Eigenschaften und Besonderheiten des Honigs der Dunklen Europäischen Biene (Apis mellifera mellifera)
In den letzten Jahren hat in Europa und besonders auch in Deutschland die Aufmerksamkeit und das Interesse an Bienen deutlich zugenommen. Viele Menschen engagieren sich für den Erhalt von Lebensräumen für Wildbienen und für die Haltung von Honigbienen. Was vielen dabei nicht bewusst ist: Die meisten Maßnahmen fördern eine Biene, die ursprünglich in Deutschland nicht heimisch war. Die eigentliche heimische Biene, die Dunkle Europäische Honigbiene (Apis mellifera mellifera), wurde in Deutschland ausgerottet.
Ihre Rückkehr und der Versuch, sie erneut als Honigbiene in Deutschland zu etablieren, ist mit zahlreichen Besonderheiten sowie Mythen und spannenden Eigenschaften verbunden - darunter auch die einzigartigen Merkmale ihres Honigs.
Ursprung und Verbreitung der Dunklen Biene
Nach der letzten Eiszeit besiedelte die Dunkle Biene das Gebiet nördlich der Alpen, von den Pyrenäen bis zum Ural. Dabei entstand eine Vielzahl ortstypischer Stämme wie die Heidebiene (A. m. m. lehzeni), die Waldbiene (A. m. m. silvarum) oder die Alpenbiene (A. m. m. nigra). Mit Auswanderern gelangte die Dunkle Biene in sämtliche gemäßigten Zonen der neuen Welt und erreichte um 1850 ihre größte Verbreitung.
Sie war die einzige autochthone Honigbiene im Gebiet nördlich der Alpen und konnte sich über Jahrtausende perfekt an das dort herrschende Klima anpassen.
Historische Entwicklung und Verdrängung
Die Dunkle Biene war über Jahrtausende die Grundlage der Imkerei in Mitteleuropa, zuerst als Waldbiene, später auch als Hausbiene in Klotzbeuten oder Stroh- und Weidenkörben. Bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden jedoch andere Bienenunterarten wie Carnica und Ligustica eingeführt - mit einschneidenden Folgen. Es kam zu einer massiven Hybridisierung und letztlich zur Verdrängung der Dunklen Biene. In Deutschland war sie bis spätestens 1700 in der Wildform ausgerottet, und auch in den Beständen der Imker begann ab circa 1850 ein langsamer Austausch durch fremde Arten.
Lesen Sie auch: Schwarze Magie: Honig als Zutat
Heute gibt es noch kleine, teilweise reine Populationen in Skandinavien, auf den Britischen Inseln, in Frankreich, der Schweiz, in Polen, im Baltikum und in Russland.
Biologie, Erscheinungsbild und Unterschiede
Merkmale und zoologische Einordnung
Die Dunkle Biene ist eine natürlich entstandene Unterart der westlichen Honigbiene (Apis mellifera). In der Zoologie spricht man von einer Unterart, wenn es verschiedene Ausprägungen einer Art gibt, die sich untereinander kreuzen können. Sie hat ihren vollständigen Namen Apis mellifera mellifera, gemäß der wissenschaftlichen Namensgebung.
Morphologische Eigenschaften
- Komplett schwarze Ringe am Hinterleib, schmale Filzbinden
- Gedrungenes Abdomen, größer und breiter als andere Unterarten
- Typischer Wabensitz: Die Bienen bewegen sich relativ schnell, wabenflüchtig
Für Laien sind Unterschiede zu anderen Unterarten oft schwer zu erkennen, insbesondere bei hybriden Beständen. Morphologische Merkmale und genetische Analysen helfen, reine Bestände zu identifizieren.
