Schwartau Weihnachtskonfitüre Sorten und Besonderheiten

Am 3. Juli 1899 gründen zwei Brüder in Bad Schwartau eine Fabrik, die zunächst Bohnerwachs herstellt, bald aber feine Konfitüren produziert. Am 3. Juli 1899 gründen die Brüder Paul und Otto Fromm vor den Toren der Hansestadt Lübeck die Chemische Fabrik Schwartau. Paul hat im mecklenburgischen Laage eine Ausbildung zum Apotheker absolviert und ist promovierter Chemiker. Otto ist Kaufmann. Mit sechs Arbeitern produzieren sie zunächst Bohnerwachs und Fußbodenöl für die Ämter, Schulen und Kasernen, die im Kaiserreich überall errichtet werden. Doch die Brüder experimentieren auch mit der Herstellung von Lebensmitteln: Kunsthonig, Pflaumenmus, Preiselbeerkompott, vor allem aber Marmelade und Konfitüre, wie der Historiker Christian Vogt in seiner Firmengechronik aus dem Jahr 2019 schreibt.

In den Jahren der Massenproduktion von Lebensmitteln wurden Beeren und Obst zunächst selten bedacht behandelt, da sie leicht verderben. In Hannover gründete Hermann Bahlsen 1889 eine Keksfabrik, die über 300 Arbeiter beschäftigt und 1905 das erste Fließband in Europa in Betrieb nahm. In Schwartau, das erst ab 1913 Bad Schwartau heißt, waren die Voraussetzungen für die Herstellung von Fruchtaufstrichen unerwartet günstig: Es gab eine eigene Wasserquelle, gute Verkehrswege über Trave und Eisenbahn, und günstigen Rohstoff Zucker aus Rüben.

Historische Karte von Bad Schwartau und Umfeld

1907 gaben die Brüder Fromm das Geschäft mit Bohnerwachs und Fußbodenöl auf und setzten fortan ganz auf die Herstellung von süßem Brotaufstrich. Die Produktion war auf dem neuesten Stand: Eine Hauptdampfmaschine befeuerte die Dampfkessel, über Rohrleitungen, und eine zwischengeschaltete Dynamo-Maschine betrieb Lichtanlagen und Ventilatoren. Zuckermühlen, Zitronenreiben, Honig- und Sirupschmelzen bereiteten die Zutaten vor, bevor große Rührwerke die Massen vermischten. Im Expeditionsraum wurde zuletzt in Eimern abgefüllt, später auch in größeren Holzfässern und Feldkesseln für Mengen bis 500 Kilogramm. Zur Direktbestellung nutzten Kunden modernste Technik, telegrafisch per Codewort aus einem Katalog.

Um das Jahr 1910 wurden weitere Gesellschafter aufgenommen; Kapital in Höhe von 300.000 Mark kam von Kaufleuten aus Lübeck und Hamburg sowie Banken. 1909 wurden zwölf Prozent Dividende gezahlt. Drei Jahre später kam die Schwartauer Fünffrucht-Confitüre auf den Markt, erstmals in einer Dose statt in Eimern, wodurch sie besser zu lagern war. Das Unternehmen wurde 1912 zur Aktiengesellschaft, firmiert jetzt als Schwartauer Honigwerke und Zuckerraffinerie AG.

Historische Abfüllanlagen der Schwartauer Werke

Nach dem Ersten Weltkrieg produzierte die Fabrik Brotaufstrich für Soldaten. Da Zucker knapp blieb, erweiterte die Konzernleitung das Produktportfolio: Bonbons, Pralinen und Marzipan sollten das Angebot diversifyeren. In dieser Zeit entwickelte Alfred Mahlau das bis heute genutzte Logo: die Silhouette der Stadt Lübeck mit den sieben Türmen, sichtbar von Bad Schwartau aus. Nach 1933 wurde Marmelade zum „Volksbrotaufstrich“ erklärt und staatlich subventioniert. Vorstände traten in die NSDAP ein, die NS-Wirtschaftspolitik wurde gelobt, und „nichtarische“ Mitarbeiter ausgegrenzt, wie Christian Vogt in der Firmenchronik berichtet.

