Schwache Biene mit Honig füttern? Die richtige Anleitung zur Rettung erschöpfter Bienen

Immer häufiger finden sich in Gärten und auf Fensterbänken erschöpfte Bienen. Viele Menschen möchten helfen, wissen aber nicht, welche Methode tatsächlich sinnvoll ist. In sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche Tipps, schwache Bienen mit Zuckerwasser oder Honig zu füttern - doch Expertenmeinungen und Studien zeigen, dass dieses Vorgehen Risiken birgt und es bessere Alternativen gibt.

Die Bedeutung der Bienen und ihre Bedrohung

Bienen (Anthophila) sind in unseren Gärten unersetzlich: Knapp 80 % aller Wild- und Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, knapp zwei Drittel der Bestäubungsleistung geht dabei auf Wild- und Honigbienen zurück. Damit sorgen Bienen nicht nur dafür, dass sich Pflanzen vermehren können, sondern tragen wesentlich zum Erhalt der Artenvielfalt bei. Auch Gemüsebeete und Obstbäume profitieren von den kleinen Bestäuberinsekten, denn aus bestäubten Blüten entwickeln sich größere und qualitative hochwertigere Früchte.

Bereits seit Jahren geht die Bienenpopulation auf der ganzen Welt allmählich zurück. In einigen Regionen sterben ganze Bienenvölker - unabhängig davon, ob die Tiere von Imkern gehalten werden oder es sich um Wildbienen handelt. Ein knapper Lebensraum, Monokulturen und Pestizide machen den fleißigen Helfern das Leben schwer.

Bedeutung der Bienen für die Landwirtschaft und Umwelt (Infografik)

Schwache Biene gefunden: Was tun?

Wer eine erschöpfte Biene findet, bekommt oft Mitleid und möchte dem Tier gerne helfen. In sozialen Netzwerken wird daher oft der Rat verbreitet, man solle das kraftlose Insekt mit einem Gemisch aus Wasser und Zucker aufpäppeln. Leider werden Bienen gelegentlich auch mit Honig gefüttert - besonders auf Fensterbänken greift mancher schnell zum Honigglas. Hier ist allerdings Vorsicht geboten.

Honig - keine gute Wahl für Bienen

Honig - insbesondere Importhonig aus dem Supermarkt - kann schnell Krankheiten übertragen und stellt damit eine hohe Risikoquelle für die Biene und ihr Bienenvolk dar. So konnte in rund einem Viertel aller Importhonige aus dem Supermarkt der Erreger der Amerikanischen Faulbrut nachgewiesen werden, welcher ein ganzes Volk eingehen lassen kann. Die Amerikanische Faulbrut (AFB) ist eine Krankheit, die Bienenlarven befällt. Die Bakteriensporen können im Honig enthalten sein. Für Menschen ist sie ungefährlich, für Bienen jedoch tödlich. Die Krankheit ist hochansteckend.

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Vermeide es deshalb, schwache Bienen mit Honig zu füttern und wasche Honiggläser gründlich aus, bevor du sie ins Altglas gibst. Bienen mit Honig zu füttern sollten Sie deshalb tunlichst vermeiden.

Krankheiten und Risiken bei Honigfütterung von Bienen (Schema)

Zuckerwasser als Notlösung - aber Vorsicht!

Alternativ kann man versuchen, der schwachen Biene mit Zuckerwasser zu helfen - allerdings ist diese Methode nur erfolgreich, wenn es sich wirklich allein um Erschöpfung handelt. Kranke Bienen, die von ihrem Stock verstoßen wurden, lassen sich auch mit der Zuckerwasserlösung nicht retten. Sogar Imker setzen zwar systematisch invertiertes Zuckerwasser ein, um dem Bienenvolk beim Überwintern zu helfen, doch als Maßnahme für die Rettung einer einzelnen Biene ist das nur bedingt sinnvoll.

Wer eine entkräftete Biene findet, kann ihr mit Zuckerlösung oder Honig leicht wieder auf die Beine helfen. Doch selbst das Füttern mit Zuckerwasser birgt einige Risiken. Zum einen kann Zuckerwasser Krankheitserreger übertragen oder die Bienen können in der Lösung ertrinken, wenn keine Landeplätze vorhanden sind. Bei bereitgestellten Zuckerlösungen oder einer sogenannten Bienentränke sollte das Wasser daher regelmäßig gewechselt werden.

MaßnahmeEmpfehlungRisiko
Honig fütternNeinKrankheiten, Faulbrut
Zuckerwasser fütternNur im NotfallKrankheiten, Ertrinken ohne Landeplätze
Zurück zum Stock bringenJaOft unmöglich, Standort unbekannt
Richtige Hilfe für schwache Bienen - Was tun bei entkräfteten Bienen?

Die beste Erste Hilfe für eine erschöpfte Biene

  1. Untersuche, ob die Biene nass ist - eventuell einfach in die Sonne setzen, damit sie sich aufwärmt.
  2. Versuche, eine Blume in der Nähe zu finden, z. B. Sommerflieder, Sonnenblumen oder Flockenblumen, und setze die Biene vorsichtig darauf.
  3. Gib der Biene Zeit - die durchschnittliche Ruhezeit beträgt rund 30 Minuten.
  4. Falls die Biene weiterhin lethargisch ist und nicht aufblüht, hilft im Notfall eine kleine Menge Zuckerwasser: Mische zwei Esslöffel weißen Kristallzucker mit einem Esslöffel Wasser und tropfe es vor die Biene oder gib es in eine Bienentränke.
  5. Stelle sicher, dass die Bienentränke ausreichend Landeplätze bietet (Naturmaterialien wie Steine, Moos, Stöcker).
  6. Vermeide Zuckerwasser- und Honig-Lösungen in großen Mengen, damit nicht zu viele Bienen angelockt werden.

