu verstehen. Insbesondere sind Studien erforderlich, die die Auswirkungen auf das Mikrobiom, den Insulinstoffwechsel und die Pharmakokinetik von Medikamenten untersuchen.

Interview mit Stefan Kabisch: Zuckerersatz und gesunde Ernährung

In einem Interview mit Ernährungsmediziner Stefan Kabisch werden verschiedene Aspekte des Zuckerkonsums und möglicher Alternativen beleuchtet.

Die Schädlichkeit von Zucker

Kabisch relativiert die pauschale Aussage, dass Zucker „schädlich“ sei. Er weist darauf hin, dass der Grenzwert von 50 Gramm Zucker pro Tag hauptsächlich für Karies etabliert ist. Studien assoziieren hohen Zuckerkonsum zwar mit Erkrankungen wie Herzinfarkt, Diabetes und Krebs, aber es gibt viele weitere Faktoren, die hier eine Rolle spielen können.

Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe als Alternativen

Süßstoffe sind hochpotent und kalorienfrei, was sie zu einer attraktiven Alternative zu Zucker macht. Zuckeraustauschstoffe haben weniger Kalorien als Zucker, können aber in großen Mengen Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Kabisch betont, dass Erythrit eine Ausnahme bildet, da es keine Kalorien hat und gut verträglich ist.

Natürlicher Zucker vs. Industriezucker

Kabisch stellt klar, dass auch natürlicher Zucker in Honig, Agavendicksaft und Obst gesundheitlich ähnlich zu bewerten ist wie Industriezucker. Unser Körper ist evolutionär darauf trainiert, Zucker zu verwerten, was heute jedoch problematisch ist, da wir ständig Zugang zu großen Mengen Zucker haben.

Die Bedeutung der Darmflora

Kabisch weist darauf hin, dass Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe die Darmflora beeinflussen können. Menschen mit Darmerkrankungen sollten daher vorsichtig sein.

Langfristige Entwöhnung von Zucker

Die gesündeste Lösung ist laut Kabisch und Böttner, den eigenen Zuckerkonsum nachhaltig zu senken und sich die Lust auf Süßes abzugewöhnen. Dies erfordert Durchhaltevermögen und ein bewusstes Einkaufen, um versteckte Süßungsmittel in verarbeiteten Lebensmitteln zu vermeiden.

Süßstoffe und Gewichtsabnahme

Ob Süßstoffe beim Abnehmen helfen, ist noch nicht eindeutig geklärt. Manche Studien deuten auf eine Unterstützung hin, da Süßstoffe keine Kalorien haben. Andere Studien deuten jedoch auf negative Auswirkungen auf den Stoffwechsel hin.

Die Rolle von Süßstoffen in Fertiggerichten

Kabisch betont, dass Fertiggerichte aus verschiedenen Gründen problematisch sind und Süßstoffe nur ein Faktor von vielen sind.

Tageshöchstmengen für Süßstoffe

Die von der WHO festgelegten Tageshöchstmengen für Süßstoffe sind mit einem großen Sicherheitsspielraum ausgelegt.

Unterschiedliche Süßstoffe, unterschiedliche Wirkungen

Kabisch erklärt, dass sich verschiedene Süßstoffe chemisch stark unterscheiden und daher unterschiedlich im Körper verhalten.

Süßstoffe und die Vorliebe für Süßes

Süßstoffe können zwar helfen, Kalorien einzusparen, bekräftigen aber auch die Vorliebe für Süßes.

Kabischs liebste Süßspeise

Kabisch greift besonders gern zu richtig bitterer Schokolade.

Die steigende Zahl der Diabetiker

Die steigende Zahl der Diabetiker und Menschen, die durch Übergewicht krank werden, ist ein wachsendes Problem.

Podcast-Interview mit Dr. Kabisch: Zucker und gesunde Ernährung

In einem Podcast-Interview spricht Dr. Kabisch über die Attraktivität von Zucker, die Auswirkungen auf den Körper und mögliche Alternativen.

Warum essen wir so gerne süß?

Dr. Kabisch erklärt, dass die Vorliebe für Zucker evolutionäre Ursprünge hat. In der Vergangenheit war Zucker ein wichtiger Energielieferant, um Reserven für Hungerphasen anzulegen.

Das Problem des Zuckers

Dr. Kabisch betont, dass Zucker nicht langfristig satt macht und zu starken Blutzuckerschwankungen führen kann, was den Appetit anregt. Zudem wird Zucker mit einem angenehmen Gefühl verknüpft, was den Konsum verstärkt.

Die Folgen von hohem Zuckerkonsum

Dr. Kabisch nennt Karies und Stoffwechselerkrankungen wie Fettstoffwechselstörungen, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Gicht als mögliche Folgen von hohem Zuckerkonsum.

Zucker und Fettverbrennung

Dr. Kabisch erklärt, dass solange Zucker im Blut ist, keine Fettverbrennung stattfindet.

Was ist mit Zucker gemeint?

Dr. Kabisch erklärt, dass Zucker eine Variante der Kohlenhydrate ist und aus verschiedenen Kettenlängen aufgebaut sein kann. Er unterscheidet zwischen Zucker, der bereits im Lebensmittel enthalten ist, und Zucker, der zusätzlich zugesetzt wird.

Ist jeder Zucker schlecht?

Dr. Kabisch betont, dass Zucker im Apfel von Ballaststoffen und Mikronährstoffen begleitet wird, während Kristallzucker ein purer Energieträger ohne günstige Begleitwirkungen ist.

Welche Lebensmittel enthalten viel Zucker?

Dr. Kabisch nennt Getreideprodukte (insbesondere Weißmehlprodukte), Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke als Hauptquellen für Zucker.

Obst und Zucker

Dr. Kabisch empfiehlt, Obst in Maßen zu konsumieren und zuckerärmere Sorten wie Beeren zu bevorzugen.

Zuckerreduzierte Produkte

Dr. Kabisch erklärt, dass zuckerreduziert bedeutet, dass ein Lebensmittel mindestens 30 % weniger Zucker enthalten muss.

Alternativen zu Zucker

Dr. Kabisch erwähnt Diabetiker-Lebensmittel, bei denen Kristallzucker durch Fruchtzucker ersetzt wurde, als eine mögliche Alternative.

Ballaststoffe und Typ-2-Diabetes: Die OptiFiT-Studie von Stefan Kabisch

Stefan Kabisch und sein Team untersuchten in der OptiFiT-Studie die Wirkung von unlöslichen Ballaststoffen auf die Prävention von Typ-2-Diabetes.

Studiendesign und Ergebnisse

Die Studie zeigte, dass unlösliche Ballaststoffe tatsächlich den Blutzucker positiv beeinflussen können. Insbesondere Probanden mit erhöhtem Nüchternzucker profitierten von der Ballaststoffsupplementierung.

Individualisierte Ernährungstherapie

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine individualisierte Ernährungstherapie mit Fokus auf Ballaststoffe für bestimmte Patientengruppen besonders vorteilhaft sein könnte.

Weitere Forschung

Zukünftig sollen Biomarker analysiert werden, um vorhersagen zu können, wer auf welche Nahrungskomponenten wie anspricht.

tags: #stefan #kabisch #zucker #forschung

Populäre Artikel: