Schokoladentester werden: Ein Traumjob mit bittersüßer Realität
Wer träumt nicht davon, für das Naschen von Schokolade bezahlt zu werden? Der Job als Schokoladentester klingt verlockend, doch was steckt wirklich dahinter? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieses süßen Berufs, von den Voraussetzungen bis zur Realität des Arbeitsalltags.
Die Faszination des Schokoladentesters
Der Gedanke, den ganzen Tag Schokolade zu essen und dafür bezahlt zu werden, ist natürlich sehr ansprechend. Immer wieder suchen Unternehmen Schokoladentester, die ihnen ehrliches Feedback zu ihren Produkten geben. So ging vor Kurzem ein Raunen durch die sozialen Netzwerke, als die Firma Mondelēz International, Hersteller von Toblerone und Oreo-Keksen, einen Schokoladen- und Kakaogetränketester suchte. Innerhalb von nur drei Tagen hatten sich in England bereits 1.500 Personen auf die bezahlte Stelle beworben. Auch die Stellenanzeige einer serbischen Pralinenmanufaktur, die einen Schokoladenverkoster suchte, erregte vor einigen Jahren Aufsehen.
Voraussetzungen für den Traumjob
Reicht es als Schokoladentester einfach aus, gerne Schokolade zu essen und problemlos eine ganze Tafel auf einmal verdrücken zu können? Jein. Es kommt ein bisschen auf die Stelle an. Für manche Positionen benötigst Du tatsächlich keine spezielle Ausbildung an der Schoko-Universität, sondern Interesse und Wortfindigkeit sind gefragt. Es reicht schließlich nicht, die Schokolade einfach nur in Dich hinein zu stopfen, Du musst Deinem Arbeitgeber schon auch mitteilen können, warum eine Schokolade besser schmeckt, als eine andere. Dafür sollten Deine Geschmacksnerven also nicht völlig abgestumpft sein. Manche kleineren Chocolaterien suchen auch einfach nur schokoladenbegeisterte freiwillige Tester, die in Schokolade bezahlt werden.
Mondelez zum Beispiel, erwartet neben einer Vorliebe für Schokolade, dass man keine Allergien oder sonstige Unverträglichkeiten hat. Laut Stellenanzeige, wird die Position als Teilzeitstelle angeboten, bei der man zwischen diversen angebotenen Arbeitszeiten wählen kann. Das Unternehmen erwartet neben Ehrlichkeit auch Aufgeschlossenheit dem Team gegenüber, mit dem man über den Geschmack des zu testenden Produkts diskutieren soll. Wichtig sei auch, Fragen und Bedenken gegenüber eines Produktes aufwerfen zu können. Für den End-Konsumenten soll nämlich alles perfekt vorgeschmeckt sein. Um die eigenen Fähigkeiten als Schokoladen-Tester maximieren zu können, wird zusätzlich ein Training für die Geschmacksnerven vom Unternehmen angeboten. Das Training helfe dabei die unterschiedlichen Schokoladen-Aromen genau zu unterscheiden und bewerten zu können. Außerdem sei, laut des Unternehmens, wichtig für diesen leckeren Job: Lust auf die unterschiedlichsten Variationen von Schokolade.
Die wissenschaftliche Seite des Schokoladentestens
Es gibt aber auch wirklich professionelle Lebensmitteltester. Diese sind dann natürlich nicht allein auf Schokolade beschränkt und können sich nicht unbedingt aussuchen, wovon sie sich unzählige Proben auf der Zunge zergehen lassen. Pizza-, Schokoladen- oder Chipstester klingt ja sehr reizvoll, aber Brühpulver- oder Gemüsesafttester ist bestimmt nicht mehr allzu aufregend. Die sogenannte Lebensmittelsensorik, die sich mit dem Geschmack, dem Mundgefühl und dem Geruch befasst, kann Teil eines Studiums der Ernährungswissenschaften, Diätologie oder Oecotrophologie sein. Dafür solltest Du sowohl gute Biologie- sowie Chemiekenntnisse haben, als auch Eindrücke gut sprachlich darstellen können.
