Warum gibt es im Sommer keine Lebkuchen zu kaufen?
Lebkuchen gehören zu den beliebtesten Weihnachtssüßigkeiten in Deutschland, und dennoch finden sie sich im Sommer kaum in den Regalen der Supermärkte. Viele Verbraucher gehen sogar davon aus, dass Lebkuchen immer früher in den Handel kommen, doch das Bild ist komplexer: Trotz der Sehnsucht nach festlichem Gebäck im Hochsommer bleibt das Angebot strikt saisonal. Welche Gründe stecken hinter diesem Phänomen - warum gibt es gerade im Sommer keine Lebkuchen zu kaufen? Um diese Frage zu beantworten, beleuchten wir Produktion, Nachfrage, Tradition, logistische Hintergründe und die Rolle des Handels.
Tradition und Geschichte: Lebkuchen als Weihnachtsgebäck
Der Lebkuchen war ursprünglich überhaupt kein Weihnachtsgebäck, sondern wurde ganzjährig zu besonderen Anlässen gebacken. Heute bestimmt aber eher das Wetter den Lebkuchengenuss und die Nachfrage. Wenn die letzten Sommertage eher kühler sind, bekommen die Menschen schneller Lust auf Lebkuchen. Generell verzeichnen die Händler jedoch die stärksten Umsätze in den Monaten November und Dezember, während das für das Ausland nicht gilt.
Viele Kunden stören sich am aufgezwungenen Weihnachtsfeeling - greifen aber trotzdem zu. Schon im Spätsommer sind in den Supermärkten die Verkaufstische mit Lebkuchen und anderem Weihnachtsgebäck zu sehen. Die einen freuen sich, die anderen fragen sich: Was, jetzt schon? War das letztes Jahr nicht später? Tatsächlich startet immer im Spätsommer der traditionelle Verkaufsstart für das Weihnachtsgebäck. Und warum? Weil wir Kunden darauf warten.
Kritische Stimmen und Nachfrage
Gemäß einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey aus Berlin empfinden 62 Prozent der Deutschen es als störend, wenn bereits im September Lebkuchen in den Supermarktregalen liegen. Das scheint der Nachfrage trotzdem keinen Abbruch zu tun: Laut des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie naschen die Deutschen im Schnitt 1 Kilo Lebkuchen pro Jahr.
Produktion: Wann werden Lebkuchen hergestellt?
Der frühe Start ist auch für die Lebkuchen-Hersteller ganz normal. Dort laufen die Backöfen schon ab Juni auf Hochtouren. Allein im vergangenen Jahr wurden rund 81.000 Tonnen Lebkuchen produziert. Ein gutes Viertel wird ins Ausland verkauft. Deutsche Lebkuchen werden aber auch in Brasilien oder in den USA gegessen. In einigen Nachbarländern ist der Lebkuchen bereits das ganze Jahr über erhältlich.
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Die Lambertz-Gruppe beginnt bereits im Juni mit der Produktion von Printen, Lebkuchen und Stollen. Bis zu 10.000 Paletten verlassen täglich die Produktionslager. Insgesamt werden unter anderem etwa 700 Millionen Dominosteine und 720 Millionen Lebkuchen produziert.
Im Sommer gebacken heißt aber nicht, dass die Weihnachtsleckereien im Dezember weniger frisch sind. Die halten sich in verschlossener Packung meistens sogar länger, als das Mindesthaltbarkeitsdatum angibt.
Handel und Angebotsstrategie
Viele Händler beginnen bereits Ende August mit dem Verkauf von Lebkuchen und Spekulatius, Baumkuchen folgt Anfang September. Marzipan, Pralinen, Weihnachtsmänner und Adventskalender verkaufen die meisten Supermärkte erst ab Oktober.
Der Lebensmittelhändler wäre daher kein guter Kaufmann, wenn er diese Nachfrage nicht bedienen würde. Spritzgebäck oder Lebkuchen werden von zahlreichen Konsumenten bereits in den Herbstmonaten nachgefragt. Die Händler berichten von guten Abverkäufen bereits im September.
Das Angebot schafft sich seine Nachfrage, sagt Handelsexperte Andreas Kaapke von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart (DHBW). Der Handel würde die Produkte nicht verkaufen, wenn es sich nicht lohnen würde.
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Saisonale Staffelung: Wann startet der Verkauf?
