Schokoladen-Nikolaus: Geschichte, Herstellung und kulturelle Bedeutung

Der Dezember ist da, und mit ihm rückt ein besonderer Tag näher: der Nikolaustag - ein Tag voller kleiner Überraschungen und vielleicht auch ein wenig Magie! Am 6. Dezember feiern wir eine Tradition, die uns seit Jahrhunderten begleitet und die Weihnachtszeit noch ein bisschen festlicher macht. Doch hinter den Stiefeln voller Süßigkeiten steckt mehr als nur ein schöner Brauch - der Nikolaustag erinnert uns auch an Werte wie Großzügigkeit und Gemeinschaft.

Wer war der heilige Nikolaus von Myra?

Die Figur des Nikolaus geht zurück auf Nikolaus von Myra, einen Bischof, der vor über 1.600 Jahren in Kleinasien lebte. Nikolaus gilt als historisch gesicherte Figur und wirkte in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts als Bischof von Myra in der kleinasiatischen Region Lykien, die auf dem Gebiet der heutigen Türkei lag. Ihm wird nachgesagt, dass er sein Leben den Bedürftigen widmete und durch großzügige Spenden und Hilfsaktionen berühmt wurde. Er setzte sich für verfolgte Christen ein, ertrug selbst Folter und trat später beim Konzil von Nizäa für seine Glaubensüberzeugungen ein. Da dieser Bischof am 6. Dezember gestorben ist, wird der Nikolaus zu Ehren dieses Datums gefeiert.

Ein anderer, ebenfalls verehrter Nikolaus war ein Abt und Bischof im 6. Jahrhundert, der in der Nähe von Myra lebte und ebenso ein tiefes Vermächtnis hinterließ. Mit der Zeit verschmolzen die Geschichten beider Männer zur verehrten Gestalt des heiligen Nikolaus, dessen Vermächtnis sich besonders durch seine Güte und Hilfsbereitschaft auszeichnet. Die Gebeine von Nikolaus von Myra wurden im 11. Jahrhundert nach Bari überführt, wo sie heute noch in der Basilika San Nicola ruhen.

Legenden und Wunder: Vom Goldklumpen bis zum Kornwunder

Im Mittelpunkt vieler Legenden stehen kleine Geschenke für die Kinder am Nikolaustag. So soll es in Myra einen Vater gegeben haben, der drei Töchter hatte. Nikolaus hörte davon und warf an drei aufeinanderfolgenden Abenden je einen großen Goldklumpen durchs Fenster der drei Mädchen. Das wiederholt er, bis alle drei Kinder versorgt sind. Als Nikolaus während einer Hungersnot Schiffe aus Alexandrien mit Korn für Rom vor Anker gehen, bittet er die Kapitäne, der Stadt einen Teil des Korns zu verkaufen. Zur Kontrolle wurden Markierungen an den Schiffsrümpfen angebracht. Und das Wunder geschieht, die Stadt kann Korn für zwei Jahre erwerben. Solche Legenden gibt es viele. Es sind Erzählungen von Wohltätigkeit und Barmherzigkeit, Verständigung und Großmut als Zeichen göttlicher Liebe.

Bräuche rund um den 6. Dezember

In vielen Ländern, insbesondere in Deutschland, ist es Brauch, am Vorabend des Nikolaustages die geputzten Stiefel oder Schuhe vor die Tür zu stellen. In der Nacht soll der Nikolaus vorbeikommen und diese mit allerlei Leckereien wie Nüssen, Mandarinen oder Schokolade füllen. Vielleicht versteckt sich auch eine kleine Überraschung darin - aber nur, wenn die Schuhe blitzblank geputzt sind! Für viele Familien ein fester Bestandteil der Adventszeit - mit gefüllten Stiefeln, leuchtenden Kinderaugen und kleinen Überraschungen am Morgen.

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Traditionell waren es einfache Dinge: ein Apfel, ein paar Walnüsse, getrocknete Früchte. Alles, was man damals im Winter zur Hand hatte - nahrhaft, haltbar und ohne viel Verpackung. Gerade Trockenfrüchte und Nüsse passen bis heute wunderbar - nicht nur, weil sie gut schmecken, sondern weil sie ein Stück Ursprünglichkeit mitbringen. Die Traditionspflege umfasst zudem, dass der Nikolaus in manchen Regionen persönlich in Begleitung von Knecht Ruprecht, Krampus oder anderen Begleitern erscheint.

