Schokoladenschwein: Herstellung und Geschichte eines süßen Glückssymbols

Gerade haben wir Silvester gefeiert und das neue Jahr begrüßt. Dabei wurden auch Glückssymbole, wie vierblättrige Kleeblätter, Schornsteinfeger, Pfennige, Hufeisen und auch Schweine verschenkt. Neben dem vierblättrigen Kleeblatt und dem Schornsteinfeger darf das Marzipanschweinchen als Glückssymbol zum neuen Jahr nicht fehlen.

Unser Schwein hat eine ebenso lange wie ruhmvolle Geschichte. Von seiner Bedeutung in Mythen und Religionen ist nur noch seine Rolle als Glücksschwein geblieben - aber das ist ja auch das Beste, was einem widerfahren kann.

Glückssymbole zu Neujahr: Kleeblatt, Hufeisen, Schornsteinfeger und Schokoladenschwein

Vom heiligen Eber zum süßen Glücksschwein

Die Babylonier opferten dem Schweinegott Tammuz, in Indien steht bis heute der hinduistische Gott Vishnu hoch im Kurs. Eine seiner Verkörperungen ist ein Keiler. Auch die Ägypter und die Hellenen huldigten der Wutz. Naturgemäß war der Eber auch den Germanen heilig, ein Symbol der Stärke und Fruchtbarkeit, später für Wohlstand und Reichtum.

Das Schwein als Allesfresser und Bewohner des Unterholzes eignet sich nicht als Vieh für Nomaden; die suchen offene Weidegründe für ihre Herden, die sich vom Gras der Steppen ernähren. Wenn das Schwein domestiziert wird, dann steht es logischerweise für Sesshaftigkeit. Deshalb verachten Nomadenvölker das Schwein der Ackerbaukulturen.

Bei den Griechen und Römern war es ein Zeichen für Wohlstand. Im jüdischen und muslimischen Kulturkreis wurde und wird das Schweinefleisch hingegen als unrein angesehen. Aber auch in christlichen Gesellschaften wurde das Schwein häufig mit Schmutz und Gefräßigkeit verbunden, schließlich setzte man im Mittelalter freilaufende Schweine zur Müllentsorgung in den Städten ein. Andererseits konnten gemästete Ferkel, die auch mit Essensresten gefüttert wurden und schnell zu großen Schweinen heranwuchsen, gegessen oder mit Gewinn verkauft werden.

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Neujahrsbräuche und das süße Schwein

Das Glücksschwein erinnert an den wilden Eber, der unter den Germanen heilig war und bis heute Glücksbringer geblieben ist. Oft werden auch Glückskleetöpfchen verschenkt. Eine Glücksschuppe vom Neujahrskarpfen oder anderen Fischen legt man sich gerne in den Geldbeutel, denn er bedeutet Glück und die Vermehrung des Geldes.

Hufeisen schützten Pferde und entwickelten sich so zu einem Symbol für Schutz und Glück. Ein vierblättrige Kleeblatt soll Glück bringen, weil es durch seine seltenen vier Blätter Glück und Heil vervielfacht. Schornsteinfeger galten seit dem Mittelalter als Glücksboten, weil sie den schädlichen Ruß, der oftmals zu Hausbränden führte aus den Kaminen entfernten.

Reportage: Glücksschwein und Schokolade im Neujahrsbrauchtum

Wie die Schokolade nach Europa kam - und warum sie „für Schweine“ gehalten wurde

Zu den erstaunlichen Produkten, die im Zuge der großen Entdeckungen nach Europa gelangten, gehörte die Schokolade. War sie Medizin, Fastenspeise, Aphrodisiakum? Wissenschaftler rekonstruieren in frühneuzeitlichen Texten eine leidenschaftliche Debatte. Spätestens um etwa 400 v. Chr. verlor diese Kultur jedoch an Bedeutung. Die Mayas und Azteken traten an ihre Stelle und führten die Kakaokultur fort. Vor allem aber wurde er als Getränk geschätzt.

Der berühmte Azteken-Herrscher Montezuma soll geradezu süchtig nach seinem „cacahuatl“ gewesen sein: Überlieferungen zufolge trank er täglich mehr als 50 Tassen. Dabei war der Kakao von damals nicht mit dem heutigen zu vergleichen. Denn die Mayas und Azteken nahmen ihn ungesüßt zu sich, was den italienischen Botaniker Benzoni nach seiner Mexiko-Reise im 16. Jahrhundert zu der Aussage genötigt haben soll, der Kakaotrank sei „ein Gesöff, eher für die Schweine denn für die Menschen gedacht“.