Die weit verbreitete Annahme, dass im August die gesamte Palette an Weihnachtssüßigkeiten auf den Markt kommt, ist jedoch falsch. Vielmehr erfolgt der Verkauf solcher Saisonartikel gestaffelt - die Auswahl wird üblicherweise Schritt für Schritt ergänzt. Die ersten Lieferungen des sogenannten „Herbstgebäcks“ wie Spritzgebäck, Lebkuchen und Spekulatius finden in der Regel Ende August statt. Im Einzelhandel entdeckt sie der Kunde dann im September. Weihnachtsmänner, Pralinen und Adventskalender sind ab Oktober zu finden.
| Artikel | Verkaufsstart |
|---|---|
| Lebkuchen, Spekulatius | Ende August / Anfang September |
| Baumkuchen | Anfang September |
| Marzipan, Weihnachtsmänner, Adventskalender | Ab Oktober |
Warum gibt es Lebkuchen nicht das ganze Jahr?
Jahreszeitliche Nachfrage - Angebot und Resonanz
Die Nachfrage sei also schon da, wenn auch nicht so hoch wie im November oder Dezember. Sobald im Oktober oder November das Wetter relativ warm bleibt, ist das für den Absatz nicht förderlich. Gerade bei den höheren Temperaturen gehen natürlich die Abverkaufszahlen ein bisschen zurück.
Tatsächlich: Im August wurden in den vergangenen Jahren kaum Umsätze mit weihnachtlichem Saisongebäck erzielt, im September hingegen stiegen die Umsätze an. Die geäußerte Meinung und das tatsächliche Kaufverhalten klaffen in manchen Bereichen immer mal wieder deutlich auseinander.
Mit dem Ende der Urlaubszeit sei unter den Verbrauchern ein zunehmendes Interesse an den Artikeln zu verzeichnen. Am Anfang sei die Lust besonders groß und nehme dann langsam ab: In den Monaten September und Oktober verkaufe man jeweils deutlich mehr Weihnachtsgebäck als im Dezember.
Lebkuchen im Ausland: Ganzjährige Nachfrage
Ganzjährige Nachfrage nach Lebkuchen aus dem Ausland: In den USA, Osteuropa oder Asien bleibt die Nachfrage beinahe das gesamte Jahr über gleich hoch. Es kann also durchaus vorkommen, dass wir im Juli ein Lebkuchenpaket nach Hawaii schicken.
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Ein gutes Viertel wird ins Ausland verkauft. Die Hälfte der Exporte geht nach Österreich, Polen oder Frankreich.
Warum wird das Angebot künstlich verknappt?
Dass es monatelang keine Lebkuchen gegeben hat, soll ebenso die Nachfrage erhöhen. Supermärkte können mit dem frühen Verkauf saisonaler Süßwaren mehr Gewinn erzielen. Je länger die verführerischen Süßigkeiten erhältlich sind, desto höhere Verkaufszahlen sind theoretisch möglich. Gleichzeitig achten Produzenten und Händler sehr genau darauf, mit Prognosetools die Bestellmenge an Süßwaren wie Schokoladen-Weihnachtsmännern im Voraus zu planen.
Mythos: Werden Weihnachtsmänner zu Osterhasen?
Markus Geiger räumt mit dem Mythos auf: „Dieses Gerücht kommt immer auf, aber das ist ganz klar lebensmittelrechtlich verboten.“ Was passiert dann mit Weihnachtsmännern, wenn Weihnachten vorbei ist? Sollte kurz vor Heiligabend noch etwas übrig sein, dann werden die Süßigkeiten zu einem reduzierten Preis angeboten und anschließend auch an karitative Einrichtungen wie die Tafel gespendet. Denn „die Schokolade schmeckt ja auch nach Weihnachten noch“, sagt Markus Geiger. „Bei uns landen Weihnachtsmänner daher natürlich nicht in der Tonne, nur weil sie nicht mehr der Jahreszeit entsprechen.“
Für alle, die an Ostern dann doch noch einen kleinen Weihnachtsmann im hinteren Teil des Schranks finden, gibt es daher auch noch ein paar Verwertungsideen. Klein gehackt kann der Weihnachtsmann zum Beispiel in eine heiße Schokolade wandern oder dient als Basis für die Glasur eines Schokoladenkuchens oder eines Schokoladenfondues.
Fazit: Lebkuchen im Sommer - ein Angebot, das nicht immer angenommen wird
Es ist eben nur ein Angebot, das man zum aktuellen Zeitpunkt auch ablehnen kann, indem man zu Spritzgebäck, Lebkuchen oder Dominosteinen greift, wenn man meint, dass die Zeit dafür gekommen ist. Das Angebot ist dann, zum Beispiel in der Adventszeit, immer noch groß genug. Viele unserer Kunden freuen sich schon das ganze Jahr über auf Weihnachten und wollen daher nicht nur in der Vorweihnachtszeit Plätzchen essen.
Schmecken Zimtsterne und Lebkuchen im Sommer womöglich besser, wenn sie frisch und kurz nach der Produktion verzehrt werden? Geschmacklich macht es keinerlei Unterschied, ob unsere Produkte im September oder im Dezember erworben werden, antwortet Markenhersteller Bahlsen auf die Frage.
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