Spekulatius, Zutaten und Schwangerschaft: Was Schwangere wissen sollten

Die Weihnachtszeit ist eine Zeit des Genusses, und viele Schwangere fragen sich, ob sie bedenkenlos Lebkuchen, Spekulatius und andere weihnachtliche Leckereien genießen können. Dabei geht es vor allem um die enthaltenen Gewürze wie Zimt, Nelken und Ingwer, denen eine wehenfördernde Wirkung nachgesagt wird.

Gewürze in der Schwangerschaft: Maßhalten ist wichtig

Grundsätzlich gilt: Kein weihnachtliches Gewürz muss in der Schwangerschaft absolut gemieden werden. Hin und wieder kleine Mengen sind von jedem Gewürz akzeptabel. Es kommt jedoch auf die Dosis an. In üblichen Mengen zur Geschmacksveredelung in der Küche sind Gewürze und Kräuter in der Regel unproblematisch. In Form von Tee oder in größeren Mengen sollten Schwangere gewisse Kräuter und Gewürze lieber meiden. Das gilt vor allem dann, wenn die Schwangerschaft als schwierig gilt, Schwangere unter Blutungen oder frühzeitigen Wehen leiden.

Zimt

Zimt ist eines der typischen Weihnachtsgewürze und in vielen Leckereien enthalten. Tatsächlich werden Zimt als Tee sowie aus Zimt gewonnenes ätherisches Öl von manchen Hebammen zur Unterstützung der Geburtseinleitung beziehungsweise Wehentätigkeit empfohlen. Einen wissenschaftlichen Beleg für diese Wirkung gibt es bislang aber nicht. Gegen die gelegentliche Verwendung von Zimt als Gewürz spricht in der Schwangerschaft daher erst einmal nichts.

Allerdings enthält Cassia-Zimt, der häufig in Industrieprodukten verwendet wird, größere Mengen Cumarin. Cumarin kann bei empfindlichen Personen, Menschen mit vorgeschädigter Leber und in höheren Konzentrationen potenziell lebertoxisch sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt daher generell allen Menschen, zu Hause den cumarinärmeren Ceylon-Zimt zum Kochen und Backen zu verwenden. Für Fertigprodukte ist eine Deklaration des verwendeten Zimts nicht vorgeschrieben, deshalb sollte der Verzehr zimthaltiger Lebensmittel nur in Maßen erfolgen.

Nelken

Die Blütenknospen des Gewürznelkenbaums findet man zum Beispiel als Gewürz in verschiedenen Soßen oder als Zusatz zu Glühwein und Punsch. Das enthaltene ätherische Öl mit den Hauptbestandteilen Eugenol und Acetyleugenol wird auch pharmazeutisch in der Mund- und Zahnheilkunde verwendet. Das reine ätherische Öl sollte von Schwangeren nicht oder nur auf Anweisung der Hebamme verwendet werden (zum Beispiel als Badezusatz zur Wehenanregung kurz vor der Geburt). Gegen vereinzelte Nelken in alkoholfreiem Punsch oder der Bratensoße spricht aus toxikologischer Sicht in der Schwangerschaft allerdings nichts.

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Ingwer

Ingwer wird nicht nur in scharfen asiatischen Gerichten gern und viel genutzt, auch als Weihnachtsgewürz in Keksen und Lebkuchen wird das Ingwer-Rhizom verwendet. Für den scharfen Geschmack sind im Wesentlichen die Inhaltsstoffe Gingerol und Shogaol verantwortlich. In kleineren Mengen darf Ingwer in der Schwangerschaft als Gewürz oder Tee verwendet werden. Studien haben keine höhere Fehlgeburts- oder Fehlbildungsrate gezeigt, ein vermeintlicher wehenauslösender Effekt von Ingwer ist nicht wissenschaftlich belegt. Ingwer kann auch gegen leichte Formen der Schwangerschaftsübelkeit helfen, allerdings sollte die Tagesdosis von 1,5 g getrocknetem Ingwerpulver nicht überschritten werden. Dies entspricht ungefähr fünf Gramm frischem Ingwer pro Tag.

Kardamom

Getrocknete Kardamomenfrüchte sind in gemahlener Form nicht nur Bestandteil von Curry-Mischungen, sondern auch in Lebkuchen-, Punsch- und Spekulatiusgewürz enthalten. Grundsätzlich spricht bei Kardamom nichts gegen einen Verzehr, eine nachgewiesene wehenfördernde Wirkung gibt es nicht. Trotzdem sollte man, wie bei vielen anderen Gewürzen auch, den Genuss im Übermaß und die Verwendung des reinen ätherischen Öls zur Einnahme in der Schwangerschaft zur Sicherheit vermeiden.