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Im Krieg stieg der Umsatz durch große Lieferungen an die Wehrmacht; viele Arbeiter wurden eingezogen, weshalb Zwangsarbeiter aus Polen und der Sowjetunion eingesetzt wurden. In der Nachkriegszeit modernisierte das Unternehmen erneut und entwickelte 1962 die Konfitüre Schwartau Extra, die bis heute in mehr als 20 Geschmacksrichtungen hergestellt wird.

1984 entdeckten die Geschäftsführer auf einer Studienreise durch die USA die Granola-Bar als Snackpotenzial. Seit 2002 gehören die Werke zum Schweizer Lebensmittelhersteller Hero AG, nachdem sie lange Zeit zum Konzern der Familie Oetker zählten. Heute arbeiten fast 1.000 Menschen in dem Unternehmen; jährlich werden rund 80 Millionen Gläser Konfitüre und etwa 760 Millionen Müsliriegel produziert. Die Marke Schwartau Extra kam 1962 auf den Markt, neben Konfitüren gehören heute Müsli-Riegel, Sirupe, Dessertsoßen sowie weitere Brotaufstriche zum Sortiment.

Schwartau versteht sich als Deutschlands führender Hersteller von Konfitüren mit einer engen Verankerung in Bad Schwartau und der Region Schleswig-Holstein. Das Unternehmen betont seine Nachhaltigkeitsbestrebungen, setzt auf regional bezogene Zutaten, reduziert Energie- und Wasserverbrauch und arbeitet an der Abfallminimierung. Seit 2015 wird jährlich ein Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Unter dem Motto Bee careful unterstützt Schwartauer Werke den Schutz von Bestäubern wie Bienen, Schmetterlingen, Hummeln und Käfer.

Nachhaltigkeitsbericht-Illustration

In der jüngeren Geschichte wurde 2017 der Relaunch der Gläser durchgeführt: Blätterprägung, modernisierte Sortenbezeichnungen wie Extra, Hofladen und Gelee nach Hausfrauenart. Gleichzeitig sorgte eine neue Rezeptur bei Schwartau Extra für höheren Zuckergehalt in einigen Sorten: Glukosesirup wurde durch Haushaltszucker ersetzt, der Zuckergehalt stieg; Citronensäure wurde durch Zitronensaftkonzentrat ersetzt. Die Füllmenge blieb meist bei 340 Gramm pro Glas, während andere Markenpackungen reduziert wurden. Diese Veränderungen führten zu Diskussionen über versteckte Preiserhöhungen, da Händler den Verkaufspreis beeinflussen konnten. Die Schwartauer Werke reagierten mit einer ausführlichen Stellungnahme und betonten Transparenz.

Videovorstellung der Nachhaltigkeitsinitiativen

Heute bestehen die Werke aus drei Standorten in Bad Schwartau. Die Produktion umfasst Konfitüren, Fruchtaufstriche, Müsliriegel, Sirupe und Dessertsoßen. Die Schwartau-Gruppe arbeitet international, exportiert in über 50 Länder und bleibt laut Eigendarstellung Marktführer in Deutschland in ihren Kernkategorien. Die Beziehung zur Region bleibt stark, mit Engagement in Bildung, Sport und Kultur. Die Geschichte zeigt eine Entwicklung von einer kleinen Produzentenfamilie zu einem globalen Lebensmittelkonzern, der Tradition, Innovation und Nachhaltigkeit verbindet.

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JahrEreignisAuswirkung
1899Gründung der Chemischen Fabrik SchwartauStart der Marmeladen- und Konfitürenproduktion
1909Dividende 12%finanzielle Stabilität
1912AG-GründungFirmenstruktur modernisiert
1962Schwartau Extra eingeführtlang anhaltende Sortenvielfalt
2002Übernahme durch Hero AGglobale Verbreitung

In der Gegenwart betont Schwartau die Verbindung zur Heimat, die regionale Wirtschaft und das soziale Engagement. Die Produktpalette umfasst neben klassischen Konfitüren auch neue Snack-Formate, nachhaltige Zutaten sowie innovative Verpackungen, um den Ansprüchen moderner Konsumenten gerecht zu werden.

Logo von Schwartau mit sieben Türmen

Schwartau ist somit weit mehr als eine Marmeladenmarke: Es ist ein Traditionsunternehmen mit historischer Tiefe, das sich durch Innovation, Umweltbewusstsein und regionale Verantwortung kennzeichnet.

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