Der Schokoladen-Nikolaus: Entstehung und Entwicklung

Schokolade gehört zu Weihnachten wie der Weihnachtsbaum oder der Adventskalender, und zwar in vielen Ländern der Welt. Die Idee für den Schokoladen-Weihnachtsmann stammt aus der Zeit um 1820. Damals wurden die ersten Figuren zur Weihnachtszeit aus massiver Schokolade hergestellt, sie waren also nicht wie heute innen hohl, sondern bestanden aus einem großen Stück Schokolade. Circa 1840 folgten dann die heute bekannten Nikoläuse in Form von Schokoladenhohlkörpern.

Diese Schoko-Nikoläuse entstanden zunächst aber alle in Handarbeit und wurden ausschließlich von lokalen Konditoreien und Manufakturen hergestellt. Erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann man in Deutschland mit der maschinellen Produktion von Schokoladen-Weihnachtsmännern, die diese Süßigkeiten der Vorweihnachtszeit zum Massenprodukt machten. Ab den 1950er Jahren konnte der Schokoladen-Weihnachtsmann durch innovative Verfahren in großer Menge industriell gefertigt werden. Auf diese Weise entstanden die noch heute beliebten Relief-Weihnachtsmänner und später die Hohlfiguren im Schleudergussverfahren.

Schokoladen-Nikoläuse in verschiedenen Größen und Verpackungen

Herstellungsverfahren kurz erklärt

Dazu wird flüssige Schokolade zwischen die Hälften einer Form gegeben, die im Schleudergussverfahren die Schokolade gleichmäßig verteilt. Ist die Schokolade abgekühlt, kommt der fertige Schokoladenhohlkörper aus der Form und wird entsprechend verpackt. Der gesamte Herstellungsprozess dauert bis zu 24 Stunden. Verpackt werden die Schokoladen-Figuren seit Jahrzehnten in Aluminiumfolie. Mittlerweile gibt es sogar reißfeste Folien, die auch bei kantigen Schokoladenfiguren nicht reißen.

Produktionszahlen, Saisonalität und Mythen

Im Jahr 2020 wurden in Deutschland ca. 151 Millionen Schokoladen-Weihnachtsmänner hergestellt. Heute sind Schoko-Weihnachtsmänner aus der Adventszeit nicht mehr wegzudenken. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2021 rund 160 Millionen Schokoladen-Nikoläuse und Weihnachtsmänner hergestellt. Knapp ein Drittel dieser besonderen Begleiter durch die Weihnachtszeit werden exportiert und erfreuen die Menschen in Europa und Übersee. Für die großen Hersteller beginnt die Produktion meist bereits Anfang Mai.

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Ein hartnäckiges Gerücht besagt, dass nicht verkaufte Schokoladen-Nikoläuse eingeschmolzen und zu Schokoladenosterhasen umgewandelt werden. Kurzum: Die vermeintliche Verwandlung von unverkauften Schoko-Nikolaus(en) in Osterhasen ist definitiv ein Gerücht. Vielmehr nutzen viele Händler und Supermärkte die übrig gebliebenen Weihnachtssüßigkeiten für Sonderangebote oder als Spenden für gemeinnützige Einrichtungen und Organisationen.

Schoko-Nikolaus versus Schoko-Weihnachtsmann: Ikonographie und Markt

Sie schmecken beide himmlisch und sehen einander zum Verwechseln ähnlich: Der lange weiße Bart, die ungewöhnliche Kleidung, die füllige Statur - die Schoko-Ausgaben von Nikolaus und Weihnachtsmann können auf den ersten Blick nur von Profis auseinander gehalten werden. Auch wenn Mitra, Bischofsstab und Ring den Heiligen aus Myra eindeutig kennzeichnen. Meistens ist der Weihnachtsmann alleine im Supermarktregal anzutreffen, denn bereits seit vielen Jahrzehnten ist er der unangefochtene Champion an der adventlichen Ladenkasse.

