Schweizerdeutsch: Eine umfassende Einführung für Deutsche
Die Schweiz lockt mit vielen Vorzügen: exzellente Infrastruktur, hohe Sicherheit, hervorragende medizinische Versorgung und nicht zuletzt die Sprache. Im deutschsprachigen Teil des Landes kann man sich problemlos auf Deutsch verständigen - zumindest scheint es so. Doch um Missverständnisse und Antipathien zu vermeiden, ist es hilfreich, sich mit einigen Besonderheiten des Schweizerdeutschen auseinanderzusetzen. Dieser Artikel bietet eine umfassende Einführung in die Schweizer Sprache und Kultur, von Fettnäpfchen, die es zu vermeiden gilt, bis hin zu einer kleinen Lektion in "Schweizerhochdeutsch".
Schweizerdeutsch vs. Schweizer Hochdeutsch: Eine erste Unterscheidung
Viele sind verwirrt, wenn sie zum ersten Mal von einem Unterschied zwischen Schweizerdeutsch und Schweizer Hochdeutsch hören. Ältere Leser erinnern sich vielleicht an den Komiker Emil, dessen liebenswerte Schweizer Aussprache die Herzen seiner deutschen Zuschauer eroberte. Er sprach Schweizer Hochdeutsch.
In der Schweiz wird in der Politik, vor Gericht, in Schulen, in Nachrichtensendungen und bei verschiedenen Veranstaltungen üblicherweise Schriftdeutsch gesprochen, was als Schweizer Hochdeutsch bekannt ist. Wie in Deutschland und Österreich hat jede Region in der Schweiz ihren eigenen Dialekt. Wer länger im Land weilt, erkennt schnell, ob der Gesprächspartner aus Bern, Uri oder Basel stammt. Als Tourist kommt man jedoch nur am Rande mit den teilweise schwer verständlichen Dialekten in Berührung. Für die meisten Schweizer ist es selbstverständlich, mit Ausländern Schweizer Hochdeutsch, also Schriftdeutsch, zu sprechen.
Fettnäpfchen vermeiden: Do's and Don'ts für Deutsche
Schweizerdeutsch nachahmen? Lieber nicht!
Wer ein Ferienhaus in einem ruhigen Bergdorf in der Schweiz gewählt hat und hauptsächlich unter Einheimischen verkehrt, muss sich keine Sorgen machen: Niemand erwartet, dass man Schweizerdeutsch spricht! Im Gegenteil: Wenn Deutsche versuchen, Schweizer Dialekte nachzuahmen, wirkt das oft befremdlich und erweckt den Eindruck, man wolle sich über die Gastgeber lustig machen. Es ist ratsam, bei der eigenen Sprache zu bleiben. Wer ausgeprägtes Bayrisch oder Plattdeutsch spricht, sollte es den Schweizern gleichtun und einfach Hochdeutsch sprechen.
Das "li" - Vorsicht bei der Verwendung
Es wirkt unsympathisch und abwertend, wenn an alle möglichen Begriffe ein "li" angehängt wird. Wer glaubt, sich damit gut zu integrieren, irrt. Ein absolutes No-Go ist es, den Schweizer Franken als "Fränkli" zu bezeichnen. Wer länger im Land weilt, bekommt mit der Zeit ein Gespür dafür, wann und wie das "li" verwendet wird.
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Grüezi - Die richtige Aussprache ist entscheidend
"Guten Morgen", "Guten Tag", "Guten Abend" - "Grüezi" geht immer, aber nur, wenn man es aussprechen kann. "Grüüzi" mag gut gemeint sein und vom Anpassungswillen zeugen, klingt für Schweizer Ohren aber seltsam. Am besten übt man die richtige Aussprache mit dem "e" zu Hause oder bleibt beim hochdeutschen Gruß. Auch ein nettes "Hallo" ist immer wieder zu hören.
Höflichkeit siegt: Die richtige Art der Bestellung
"Ich krieg ein Schnitzel mit Pommes" - ojeh, da nützt das freundlichste Gesicht nichts, wenn man eine solche Bestellung im Restaurant aufgibt. Man bekommt sofort den Stempel als arroganter Deutscher aufgedrückt, obwohl man das ganz bestimmt nicht ist. Schweizer kommunizieren sehr höflich. "Bitte" und "Danke" sind Pflicht. Besser so bestellen: "Ich hätte gerne ein Schnitzel mit Pommes bitte" oder "Kann ich bitte ein Schnitzel mit Pommes haben?".
Verabschiedung: Das richtige Wort zum Abschied
"Tschüss" sagt man in der Schweiz nur zu Personen, die man sehr gut kennt und duzt oder zu Kindern. Man kann beim gewohnten "Auf Wiedersehen" bleiben oder sich mit "Ade", "Adieu" oder in geselliger Runde auch mit "Ciao zusammen" verabschieden.