| Eigenschaft | Dunkle Europäische Biene | Carnica |
|---|---|---|
| Hinterleib | Komplett schwarz | Grau-gelblich |
| Körpergröße | Sehr groß und kräftig | Mittlere Größe |
| Brutverhalten | Brutstop im Winter | Kontinuierliches Brutverhalten |
| Flugaktivität | Bei niedrigen Temperaturen | Erst ab wärmeren Temperaturen |
Eigenschaften des Honigs der Dunklen Biene
Der Honig der Dunklen Europäischen Biene zeichnet sich durch ein breites Spektrum an pollen- und nektarspendenden Pflanzenarten aus. Neuere Untersuchungen zeigen, dass viele einheimische, seltene Pflanzen von der Dunklen Biene bestäubt werden. Ihr Honig trägt somit zur Biodiversität und zur Erhaltung wertvoller regionaler Flora bei.
Die Dunkle Biene ist ein Pollenhamster: Sie sammelt Nektar und Pollen von bis zu 4 km entfernten Quellen und ist besonders fleißig an sogenannten Leppertrachten. Das bedeutet, dass ihr Honig von besonders vielen verschiedenen Blüten stammt und dadurch in Geschmack und Zusammensetzung einzigartig ist.
Lesen Sie auch: Herb-süße Marmelade: Schwarze Johannisbeeren
Ertrag und Qualität
Unsere Schweizer Kollegen sagen sogar, dass die Dunkle Biene in einzelnen Jahren zwar der Kärntner Biene nachsteht, was den Honigertrag angeht. Die Honigleistung wird nicht in den Vordergrund gestellt, sondern die Anpassungsfähigkeit der Biene und die natürliche Verbreitung ihrer Bestäubungsleistung.
Langfristig lässt sich mit der Dunklen Biene ein gutes Mittel an Ertrag erzielen. Die Honigqualität ist meist hervorragend, da sie aus einem breiten Pflanzenspektrum stammt und oft regionaltypisch ist.
| Merkmal | Dunkler Bienenhonig | Honig anderer Unterarten |
|---|---|---|
| Pollenvielfalt | Sehr breit | Oft eingeschränkt (zuchtbedingt) |
| Geschmack | Komplex, naturtypisch | Oft intensiver, manchmal einseitig |
| Ertrag | Langfristig stabil, aber moderat | Hoch, ertragsorientiert |
Temperament, Anpassungsfähigkeit und Besonderheiten
Charakteristische Eigenschaften
- Unerreichte Kälteresistenz und geringer Futterverbrauch
- Langlebigkeit und höhere Widerstandsfähigkeit der Einzelbiene
- Fliegt bereits bei niedrigen Temperaturen
- Schnelle Anpassung des Brutzyklus an jeweilige Trachtverhältnisse
- Geringere Tendenz zum Schwärmen
- Kleinere Volksstärke, daher weniger Futterverbrauch über den Winter
- Verteidigungsbereiter gegenüber Räubern, aber sanfter Charakter
Oft wird gesagt, dass die Dunklen Bienen angriffslustiger seien und gerne stechen. Diese Aussagen können wir so nicht bestätigen. Richtig ist: Die Dunklen Bienen sind vom Charakter her unruhiger auf den Waben (wabenflüchtig) und fliegen schneller auf. Stechlust ist meines Erachtens immer eine Frage äußerer Faktoren.
Die Mellifera ist von allen Unterarten die kräftigste und größte Honigbiene. Schon durch ihre Größe, Kompaktheit und schwarze Farbe sind die Arbeiterinnen der Dunklen Biene besser auf kaltes Klima eingerichtet als jede andere Rasse.
Rolle der Dunklen Biene für den Artenschutz und die Biodiversität
Ein sehr wichtiges Argument für den Erhalt der Dunklen Biene ist der Artenschutz. Das Gegenstück dieser Verarmung heißt Biodiversität. Das bedeutet größtmögliche Artenvielfalt durch Erhalt der Arten in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet. Während es bei anderen Bienenarten durch intensive Züchtung häufig zu einer Verarmung des Genpools kam, trägt die Dunkle Biene das gesamte genetische Potenzial ihres jahrtausendelangen Anpassungsprozesses an verschiedene Umweltbedingungen in sich.