"Wir beobachten das mit Freude", sagt Schwester Theresita Müller vom Bonifatiuswerk. Das Nordeuropa-Hilfswerk aus Paderborn wirbt seit 2002 mit ihrer Aktion "Weihnachtsmannfreie Zone" für das Nikolaus-Brauchtum und hat durch ihre Initiative dafür gesorgt, dass der Schoko-Bischof auf dem Vormarsch ist. "Der Nikolaus hat uns auch heute noch viel zu sagen", betont Sr. Theresita mit Blick auf den Einsatz des Heiligen für arme und benachteiligte Menschen.

Bei der Confiserie Riegelein hingegen hält man sich sehr bedeckt mit konkreten Zahlen. Dabei hat das Schokoladenunternehmen aus Cadolzburg bei Nürnberg Nikolausdarstellungen nach eigenen Angaben schon "seit mehreren Jahrzehnten" im Sortiment. Stolz betont man, der Nikolaus trage das traditionelle Bischofsgewand mit aufgesetzter Mitra und angeklebtem Bischofsstab. Zudem biete Riegelein "als einer von wenigen Herstellern zahlreiche Varianten in unterschiedlichen Größen" an.

Regionale Unterschiede

In der Tat tun sich viele große Firmen der Schokoladen-Branche wesentlich schwerer mit dem Nikolaus als kleinere Unternehmen, von denen selbst nur eine Handvoll Schoko-Bischöfe herstellt. So sind etwa von den beiden größten Schokoladen-Marken Milka und Lindt in Deutschland keine Nikoläuse erhältlich. Sehr wohl aber in Österreich, wo die Schokoladenfiguren des Heiligen auch im Einzelhandel einen etablierten Platz haben. Der Schokoladen-Nikolaus in Österreich ist bis heute die gängige Weihnachtsfigur und auch bei uns gibt es vereinzelte Schoko-Nikoläuse zu kaufen.

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Schoko-Nikolaus mit Mitra und Bischofsstab neben Schoko-Weihnachtsmann

Kulturelle Debatten: Weihnachtsmannfreie Zone und öffentliche Wahrnehmung

Sr. Theresita ist es nur Recht, dass einige wenige Schokoladenhersteller Sankt Nikolaus für sich entdeckt haben. Schließlich geht es dem Bonifatiuswerk darum, den Heiligen in der Öffentlichkeit präsenter zu machen. Das habe die "Weihnachtsmannfreie Zone" in der Vergangenheit jedoch zu sehr in Abgrenzung zum Weihnachtsmann getan, gibt die Ordensfrau zu. Aus Nord- und Ostdeutschland, traditionell nicht-katholischen Regionen, kam Kritik: „Die Gläubigen haben uns gebeten, ihre Lebensrealität zu akzeptieren. Der Weihnachtsmann ist in der Gesellschaft verwurzelt und kein bewusster Ausdruck gegen den christlichen Glauben“, erklärt Sr. Theresita. Seit diesem Jahr drücke man sich wohlwollender aus: "Wir sagen nun: Am 6."

Der Theologe und Brauchtumsexperte Manfred Becker-Huberti hat die Geschichte des Schokoladen-Bischofs erforscht: "Noch in den 1930er Jahren waren Schoko-Nikoläuse in katholischen Regionen stark verbreitet." In den folgenden Jahrzehnten nahm die Bedeutung des Heiligen jedoch stark ab - auch "weil der Weihnachtsmann inzwischen in der Alltagskultur angekommen war".

Ethik und Fairness: Kakao, Produktionsbedingungen und Labels

Doch heute stellt sich eben auch die Frage nach dem Kakao in der Figur. Wie fair wurde er gehandelt? Müssen Kinder in Afrika dafür bezahlen, dass die Schokofiguren bei uns nicht noch teurer werden? Fairer Handel hat seinen Preis. Das ist nicht nur beim Kakao so. Während sich also Kinder und auch Erwachsene bei uns über die Schokofiguren freuen, ist das in den Ländern des Südens ganz anders. Da hat der Kakao viel zu oft einen bitteren Geschmack, weil die Menschen, die die Bohnen ernten, nicht fair bezahlt werden.