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Wissenschaftliche Schokoladentester werden zum Beispiel von der Stiftung Warentest angestellt. Wenn hier zum Beispiel eine Testreihe für Nussschokoladen ansteht, müssen die Sensoriker mindestens eine Tafel am Tag verdrücken - und das über drei Wochen! Zudem müssen sie sich auch noch tagtäglich mit der genauen Beschreibung des Geschmackes der Schokolade auseinandersetzen. Es geht schließlich nicht darum herauszufinden, welche Schokolade den Testern am besten schmeckt, sondern woran sich genau geschmackliche Qualität messen lässt. Dafür muss der Charakter der Schoki ganz genau beschrieben werden. Professionelle Geschmackstester müssen hierfür spezielle Schulungen besuchen, in denen sie das Vokabular der sogenannten sensorischen Sprache erlernen.
Die bittersüße Realität
Irgendwann vergeht einem die Lust auf Schokolade. Das ständige Verdrücken von Schokolade und die detaillierte Auseinandersetzung mit dem Geschmack können dazu führen, dass man irgendwann genug davon hat. Es ist nicht nur ein Genuss, sondern auch harte Arbeit, die den Gaumen fordert.
Ein hartes Bewerbungsverfahren kommt noch dazu: Nach Informationen der „New York Times“ haben sich für eine Stelle als Schokoladentester bereits 4000 Personen ihre Bewerbungen eingereicht. In einem Assessment Center werden die Gaumen täglich 2,5 Stunden auf die Probe gestellt. Drei Tage lang. Bewerber sitzen dabei in kleinen Kabinen, in denen Luftdruck so gesteuert wird, dass Gerüche automatisch aufgesaugt werden und sich der Bewerber nur auf den Geschmack konzentrieren kann. In drei Plastikbechern befinden sich Schokoladenproben und der Bewerber muss erkennen, welche der Proben einem Referenzprodukt am ähnlichsten ist. Die geschmackliche Bewertung der Produkte sollte wissenschaftlich erfolgen. „Schmeckt gut“ gilt als Einschätzung also nicht. Insgesamt 20 dieser Verkostungsrunden müssen Bewerber überstehen.
Gewinnspiele als Chance für Hobby-Tester
Eine andere Möglichkeit, in die Welt des Schokoladentestens einzutauchen, bieten Gewinnspiele. So veranstaltete die Alfred Ritter GmbH & Co. KG im November 2022 ein Gewinnspiel, bei dem Schokoladentester für die neuen Manufaktur-Schokoladen gesucht wurden. Teilnahmeberechtigt waren alle natürlichen Personen mit Wohnsitz in Deutschland, die mindestens 18 Jahre alt waren und die Teilnahmebedingungen akzeptiert hatten. Die Teilnahme erfolgte online über den Ritter Sport Blog, wo eine Umfrage ausgefüllt werden musste. Die Gewinner erhielten ein Testerpaket und wurden gebeten, eine Umfrage zur Manufaktur Schokolade von Ritter Sport zu beantworten.
Die Geschichte des Kakaos
Die Tradition des Kakaos als Genussmittel reicht über zwei Jahrtausende zurück. Es wird vermutet, dass die Früchte des Kakaobaums bereits um 1.500 v. Chr. von den Olmeken genutzt wurden, die am Golf von Mexiko lebten. Um 600 v. Chr. bereiteten die Azteken aus gemahlenem Kakao, mit Chili, Vanille und Honig gewürzt, einen wahrhaften Powerdrink, die „Xocolatl“. Die ersten Kakaobohnen brachte Christoph Kolumbus aus Amerika mit, ohne dass man zu dieser Zeit etwas damit anfangen konnte. 1528 brachte dann Hernán Cortés den Kakao nach Europa. Die Schokolade war aber unverarbeitet ungenießbar.
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