Muskatnuss

Auch Muskat ist in normalen Mengen unbedenklich. Aber insbesondere von der Muskatnuss ist bekannt, dass ihr Pulver in höheren Dosen schädlich ist. Ab ungefähr fünf Gramm wird Muskat für den menschlichen Organismus sogar zum lebensgefährlichen Gift.

Spekulatius und Lebkuchen: Worauf ist zu achten?

Spekulatius enthält meist Zimt, Kardamom, Muskatnuss, Nelken und Ingwer. Auch hier stehen alle Zutaten (auch Kardamom) im Verdacht, Wehen anzuregen, wenn sie in größeren Mengen verzehrt werden. Keine Sorge: Die in den weihnachtlichen Leckereien wie Spekulatius enthaltenen Mengen gelten bei gelegentlichem Konsum als unbedenklich. Du darfst dir also ab und zu den ein oder anderen Spekulatiuskeks gönnen.

Lebkuchen enthält klassischerweise Nelken, Muskatnuss, Ingwer und Zimt. Diese Gewürze stehen aufgrund ihrer durchblutungssteigernden Wirkung allesamt im Verdacht, Wehen zu fördern. Aber: Die wehenfördernde Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt. Daher gilt: Falls bei dir bereits vorzeitige Wehen festgestellt wurden und/oder es sich um eine Risikoschwangerschaft handelt, solltest du Lebensmittel mit Ingwer, Zimt, Nelken und Muskatnuss besser meiden, um keine vorzeitigen Kontraktionen der Gebärmutter zu riskieren. Ansonsten kannst du die Weihnachtsmarkt-Leckereien in Maßen auch in der Schwangerschaft genießen.

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Marzipan, gebrannte Mandeln und Co.

Marzipan

Marzipan enthält einen gewissen Anteil an Bittermandeln. Zudem kann Marzipan-Konfekt mit Rosenwasser abgeschmeckt sein. Dennoch erachten Ernährungsexperten einen moderaten Marzipan-Konsum in der Schwangerschaft nicht als problematisch. Der Alkoholanteil ist verschwindend gering. Oft werden lediglich Aromen verwendet. Auch die Bittermandeln sind in diesem Fall unbedenklich. Bei der Marzipanherstellung werden sie erhitzt. Dadurch verflüchtigt sich die hitzeempfindliche Blausäure auf ein unbedenkliches Maß. Achte jedoch auf die Zutatenliste und stelle es gegebenenfalls selbst her, um auf Rosenwasser zu verzichten.

Gebrannte Mandeln

Zur Herstellung gebrannter Mandeln werden süße Mandeln verwendet. Diese sind nicht schädlich für dein Baby. Der darin enthaltene Anteil an Amygdalin, eine Vorstufe der Blausäure, ist verschwindend gering. Bittere Mandeln enthalten hingegen viel Amygdalin. Amygdalin wird im Magen zu giftiger Blausäure umgewandelt. Auf Bittermandeln solltest du daher in der Schwangerschaft unbedingt verzichten - zumindest, wenn sie unbehandelt sind. Süße, gebrannte Mandeln kannst du dir hingegen schmecken lassen. Bedenke aber, dass gebrannte Mandeln wahre Kalorienbomben sind.

Weitere Tipps für die Weihnachtszeit

  • Achte auf Qualität: Kaufe Spekulatius und Co. im Supermarkt, achte auf Bio-Qualität.
  • Selbst backen: Backe dir deine Weihnachtsmarkt-Leckereien selbst, um die Inhaltsstoffe besser kontrollieren zu können.
  • Vermeide Alkohol: Alkohol sollte in der Schwangerschaft tabu sein. Auf Glühwein, Jagertee und Eierpunsch wirst du also verzichten müssen.
  • Alternativen genießen: Die meisten Früchte- und Kräutertees, Kinderpunsch sowie heißen Apfelsaft oder eine heiße Schokolade kannst du auch in der Schwangerschaft genießen. Bedenke aber, dass die meisten auf Weihnachtsmärkten angebotenen Getränke einen hohen Zuckergehalt aufweisen. In Kinderpunsch ist zudem häufig Zimt enthalten.
  • Nicht für zwei essen: Viele Schwangere achten auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung. Vielen Schwangeren ist aber nicht bewusst, dass sie, bezogen auf die zugeführte Kalorienmenge, auf keinen Fall „für zwei“ essen dürfen. Der Energiebedarf steigt im Gegensatz zum Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft nur geringfügig an.

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