Das ist den süßen Figuren leider nicht anzusehen. Und so manches Label, das den Kakao als fair gehandelt bezeichnet, ist fragwürdig, da es von den Herstellerfirmen selbst erstellt wurde. Also bleibt manchmal tatsächlich nur das schlechte Gewissen, wenn da nicht Schokofiguren im Regal stehen, die offizielle Hinweise tragen. Also Label, die bestätigen, dass der Kakao dieser Figur tatsächlich aus fairem Handel stammt.

Tag des Schokoladennikolaus und moderne Feierformen

Wie lässt sich der 6. Dezember als Nikolaustag im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt am besten begehen? Richtig, mit einem eigenen Anlass, den wir seit 2021 als bundesweiten Tag des Schokoladennikolaus feiern. Der Tag des Schokoladennikolaus ist eine Erfindung bzw. Idee von Sven Giese, Inhaber und Betreiber des Kalenders der kuriosen Feiertage aus aller Welt. Damit reiht sich dieser Anlass in die Reihe vorweihnachtlicher Aktionstage im Dezember.

Vielleicht lässt sich der Nikolaustag auch auf moderne Weise feiern. Ein kleines Dankeschön an einen Kollegen, eine digitale Grußkarte, oder einfach eine nette Nachricht - auch diese Gesten passen perfekt in die Nikolaustradition. Schließlich muss der Geist des Nikolaus nicht immer in Form eines Stiefels mit Süßigkeiten daherkommen.

Kurzer Erklärfilm: Wer war Nikolaus von Myra?

Praktische Fragen zum Schoko-Nikolaus

  • Wer hat den Schokoladennikolaus erfunden? - Die historischen Nikoläuse aus Schokolade entstanden um 1820 in Deutschland; Hohlkörper folgten circa 1840.
  • Wie entsteht ein Schokoladennikolaus? - Meist im Schleudergussverfahren: flüssige Schokolade in Formen, Drehung, Abkühlung, Verpackung.
  • Wie viele Schokoladen-Weihnachtsmänner werden produziert? - In Deutschland wurden 2020 ca. 151 Millionen und 2021 rund 160 Millionen hergestellt.
  • Beginnt die Produktion früh? - Große Hersteller starten oft bereits Anfang Mai, um Nachfrage und Produktionsplanung zu sichern.
  • Werden nicht verkaufte Nikoläuse zu Osterhasen? - Das ist überwiegend ein Gerücht; meist werden Überschüsse reduziert verkauft oder gespendet.

Bräuche, Bildung und Weitergabe

Was sich auch immer rund um den Heiligen an Sagen und Gebräuchen entwickelt hat, ändert nichts an der Botschaft: Als Vorbild in Sachen Nächstenliebe kann Nikolaus für alle Christinnen und Christen gelten. Der Nikolaustag erinnert uns daran, wie wenig es braucht, um anderen eine Freude zu machen. Manchmal genügt schon eine Handvoll Trockenfrüchte - mit Liebe ausgewählt, schlicht verpackt, ehrlich gemeint.

Für Kinder bietet der Nikolaustag Gelegenheit, Geschichten zu hören, Nikolausbilder auszumalen oder im Kindergarten und der Schule Bräuche lebendig zu halten. Nikolausbilder zum Ausmalen oder kleine Theaterstücke verknüpfen Bildung mit Tradition und vermitteln die Werte, die mit dem Heiligen verbunden sind: Großzügigkeit, Solidarität und Hilfsbereitschaft.

Tabelle: Kurzer Überblick - Schokoladen-Nikolaus im Faktencheck

ThemaFakt
Erste Schoko-Nikoläuseum 1820 in Deutschland aus massiver Schokolade
Hohlfigurenca. 1840 entstanden, Schleudergussverfahren später etabliert
Produktion Deutschland (2020/2021)ca. 151 Mio. / rund 160 Mio. Figuren
Haltbarkeits-MythosUmwandlung zu Osterhasen überwiegend Gerücht
EthikFragen zum fairen Kakao und Produktionsbedingungen

In diesem Sinne: Euch allen einen entspannten Tag des Schokoladennikolaus. Egal, ob in Deutschland oder sonst wo auf der Welt. :)

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