Schoko Bons Würmer: Was steckt wirklich drin?
In den letzten Jahren hat die Europäische Union (EU) die Verwendung von Insekten in Lebensmitteln zunehmend zugelassen. Dies hat zu einer breiten öffentlichen Diskussion geführt, insbesondere im Zusammenhang mit beliebten Süßigkeiten wie Schoko-Bons. Aber was steckt wirklich in Schoko-Bons und anderen Lebensmitteln, und welche Rolle spielen Insekten dabei?
Insekten als alternative Proteinquelle
Insekten gelten als eine vielversprechende alternative Proteinquelle zu Fleisch und Fisch. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat bereits mehrere Insekten als neuartige Lebensmittel zugelassen, und weitere Anträge auf Marktzulassung liegen vor. Diese Insekten dürfen in einer Vielzahl von Produkten verwendet werden, darunter Brot, Nudeln und Chips, wobei eine entsprechende Kennzeichnung erforderlich ist.
Insekten in Lebensmitteln: Eine lange Tradition
Tatsächlich werden Insekten schon seit geraumer Zeit in Lebensmitteln verarbeitet. Mehlwürmer und Heuschrecken sind seit etwa anderthalb Jahren zugelassen, während bestimmte Lausarten sogar noch länger verwendet werden. Sie werden auf verschiedene Arten eingesetzt, beispielsweise als Snack im Ganzen (frittierte, gewürzte Heuschrecken), in Schokolade oder Honig, gemahlen als Insektenmehl oder als Proteinriegel und -pulver für Sportler.
Schoko-Bons und Insekten: Die Wahrheit
Immer wieder tauchen Behauptungen auf, dass auch in Kinder-Schoko-Bons Insekten enthalten seien. Diese Aussage ist nicht ganz falsch. Bis vor kurzem enthielten Schoko-Bons tatsächlich eine Zutat, die von Insekten stammte: Schellack.
Was ist Schellack?
Schellack ist ein harzartiges Sekret der Gummilackschildlaus. Aufgrund seiner Eigenschaften eignet es sich hervorragend als Überzug für Nüsse, Bohnen und Schokolade. Es verleiht den Produkten einen glänzenden Überzug. Schellack ist auch in anderen Produkten wie Kaugummis ("Pure White" von Mentos) und Schokolinsen ("Bunte Kakaolinsen" von Milka) enthalten.
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Ferrero verzichtet auf Schellack
Im Jahr 2023 gab Ferrero Deutschland bekannt, dass die Rezeptur der Kinder-Schoko-Bons geändert wurde und Schellack nicht mehr enthalten ist. Das Unternehmen versicherte, dass sich das einzigartige Geschmackserlebnis der Schoko-Bons nicht ändern werde. Die Schoko-Bons mit der neuen Rezeptur sind bereits im Handel erhältlich.
Welche Insekten sind in der EU als Lebensmittel zugelassen?
Die Bundesregierung listet auf ihrer Homepage folgende Insekten auf, die in der EU als Lebensmittel zugelassen sind:
- Juni 2021: Getrocknete Larven des Mehlkäfers (Tenebrio molitor)
- November 2021: Gefrorene, getrocknete oder pulverförmige Wanderheuschrecke (Locusta migratoria)
- Februar 2022/Januar 2023: Gefrorene, getrocknete oder pulverförmige Hausgrille (Acheta domesticus), teilweise entfettetes Pulver
- Januar 2023: Gefrorener, pastenartiger, getrockneter oder pulverisierter Buffalowurm/Getreideschimmelkäfer (Alphitobius diaperinus)
Wie erkennen Veganer Produkte mit Insekten?
Wer Lebensmittel mit tierischen Bestandteilen von Insekten vermeiden möchte, sollte die Zutatenlisten und E-Kennzeichnungen genau prüfen. E 904 steht für Schellack, während E 120 für Karmin steht, einen roten Farbstoff, der aus Scharlachschildläusen gewonnen wird.
Weitere Insekten in Lebensmitteln
Neben Schellack und Karmin gibt es weitere Beispiele für Insekten und ihre Bestandteile, die in Lebensmitteln verwendet werden:
- Karmin (E 120): Dieser rote Farbstoff wird aus Scharlachschildläusen gewonnen und findet sich in Süßigkeiten wie M&Ms und Trolli Saure Glühwürmchen.
- Honigtau: Waldhonig basiert auf Honigtau, den Bienen sammeln und zu Honig verarbeiten. Honigtau ist eine zuckerhaltige Ausscheidung von Blattläusen, Blattflöhen und Zikaden.
Neue EU-Regelungen und ihre Auswirkungen
Die neuen EU-Regelungen erlauben es Herstellern, weitere Insekten als Zutat für Lebensmittel zu verwenden, auch in größeren Mengen. Dies hat zu Kontroversen geführt, da einige Verbraucher Bedenken hinsichtlich des Geschmacks, der Esskultur und des Tierschutzes haben.
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Kennzeichnungspflicht
Die Kennzeichnung von Lebensmitteln, die Insekten enthalten, ist ein wichtiger Aspekt der neuen EU-Regelungen. Hersteller müssen die Insekten in der Zutatenliste auf Deutsch und Lateinisch bezeichnen. Es gibt jedoch kein gesondertes, gut erkennbares Zeichen auf der Verpackung, das auf den Insektengehalt hinweist.
Bedenken hinsichtlich des Tierschutzes
Der WWF betont zwar, dass die Ökobilanz von Insekten deutlich besser ist als die von Rind, Schwein und Huhn, aber es handelt sich auch bei Insekten in Lebensmitteln um Tiere, die für den Verzehr gezüchtet werden. In Deutschland gibt es noch keine Vorschriften für die Haltungsbedingungen, den Einsatz von Arzneimitteln und die Tötung von Insekten.
Die Zukunft von Insekten in Lebensmitteln
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Verwendung von Insekten in Lebensmitteln in Zukunft entwickeln wird. Während einige Verbraucher offen für den Verzehr von Insekten sind, stehen andere dem skeptisch gegenüber. Die Kennzeichnung, der Geschmack und die ethischen Aspekte werden eine entscheidende Rolle bei der Akzeptanz von Insekten als Lebensmittel spielen.
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