Besserwisserei vermeiden: Grammatik und Co.
Man sollte niemals sein Gegenüber korrigieren, wenn es aus der eigenen Sicht grammatikalische Fehler macht. "Der Radio", "das Mami" oder "der Butter" sind nun mal im Schweizer Hochdeutsch richtige Bezeichnungen, das müssen die Ohren der Urlauber aushalten. Genauso klingt es für Schweizer befremdlich, wenn Deutsche "die Tram" benutzen möchten, abgeleitet von "die Straßenbahn".
Entspannt bleiben: Kommunikation ist der Schlüssel
Findet man dies alles etwas verwirrend oder schwierig? Man sollte sich nicht nervös machen lassen, sondern einfach so reden, wie man es zu Hause auch tut, vielleicht etwas langsamer und verständlicher. Dann klappt das mit der Verständigung zwischen Eidgenosse und Gast.
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Kleine Lektion Schweizerhochdeutsch: Wichtige Begriffe für den Urlaub
Die folgenden Begriffe werden einem wahrscheinlich im Urlaub in der Schweiz begegnen. Einige sind komplett anders als im hochdeutschen Sprachgebrauch, andere werden zwar gleich geschrieben, aber anders ausgesprochen bzw. betont.
- Velo: Möchte man ein Fahrrad mieten, erkundigt man sich nach der Velo-Vermietung. Man fährt, wo vorhanden, auf Velowegen. Und möchte man seine Kinder im Anhänger mitnehmen, benötigt man einen Veloanhänger.
- Bike: Hier geht es gleich nochmal um das Fahrrad. Beabsichtigt man, auf Bergwegen damit unterwegs zu sein, benötigt man ein Mountainbike.
- Trottoir: Auch bekannt als Gehweg oder Gehsteig, aber niemals als Bürgersteig.
- Fondue: Betonen Sie einfach die erste Silbe und sagen Sie nicht Fondüü.
- Zürich: Auch hier sagen Deutsche gerne Züürich, aber es wird nur ein kurzes "ü" gesprochen, die Betonung liegt auf der vorderen Silbe.
- Tram: Die Straßenbahn heißt in der Schweiz, wie bereits erwähnt, Tram. Das Tram.
- WC: Sucht man das stille Örtchen, versteht einen wohl jeder, wenn man nach einer Toilette fragt. Kurz und knapp und typisch Schweizer Hochdeutsch sagt man jedoch WC. Auch der Begriff Abort ist manchmal noch zu hören.
- Lift: Erklärt einem jemand den Weg und sagt, man solle den Lift nehmen, dann ist der Fahrstuhl gemeint.
- Herzig: Heißt nichts anderes als niedlich.
- Jö: Zwei Buchstaben, die vieles ausdrücken können. Jö drückt immer aus, dass einem etwas gefällt, etwas, das auch herzig oder einfach nur schön ist.
Schweizerdeutsch lernen: Tipps und Ressourcen
Man sollte sich im Urlaub in der Schweiz nicht mit der Sprache abmühen. Es ist gar nicht so wichtig, dass man die Schweizer Begriffe sprechen kann und die Betonung korrekt draufhat. Hauptsache, man versteht sein Gegenüber und belehrt es nicht. Wer sich vor seinem Urlaub ein wenig auf die Sprache einstimmen möchte, kann auf YouTube Schweizer Mundart Musik hören. Vielleicht entdeckt man dabei sogar ein neues Lieblingslied. Ein Dauerbrenner ist beispielsweise Polo Hofers "Alpenrose".
Online-Übersetzer und Apps
Für Einsteiger, die schnell Übersetzungen benötigen, stehen kostenlose Online-Übersetzer zur Verfügung, die von "Hallo" über "Danke" bis hin zu ganzen Sätzen wie "Guten Appetit" oder "Ich liebe Dich" viele häufig genutzte Begriffe übersetzen. Besonders praktisch sind Apps, die auch Audio-Unterstützung bieten und mit denen man Schweizerdeutsch hören und sich in die Aussprache einfühlen kann.
Bücher und Kurse
Für alle, die Schweizerdeutsch intensiv lernen wollen, gibt es zahlreiche Apps, Bücher und sogar Online-Kurse. Beliebte Bücher wie das "Schweizerdeutsch Wörterbuch" oder "Schweizerdeutsch in 30 Tagen" bieten umfassende Lektionen und Wortschätze. Online-Plattformen wie Babbel bieten eigene Schweizerdeutsch-Kurse, während PDF-Downloads oft erste Einführungen enthalten. Für fortgeschrittene Lernende stehen PDF-Übungen zur Verfügung, die eine tiefere Einsicht in die Sprache und ihre Grammatik geben.