Nach der Entdeckung Amerikas durch Columbus im Jahre 1492 fand die Schokolade Anfang des 16. Jahrhunderts ihren Weg nach Spanien, um sich schließlich über Italien und Frankreich nach ganz Europa auszubreiten. Erst durch die Zugabe von Honig und Rohrzucker entfaltete die Schokolade ihren Reiz. Nach und nach begann sie sich am spanischen Königshof und beim Adel als ein begehrtes Getränk durchzusetzen. Schließlich wurde sie als ein Nationalgetränk gefeiert.

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Debatten über Moral, Fasten und Gesundheit

Über die vorsichtige Annäherung berichtete der italienische Kaufmann Girolamo Benzoni: „Sie (die Schokolade) schien eher ein Getränk für Schweine zu sein als für die Menschheit.“ Nachdem er es aber probiert hatte, änderte sich das Urteil: „Der Geschmack ist ein wenig bitter, es sättigt und erfrischt den Körper, macht jedoch nicht betrunken und ist, wie die Indianer dieses Landes sagen, die beste und teuerste Ware.“

Der Geschmack der Schokolade war auf jeden Fall so überzeugend, dass sich in Europa umgehend eine breite Debatte über die Frage entspann, wie dieses erstaunliche Getränk zu charakterisieren sei und ob man seinen Genuss überhaupt mit Religion, Moral und Gesundheit in Einklang bringen könne. Erst Papst Pius V. (1504-1572) erlaubte den Ordensleuten ihre Schokolade im Jahr 1569, nachdem er diese selbst nach traditioneller Herstellung (kalt angerührt und stark gewürzt) probiert und nicht als Gaumenfreude empfunden hatte.

So befand kein Geringerer als der Leibarzt Philipps II. von Spanien, Francisco Hernández de Toledo: „Sie wärmt den Magen, parfümiert den Atem … bekämpft Gifte, lindert Magenschmerzen und Koliken“ und regt nicht zuletzt „die geschlechtliche Lust an“. Diese „Schokoladen-Diät“, die eine französische Diplomatengattin für den Erhalt ihrer Gesundheit verantwortlich machte, blieb allerdings in den meisten Ländern Europas ein Privileg der besseren Gesellschaft.

Aztekische Schokoladentradition: Montezuma und der Kakaotrank

Vom Trank zur Tafel: Der Weg zur Schokoladenfigur

Tafelschokolade ist ein Produkt der Industrialisierung. Preiswerter Plantagenanbau in großem Stil war mit ihm nur bedingt zu machen. Auch pflegten die Europäer die Bitterkeit ihrer heißen Schokolade durch die Zugabe von allerlei fremdartigen und damit teuren Kolonialwaren zu mildern. Zimt, Vanille, Chili, Anis und natürlich Rohrzucker aus der Karibik sorgten dafür, dass sich in West- und Mitteleuropa nur Adlige und wohlhabende Bürger den Genuss des Göttertranks leisten konnten.

Die erste Schokoladenfabrik gründete dann aber erst Joseph Fry in Bristol (England) in der Mitte des 18. Jahrhundert. Ihr exklusiver Charakter errichtete der Schokolade jedoch vielerorts gesellschaftliche Hürden, die erst ihre leichtere Verfügbarkeit im Zuge des technischen Fortschritts des 19. Jahrhunderts einebnete. Bevor sie in fester Form zum Genussmittel für breite Massen wurde, sorgte ihr Konsum in privilegierten Kreisen dafür, dass „aus der Schokolade geradezu ein Symbol der Verweichlichung und Nutzlosigkeit der Aristokratie (wurde), die dem Aktivismus und der klaren Rationalität des Bürgertums gegenüberstanden“.

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Warum das Schwein zur Schokolade passt

Neben dem vierblättrigen Kleeblatt und dem Schornsteinfeger darf das Marzipanschweinchen als Glückssymbol zum neuen Jahr nicht fehlen. Frische Wurst und frischer Braten waren also echter Luxus. „Das Schwein war in früheren Zeiten ein zentraler Bestandteil von Weihnachten. So hat das Weihnachtsschwein in Dänemark eine besondere Bedeutung erhalten und noch heute werden Schweinefiguren aus Schokolade, Marzipan, Holz, Porzellan u.a. Materialien in der Weihnachtszeit verkauft.

Ein so göttliches Tier - es frisst Reste und liefert Schmalz, Schinken und Sülze - genoss natürlich auch im christlichen Abendland den Segen der Kirche. Der bekannteste Schweineheilige ist der Abt Sankt Antonius. Übrigens gibt es auch einen Patron der Schweine und Schweinehirten: es ist der Heilige Antonius der Große (seine Lebensdaten sind nicht genau gesichert, um 250 -356 n. Chr.).