Lesen Sie auch: Rezept für Johannisbeermarmelade mit Banane
Damit kann diese Biene, mit einer Resilienz gegenüber stark schwankenden Umweltbedingungen, eine große Rolle spielen bei der Suche nach den Antworten für zukünftige Herausforderungen in der Imkerei und den ökologischen Kreisläufen.
Einfluss auf Ökosysteme und Bestäubung
Die heimische Pflanzenwelt ist auch auf die Dunkle Biene als ökologisch angepasste Bestäuberin angewiesen. Die Dunkle Biene war mit dem mitteleuropäischen Wald eng verflochten; im Zusammenspiel mit den Ameisen, der Hornisse, den Hummeln und Solitärbienen erfüllte sie eine unersetzliche Rolle in den mitteleuropäischen Ökosystemen. Sie ist damit ein richtiges europäisches Wildtier!
Imkerei mit der Dunklen Biene und Erhaltungsprojekte
Immer mehr interessierte Imker*innen tauschen sich fachlich bei Standschauen über die vom Aussterben bedrohte Dunkle Biene aus. Das Ziel ist, die vorhandenen Restbestände von verschiedenen Herkünften der Mellifera zu vergleichen und für unsere Region eine angepasste Herkunft zu finden.
Diese Völker werden durch künstliche Besamung erhalten und ggf. züchterisch bearbeitet. Heute gibt es wieder zunehmend Bestrebungen, die gefährdete Dunkle Biene in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet anzusiedeln. Insbesondere zeigen Frankreich, die Schweiz, Irland und England sowie Schweden, Österreich und Polen großes Engagement, diese Bienen wieder im Imkeralltag zu integrieren.
Erhaltungsinitiativen und Biodiversitätsprojekte
Im Rahmen der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ wird die Zucht der Dunklen Biene als vorbildliches Projekt eingestuft. Die Förderung des Erhalts der Dunklen Biene ist wichtig für die genetische Vielfalt. Sie ist die ursprüngliche Biene in Deutschland und es ist anzunehmen, dass sie sich an die klimatischen Veränderungen gut anpassen kann.
Im Projekt “Öko-Biene” versuchen Organisationen wie proBiene durch die Weiterentwicklung der Dunklen Biene einen Beitrag zur ökologischen Tierzucht zu leisten. Die Dunkle Biene ist eine Unterart, mit der sich nicht primär maximierte Honigerträge erzielen lassen, aber langfristig ein gutes Mittel an Ertrag erreicht werden kann.
Honig der Dunklen Biene: Geschmack, Nachhaltigkeit und Zukunft
Der Honig der Dunklen Biene ist ein Spiegel ihrer Anpassungsfähigkeit und ihres regionalen Potenzials. Er ist nicht nur ein Produkt der Bienenhaltung, sondern zugleich ein Beitrag zur Erhaltung von Flora und Fauna. Einzelne Imker*innen arbeiten noch (oder wieder) mit ihr und das Interesse wächst - auch angesichts der klimapolitischen Herausforderungen von heute.
Mit ihrem breiten Spektrum an bestäubten Pflanzen und ihrer Robustheit gegenüber Krankheiten, wird die Dunkle Biene als ökologische Alternative zur Hochleistungsimkerei verstanden. Die Verwendung und Verbreitung ihres Honigs sind zugleich ein Statement für Artenschutz und Biodiversität.
Fazit: Wert und Chancen des Honigs
Die Dunkle Biene zählt als Wildtier und historisches Kulturerbe zugleich. Wir unterstützen mit unserer Imkerei den Erhalt dieser alten Nutztierrasse und sorgen für die Verbreitung der Dunklen Bienen. Ihr Honig steht heute für Nachhaltigkeit, Biodiversität und das Bewahren genetischer Vielfalt.
tags: #Eigenschaften #und #Besonderheiten #Honig #der #dunklen