Die Vielfalt der Schweizerdeutschen Dialekte
Schweizerdeutsch ist im Grunde kein fest definierter Dialekt, sondern eine Sammlung von Mundarten, die in verschiedenen Regionen der Schweiz gesprochen werden. Von Zürich nach Bern zeigt jede Region ihre eigene Färbung und spezielle Begriffe. Dieser Sprachschatz macht die Schweiz kulturell besonders vielfältig und spannend.
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Regionale Unterschiede und "falsche Freunde"
In den schweizerdeutschen Dialekten verbergen sich viele sogenannte "falsche Freunde", die wegen ihrer Ähnlichkeit zu bekannten Ausdrücken meist zu falschen Übersetzungen verleiten. Die Dialekte selbst innerhalb des Berner Dialektraumes unterscheiden sich stark. Selbst dort ist eine Vereinheitlichung kaum möglich, wenn man beispielsweise die Unterschiede zwischen Stadtberner, Emmentaler und Oberländer Dialekten betrachtet. Mit etwas Übung und Erfahrung lassen sich die gehörten Dialekte gut ihrer Herkunftsregion zuordnen.
Ein Beispiel: Die Vogelscheuche
Ein besonders amüsantes Beispiel für die Vielfalt des Schweizerdeutschen ist das Wort für "Vogelscheuche". In der gesamten Deutschschweiz ist das Wort bekannt. Doch vielerorts gibt es für die Vogelscheuche auch noch ganz andere Ausdrücke. Dabei kommt es nicht selten vor, dass gleich mehrere der folgenden Wörter in ein und demselben Ort verwendet werden und gleichzeitig auch noch an vielen anderen Orten der Schweiz.
- Schüüchi
- Schiichi
- Scheuch
- Scheych
- Gescheuch
- Gschüüch
- Gschüücht
- Gschüw
- Gschüwete
- Boot
- Booze
- Boozi
- Boozu
- Butz
- Butzemaa
- Böögg
- Bröögg
- Booggu
- Booggi
- Lööli
- Toggel
- Toggu
- Toggeli
- Töggle
- Töggu
- Haghuuri
- Tunggel
- Tuntscheli
- Geegse
- Gschiwätt
- Schreck
- Schreckwyb
Alle diese Begriffe lassen sich auf Hochdeutsch mit einem einzigen Wort übersetzen: "Vogelscheuche".
Schweizerdeutsch in der Popkultur
In der Popkultur findet Schweizerdeutsch vor allem in der Musik Anklang. Schweizer Rapper und Musiker wie Bligg und die Band "079" von Lo & Leduc haben dazu beigetragen, Schweizerdeutsch auch bei jungen Menschen populär zu machen. Schweizerdeutsche Hörspiele und Kinderlieder sind ebenfalls weit verbreitet und bieten auch Kindern einen leichten Zugang zur Sprache.
Schweizerische Produkte und ihre Herkunft
Beim Einkaufen in einem Supermarkt findet man oft Produkte wie "Schweizer Vollmilch Schokolade" oder "Hafertaler", die mit den Ländern "Schweiz" und "Schweden" sowie mit einer Landesflagge beworben werden. Auf den Verpackungen steht jedoch oft kein Hinweis, woher die Zutaten stammen.
Wenn ein Anbieter prominent mit einem Land wirbt, sollte das Lebensmittel grundsätzlich dort hergestellt worden sein. Falls das nicht der Fall ist, muss der Anbieter den tatsächlichen Herkunftsort des Lebensmittels nennen. Eine Irreführung muss in jedem Fall ausgeschlossen werden.
Seit April 2020 regelt eine Durchführungsverordnung zusätzlich die Angabe des Ursprungslandes der sogenannten primären Zutaten. Das sind Zutaten, die mehr als 50 Prozent des Lebensmittels ausmachen, aber auch solche, die das Lebensmittel charakterisieren oder die besonders hervorgehoben sind. Für diese Zutaten muss der Anbieter nur dann eine Herkunftsangabe machen, wenn sie aus einem anderen Land stammen als aus dem beworbenen.
Bei der Vollmilchschokolade sind die Primärzutaten beispielsweise die Milch und der Kakao. Da der Anbieter die Schweiz prominent bewirbt und damit vermittelt, dass die Schokolade aus der Schweiz stammt, muss er die Herkunft der Milch und/oder des Kakaos angeben, wenn diese Zutaten nicht aus der Schweiz stammen. Bei den Hafertalern ist der Hafer eine primäre Zutat, gegebenenfalls noch eine weitere Getreideart, wenn diese mehr als 50 Prozent der Zutaten ausmacht oder besonders hervorgehoben wird. Da Schweden beworben wird, müsste der Anbieter nur dann eine Angabe zur Herkunft des Hafers machen, wenn dieser nicht aus Schweden stammt.
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