Historische Schokoladenformen: Vom Hohlkörper zur Schweinefigur

Herstellung eines Schokoladenschweins: Von der Bohne zur Figur

Nachdem er es aber probiert hatte, änderte sich das Urteil: „Der Geschmack ist ein wenig bitter, es sättigt und erfrischt den Körper, macht jedoch nicht betrunken und ist, wie die Indianer dieses Landes sagen, die beste und teuerste Ware.“

Nach und nach begann sie sich am spanischen Königshof und beim Adel als ein begehrtes Getränk durchzusetzen. Schließlich wurde sie als ein Nationalgetränk gefeiert. Tafelschokolade ist ein Produkt der Industrialisierung. Die erste Schokoladenfabrik gründete dann aber erst Joseph Fry in Bristol (England) in der Mitte des 18.

Wer kein Schwein mag und bei festlichen Anlässen lieber eine Lammkeule oder einen Spiegelkarpfen auf edlem Porzellan serviert, hat dennoch direkt vor seiner Nase ein Schweinchen: Denn das Wort Porzellan leitet sich letztlich von lateinisch "Porcella" ab, dem Ferkel. So lugen nun aus jedem Geschirrschrank ein paar kleine Schweinchen hervor - Glücksschweine wie wir annehmen dürfen, gewissermaßen Symbole unserer Überzeugung, dass wir auch im kommenden Jahr reichlich zu Essen haben.

Marzipanschwein, Risalamande und Julegris

Weihnachten ist ein wichtiges Fest für die Dänen. Es bringt Licht und Gemütlichkeit in eine Zeit, in der das Tageslicht eher knapp ist. Man findet die dänischen Weihnachtsschweine immer wieder. Denn die Geschichte beginnt beim Risalamande - einem Reisbrei, der in Dänemark traditionell als Dessert am Weihnachtsabend gegessen wird. Genau dieses Mandelgeschenk ist meist ein Schwein. Ein kleines Marzipanschwein, das mit einer kleinen Schleife geschmückt ist.

Im 18. Jahrhundert war Fleisch kostbar und wurde nicht oft serviert. Doch es gab auch das Julegris, ein Schwein welches kurz vor dem Fest geschlachtet wurde. So gab es an Weihnachten tatsächlich frisches Fleisch. Das war etwas ganz Besonderes für die Menschen damals.

Herstellung von Marzipan- und Schokoladenschweinen in der Konditorei

Ikonografie, Legenden und Literatur rund um das Schwein

Die Hirten der fröhlich grunzenden Herden standen überall hoch im Kurs. Tristan aus der Artussage war ein keltischer Schweinehirt, einer weiteren Sage nach sogar einer der drei mächtigsten Schweinehirten der britischen Inseln - damals also einer der Royals. Der berühmteste von ihnen ist jedoch Eumaios - aus der Odyssee.

Wilhelm Busch zeigt in einer seiner Schnurren, wie Antonius an der Himmelstüre klopft und dabei ein Schwein mit sich führt. Die Empörung der Frommen ob der Sau im Himmel war groß. Doch Maria hatte ein Einsehen: "Willkommen! Gehet ein in Frieden! Hier wird kein Freund vom Freund geschieden. Es kommt so manch ein Schaf herein, warum nicht auch ein braves Schwein. Da grunzte das Schwein, die Englein sangen. So sind sie beide hineingegangen." Der Verleger von Wilhelm Busch musste sich für diese Verslein vor irdischen Richtern verantworten: "Wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses durch unzüchtige Schriften".

Unser Schwein hat eine ebenso lange wie ruhmvolle Geschichte. Da haben die Säue noch mal Schwein gehabt. Einen guten Rutsch und viel Schwein im neuen Jahr. Mahlzeit!

Schokolade, Kirche und Fastenregeln

Bier war selbst in der Fastenzeit erlaubt. Dieser Grundsatz war unstrittig - zumindest, wenn es aus Pflanzen hergestellt wurde. Aber gilt er auch bei Kakao? Generationen von Päpsten waren anderer Meinung. Erst Papst Pius V. (1504-1572) erlaubte den Ordensleuten ihre Schokolade im Jahr 1569, nachdem er diese selbst nach traditioneller Herstellung (kalt angerührt und stark gewürzt) probiert und nicht als Gaumenfreude empfunden hatte. Bevor die Zeitgenossen unbeschwert zum Wundertrank greifen konnten, mussten Theologen jedoch ausgiebig die Frage erörtern, ob er denn auch während der Fastenzeiten seine Wirkung entfalten dürfe.