Bienen nachhaltig unterstützen: Bienenfreundlicher Garten & Balkon

Bienen kann man ohne viel Aufwand helfen, indem man sich für nektar- und pollenreiche Pflanzen entscheidet. Je mehr, desto besser - je vielfältiger das Angebot verschiedener Pflanzen, desto mehr profitieren die Bienen davon. Besonders Wildbienen kann man mit Pflanzenvielfalt unterstützen, denn viele von ihnen sind stark spezialisiert und können nur ganz bestimmte Pflanzen nutzen. Besonders Wildblumen sind ideal, da sie oft ungefüllte und weit geöffnete Blüten besitzen, durch die die Bienen gut an Pollen und Nektar gelangen.

Bienenfreundliche Pflanzen und Blumen sind reich an Nektar und Pollen und haben eine lange Blütezeit. Auch bienenfreundliche Kräuter sowie spezielle Saatgutmischungen für Wildblumen bieten reichhaltige Nahrungsquellen.

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Bienenfreundliche Pflanzen für Garten und Balkon (Fotocollage)

Neben Nahrung benötigen Bienen wie jedes andere Lebewesen auch ausreichend Wasser. Besonders in heißen Sommern reicht Blütennektar oder Morgentau nicht als Wasserlieferant aus. Da Bienen nicht schwimmen können, sollte eine Bienentränke möglichst flach sein und Landeplätze enthalten.

Mit einer Wildbienen-Nisthilfe kannst du darüber hinaus die Bienenpopulation stärken. Diese kannst du in deinem Garten oder auf dem Balkon aufhängen und Wildbienen somit mehr Lebensraum bieten. Achte bei deiner Nisthilfe darauf, dass das Holz nicht zu rau ist und die Flugbahn stets frei bleibt. Wildbienen brauchen neben Nahrungsangebot auch geeignete Strukturen, um ihren Nachwuchs großzuziehen. Totholz und hohle Stängel werden von einigen Wildbienen gerne als Versteck für den Winter genutzt.

Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung

  • Pflanze bienenfreundliche Blumen (z. B. Wildblumen, Sonnenblumen, Lavendel, Salbei).
  • Nutze Seedbombs oder Saatgutmischungen.
  • Verzichte auf chemische Mittel im Garten, setze auf Bio-Produkte.
  • Stelle eine Bienentränke auf, biete Nistmöglichkeiten.
    • Ein flacher Behälter mit Steinen, Moos oder Stöckern ist optimal.
  • Wähle regionale und Bio-Honige, um nachhaltige Landwirtschaft zu fördern.
  • Engagiere dich durch Bienenpatenschaften oder lokale Initiativen.
Beispiel einer selbstgebauten Bienentränke (Foto, Anleitung)

Warum Zuckerwasser und Honig nur bedingt helfen

Ein Grund für die widersprüchlichen Informationen ist ein viraler Fake-News-Beitrag, der fälschlicherweise David Attenborough zugeschrieben wurde und später entfernt wurde. Zwar machte der Beitrag auf den Rückgang der Bienen aufmerksam, er empfahl jedoch (fälschlich), Zuckerlösungen für die Bienen bereitzustellen.

Anstatt einer einzelnen erschöpften Biene zu helfen, wurden Bienen massenhaft zu solchen Lösungen in Gärten und auf Fensterbänken gelockt. Das ist schlecht für den Stock, denn im Gegensatz zu nährstoffreichem Pollen und Nektar versorgt diese Lösung die Larven nicht ausreichend und kann mit der Zeit auch das Wachstum von Bakterien begünstigen. Außerdem lernen die Bienen, diese Stellen anzufliegen, und lassen die Blüten unbestäubt, wovor auch die RSPB warnt.

Expertentipps und Initiativen für Bienenrettung

Peter Maske, Präsident des Deutschen Imkerbundes, erklärt: „Die Biene ist ein soziales Insekt, das nur in seiner Volksgemeinschaft überleben kann. Eine einzelne kann man nur retten, indem man sie zurück zum Stock bringt. Das ist allerdings schwierig, wenn man nicht weiß, wo die Biene herkommt.“ Daher sollte Zuckerwasser wirklich nur als letzte Hilfe verwendet werden, wenn keine andere Möglichkeit besteht.

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Die im Mai vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gegründete Initiative „Bienen füttern!“ gibt mit Broschüren und der Bienen-App viele Tipps für den persönlichen Beitrag zum Bienenschutz. Auch gemeinnützige Vereine und Organisationen bieten beispielsweise Bienenpatenschaften, Hobby-Imkerei oder Nisthilfen an, um der Bedrohung der Bienen entgegenzuwirken.

Wildbienen und Honigbienen am Insektenhotel (Foto)

Fazit: So hilfst du Bienen wirklich

Die einfachste und gleichzeitig effektivste Methode, um Bienen zu helfen, ist das Anpflanzen von bienenfreundlichen Pflanzen und das Schaffen naturnaher Lebensräume. Ergänzend können Nisthilfen, eine Bienentränke und ein naturnaher, pestizidfreier Garten den Bienen das Überleben sichern. Das direkte Füttern von einzelnen Bienen mit Honig oder Zuckerwasser sollte auf Ausnahmefälle beschränkt werden und stets mit Bedacht und Vorsicht erfolgen.

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