Klosterkultur: Schokolade als Fastentrank und Debatten der Theologen

Schokolade als Luxus, Medizin und Alltagsgut

Sie vervollständigte mit Kaffee und Tee die Trias der neuen Luxusgetränke, mit denen die europäischen Weltentdecker in der Frühen Neuzeit ihren heimatlichen Kontinent konfrontierten. Damit traf der Schwede ziemlich genau den Rang, den die Azteken dem Kakaoerzeugnis beimaßen, das übrigens bis ins 19. Jahrhundert stets getrunken wurde; Tafelschokolade ist ein Produkt der Industrialisierung.

Von da war es in den Medizinschrank nicht weit. Obwohl der niederländische Privatgelehrte Johannes de Laet warnte, dass „unmäßiger Gebrauch des aus Kakao hergestellten Getränks Verstopfung verursache“, trug die Mehrheit der Autoren gute Argumente vor, um die Schokolade für die Volksgesundheit zu sichern. Dem konnte der englische Arzt Henry Munday nur beipflichten, indem er von einer unfruchtbaren Frau berichtete, die nach dem Genuss von Schokolade Drillinge geboren habe, die sogar am Leben geblieben seien.

Symbolik im Alltag: Porzellan und Schwein

Wer kein Schwein mag und bei festlichen Anlässen lieber eine Lammkeule oder einen Spiegelkarpfen auf edlem Porzellan serviert, hat dennoch direkt vor seiner Nase ein Schweinchen: Denn das Wort Porzellan leitet sich letztlich von lateinisch "Porcella" ab, dem Ferkel. So lugen nun aus jedem Geschirrschrank ein paar kleine Schweinchen hervor - Glücksschweine wie wir annehmen dürfen, gewissermaßen Symbole unserer Überzeugung, dass wir auch im kommenden Jahr reichlich zu Essen haben.

Schokoladenschwein und Marzipanschwein: Symbole des Wohlstands

Daten und Fakten: Schokolade, Schwein und Neujahr

AspektKernaussage
Azteken und KakaoMontezuma trank täglich mehr als 50 Tassen „cacahuatl“
Europäische RezeptionErst mit Honig und Rohrzucker wurde Schokolade beliebt
Kirchliche BewertungPapst Pius V. erlaubte 1569 Schokolade im Fasten
IndustrialisierungTafelschokolade ist ein Produkt des 19. Jahrhunderts
GlückssymboleMarzipanschweinchen, Kleeblatt, Hufeisen, Schornsteinfeger
Kulturelle DeutungSchwein: Stärke, Fruchtbarkeit, Wohlstand und Glück

Erzählungen vom süßen Glück

Fröhliche Glücksgeschichte zu Neujahr Hat ein Glücksschwein immer Glück? „Manchmal zeigt das Glück, wie zerbrechlich Stolz sein kann.“ In der Bäckerei Huber träumt ein besonders stolzes Marzipanschwein vom ganz großen Glück - bis es plötzlich zerbricht. Eine lustige, zugleich lehrreiche Neujahrsgeschichte über Stolz, Schicksal und das Glück im Unglück.

Das Glücksschwein Auf der Ladentheke gleich neben der Kasse der Bäckerei Huber standen an den Tagen vor Silvester viele Reihen frisch geformter Glücksschweine aus Marzipan mit einem Kleeblatt im Mund. Eines dieser Schweine schien etwas aus der Art geraten zu sein. Es war größer als seine Kollegen, denn Bäcker Huber hatte beim Formen noch etwas Marzipan übrig gehabt. Während es sich noch wunderte, kam ein Hund von der Straße in die Bäckerei geflitzt und fraß die Marzipanreste rutzeputz auf.

Vorlesung: Die Kulturgeschichte des Glücksschweins und der Schokolade

Ausblick: Warum das Schokoladenschwein bleibt

Und ganz neu ist der Gedenktag des Glücksschweins, der für den 1. Januar ausgerufen wurde - eher ein „kurioser Feiertag“, der sich noch nicht durchgesetzt hat. Noch viele andere Glückssymbole gibt es, z.B. das Sonnenbrot, ein Gebäck, das einer Sonne ähnelt und dem Beschenkten Sonnenschein und vor allem viel Sonne im Herzen wünscht. Vielerorts werden Neujahrsbrezeln verschenkt. Sie symbolisieren mit ihren Brezelknoten, dass sie helfen werden, das Glück festzuhalten.

So lugen nun aus jedem Geschirrschrank ein paar kleine Schweinchen hervor - Glücksschweine wie wir annehmen dürfen, gewissermaßen Symbole unserer Überzeugung, dass wir auch im kommenden Jahr reichlich zu Essen haben. Da haben die Säue noch mal Schwein gehabt.

Neujahrstisch: Schokoladenschwein, Brezel und Glücksbringer

tags: #schokolade #schwein #herstellung #geschichte

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